mini|Der Stammbaum Christi, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (um 1180) mini|Wurzel Jesse in der Pfarrkirche Erla mini|Wurzel Jesse, Deckengemälde in St. Michael in Hildesheim Die Vorfahren Jesu von Nazaret überliefert das Neue Testament der Bibel in zwei der vier Evangelien als listenartige Stammlinie der Väter (oft fälschlich als Stammbaum bezeichnet). Beide Abstammungslisten nennen Abraham, Juda und David als Vorfahren, weichen aber bei den Nachkommen Davids ganz voneinander ab. Die Liste des Matthäus gibt die Vorfahren von Josef wieder, dem rechtlichen Vater Jesu. Ob sich die Liste des Lukas ebenfalls auf Josef bezieht, oder auf Jesu leibliche Mutter Maria, ist umstritten. Inwieweit die Evangelisten auf bereits vorhandene Listen zurückgegriffen haben, ist unsicher.

In der christlichen Ikonographie vor allem des Mittelalters wird die bildliche Darstellung des Stammbaums Christi als Wurzel Jesse oder lateinisch Radix Jesse bezeichnet.

Die Abstammungsliste in Matthäus 1 Matthäus beginnt sein Evangelium mit den Worten: „Buch der Genesis Jesu Christi“, griechisch: Biblos geneseôs Iêsou Christou (Βίβλος γενέσεως Ἰησοῦ Χριστοῦ). Anstelle von „Genesis“ übersetzen manche mit „Abstammung“, „Herkunft“, „Stammbaum“ oder „Geschichte“ (wenn als Überschrift des gesamten Buches aufgefasstSo Theodor Zahn: Das Evangelium des Matthäus (Kommentar), 4. Auflage 1922 (Nachdruck Wuppertal 1984), S. 39 und 42.).

Die Liste führt von Abraham über David bis Josef, dem Mann von Maria, der Mutter Jesu. Hier folgt der Text nach der Einheitsübersetzung ; sie schreibt anstelle des regelmäßig wiederkehrenden (wörtlich) „… zeugte …“ (griechisch: egennêsen ἐγέννησεν) „… war der Vater von …“ (danach meist kurz „… von …“):

Die Abstammungsliste in Lukas 3 Die Liste der Vorfahren Jesu nach der Elberfelder Übersetzung :

Lukas verwendet in dieser Liste das Wort „Sohn“ nur ein einziges Mal, und zwar in Verbindung mit Jesus, „Jesus … seiend Sohn, wie man meinte, Josefs, des Eli, des Mattat …“ Den griechischen Artikel tu (τοῦ) könnte man statt mit „des“ auch mit „von“ übersetzen.Ludwig Neidhart versteht den Text so, dass Jesus ein „Sohn“ oder „Nachkomme“ war sowohl von Eli, als auch von Mattat, als auch von Levi usw.; in seiner Abhandlung Historische Nachrichten über die Apostel …, dort Kap. 16a: Die Stammbäume Jesu (S. 109–116, dort 109). Die meisten Bibelübersetzungen beschränken die Aussage „Jesus … seiend Sohn“ auf seine Beziehung zu Josef, dessen Sohn er ja gerade nicht war. Dabei ergänzen die Übersetzungen die Angaben des Lukas. Die Einheitsübersetzung ersetzt am Beginn „… Josefs, des Eli, des Mattat …“ durch „… Josefs. Die Vorfahren Josefs waren: Eli, Mattat, …“ . Die Lutherübersetzung ergänzt mehr als 70-mal „der war ein Sohn“, was am Beginn so aussieht: „Jesus … wurde gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis, der war ein Sohn Mattats, …“ Aber am Ende der Liste vermeidet auch die Lutherübersetzung diese Einfügung, weil es inhaltlich unpassend scheint, Adam als Sohn Gottes zu bezeichnen: „… Sets, der war ein Sohn Adams. Der war Gottes“ .

Die Bibelübersetzungen zeigen hier ein breites Spektrum von Varianten, sie empfinden demnach den wörtlichen Text des Lukas als deutungsbedürftig und bauen ihre Deutung in ihre Übersetzung ein.

Gemeinsamkeiten

Von Abraham bis David Beide Abstammungslisten führen über die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, außerdem über Juda und David. Damit ist die Zugehörigkeit Jesu von Nazaret zum Volk Israel offenkundig. Abraham sowie David hatten im Hinblick auf eigene Nachkommen besondere Segensverheißungen empfangen; durch solche Listen erschien es denkbar, dass diese Verheißungen in besonderer Weise auf Jesus zielen. Somit konnte man Jesus als Anwärter auf die Messiaswürde betrachten. Während beide Listen bei den Vorfahren von Abraham bis David weitgehend übereinstimmen, weichen sie ab David ganz voneinander ab. Sie folgen den Vätergeschichten der Genesis (Gen 12-49) und den Genealogien von und ; auch wo sie auseinandergehen, beziehen sie sich auf biblische Traditionen.

