Karl Johann Franz Pündter (* 21. März 1883 in München; † 15. Dezember 1975 in Hamburg-Altona)S. 666 aus: Deutsches Bühnenjahrbuch : d. große Adreßbuch für Bühne, Film, Funk u. Fernsehen / hrsg. von d. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. – 85. Jhrg. 1977 - Hamburg: Verl. d. Bühnenschriften-Vertriebs-Ges., 1976; hier: Sterbeort und -datum war ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Hörspielsprecher und nach 1945 Leiter der Abteilung Schulfunk beim NWDR Hamburg in Hamburg.
Leben Karl Pündter wurde in der elterlichen Wohnung (Lindemannstraße 21 in München) geboren. Seine Eltern waren der bayerische Premierleutnant außer Dienst Franz Xaver Martin Gustav Ludwig Emil Pündter und dessen Ehefrau Carolina Maria Auguste, geborene Sauer, beide protestantischen Glaubens. Seinen jüngeren Bruder Ernst Pündter zog es ebenfalls 1924 nach Hamburg zur neugegründeten Nordischen Rundfunk AG, wo beide auch oft gemeinsam bei den frühen Hörspielen (damals Sendespiele genannt) als Sprecher und Regisseure mitwirkten.Stadtarchiv München; hier: Die Geburtsurkunden von Karl und Ernst Pündter, dort auch mit Angabe sämtlicher Vornamen und genauen Sterbeort.
Seine Ausbildung zum Schauspieler absolvierte Pündter beim Hofschauspieler Eugen Gura in München. Sein erstes Engagement führte ihn im September 1904 nach Annaberg im Erzgebirge an das dortige Stadttheater. Anschließend kam er an das Fürstliche Hoftheater in Gera. Er wurde seinerzeit dem Rollenfach Heldenvater und gesetzte Helden zugeordnet.
Zu seinem Repertoire gehörten damals u. a.: Prinz von Marokko (Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare), Staufacher (Wilhelm Tell von Friedrich Schiller), Octavio Piccolomini (Wallensteins Tod von Friedrich Schiller), Präsident von Walter (Kabale und Liebe von Friedrich Schiller), Faust (Goethes Faust von Johann Wolfgang von Goethe), Bruder Martin (Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang von Goethe), Orest (Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang von Goethe).S. 63 aus: Fach-Lexikon der deutschen Bühnen-Angehörigen : 1. Jahrgang / hrsg. von Heinrich Hagemann. - Berlin: Pallas u. a., . - 210 S. : zahlr. Il
Danach verlagerte der Münchener seinen künstlerischen Schwerpunkt nach Norddeutschland. Stralsund, Neustrelitz, Stettin, Magdeburg und Lübeck wurden die weiteren Stationen seiner Theaterlaufbahn.
Am 16. September 1924 kam Pündter zum Rundfunkhaus in der Hamburger Binderstraße, welches im Fernsprechamt Schlüterstraße untergebracht war. Dort hatte die Nordische Rundfunk AG (NORAG) am 2. Mai desselben Jahres ihren Sendebetrieb aufgenommen.
Er engagierte sich vorwiegend im Arbeitsbereich Hörspiel sowohl als Sprecher als auch als Regisseur. Bedingt durch die ständigen technischen Entwicklungen dieses Genres, musste er seinen Regiestil immer wieder den veränderten Gegebenheiten anpassen.
Wegen fehlenden und/oder unvollständigen Datensätzen aus der damaligen Zeit konnte bei der ARD-Hörspieldatenbank seine erste Regiearbeit erst vom 15. September 1926 nachgewiesen werden. Hierbei handelt es sich um Die Anna-Lise, einem Lustspiel von Hermann Hersch, in dem er u. a. neben Cläre Goericke, Kurt Gerdes, Friedel Lind und Hans Freundt selbst eine der Hauptrollen sprach. Sein erster nachgewiesener Einsatz vor dem Mikrophon ist vom 22. Oktober 1924 datiert. Hier sprach er unter der Regie von Hermann Beyer die Rolle des Theseus, Herzog von Athen in William Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum.
Darüber hinaus leitete er auch über viele Jahre die literarischen Sendungen der NORAG. Sein Lieblingsfach wurden jedoch die Kindersendungen.
Nach Kriegsende wurde er bei seinem Sender, der nach einer kurzen Übergangszeit als Radio Hamburg, nun als Nordwestdeutscher Rundfunk weitergeführt wurde, Leiter der Abteilung Schulfunk. Zu den Leuten, die ihm beim Aufbau mithalfen, gehörte auch sein Schauspielkollege vom Ohnsorg-Theater Otto Lüthje, der hauptberuflich als Mittelschullehrer tätig war.
Pündter besuchte auch zahlreiche Stadt- und Landschulen, um sich in den dortigen Klassen vor Ort selbst ein Bild zu machen. Er erhielt damals zahlreiche Briefe von Kindern, die vermuten lassen, dass er nicht nur den technischen Anforderungen weiter gewachsen war, sondern auch noch die Sprache der dritten Generation nach ihm verstand. In den ersten Jahren dieser Tätigkeit stand er auch noch häufiger als Hörspielsprecher vor dem Mikrophon. Allerdings war er, im Gegensatz zu NORAG-Zeiten, fast nur noch in Nebenrollen zu hören.
