Das Umspannwerk Hoheneck (auch Umspannanlage Hoheneck, Umspannwerk Ludwigsburg-Hoheneck oder Station Hoheneck) ist ein großes Umspannwerk im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck mit zwei durch eine Straße getrennten Teilbereichen als gemeinsame Anlage zweier Übertragungsnetzbetreiber, Amprion und Transnet BW. Es verfügt über die Spannungsebenen 380 und 110 kV und bildet damit einen der wichtigsten Knotenpunkte im südwestdeutschen Übertragungsnetz, insbesondere in der Region Stuttgart.

Gebaut wurde das Umspannwerk Hoheneck zwischen 1925 und 1928 als Teil der Nord-Süd-Leitung des RWE, des damals weltweit längsten Verbundleitungs-Systems zwischen dem Rheinland und den Alpen. Im Jahr 1957 wurde Hoheneck mit dem Bau einer Leitung nach Rommerskirchen als südlicher Endpunkt der damals deutschlandweit ersten 380-kV-Leitung auch ein Knotenpunkt im Höchstspannungsnetz, weshalb die Anlage mehrfach stark erweitert wurde. Auf dem Gelände befindet sich darüber hinaus die „Gruppenschaltleitung Süd“ der Amprion GmbH, die das südliche Teilnetz des Übertragungsnetzbetreibers überwacht und steuert.

Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sie von zwei unterschiedlichen Übertragungsnetzbetreibern (Amprion bzw. Transnet BW) betrieben wird. Auch auf der Hochspannungsebene ist die Anlage in die Netze zweier Verteilnetzbetreiber (Syna GmbH, Tochter von Süwag (ehem. Kawag) und Netze BW) eingebunden, was sich in räumlich getrennten 110-kV-Schaltanlagen manifestiert.

Lage und Anbindung Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund 24 Hektar auf der Anhöhe Kugelberg auf etwa , auf dem Gebiet des unmittelbar angrenzenden Ludwigsburger Stadtteils Hoheneck. Die Ludwigsburger Innenstadt liegt nur etwa 2 km südlich, die Landeshauptstadt Stuttgart etwa 15 km südlich und Heilbronn etwa 25 km nördlich. Unmittelbar nördlich der Anlage, auf der gegenüberliegenden Seite der Zufahrtsstraße, befinden sich mehrere Sportplätze und ein Tierheim. Die Bahnstrecke Backnang–Ludwigsburg verläuft in einiger Entfernung westlich an der Umspannanlage vorbei. Zum Transport der Leistungstransformatoren existiert von dieser aus ein Gleisanschluss, der das Werksareal von Südwesten her erreicht und sich dort auf zwei Stränge aufteilt.

Zwischen dem westlichen 380-kV-Anlagenteil und dem größeren, östlichen Teil des Umspannwerks verläuft eine öffentliche Straße. Beide Anlagenteile sind somit nicht zusammenhängend. Im nordwestlichen Bereich des östlichen Anlagenteils befinden sich die Betriebsgebäude der Gruppenschaltleitung Süd. Auch die weiteren Netzbetreiber der Anlage, Syna und Netze BW, unterhalten auf dem Gelände eigene Betriebsgebäude. Die EnBW unterhält am Standort eins von 66 Betriebszentren. Unmittelbar grenzen auch einige Wohngebäude an.

Geschichte Vorangegangene Entwicklungen Die Elektrifizierung Stuttgarts begann 1885 mit dem ersten Elektrizitätswerk, das 1899 um ein Laufwasserkraftwerk am Neckar bei Marbach ergänzt wurde. 1909 wurde dem Stuttgarter Bankier Albert Schwarz die Konzession für ein weiteres Wasserkraftwerk am Neckar oberhalb Beihingens erteilt. An der hierfür gegründeten Elektrizitätswerk Beihingen-Pleidelsheim AG beteiligte sich die Stadt Stuttgart mit 35 % der Aktien. Bedingung für den Betrieb war, dass der dort produzierte Strom „in erster Linie und für alle Zeiten“ Ludwigsburg und Umgebung bereitgestellt werden soll. Auch der Sitz der Gesellschaft wurde in Ludwigsburg eingerichtet. 1913 übernahm die Elektrizitäts-AG vormals W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt am Main die Gesellschaft und nannte sie in Kraftwerk Altwürttemberg, kurz KAWAG, um. Das Wasserkraftwerk Pleidelsheim ging im Februar 1915 in Betrieb.

