miniatur|Insignien der Freimaurer: Schurz, Beamtenabzeichen „Altstuhlmeister“ und Bijou Die gesamte Lehre der Freimaurerei gliedert sich großlogenübergreifend in drei Grade (blaue Johannisfreimaurerei). In ihrer Symbolsprache sprechen die Freimaurer vom Bau des Tempels der Humanität und in allen Graden im Anschluss an die Arbeitssymbolik der Freimaurerei vom „Bearbeiten“ der entsprechenden Rituale der jeweiligen Grade.
Darauf aufbauend werden von einer Minderheit der Freimaurer verschiedene so genannte Seiten- oder Hochgradsysteme bearbeitet. Da die dabei rituell verwendeten Kleidungsbestandteile und die farbliche Gestaltung der Versammlungsorte jeweils eine andere Arbeitsfarbe haben, werden sie auch als weiße, grüne, schwarze und rote Grade bezeichnet. Allen Hochgradsystemen gemeinsame Voraussetzung für die Aufnahme ist der Meistergrad in der Johannisfreimaurerei.
Blaue Johannisfreimaurerei Die drei Grade der blauen Freimaurerei heißen Lehrling, Geselle und Meister. Ihr Zweck ist es, sich einer moralisch-geistigen Selbstfindung zu unterziehen und kontinuierlich an sich zu arbeiten. Zentrum der symbolischen Arbeiten ist die so genannte Tempelarbeit.
Die symbolischen, der handwerklichen Tradition entlehnten Grade versinnbildlichen die innere Entwicklung, die ein Freimaurer im Laufe seines Lebens durchläuft. Von Grad zu Grad findet dabei eine zunehmende Initiation durch verschiedene Legenden und Symbolhandlungen statt, mit der ethische Werte erfahrbar werden. Bei der ersten Initiation, der Aufnahme in den Lehrlingsgrad, erhält der Initiierte den Auftrag „Erkenne Dich selbst“, was der lebenslangen Aufgabe entspricht, die eigenen Motive zu erkennen und zu hinterfragen. Der Übergang in die nächsten Stufen soll jeweils einen Grad der persönlichen Vervollkommnung darstellen, eine Hierarchie besteht nicht. Das Symbol für die Begegnung auf einer Ebene zwischen unterschiedlichen Graden ist die historische Setzwaage.
Lehrling mini|Initiation eines SuchendenStich, Ende 18. Jahrhundert Der Lehrlingsgrad beschäftigt sich zentral mit Selbsterkenntnis und geht dabei der Frage nach, wie aus dem symbolischen unvollkommenen „rauen Stein“ ein behauener Stein werden kann. Ein Freimaurer im ersten Grad lernt sich seiner Schwächen bewusst zu werden und dass er folglich der Hilfe seiner Mitmenschen bedarf. Hilfsbereit geht er im Gegenzug denjenigen zur Hand, die wiederum seine Hilfe benötigen. Wird er belehrt, so ist es seine Aufgabe, dies stets zu hinterfragen, um den Sinn dahinter zu verstehen, statt kritiklos möglicherweise falsche oder falsch verstandene Handlungsanweisungen zu übernehmen, die nachher großen Schaden anrichten könnten.
In der christlichen Maurerei ist dieser Grad ebenfalls mit einem nach innen gerichteten Blick angelegt. Die Erkenntnis der eigenen „Gotteskindschaft“, die Bewusstwerdung des göttlichen Funkens in jedem Menschen, steht im Mittelpunkt. Dabei kommen Elemente der christlichen Mystik, wie sie von Meister Eckhart vertreten wurden, zum Tragen. Motto des Grades ist „Schau in Dich“. Diese transzendente Erkenntnis wird in der Symbolik mit handwerklichen Begriffen vermittelt. Als Handwerkslehrling muss man die Materialien und Werkzeuge kennenlernen, mit denen man später arbeiten soll.
Zur Vermittlung der Inhalte dient ein rituelles Rollenspiel. In einem festgelegten und immer gleichen Wechselgespräch zwischen dem Meister vom Stuhl und seinen Beamten werden Symbole und Allegorien im Kontext einer fiktiven Dombauhütte präsentiert. Die Brüder sollen diese Symbole auf sich, auf ihr Inneres, wirken lassen. So soll eine charakterliche bzw. seelische Entwicklung angeregt werden.