Am 16. September 1949 feierte der Schauspieler sein 25-jähriges Rundfunk- und zugleich sein 45-jähriges Bühnenjubiläum.
Er verstarb 1975 im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Hamburg.
Hörspiele (Auswahl) Regie und Sprecher 1926: Hermann Hersch: Die Anna-Lise 1927: Theodor Körner: Der Vetter aus Bremen 1927: Johann Wolfgang von Goethe: Die Geschwister 1927: Theodor Körner: Der Nachtwächter 1927: Franz Grillparzer: Des Meeres und der Liebe Wellen 1927: Gotthold Ephraim Lessing: Philota 1928: Emil Rosenow: Kater Lampe 1928: Carl Rössler: Die fünf Frankfurter 1928: Curt Goetz: Hokuspokus 1929: Curt Goetz: Der Hund im Hirn. Komödie in einem Akt 1929: Peter Flamm: Pause ( Original-Hörspiel) 1929: Rudolf Klutmann: Anselm und Angela. Ein Legendenspiel 1929: Johann Nestroy: Der Zerrissene. Posse mit Gesang in drei Aufzügen 1929: Alfred Wolfenstein: Die Nacht vor dem Beil. Drama in neun Bildern 1929: Fritz Mack: Der selige August. Hörspiel in einem Akt 1929: Paul Leuchsenring: Der Sieger. Eine Hörszene (Originalhörspiel) 1929: Paul Raynal: Das Grabmal des unbekannten Soldaten. Tragödie in drei Akten
Nur Sprecher 1924: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum – Regie: Hermann Beyer 1924: Hinrich Wriede: Leege Lüd – Regie: Nicht angegeben 1924: Johann Wolfgang von Goethe: Faust II. Teil – Regie: Hans Bodenstedt; Hermann Beyer 1924: Roderich Benedix: Dr. Wespe – Regie: Hermann Beyer 1924: Hildegard Voigt: In Knecht Ruprechts Werkstatt. Ein Weihnachtsmärchenspiel – Regie: Nicht angegeben 1924: Leo Kastner, Ralph Tesmar: Unter der blühenden Linde – Regie: Hermann Beyer 1924: Friedrich Hebbel: Die Nibelungen (2 Teile) – Regie: Hans Bodenstedt; Hermann Beyer 1924: Wilhelm Meyer-Förster: Alt-Heidelberg – Regie: Hermann Beyer 1924: Louis Angely: Das Fest der Handwerker – Regie: Hermann Beyer 1925: Johann Wolfgang von Goethe: Die Mitschuldigen – Regie: Hermann Beyer 1925: Friedrich Hebbel: Die Nibelungen (Zweiter Teil, dritte Abteilung: Kriemhilds Rache) – Regie: Hermann Beyer 1925: Molière: Sganarelle, der Betrogene in der Einbildung – Regie: Nicht angegeben 1925: Oscar Wilde: Bunbury – Regie: Hermann Beyer 1925: Eduard Mörike: Der letzte König von Orplid – Regie: Nicht angegeben 1925: Henrik Ibsen: Peer Gynt – Regie: Hans Bodenstedt; Hermann Beyer (3 Live-Sendungen) 1925: Wilhelm Meyer-Förster: Alt-Heidelberg – Regie: Hermann Beyer bei der ersten und Ernst Pündter bei der zweiten Ausstrahlung (2 Live-Sendungen) 1925: Carl Laufs: Pension Schöller – Regie: Hermann Beyer 1925: Franz und Paul von Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen – Regie: Hermann Beyer (3 Live-Sendungen) 1925: Franz Grillparzer: Weh dem, der lügt – Regie: Hermann Beyer 1925: Hans Hansen: Die Mainacht auf der Alster – Regie: Hans Bodenstedt (Das erste Freiluftsendespiel der Welt) 1925: Hinrich Wriede: Leege Lüd – Regie: Hans Böttcher 1925: Johann Wolfgang von Goethe: Die Fischerin – Regie: Nicht angegeben 1925: Hans Hansen: Strandfest an der Ostsee. Ein Rundfunkfilm in 12 Bildern und drei Akten von Hans Hansen – Regie: Nicht angegeben 1925: Richard Hughes: Gefahr. Das erste englische Rundfunkdrama von Richard Hughes – Regie: Nicht angegeben (Original-Hörspiel) 1925: Maurice Maeterlinck: Der Eindringling – Regie: Ernst Pündter 1925: Friedrich Schiller: Maria Stuart – Regie: Hermann Beyer 1925: Gustav Freytag: Die Journalisten – Regie: N. N. 1925: Oscar Blumenthal, Gustav Kadelburg: Im weißen Rössl – Regie: Ernst Pündter 1925: Brandon Thomas: Charleys Tante – Regie: Ernst Pündter 1925: Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen – Regie: Hans Bodenstedt; Hermann Beyer 1925: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell – Regie: Hermann Beyer 1925: Ludwig Thoma: Erster Klasse – Regie: Ernst Pündter 1925: Ludwig Fulda: Jugendfreunde – Regie: Ernst Pündter (2 Live-Sendungen) 1925: Gerhart Hauptmann: Hanneles Himmelfahrt – Regie: Ernst Pündter 1925: Johann Nestroy: Lumpazi Vagabundus – Regie: Ernst Pündter 1926: Gerhart Hauptmann: Die versunkene Glocke. Ein deutsches Märchendrama – Regie: Ernst Pündter bei der ersten und Hans Bodenstedt bei der zweiten Ausstrahlung (2 Live-Sendungen) 1926: Hans Bodenstedt: Funkheinzelmanns Kindertheater (1. Bild: Die Glockenblumenkönigin) – Regie: Nicht angegeben 1926: Hans Bodenstedt: Funkheinzelmanns Kindertheater (2. Bild: Ein Kind fällt vom Himmel) – Regie: Nicht angegeben 1926: Louis Angely: Das Fest der Handwerker – Regie: Nicht angegeben 1926: Alice Fliegel-Bodenstedt: Heiligland – 1. Der tote Gast – 2. Der Narr – 3. Heiligland – Regie: Hermann Beyer 1926: Hans Bodenstedt: Funkheinzelmanns Kindertheater (4. Bild: Im Riesenland) – Regie: Nicht angegeben 1926: Hans Bodenstedt: Funkheinzelmanns Kindertheater (5. Bild: Im Schlaraffenland) – Regie: Nicht angegeben 1926: Arthur Schnitzler: Der junge Medardus – Regie: Hermann Beyer 1926: Alexander Baumann: Das Versprechen hinterm Herd – Regie: Hans Böttcher 1926: Hinrich Wriede: Leege Lüd – Regie: N. N. 1926: Bjørnstjerne Bjørnson: Über unsere Kraft. Schauspiel in zwei Teilen – Regie: Hermann Beyer 1926: David Kalisch: Der Aktienbudiker – Regie: Hermann Beyer 1926: Gerhart Hauptmann: Die Weber – Regie: Hermann Beyer 1926: Andreas Gryphius: Die geliebte Dornrose – Regie: Hermann Beyer 1926: Wilhelm Ehlers: Die Fahrt nach Helgoland – Regie: Hermann Beyer 1926: Georg Kaiser: Die Bürger von Calais – Regie: Hermann Beyer 1926: Johannes Schlaf: Meister Oelze – Regie: Hermann Beyer 1926: Pius Alexander Wolff: Preciosa – Regie: Hermann Beyer 1926: Indisches Schauspiel: Vasantasena – Bearbeitung: Lion Feuchtwanger; Regie: Hermann Beyer 1926: Hugo von Hofmannsthal: Jedermann – Regie: Hermann Beyer 1926: Lew Tolstoi: Der lebende Leichnam – Regie: Hermann Beyer 1926: Gerhart Hauptmann: Schluck und Jau – Regie: Hermann Beyer 1926: Franz und Paul von Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen – Regie: Hermann Beyer 1926: Oscar Wilde: Lady Windermeres Fächer – Regie: Hans Hansen 1926: Rabindranath Tagore: Das Postamt – Regie: Hans Bodenstedt 1926: Anton Tschechow: Ein Heiratsantrag – Regie: Hans Bodenstedt 1926: Gerdt von Bassewitz: Peterchens Mondfahrt – Regie: Hermann Beyer 1927: August Strindberg: Gespenstersonate – Regie: Hans Flesch 1927: Gottfried Prehauser: Hans-Wurst. Der traurige Küchelbäcker und sein Freund in der Not – Regie: Hermann Beyer 1927: Friedrich Schiller: Turandot. Prinzessin von China – Regie: Harald Röbbeling 1927: Auguste Groß von Trockau: Ich heirate meine Tochter – Regie: Hans Freundt 1927: Gerhart Hauptmann: Der Biberpelz. Eine Diebeskomödie – Regie: Ernst Pündter 1927: Franz und Paul von Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen – Regie: Hermann Beyer 1927: Friedrich Schiller: Maria Stuart. Ein Trauerspiel – Regie: Hans Bodenstedt 1927: Molière: Tartüff – Regie: Harald Röbbeling 1927: Karl Schönherr: Der Weibsteufel – Regie: Hans Bodenstedt 1927: Jerome K. Jerome: Miß Hobbs – Regie: Hermann Beyer 1927: Anton Wildgans: Armut – Regie: Ernst Pündter 1927: Hermann Sudermann: Das Glück im Winkel – Regie: Hermann Beyer 1927: August Strindberg: Rausch – Regie: Artur Holz 1927: Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht – Regie: Hermann Beyer 1927: Eberhard König: Gevatter Tod. Ein Märchen von der Menschheit – Regie: Hermann Beyer 1927: Hugo von Hofmannsthal: Der Tor und der Tod – Regie: Hermann Beyer 1927: Ludwig Fulda: Jugendfreunde – Regie: Hermann Beyer 1927: Bjørnstjerne Bjørnson: Wenn der junge Wein blüht – Regie: Hermann Beyer