mini|hochkant=1.5|Decke aus Fawnlight-Fuchsfell Eine Felldecke, auch als Pelzdecke, Pelzplaid oder ähnlich bezeichnet, ist ein aus Fellen gearbeiteter, in der Regel mit Stoff unterfütterter Kälteschutz, der heute vor allem als Wohnaccessoire Anwendung findet. Früher dienten Pelzdecken besonders auch als Wagen- und Schlitten-, später als Autodecken. Kleinere, eventuell künstlerisch gestaltete Ausführungen werden auch als Vorleger oder Wandschmuck genutzt.
Unter einer Felldecke versteht man heute üblicherweise eine aus mehreren, meist kleineren Fellen, wie Fuchsfellen oder Possumfellen, zusammengesetzte Decke. Zumindest historisch wurden auch Vorleger, die in der natürlichen Form aus einem einzelnen großen Tier gearbeitet sind, wie Angoraziege oder Rentier, ehemals vor allem auch Bären und Großkatzen, als Felldecken bezeichnet.
Beliebt sind vor allem Decken aus langhaarigerem Fell. Sie werden oft nicht nur als Zudecke, sondern auch als Sitzunterlage auf Sofas und Ähnlichem gebraucht. Neben einem möglichst reißfesten Leder ist hier eine gute Abriebfestigkeit des Haares wichtig. Von den gebräuchlichsten Pelzarten eignen sich unter diesen Gesichtspunkten besonders, etwa in absteigender Reihenfolge: Schaffell und Guanakofell (eingeschränkte Handelserlaubnis) oder Alpakafell, mit einigem Abstand Waschbärfell, Possumfell, Fuchsfell, ungeschorenes Kaninfell, Coyotenfell und das heute nicht mehr genutzte Wolfsfell. Bei den kürzerhaarigen Fellarten sind dies, Lammfell, Nerzfell und alle Marderarten, wie die absoluten Luxuspelze Baummarderfell und Zobelfell. Zumindest in den 1930er Jahren hatte man noch eine Vorstellung, welche Schaffellarten sich besonders als Deckenfelle eignen, es waren, neben anderen, die schweren, nach ihrer Herkunft benannten Siebenbürger, Türken, Moldauer und Mazedonier.Fritz Hempe: Handbuch für Kürschner. Verlag Kürschner-Zeitung Alexander Duncker, Leipzig 1932, S. 113. → Inhaltsverzeichnis. Ein Fachbuch aus den 1950er Jahren, nennt als für Divan- und Autodecken geeignete Felle außerdem das Fell des dem Guanako verwandten Vikunjas und das Skunkfell, beides sehr strapazierfähig, sowie das Schakalfell und das inzwischen mit einem Handelsverbot belegte Katzenfell.Ernst Kreft: Moderne Arbeitsmethoden im Kürschnerhandwerk, 2. verbesserte Auflage. Fachverlag Schiele & Schön, Berlin ohne Datum (die 1. Auflage erschien 1950), S. 70.
Das auch sehr viel verwendete Kaninfell stellt bezüglich seiner Strapazierfähigkeit eine Besonderheit dar. Wildkaninchenfelle neigen, ähnlich dem Hasenfell, zum Haaren. Felle von guten Qualitäten der Hauskaninchen sind mit ihrem dichten Haar deutlich besser haltbar, geschoren haben sie, durch die geschlossene Haardecke, sogar eine fast sehr gute Strapazierfähigkeit.
Geschichte
Naturvölker Wohl bei den meisten Völkern scheint die Entwicklung zum Pelzbekleidungsstück vom einfach umgehangenen Fell über einen deckenartigen Umhang gegangen zu sein, der auch als Bettlager benutzt wurde. Daraus entstanden Schlitzüberwürfe in der Art eines Ponchos, wie sie auch die Germanen trugen.Bruno Schier: Pelze in altertumskundlicher Sicht. Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 30–34.
Die Karosse ist ein deckenartiger Pelzumhang einiger Volksstämme im südlichen Afrika. Das Pelzbekleidungsstück wurde zusätzlich als Bettunterlage und Zudecke benutzt.
Die nordamerikanischen Indianer stellten aus Büffelfellen Decken her, die sie als Lagerdecken und als Umhänge gebrauchten. Ein Kennzeichen der Angehörigen verschiedener Stämme war der deckenartige Häuptlingsmantel aus Büffelfell. Auf der Lederseite der Mäntel oder Decken waren teils die Taten der Häuptlinge in bewegten Bilden aufgemalt.