Geselle mini|Gesellen-BeförderungKupferstich von etwa 1830/ 35 Der Gesellengrad dient der Schulung von Geduld und der Reflexion des eigenen Sozialverhaltens. Der Geselle geht dabei auf Reisen, das heißt, er besucht andere Logen in der Umgebung oder wo immer es ihn privat oder beruflich hin verschlägt und lernt neue Dinge und Aspekte und ihre Vergänglichkeit kennen, die Erinnerungen bleiben. Zu diesem Grad gehört in verschiedenen Freimaurersystemen die intensive Beschäftigung mit den Sieben freien Künsten der Antike. Er unterstützt mit seinen neu erworbenen Fähigkeiten seine Mitmenschen und so fügt sich der nun behauene Stein langsam in das gemeinsame symbolische Bauwerk der Humanität ein.
Neben der handwerklichen Tradition ist in der christlichen Freimaurerei die Wirkung von Aktion und Reaktion bedeutend. Das Motto des Grades lautet „Schau um Dich“. Alle Menschen, die ganze Natur ist eng miteinander verknüpft. Keine Handlung steht für sich, so dass die hohe Verantwortung, die dem Menschen im christlichen Sinne mitgegeben wurde, sich auf alle Aspekte der Existenz ausweitet. Jede Handlung hat Konsequenz, daher sollte jeder Entschluss, jede Handlung möglichst qualitativ hochwertig und auf das Wohl aller ausgerichtet sein.
Meister mini|Meister-Erhebung eines GesellenStich, Ende 18. Jahrhundert mini|Urkunde über die Erlangung des Meistergrades aus dem Jahr 1876
Der Meistergrad schließlich betont die eigene Vergänglichkeit und vergegenwärtigt die zuweilen schwierige, aber wichtige Aufgabe, die erworbenen Erfahrungen an diejenigen weiterzugeben, die die Arbeit fortführen sollen. Dieser Arbeit gibt der Meister Struktur, indem er seine Mitmenschen dabei unterstützt, ihren eigenen Platz im gemeinsamen Gebäude entsprechend ihrer individuellen Stärken zu finden. Die Szenerie des Rituals wird von der fiktiven Dombauhütte weg zur (in dieser Form ebenfalls fiktiven) Baustelle des Tempels Salomos verlegt. Der Tempel Salomos steht ideell für den „Tempelbau der Menschheit“ und hat nur in der christlichen Freimaurerei tatsächlich etwas mit dem biblischen Gebäude zu tun.
In der christlichen Maurerei gilt hier das Motto „Schau über Dich“. Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit führt zwangsläufig zur Beschäftigung mit dem Danach. Die christliche Maurerei vermittelt hier keine eigene Theologie, sondern richtet nur den Blick auf das Göttliche und lässt die Ausgestaltung den Kirchen. Dabei wird in der Symbolik das Ende des Weltlichen sehr drastisch dargestellt. Diese Todessymbolik wurde insbesondere durch die Nazi-Propaganda ausgenutzt, indem Tempel in kleine Horrorkabinette mit Skeletten, Totenköpfen und Särgen verwandelt und ausgestellt wurden. Viele abstruse Gerüchte über die Freimaurerei basieren auf diesem verzerrten Wissen.
Hochgrade Die Grade 1 bis 3: Lehrling, Geselle und Meister werden als blaue (siehe oben), die Grade darüber als rote Hochgrade oder Schottische Grade oder auch als Erkenntnis- oder Vervollkommnungsstufen bezeichnet. Es gibt Lehrarten wie die Schröder’sche, welche die Freimaurerei in drei Graden als vollständig und abgeschlossen betrachten. Sie messen sogenannten Hochgraden lediglich einen historischen Wert bei.
Je nach dem Grundthema dieser Hochgrade und abhängig vom Hochgradsystem werden die Versammlungen Perfektionslogen, Andreaslogen, Schottenlogen, Kapitel, Konzile, Räte, Areopage, Innere Oriente, Konsistorien oder Präzeptoreien genannt. Die Aufzählung ist nicht abschließend, sondern umfasst nur einige Benennungen aus den verbreitetsten Hochgradsystemen.
