Aeroplani Caproni war ein italienisches Unternehmen, das vorwiegend in der Luftfahrtindustrie tätig war. Der von Gianni Caproni gegründete Konzern bildete in den 1920er und 1930er Jahren mit über 20 kontrollierten Firmen eine über Italien hinaus tätige Unternehmensgruppe. Das Mutterunternehmen meldete 1950 Insolvenz an und wurde in der Folgezeit zerschlagen. Einzelne Unternehmensteile waren unter dem Namen Caproni noch bis 1983 tätig.
Geschichte Gründungszeit mini|Die erste Hinterhofwerkstatt in Arco, Gianni vorne in der Mitte und dahinter sein Bruder Federico mit einigen Arbeitern (1909) Die Entstehung des Unternehmens geht auf das Jahr 1910 zurück, als Gianni Caproni im April 1910 vom Armeekorps in Mailand Teile des militärisch genützten Gehöfts La Malpensa im Gemeindegebiet von Somma Lombardo zur Verfügung gestellt wurden. In einer selbstgebauten notdürftigen Halle richtete er dort seine Werkstatt ein, die 1909 in Arco entstanden war. Der Umzug war vor allem aus praktischen Gründen notwendig geworden, da sich das von Bergen umgebene Arco nicht für Testflüge eignete. Bei der Entscheidung spielte aber auch die irredentistische Gesinnung der Familie Caproni eine nicht unbedeutende Rolle, da die erste Maschine nicht von österreichisch-ungarischem Boden abheben sollte. Begleitet wurde Gianni von seinem älteren Bruder Federico, mit dem er in Malpensa die Gesellschaft Società d’Aviazione Fratelli Caproni (dt. Luftfahrtgesellschaft der Gebrüder Caproni) gründete. Nur wenige Wochen nach dem Umzug hob mit dem Doppeldecker Ca.1 am 27. Mai 1910 das erste von Caproni gebaute Flugzeug ab.Servizio archivistico nazionale – Archivi d’impresa: Caproni, Giovanni Battista (Gianni) (italienisch) abgerufen am 26. März 2018.Romano Turrini: Gianni Caproni per Arco: il bene per il bene. S. 15–25.Rosario Abate, Gregory Alegi, Giorgio Apostolo: Aeroplani Caproni. Gianni Caproni ideatore e costruttore di ali italiane. S. 7–8.
Die Anfangszeit war durch zahlreiche Probleme und Rückschläge gekennzeichnet, die zuallererst finanzieller Art waren. Bereits Anfang 1911 musste Caproni nach Vizzola Ticino umziehen, nachdem das Militär den Standort La Malpensa wieder für sich beansprucht hatte. Die fehlende öffentliche Resonanz und die zurückhaltende Auftragsvergabe durch die italienische Armee, lange Zeit skeptisch gegenüber Flugzeugen, sorgten schließlich dafür, dass Caproni 1913 die Firma an den Staat verkaufen musste. Zu dieser Zeit umfasste die Werkstatt in Vizzola Ticino bereits sieben Hangars auf einer Fläche von 1500 m² mit 130 Beschäftigten, in der 15 Maschinen gleichzeitig gebaut werden konnten.Giovanni Celoria: Tre anni di aviazione nella brughiera di Somma Lombardo: 5 aprile 1910-5 aprile 1913 S. 141–150.
In diesen drei Jahren hatte die Firma mehrmals durch das Hinzuziehen neuer Partner und Geldgeber den Namen gewechselt, so nannte sie sich zwischen Februar und November 1911 Ing. De Agostini & Caproni Aviazione, danach bis Mitte September 1912 Società Caproni & C. und schließlich Società Ingegneri Caproni e Faccanoni. Neben dem Bau von Flugzeugen hatte sich Caproni mit einer Flugschule ein zweites Standbein geschaffen.Rosario Abate, Gregory Alegi, Giorgio Apostolo: Aeroplani Caproni. Gianni Caproni ideatore e costruttore di ali italiane. S. 17 und 20Giovanni Celoria: Tre anni di aviazione nella brughiera di Somma Lombardo: 5 aprile 1910-5 aprile 1913 S. 20–29. mini|links|Gianni und Federico Caproni vor ihrer Werkstatt in Vizzola Ticino (1912)
Dennoch war diese erste Zeit auch durch zahlreiche Erfolge und Rekorde gekennzeichnet, die die von Caproni gebauten Maschinen, wie die Eindecker Ca.9, Ca.11 und Ca.12, erzielten.
Die Verstaatlichung 1913 stellte sich als das entscheidende Sprungbrett für die weitere Entwicklung der Marke Caproni heraus. Gianni Caproni blieb als technischer Leiter dem Betrieb erhalten. Rückhalt erfuhr er nun vom Kommandeur des ersten Flieger-Bataillons der italienischen Armee Giulio Douhet. Dieser ernannte ihn zum technischen Direktor des Battaglione Aviatori und Caproni wurde praktisch zum ausführenden Arm der Luftkriegsideen Douhets, die auf dem Einsatz von Flugzeugen als strategischer Waffe fußten. Im Sommer 1913 rüstete die italienische Armee eine erste Staffel mit sechs Maschinen des von Caproni entworfenen Aufklärers Ca.18 aus. Douhet beauftragte ihn gleichzeitig, einen Bomber zu entwickeln, aus dem der erste Prototyp, die Ca.30, hervorging.Caproni von 1913 bis 1918 (italienisch) abgerufen am 26. März 2018.