Eine besondere Art von Felldecken wird aus in schmale Streifen geschnittenen Fellen gewebt, eine Technik der Pelzverarbeitung, die einmal bei den Indianern von Mexiko bis ins nördliche Kanada verbreitet war. Die nordamerikanischen Anasazi verdrehten, beziehungsweise verzwirnten, Schnüre aus Fellen der Präriehunde, Bären, Biber, Ratten, Mäusen, Kaninchen und Bergschafen, um sie als Bindfäden zu benutzen, aber auch um daraus Decken zu weben.Werner-Wolf Turski: Die Pueblo-Kulturen - Anasazi, Fremont. Band 4. Zuletzt abgerufen am 28. März 2018. Im Winter 1957/58 dokumentierte McIvor das Fell-Weben der nordamerikanischen Indianer am Beispiel der Cree in Fort Hope im nördlichen Ontario. Zu der Zeit wurden von den dortigen Einwohnern nur noch Mäntel und Jacken für kleine Kinder so hergestellt. Ursprünglich wurden Tücher und Decken gewebt, in die sich auch Männer und Frauen einwickelten. Als Material diente normalerweise Kaninfell (rabbit-skin), in diesem geschilderten Beispiel Felle der Schneeschuhhasen, deren Fleisch vormals die Hauptnahrungsquelle der Gegend war. Über eine besondere Bearbeitung der Lederseite wird nichts berichtet. Das rund abgezogene Fell wird in etwa daumenbreite Streifen geschnitten, und zwar spiralförmig in einem einzigen, langen Stück. Die Streifenbreite variiert, je nachdem was daraus hergestellt werden soll. Die Fellstreifen werden mit dem Haar nach außen auf einen dünnen Stab mit etwa anderthalb Zentimeter Durchmesser gewickelt und so getrocknet. Die Weiterverarbeitung ist landschaftlich unterschiedlich, die Cree flechten die Streifen in Netze ein, ganz so wie es auch in der „neuentwickelten“ Webnetz-Pelzverarbeitung geschieht. Die Spiralform sorgt dafür, dass die Streifen sich bei der Verarbeitung mit dem Haar nach außen um die Netzfäden legen und eine beidseitig behaarte Fläche entsteht. Die Netze werden heute aus Bindfaden hergestellt, früher aus Sehnen oder Lederriemen (babiche). Die fertige Decke wurde in einem extra dafür gefertigten Gestell aufgehängt und nach drei Seiten verspannt. Für eine kleinere Decke wurden 85 Felle gebraucht. Decken in besonders kalten Gegenden wurden dichter gewebt und benötigten entsprechend mehr Felle. Das Ergebnis ist sehr warm und trotzdem leicht, sehr stabil und räufelt sich kaum auf. Ältere Personen trugen den Webpelz drei oder vier Jahre, Kinder bekamen jedes Jahr ein neues Teil. Manchmal wurde das Fell verdeckt zwischen zwei Stoffbahnen genäht, in der Art einer Steppdecke, was nicht nur die wärmende Wirkung, sondern auch die Strapazierfähigkeit erheblich verbesserte. Das Hasenhaar ist nicht gut haltbar und die Pelze wiesen sehr schnell kahle Stellen auf.Ohne Autorenangabe (zu Fotos von A. B. McIvor): Rabbit Skin Robe. In: The Beaver, Winter 1958, Hudson’s Bay Company, S. 46–47 (engl.) Diese Technik wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts in verfeinerter Weise wiederentdeckt. Aus Asien kommen seitdem in beachtlicher Menge, jedoch aus drei bis vier Millimeter breiten Fellstreifen geflochtene und gewebte Pelze in den Welthandel, meist als Kleinteile, wie Schals, Westen und Ponchos, seltener Decken.
Geschätzt sind die strapazierfähigen Decken aus Fellen des südamerikanischen Guanakos mit ihrer ansprechenden Musterung. Es ist, neben den einfelligen Jagdtrophäen, die einzige Fellart die hauptsächlich für Decken Verwendung findet. Das Guanako steht jedoch im Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens, das Fell darf nur mit der Exportgenehmigung des Ursprungslands gehandelt werden. Schon die Ureinwohner des Andengebiets wussten die Quillango genannten Pelzdecken zu schätzen. Sie hatten das Zusammensetzen der Felle, mit der durch die langen Beinteile schwierig zu verarbeitenden Form, zu einer Kunst entwickelt. Insbesondere die Tehuelche kleideten sich auch in die Deckenumhänge, sie waren Teil der Nationalkleidung. Die Lederseite wurde von den Tehuelchefrauen reich mit Figuren geschmückt. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurden Guanakodecken und -mäntel deren der wichtigste Handelsartikel, der Export erlebte um 1870 einen Höhepunkt und brach dann zusammen.