In erklärenden Darstellungen werden die Grade der Freimaurerei oft pyramidenförmig übereinander mit den blauen Graden als breite Basis dargestellt. Das vermittelt den Eindruck eines elitären Kastensystems mit nach oben hin immer kleiner werdenden Gruppen, die einen, zumindest spirituellen, Führungsanspruch über die darunter haben. Dieser Eindruck wird verstärkt durch den Umstand, dass man für den Zugang zu einem Hochgradsystem in den meisten Logen „ausgewählt“ werden muss, sich also nicht als Interessent selbst bewerben könnte (im Gegensatz zur „blauen“ Maurerei). Die Kriterien einer solchen „Auslese“ sind intransparent, wie auch die vermittelten Werte durch den Schirm der Verschwiegenheit unerkennbar bleiben. Formal lässt sich daraus allein jedoch keine Weisungsbefugnis der „höheren“ Grade ableiten. So sind die blauen Grade fast überall auf der Welt organisatorisch von den Hochgraden getrennt und bilden eigenständige Logen. Innerhalb der Hochgrade hat theoretisch jeder Freimaurer die Möglichkeit, in die nächsthöhere Stufe aufzusteigen. Nur die sogenannten „Verwaltungsgrade“ bilden da eine Ausnahme, da sie für die in den Vorstand gewählten Brüder vorbehalten sind. Das Thema Verschwiegenheit spielt in den Hochgradsystemen eine bedeutend stärkere Rolle. Während sich die blaue Freimaurerei auch als Freundschaftsbund und Ort der freien Rede versteht, ist die Übung der Hochgradlogen stark abgeschirmt und formal sehr ritualbezogen.
Diejenigen, die Hochgrade bearbeiten, durchlaufen in der Regel mehrere Grade der Reihe nach. So hat der Alte und Angenommene Schottische Ritus (A.A.S.R.) je nach Land vier bis sechs Grade, die mit einem rituellen Erlebnis bearbeitet werden können, während der York-Ritus keine durchstrukturierte hierarchische Anordnung kennt. Die genaue Unterteilung der Grade hängt dabei vom jeweiligen Ritus ab. In der Öffentlichkeit sind Hochgrade immer wieder Anlass für Verschwörungstheorien.
In Deutschland verbreitet sind, geordnet in der Reihenfolge ihres historischen Auftretens, vor allem die Erkenntnisstufen der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, das Schwedische Lehrsystem der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, die Erkenntnisstufen der Großen Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft, der Alte und Angenommene Schottische Ritus (A.A.S.R.) und der York-Ritus.
Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ – weiterführende Erkenntnisstufen
Die weiterführenden Erkenntnisstufen stellen – wie das „Schwedische Lehrsystem“ – eine von der humanitären Freimaurerei abweichende christliche Richtung der Freimaurerei dar, die sich etwa ab 1742 in Preußen herausgebildet hat. Sie enthalten ein geschlossenes System mit insgesamt sieben Graden.
Aufbau
Die den drei Johannisgraden (s. oben) folgenden weiterführenden Erkenntnisstufen werden in zwei Abteilungen, der Allgemeinen Altschottischen Loge und dem Inneren Orient, bearbeitet. Die Schottenlogen werden von einem Altschottischen Obermeister geleitet. Die Allgemeine Altschottische Loge untersteht dem Altschottischen Direktorium, das personengleich mit dem Bundesdirektorium ist. Die Inneren Oriente dagegen werden vom Höchsten Inneren Orient geleitet, der wiederum personengleich mit dem Bundesdirektorium ist.
Bearbeitete Grade Zugrunde liegen die drei Grade Lehrling (1°), Geselle (2°) und Meister (3°) der Johannisloge.
Allgemeine Altschottische LogeAltschottischer Meister (IV°) Innerer OrientAuserwählter Bruder (V°) – Geweihter des Inneren Tempels (VI°) – Vertrauter der Vollendung (VII°)
Inhalte
In der Schottenloge werden die drei tragenden Säulen der Johannisloge durch die Säule der Religion, d. h. der Gottes- und Menschenliebe ergänzt. Die Erkenntnisstufe des Auserwählten Bruders als Eingang in den Inneren Orient vermittelt, dass nicht äußerer weltlicher Glanz den Wert des Ethischen bestimmt. Der Geweihte des Tempels vernimmt die Geschichte des Templerordens mit der Lehre, dass Streben nach Glanz, Macht, Reichtum und äußerem Schein zum Untergang führt, hochmütiger Wissensdünkel und schwindende Scheu vor dem Heiligen sei jedoch auf mystische Weise – exemplifiziert an der freimaurerischen Geschichte der Rosenkreuzer – zu überwinden.
Die abschließende Erkenntnisstufe des Vertrauten der Vollendung zeigt, dass es wahre Vollendung zwar erst jenseits des Todes geben wird, aber „Vertrauter der Vollendung“ genannt werden darf, wem das Streben nach der Vervollkommnung zur zweiten Natur geworden ist. Der Vertraute der Vollendung legt wieder den Lehrlingsschurz an, da ihm die Erkenntnis zuteilgeworden ist, dass er immer nur Lehrling bleibt, nämlich als Lehrling des Stifters der reinsten Religion.