Regnum AlbaniaeMbretëria e Arbërisë1272–1368 100px Wappen von Karl I. von 1246 bis 1277 Navigation Fürstentum von Arbër ↔ Fürstentum Albanien Hauptstadt Durazzo (Dyrrachium, heute Durrës) Dependenz Königreich Sizilien (1272–1302)Festland-Sizilien (1302–1368) StaatsformKönigreich Religion katholisch, orthodox StaatsoberhauptKönigKarl I. (1272–1285)Karl II. (1285–1294)FürstPhilipp I. von Tarent (1294–1331)Robert von Tarent (1332–1333)HerrKarl Thopia (1361–1388)Georg Thopia (1388–1392)Historische ÄraMittelalter Staatsgründung1272 Auflösung1368 Karte 340pxDie maximale Ausdehnung des Regnum Albaniae Das Regnum Albaniae (lateinisch für Königreich Albanien; albanisch Mbretëria e Arbërisë) wurde von Karl von Anjou im Jahr 1272 de jure in den albanischen Gebieten zwischen Korfu und Durazzo (Dyrrachium, heute Durrës) gegründetEtleva Lala, S. 12 und sollte bis 1368 in angiovinischem Besitz bleiben.
Geschichte Hintergrund mini|hochkant=1.1|links|Das Königreich Sizilien um 1154 Das Gebiet des heutigen Albanien bildete im Mittelalter nie eine politische Einheit. Der Staufer Manfred, von 1258 bis 1266 König von Sizilien, nahm die antibyzantinische Politik der Normannenherrscher wieder auf, fiel 1258 in Epirus ein und besetzte Korfu und einige Küstenorte (Dyrrachium, Valona, Kanina, Buthroton). Michael II. Komnenos Dukas Angelos, Despot von Epirus, gelang es jedoch, Manfred zu einem Bündnis zu bewegen, indem er ihm seine Tochter Helena zur Frau gab und als Mitgift das gab, was Manfred ohnehin schon erobert hatte. Die Stauferherrschaft in Albanien sollte allerdings von kurzer Dauer sein.
Im August 1261 war das Lateinische Kaiserreich von Konstantinopel von den Byzantinern zurückerobert worden. Papst Urban IV. bemühte sich daraufhin erfolglos, einen Kreuzzug zur Wiedererrichtung des Reiches anzustoßen. In Süditalien befand er sich in einem Machtkampf gegen den Stauferkönig, Manfred, der die Lehnshoheit des Papstes nicht anerkannte, und so suchte der Papst in den Königshäusern Europas nach Unterstützung, denn jeder zukünftige Kreuzzug konnte nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn Sizilien von einem der Sache wohlgesinnten König regiert würde.
Am 23. Mai 1265 zog der Günstling des Papsttums Karl von Anjou, Bruder des französischen Königs Ludwig IX., als Senator in Rom ein. Am 28. Juni 1265 wurde Karl von Papst Clemens IV. mit Sizilien und den belehnt, mit der Aufgabe, das Land für den Papst zu erobern und die letzten Repräsentanten der Stauferdynastie (Manfred und Konradin) auszulöschen. Am 6. oder 10. Januar 1266 folgte die Krönung Karls zum König von Sizilien in der Peterskirche von Rom.Joseph F. Damberger, S. 890
Schlacht bei Benevent Karl drang in das Königreich ein, besiegte und tötete Manfred am 26. Februar 1266 in der Schlacht bei Benevent. Helena, die Witwe Manfreds, ließ er einkerkern. Auf diese Weise sicherte sich Karl die Herrschaft über Süditalien und Sizilien, beanspruchte das Erbe Manfreds (Korfu und die Küstenorte Dyrrachium, Valona, Kanina, Buthroton) und sprach schon von seinem Regnum Albaniae, das ihm als Brückenkopf dienen sollte, um das lateinische Kaiserreich von Konstantinopel wiederzuerrichten und sich selber dabei die Herrschaft über den ganzen südlichen Teil der Balkanhalbinsel mit Griechenland zu sichern.