1921 gründeten die KAWAG und das Überlandwerk Hohenlohe-Öhringen die Großkraftwerk Württemberg AG, kurz GROWAG, die ein Dampfkraftwerk in Heilbronn errichtete. Bis 1923 schlossen sich mehrere württembergische Elektrizitätswerke der GROWAG an, auch der Volksstaat Württemberg beteiligte sich schließlich an ihr. Zum 23. Juli 1923 gründeten GROWAG, der Volkstaat Württemberg, der Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) und mehrere Gemeindeverbände die Württembergische Sammelschienen AG (WÜSAG), um eine landesweite Energieversorgung aufzubauen. Bisher verfügten die Unternehmen über einige 60-kV-Leitungen, das zu einem Ringsystem zusammengeschlossen werden sollte. Es kam zu einem Interessenskonflikt mit der ebenfalls in Württemberg operierenden Württembergischen Landeselektrizitäts AG (WLAG), die bisher eine 110-kV-Leitung von Stuttgart nach Niederstotzingen betrieb und in diesem Gebiet aktiv war. An der WLAG beteiligte sich das Deutsche Reich, das in ihr ein Bindeglied eines reichsweiten Stromverbunds sah. So war eine Verbindung mit dem Hochspannungsnetz des Bayernwerks in der Realisierung begriffen und eine Verbindung mit dem Badenwerk in Planung.

Mit Inbetriebnahme der Vorgebirgszentrale (ab 1917 Goldenbergwerk) im Jahr 1914 entwickelte sich die Lahmeyer-Tochtergesellschaft RWE unter Hugo Stinnes vom regionalen Kraftwerksbetreiber im Rheinland und Teilen Westfalens zum überregionalen Energieversorger. Schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg gab es den ambitionierten Plan, die Kraftwerke des RWE und ihr Übertragungsnetz mit Kraftwerken der anderen Tochtergesellschaften der Gruppe zu verbinden. Unter Arthur Koepchen, seit 1917 technischer Vorstand, erwarb das RWE von der Schweizer Elektrobank die Mehrheit an der Lahmeyer AG, die somit von der einstigen Muttergesellschaft zur Tochtergesellschaft wurde. Hierdurch kam das RWE auch in den Besitz mehrerer Energieversorgungsunternehmen im Süden Deutschlands, darunter die KAWAG. Nach einer Besichtigung der Anlagen der KAWAG und der Lechwerke durch Koepchen, Ernst Henke und Bernhard Salomon im selben Jahr, entwickelte sich die Idee, die Stromerzeugung der süddeutschen Wasserkraftwerke mit der der rheinischen Braunkohlekraftwerke zu koppeln, um in Württemberg nicht absetzbare Überkapazitäten großräumig verteilen zu können. Der Interessenskonflikt mit dem Deutschen Reich über die Anbindung der Lechwerke machte eine Umplanung der vorgesehenen Verbundleitung nötig, die nun mit den Anlagen der GROWAG und der KAWAG verbunden werden sollte. Pläne von Mai 1923 sahen bereits eine Anbindung der stark industrialisierten Region am mittleren Neckar vor.Theo Horstmann, Klaus Kleinekorte: Strom für Europa – 75 Jahre RWE-Hauptschaltleitung Brauweiler 1928-2003. Klartext Verlag Essen 2003, S. 19

Die WÜSAG, an der das RWE über die GROWAG Anteile hielt, plante zusammen mit der OEW und der Schweizer Bündner Kraftwerke AG die Erschließung von Wasserkraftwerken in Vorarlberg. Nachdem sich letztere zurückzog und die GROWAG stattdessen einsprang, wurden im November 1924 von RWE, OEW, dem Volksstaat Württemberg und dem Land Vorarlberg die Vorarlberger Illwerke gegründet. Zügig begann der Bau der Verbundleitung vom Goldenbergwerk zunächst bis zum Knotenpunkt mit den Main-Kraftwerken in Kelsterbach. Bis 1926 war die Leitung bis zum Umspannwerk Mannheim-Rheinau, wo eine Verbindung mit dem Badenwerk bestand, mit zunächst 110 kV Spannung in Betrieb.Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG: Bericht über das Geschäftsjahr 1926/27