Altertum bis 19. Jahrhundert In Exodus, dem 2. Buch Mose, war über der Stiftshütte – dem Heiligtum, das Israel am Sinai für die Zeit der Wüstenwanderung erhalten hat – nach den Beschreibungen eine Decke gespannt. Sie bestand aus rot gefärbten Widderfellen und wurde von einer weiteren Plane bedeckt, die aus Fellen oder Häuten von Tahasch gefertigt war. Mit Tahasch wird das hebräische Wort תַּחַשׁ taḥaš übernommen, dessen Bedeutung ungeklärt ist (Lutherbibel: „Dachsfelle“; Jerusalemer Bibel: „feines Leder“).www.bibelwissenschaft.de, Petra Watermann: Fell / Pelz. Nach Ex 26,14; Ex 36,19; Ex 39,34 (vgl. Ex 25,5; Ex 35,7.23).
Bei den Römern und bei den Griechen waren Pelzdecken in Gebrauch. Bei ihrer Heimführung wurden den Bräuten Pelzdecken untergebreitet.D. Christ. Wilh. Jakob Gatterer: Abhandlung vom Pelzhandel, insonderheit der Britten. Schwan und Götz, Mannheim 1794, S. 75. Primärquelle: Plutarch problem. 29. Der Grieche Diodor (1. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.) erwähnte Hundefelle und Wolfsfelle, die von den Kelten für Teppiche oder Decken gebraucht wurden.Francis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 1 (von 2) (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. 39. (englisch: „rugs“). Der Römer Plinius der Ältere (23/24?–79), in dessen Heimat Bettdecken aus Fell öfter gebräuchlich waren, erwähnte eine Decke oder einen Teppich aus Maulwurffell, den er auf einer seiner Reisen in Griechenland gesehen hat. Der römische Schriftsteller Valerius Maximus (1. Hälfte des 1. Jahrhunderts) sagte, um den Luxus seines Zeitalters zu schildern: „Wer würde noch wie Cato, Bockhäute zu Decken oder Matratzen nehmen wollen?“Johann Beckmann: Beyträge zur Geschichte der Erfindungen. 5. Band, erstes Stück, Verlag Gottfried Kummer, Leipzig, 1800. Primärquelle: Valerius Maximus IV. 3. II. „Si quis hoc faeculo vir illustris pellibus haendis pro stragulis utatur, nonne mirabilis existimetur?“
Auf einer amtlichen römischen Preisliste des Jahres 301 wurde der Höchstpreis für eine Decke aus acht Ziegenfellen mit 333 Silber-Denarii festgesetzt.Francis Weiss: From Adam to Madam I. Undatiertes Originalmanuskript, S. 41, 43, 46.
Im Nibelungenlied wurde berichtet, dass die Burgundischen Könige, als sie als Gäste des Hunnenkönigs Etzel zu ihren Schlafstellen kamen, feststellten: Die Bettdecken sah man aus Hermelin gemacht Und auch von schwarzem Zobel, darunter sie die Nacht Gemächlich ruhen sollten bis an den lichten Tag: So herrlich mit den Freunden wohl nimmer je ein König lag …Alexander Tuma: Die Geschichte der Kürschnerei. Verlag Alexander Tuma, Wien 1967, S. 79.
In der Inventarliste der venezianischen Edelfrau (Nobildonna) Maria, relicta quodam Clarissimi Domini Hieronimie Pollani, gestorben am 7. Januar 1590, finden sich über sechzig pelzgefütterte Roben und eine große Anzahl von pelzgefütterten Bettdecken. Daneben gab es noch verschiedene Arten von Vorlegern, die mit Köpfen und Schwänzen präpariert waren, „als wären sie lebendig“: Ein Löwenfell mit Glasaugen, ein Tigerfell mit ausgestopftem Kopf, einen präparierten Affen und eine große Kiste mit mottenzerfressenen Teppichen oder Decken.. The International Fur Store and The Roxburghe Press, London 1895?, S. 26–27 (englisch). Zuletzt abgerufen am 4. August 2018.
Im alten Russland lag in den Mietschlitten zum Warmhalten der Füße nur Stroh oder Heu. In den Herrschaftsschlitten dagegen befand sich ein Fußsack aus Fell, über den Knien lag eine große Tuchdecke, auf der Unterseite mit Fuchs oder anderem weichen Fell abgefüttert und auf der Oberseite noch mit einem anderen, wertvollen Pelz verbrämt. Wenn die Bauern über Land fuhren, legten sie so viele Felle wie sie auftreiben konnten in den Schlitten. Dem Gutsbesitzer genügten ein Fußsack und die warme Überdecke nicht: „Er sitzt im großen fußlangen Pelz in seinem leichten Korbschlitten, der - je nach den Verhältnissen - ganz mit einer großen Decke aus Fuchs- oder Eisbärfellen belegt ist. Sobald er Platz genommen hat, wird diese Decke an verschiedenen Stellen zugeknöpft, so daß er in einen warmen Sack eingehüllt ist.“A. Popenzewa: Pelzwerk im alten Rußland - Pelze für Schlittenfahrten. In: Der Rauchwarenmarkt, 10. Juli 1936, S. 3.