Die Zahl Sieben Matthäus unterstreicht die Hauptstationen seiner Liste durch eine Zahlensymbolik, bei der die Zahl 14 (also zweimal sieben) hervorgehoben wird. Die Zahl Sieben gilt im Judentum als Ausdruck der Vollkommenheit. Matthäus unterteilt die gesamte Abfolge in dreimal 14 Generationen, wobei die erste Reihe mit David endet, die zweite mit Jojachin (zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft) und die dritte mit Jesus. Anscheinend zählt Matthäus die Babylonische Gefangenschaft doppelt, nämlich am Ende der 2. und am Beginn der 3. Reihe. Lukas verzichtet auf eine solche Hervorhebung der Zahl Sieben. Aber Lukas nennt insgesamt 77 Namen von Männern (Gott, am Ende erwähnt, ist hier nicht mitgezählt). Es wäre denkbar, dass er stillschweigend auf die Zahl Sieben geachtet hat. Von Adam an, also in der Lukas-Liste vom Ende an zählend, ist Henoch der siebente (vgl. Judas 14: „Henoch, der siebente von Adam an“). Danach ist Abraham der 14., nach diesem ist David der 14., danach kommt eine Liste von aus der Bibel kaum bekannten Namen, und es endet mit Jesus als 42. Namen (also 6-mal sieben).

Abweichend von David bis Jesus Während Matthäus die Vorfahren des Josef nach David auf die königliche Hauptlinie Salomos zurückführt, geht die Liste bei Lukas nach David über die Seitenlinie Nathans, eines späteren Sohnes Davids . Auch alle weiteren Namen zwischen David und Josef sind bei Matthäus und Lukas andere.

Lukas nennt zudem zwischen David und Abraham eine Generation mehr und schreibt auch einige der Namen anders.

Besonderheiten der Liste bei Matthäus Im Matthäusevangelium steht die Liste ganz am Anfang. Abraham und David hervorgehoben Die Liste hebt schon im ersten Vers die wichtigsten Vorfahren hervor: David, den König Gesamtisraels und Empfänger der Messiasverheißung, und Abraham, den Stammvater aller Israeliten, dem die künftige Segensverheißung für alle Völker der Erde gegeben wurde:

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Matthäus nennt auch Frauen Matthäus folgt der formelhaften Sprache biblischer Genealogien, die vom Stammvater aus jeweils den Vater als Zeuger seines ältesten bzw. erbberechtigten Sohnes zuerst nennen, also jeden Namen doppeln: „Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob“ usw. Nicht als Glieder der Kette, zu der nur Männer gehörten, aber zusätzlich nennt Matthäus auch einige der Mütter in Jesu Stammlinie: Alle vier ausdrücklich oder indirekt genannten Frauen, Tamar, Rahab, Rut und Batseba („Frau des Urija“) weisen nach damaligen Maßstäben anstößige Merkmale wie heidnische Herkunft, Prostitution und Ehebruch, fanden aber dennoch offenbar Annahme vor Gott. Auch die am Ende genannte Maria konnte aufgrund ihrer außerehelichen Empfängnis in Verdacht geraten.

Daneben wird vorgetragen, die Gemeinsamkeit der vier Frauen bestehe darin, dass sie keine Jüdinnen seien. So argumentiert etwa Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.).Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichte, S. 18/19 Damit weise Matthäus unter anderem auf den universalen Heilsaspekt auch für Nichtjuden hin. Wörtlich heißt es bei Ratzinger: „So tritt durch sie [diese Frauen] die Welt der Völker in den Stammbaum Jesu ein – seine Sendung zu Juden und Heiden wird sichtbar.“

Der katholische Theologe Matthias Berghorn dagegen deutet die Gemeinsamkeit der zusätzlichen Nennung von Tamar (1,3), Rahab (1,5), Rut (1,5) und Josef (1,16) in dem Sinne, dass sie als gerecht (Tamar: Gen 38,24; Josef: Mt 1,19) und barmherzig (Rahab: Jos 2,14; Rut: Rut 3,10) gelten und damit zu den idealen Vorfahren Jesu Christi werden, erweist sich Jesus doch als barmherzig (Mt 9,13; 12,7) und erfüllt damit die von Gott geforderte Gerechtigkeit (Mt 3,15; 4,1–11).Matthias Berghorn: Die Genesis Jesu Christi aber war so … Die Herkunft Jesu Christi nach dem matthäischen Prolog (Mt 1,1–4,16), VR Unipress, Göttingen 2019, S. 234–246.