Bau des Umspannwerks Für die Weiterführung der Leitung von Rheinau bis nach Vorarlberg wurde die GROWAG beauftragt, die aus politischen Gründen anstelle des RWE als Ansprechpartner für die württembergischen Behörden diente. 1925 begann der Bau dieser Strecke bis zum Anschluss ans GROWAG-Kraftwerk Heilbronn bei Ludwigsburg.Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG: Bericht über das Geschäftsjahr 1925/26. 1928 war der Leitungsabschnitt zusammen mit der ersten Ausbaustufe des Umspannwerks Hoheneck mit 110 kV Spannung in Betrieb.Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG: Bericht über das Geschäftsjahr 1927/28.

Wie die anderen Umspannwerke der Nord-Süd-Leitung wurde Hoheneck nach einem einheitlichen Schaltungsschema geplant. Ausführend beim Bau waren die Siemens-Schuckertwerke, die im Rahmen eines Großauftrags den Bau und die umfangreichen Lieferungen an technischem Großgerät für alle Umspannanlagen übernahmen.Theo Horstmann, Klaus Kleinekorte: Strom für Europa – 75 Jahre RWE-Hauptschaltleitung Brauweiler 1928-2003. Klartext Verlag Essen 2003, S. 35f. Im Mai 1928 begann der Weiterbau der Nord-Süd-Leitung über das Umspannwerk Herbertingen bis Bludenz, ebenfalls wieder unter Federführung der GROWAG. Im Februar 1930 war die Strecke auf ihrer gesamten Länge fertiggestellt. Da bisher keinerlei Erfahrungen mit Spannungen oberhalb 100 kV ohne geerdeten Nullpunkt gemacht wurden, ging das RWE zur Vermeidung größerer Schäden bei der Umstellung der Betriebsspannung etappenweise vor. Der reguläre Betrieb auf der 220-kV-Ebene begann in Hoheneck im Oktober 1929. Anfang April 1930 folgte die Umstellung der Leitung von Hoheneck über Herbertingen bis Bludenz. Offiziell wurde der Verbundbetrieb zwischen rheinischer Kohle- und süddeutscher und alpiner Wasserkraft am 17. April 1930 aufgenommen.Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG: Bericht über das Geschäftsjahr 1929/30.

Mit der WÜSAG wurden Verträge über einen Strombezug aus Hoheneck ausgehandelt, in denen sich das RWE zugleich verpflichtete, Strom nur an die WÜSAG zu liefern. Ein weiteres Abkommen wurde mit der Neckar AG in Stuttgart über den Bezug von elektrischer Energie aus mehreren Neckarstaustufen zwischen Kochendorf und Neckargemünd geschlossen. Hoheneck war somit als Einspeisepunkt für erzeugte elektrische Energie aus dem Kraftwerk Heilbronn, dem Wasserkraftwerk Pleidelsheim und den Laufwasserkraftwerken am Neckar vorgesehen. Nicht Teil der eingebundenen Energieversorgungsunternehmen wurde die WLAG, obwohl diese zur selben Zeit eine Verlängerung ihrer Leitungsanlage von Obertürkheim nach Westen baute, um über Pforzheim eine Verbindung zum Badenwerk herzustellen.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,2. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 374 Netzkarten der WÜSAG zeigten jedoch einen in der Realität so nicht existierenden Zusammenschluss der eigentlich südlich am Umspannwerk vorbeiführenden WLAG-Leitung Obertürkheim–Pforzheim mit dem RWE in Hoheneck.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,2. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 382.

In der ersten Ausbaustufen von 1928 war neben den beiden Sektionen der Nord-Süd-Leitung (Rheinau–Hoheneck und Hoheneck–Herbertingen) auch der gerade fertiggestellte 60-kV-Hochspannungsring der OEW bzw. WÜSAG (Abschnitte Enzberg–Hoheneck und Hoheneck–Pleidelsheim–Heilbronn) in die Anlage mit eingebunden. Die Leitung Pleidelsheim–Heilbronn gehörte eigentlich der KAWAG, die WÜSAG pachtete einen der Stromkreise. Weiterhin entstand eine 110-kV-Leitung von Hoheneck über Ellwangen und Harburg zum Anschluss an die Lechwerke, die erste Leitung der WÜSAG auf dieser Spannungsebene.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,2. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 385