Abkommen von Viterbo Abkommen mit Wilhelm II. von Villehardouin mini|hochkant=1.8|Lateinisches Kaiserreich von Konstantinopel und die Teilung des Byzantinischen Reiches nach dem 4. Kreuzzug, um 1204 mit ungefähren Angaben der Grenzen Im Einvernehmen mit Papst Clemens IV. schloss Karl von Anjou in der Residenz des Papstes in Viterbo am 24. Mai 1267 nach längeren Diskussionen ein erstes Abkommen (Abkommen von Viterbo) mit Wilhelm II. von Villehardouin, dem Fürsten von Achaia (Morea). Wilhelm II., dessen Kräfte durch die Kämpfe mit den byzantinischen Truppen erschöpft waren und der sich durch den Hass der griechischen Bevölkerung bedroht sah, erkannte für das Hilfsversprechen Karls den mächtigen französischen Herrscher und Nachbarn als Oberherrn an und verlobte seine Erbtochter Isabelle mit Philipp von Anjou, Sohn von Karls. Außerdem sollte bei seinem Tod Achaia an den Gemahlen Isabelles fallen oder, falls dieser vor ihm sterben sollte, an Karl oder seine Erben (Isabelle heiratete dann auch schon am 28. Mai 1271 in Trani in Apulien. Philipp von Anjou, der bereits 1277 vor seinem Vater starb). Statt wirksame Hilfe von Karl zu erhalten, sollte Wilhelm II. noch Kräfte für Karl nach Italien abzweigen, wo er am 23. August 1268 die Truppen Karls in der Schlacht von Tagliacozzo gegen den letzten Staufer, Konradin, befehligte. Als Gegenleistung erhielt er ein Hilfsversprechen. Die angevinischen Register beweisen die enormen Anstrengungen, die Karl unternahm, um das Versprechen zu erfüllen.
Abkommen mit Balduin II. von Courtenay mini|hochkant=0.8|Statue von Karl von Anjou an der Fassade des Königspalastes von Neapel Drei Tage später, am 27. Mai, kam es zum zweiten Abkommen von Viterbo im Einvernehmen und Beisein von Papst Clemens IV., indem Karl von Anjou mit dem aus Konstantinopel vertriebenen lateinischen Kaiser Balduin II. von Courtenay ein Freundschaftsbündnis und ein Abkommen über die Teilung des zu erobernden Lateinischen Kaiserreiches schloss. Die Vereinbarung sah vor, dass Karl auf seine Kosten Balduin innerhalb von sechs Jahren 2000 Kavalleristen schicken sollte, um Konstantinopel zurückzuerobern und anschließend das Reich zu verteidigen.Jean Dunbabin, S. 89 f. Im Gegenzug sollte er ein Drittel des eroberten Landes auf dem Balkan und das Recht auf die Thronfolge von Konstantinopel erhalten, im Falle die Erbfolge des Courtenay fehlen sollte. Zu guter Letzt erhielt Karl die Mitgift Helenas, die Ländereien zwischen Korfu und Dyrrachium, was er als legitimen Rechtsanspruch ansah.Jean Dunbabin, S. 90 In Korfu ließ Karl sofort einen Beamten einsetzen. Um das Festland zu erhalten, brauchte es allerdings Glück und Geschick.
Seine Tochter Beatrix (* um 1252; † 1275) wurde mit Philipp (* 1240/41; † 15. oder 25. Dezember 1283), dem einzigen Erben Balduins verlobt. Die Hochzeit sollte am 15. Oktober 1273 in Foggia stattfinden.
Nach dem Tod Balduins 1273/1274 wurde das Abkommen von Viterbo am 4. November 1274 in Foggia zwischen Karl und seinem Schwiegersohn Philipp bestätigt.
Schlacht bei Tagliacozzo Am 23. August 1268 siegte Karl mit Hilfe von Wilhelm II. von Villehardouin, der mit 400 moreotischen Rittern die Truppen Karls in der Schlacht bei Tagliacozzo gegen den blutjungen Konradin befehligte. Konradins Heer wurde geschlagen, er selbst fiel auf der Flucht in die Hände des Anjou, der ihn und seine engsten Vertrauten nach einem politischen Schauprozess zum Tode verurteilen und auf dem Marktplatz von Neapel enthaupten ließ.Günter Prinzing, S. 415 Karl von Anjou nahm die antibyzantinische Politik der Normannenherrscher und des Staufers Manfred wieder auf, die versucht hatten, Albanien zur Ausgangsbasis von Expeditionen gegen Byzanz zu machen.
Bildung des Königreichs mini|hochkant=1.5|William R. Shepherd: Südosteuropa um 1265 Nachdem König Manfred in der Schlacht bei Benevent (1266) gegen Karl I. von Anjou gefallen und seine Witwe Helena gefangen genommen worden war, flüchtete dessen Großadmiral und Verwalter der Güter von Helenas Mitgift, Philipp Chinard (* um 1205; † 1266), der auf Korfu geblieben war, zu Karls Schwiegervater Michael II. Komnenos Dukas Angelos, Despot von Epirus, da ihm klar war, dass er sich als Manfreds Anhänger nur auf seine eigene Kräfte verlassen konnte und den Verlust seiner Lehen (Korfu, Buthroton, Kanina, Valona, Dyrrachium) fürchtete. Diese Furcht führte ihn dazu, eine Allianz mit dem Despoten von Epirus zu suchen, der ihm seine Schwägerin Maria Petralipha als Braut gab, Helenas Mitgift übergab und ihn aber kurz darauf – vor dem 1. Oktober 1266 – ermorden ließ. Der Kreuzritter Garnier l’Aleman (Vikar von Philipp Chinard), der nach der Ermordung von Philipp Chinard die Verwaltung von Korfu übernommen hatte, verteidigte das Erbteil der gefangenen Helena. Da Garnier l’Aleman jedoch auf die Dauer der feindlichen Übermacht nicht widerstehen konnte, akzeptierte er das Angebot Karls, für Land im Königreich von Sizilien von einem Jahreswert von 100 Unzen oder 1000 Unzen Gold in bar zu erhalten.