Für Matthäus steht damit die Relation Jesu auf die Erwählung Israels im Vordergrund. Der Messias ist für ihn derjenige „echte“ Jude, der einlöst und hält, was ganz Israel von Beginn an versprochen wurde, auch und gerade wo diese Erfüllung der Verheißungen in Frage gestellt zu sein schien oder der begrenzten menschlichen Erwartungshaltung widersprach. Mit Jesus Christus findet die Genealogie ihr Ende; Jesus wird als der Verheißene, als derjenige gedeutet, der sein Volk aus seinen Sünden retten wird (Mt 1,21). Mit ihm ist der Stammbaum des Heils an sein Ende gekommen; nach Jesus werden zwar weitere Geschlechter kommen, die jedoch nicht mehr auf das Heil zulaufen, sondern sich in ihm befinden.

Besonderheiten der Liste bei Lukas Vorfahrenliste erst in Kapitel 3 Im Lukasevangelium folgt die Vorfahrenliste auf die Geburtsgeschichten (Lk 1–2) und den Bericht über das Auftreten Johannes’ des Täufers bis zur Taufe Jesu .

„Sohn“ nur einmal genannt Die Vorfahrenliste leitet hier das Auftreten des erwachsenen Jesus Christus ein. Die Leser von Lk 1–2 waren bereits darüber informiert, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde und dass Josef nicht leiblicher Vater Jesu war. Wörtlich schreibt Lukas: „Jesus, … seiend Sohn/Nachkomme, wie man dachte Josefs, des Eli, des Mattat …“

Hier fällt auf, dass Lukas in seiner Liste nur ein einziges Mal hyios (υἱός) schreibt, also „Sohn“ (oder, im weiteren Sinn, „Nachkomme“ – diese Bedeutung hat das Wort manchmal, etwa wenn Jesus als „Sohn Davids“ bezeichnet wird). Nur Jesus wird hier als „Sohn“ bezeichnet. Aus dem Wortlaut schließt Frédéric Godet, dass Jesus „Sohn“ oder „Nachkomme“ der in der folgenden Liste genannten Männer ist, also: „Jesus …, Nachkomme … des Eli, des Mattat …“ Dabei ist, wie immer in biblischen Abstammungslisten, an leibliche Abstammung gedacht. Diese kann im Fall von Jesus nur über Maria führen (was den Lesern von Lk 1–2 bereits klar war), so dass es hier eigentlich um die Liste der männlichen Vorfahren Marias geht.Dargelegt von Frédéric Godet: Das Evangelium des Lukas [Kommentar].Hannover 1890 (Nachdruck, Brunnen Verlag, Gießen 1986), S. 142–145.

Nach Godet „sind die sämtlichen Genitive einander koordiniert, nicht subordiniert. Demnach hängt der letzte Ausdruck, Gottes, nicht von Adam ab, sondern von dem Wort Sohn, der Apposition von Jesus, was ganz gut zum Zusammenhang paßt, da ja Jesus unmittelbar vorher, bei der Taufe, als Sohn Gottes angeredet worden ist.“Frédéric Godet: Das Evangelium des Lukas. 1890 (Nachdruck 1986), S. 143.

Von Jesus ausgehend nennt Lukas dessen Vorfahren, in die Vergangenheit zurückschreitend. Die Abstammungslinien in der Bibel, wie auch jene des Matthäus, gehen umgekehrt vor: von der älteren Zeit ausgehend bis zur eigenen Gegenwart.

Die meisten Bibelübersetzungen vermuten, dass Lukas der Kürze wegen nur einmal „Sohn“ schreibt und dass im Folgenden immer wieder „Sohn“ hinzuzudenken sei. Und so ergänzen sie gleich zu Beginn, dass Josef der Sohn des Eli war. Die Lutherübersetzung fügt diese Ergänzung 75-mal ein in folgender Form: „… Josefs, der war ein Sohn Elis, der war ein Sohn Mattats, …“ anstelle von „… Josefs, des Eli, des Mattat, …“. Am Ende weicht die Lutherübersetzung, wie alle Bibelübersetzungen, davon ab und schreibt: „… Sets, der war ein Sohn Adams. Der war Gottes.“ Es wird also vermieden, Adam als „Sohn Gottes“ zu bezeichnen. Wenn man aber „Sohn“ durchgehend (nur) auf Jesus bezieht, passt auch dieser letzte Hinweis, denn Jesus ist nicht nur „Menschensohn“, sondern auch Gottes Sohn.

Die Vorfahren von Adam bis Abraham