Garnier übergab die Insel im März 1267 an Karl von Anjou, der ihn am 20. März 1267 zu seinem Vikar und Generalkapitän ernannte und ihm befahl, alle Griechen, die seit der Ermordung Chinards die Insel verlassen hatten, zur Heimkehr einzuladen – natürlich mit Ausnahme all derer, die an der Bluttat beteiligt waren. Der Kastellan der Burg Korfu, Hugo Chandola, und der von Vallona, Jacques de Baligny, wurden dabei bestätigt.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, 1867, S. 298 Das Versprechen Karls zugunsten Garniers konnte aufgrund seines Todes nicht mehr ausgeführt werden. Aus einem Dokument vom Mai 1272 geht hervor, dass Karl an den Sohn des verstorbenen Garnier, Aimone Aleman, das versprochene Land des oben genannten Jahreswertes von 100 Unzen oder 1000 Unzen Gold in bar zuteilen ließ.
mini|hochkant=1.2|Eingang zur inneren Festung auf der Burg von Berat mit der byzantinischen Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit aus dem 13. Jahrhundert Karl ließ die provisorischen Verhältnisse auf Korfu und in Epirus bestehen, wollte aber von den ihm im Abkommen von Viterbo bestätigten Ländern der Mitgift Helenas wenigstens faktisch Besitz ergreifen. Aleman wurde zunächst unter Wilhelm II. von Villehardouins Hoheit gestellt. 1268 wurde Giovanni Clariaco nach Korfu geschickt, um von den epirotischen Gütern Besitz zu ergreifen. Clariaco besetzte Valona und Kanina, ließ jedoch den dortigen Kastellan in Funktion, bestätigte die von Chinard auf Korfu vergebenen Lehen und versuchte vergebens, Berat, das Zentrum der albanischen Adelsfamilie Muzaka, zu erobern. Um leichter Herr des Landes zu werden, ließ Karl vorläufig Garnier l’Aleman im Besitz der Statthalterschaft Korfu, rief Giovanni Clariaco ab und ernannte an seiner Stelle im Januar 1269 Gazo Chinard (Bruder des obengenannten ermordeten Philipp Chinard). Doch auch Gazos Tätigkeit musste sich zunächst auf Korfu beschränken.Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, 1867, S. 299
Mit den französischen Fürsten, die gezwungen waren, aus ihren östlichen Besitzungen zu fliehen, bereitete sich Karl 1269 darauf vor, Griechenland und andere byzantinische Gebiete zurückzuerobern. Noch 1269 eroberte Wilhelm II. von Villehardouin, der Fürst von Achaia, die Stadt Valona, und noch im selben Jahr vereinbarte Karl eine doppelte Eheverbindung mit dem König von Ungarn Stephan V., um wahrscheinlich die Aktionen des byzantinischen Kaisers Michael VIII. in dieser Richtung im Griff zu haben.1270 heiratete Karl II. von Anjou Maria von Ungarn und 1272 Isabella von Anjou den König Ladislaus IV. von Ungarn.
Zur Stärkung der Grundlagen der für 1270 geplanten Expedition schloss Karl Vereinbarungen mit dem König Stefan Uroš I. von Serbien, dem Zar Konstantin Tich Assen von Bulgarien und der Republik Venedig. Die umfangreiche Flotte, die im Juli 1270 für den geplanten Kreuzzug seit dem Fall des Lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel (1261) auf genuesischen Schiffen von Aigues-Mortes auslief, musste nach Tunesien umgeleitet werden, als Karls Bruder Ludwig IX., der König von Frankreich, darauf bestand, seine Expedition dorthin zu unternehmen.
Durazzo, der wichtigste Punkt in Epirus, war vom Despoten Michael II. besetzt worden, und die Albaner fühlten sich dort als unabhängige Herren. Karl schickte Jean de Nanteuil, den Richter Taddeo de Florentia und Aubry de Laon nach Albanien und forderte die dortigen Häuptlinge auf, ihm als König zu huldigen. Die Abgesandten fanden Anklang, denn die Mehrzahl der Albaner bekannte sich schon längst zur römischen Kirche, deren Schirmherren die Anjou waren.
mini|hochkant=1.5|In orange der Verlauf der Via Egnatia