Caproni verdankte seinen Aufstieg dem eigenmächtigen Vorgehen Douhets, der mit seinem Entschluss, ohne Mitwissen seiner Vorgesetzten und der Regierung, Caproni konkurrenzlos zu einem der bedeutendsten italienischen Flugzeughersteller der italienischen Luftstreitkräfte der Anfangszeit machte. Das Vorgehen hatte zwei Untersuchungsausschüsse und die Versetzung Douhets zur Infanterie zur Folge.Federico Bianchessi: Gianni Caproni. Una storia italiana. S. 45–46.
Erster Weltkrieg Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die Entwicklung des dreimotorigen Bombers Ca.31, Armeebezeichnung Ca.1, noch nicht ganz abgeschlossen. Der Erstflug erfolgte erst einige Monate später im November 1914. Für die im März 1915 angelaufene Produktion der ersten zwölf Maschinen in Vizzola Ticino wurde die Kooperative Società per lo Sviluppo dell’Aviazione in Italia unter dem Vorsitz des Senators Carlo Esterle gegründet, wobei Gianni Caproni als technischer Berater tätig war. Die Gesellschaft vergrößerte den Standort in Vizzola Ticino und errichtete eine weitere Produktionsstätte im Mailänder Stadtteil Taliedo neben dem dort bereits bestehenden Flugfeld. Im Januar 1916 langte eine zweite Bestellung von 150 Maschinen der leistungsstärkeren Ca.32, Armeebezeichnung Ca.2, ein.Rosario Abate, Gregory Alegi, Giorgio Apostolo: Aeroplani Caproni. Gianni Caproni ideatore e costruttore di ali italiane. S. 36.Romano Turrini: Ganni Caproni per Arco: il bene per il bene. S. 39.
Douhet förderte zwar den Bau von Bombern, verhinderte aber gleichzeitig die Entwicklung eines in Italien entworfenen Jagdflugzeugs, das nicht in sein Luftkriegskonzept passte. Mit der Ca.20 hatte Caproni zwar ein leistungsstarkes Jagdflugzeug entwickelt, fand aber keinen Abnehmer dafür. Die Folge war, dass Caproni sich auf die Produktion von Bombern konzentrierte und andere Bereiche vernachlässigte.Federico Bianchessi: Gianni Caproni. Una storia italiana. S. 49.
Mit fortschreitender Kriegsdauer kam dem Luftkrieg immer größere Bedeutung zu. Der Durchbruch für Caproni erfolgte, als man die Bombardierung aus der Luft gegen strategisch wichtige Ziele ganz gezielt einsetzte. Gerade für solche Aufgaben waren die schweren Bomber von Caproni konzipiert und ständig weiterentwickelt worden. Dementsprechend langten insbesondere ab der zweiten Kriegshälfte immer größere Bestellungen ein, die bald vierstellige Zahlen erreichten. Allein von der Ca.46, Armeebezeichnung Ca.5, wurden ab 1917 über 4000 Maschinen bestellt, die auch als Lizenznachbau von anderen Firmen nachgebaut wurden.
mini|Die Caproni-Werkshallen in Taliedo (1920) Durch das florierende Kriegsgeschäft war Gianni Caproni in der Lage, die Società per lo sviluppo dell’aviazione in Italia im Mai 1917 zu übernehmen und in eine Kapitalgesellschaft zu verwandeln, der er selbst vorstand. Im November 1917 gründete er mit der Società italiana Caproni eine zweite Gesellschaft mit Firmensitz in Taliedo.
Zum guten Geschäft trugen auch die Lizenznachbauten im Ausland bei. In Frankreich wurden zwischen 1916 und 1918 fast 250 Maschinen verschiedener Modelle unter anderem vom Flugzeugbauer REP von Robert Esnault-Pelterie nachgebaut. Ein weiterer Großabnehmer waren die Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten, die 1050 Modelle des Typs Ca.5 bestellten, die bei den Firmen Standard Aircraft Corporation, Curtiss und Fisher Body produziert wurden. Für die Ausbildung der amerikanischen Piloten richtete man in Foggia eine eigene Flugschule ein, an der unter anderem Fiorello LaGuardia ausgebildet wurde. Auch an das Royal Naval Air Service wurden in geringeren Stückzahlen Maschinen geliefert.Rosario Abate, Gregory Alegi, Giorgio Apostolo: Aeroplani Caproni. Gianni Caproni ideatore e costruttore di ali italiane. S. 53–76.
Ende des Krieges umfasste die Produktion von Caproni-Bombern etwa 50.000 Beschäftigte.Romano Turrini: Ganni Caproni per Arco: il bene per il bene. S. 43.
1920er und 1930er Jahre Nach Ende des Ersten Weltkrieges gelang es nicht, die für militärische Zwecke aufgebaute italienische Luftfahrtindustrie für zivile Zwecke umzuorientieren. Die Folge für Caproni war ein drastischer Auftragsrückgang sowie eine 1920 und 1921 durchgeführte Kapitalabwertung der beiden Gesellschaften. Gleichzeitig verursachte die Krise, dass die Entwicklung neuer Modelle hinausgezögert wurde. Auf den zivilen Umbau des Unternehmens wirkten sich auch fehlgeschlagene Projekte, wie das Großflugzeug Ca.60, sowie einige Flugunfälle mit zivilen Opfern negativ aus.Rosario Abate, Gregory Alegi, Giorgio Apostolo: Aeroplani Caproni. Gianni Caproni ideatore e costruttore di ali italiane. S. 91–92.
Ein Wendepunkt war mit der faschistischen Machtübernahme im Oktober 1922 erreicht, da die neuen Machthaber wieder verstärkt auf die militärische Nutzung der Luftfahrt setzten. Bereits im Januar 1923 beschloss die faschistische Regierung, eine von den anderen Teilstreitkräften unabhängige Luftwaffe aufzubauen. In der Folge stieg die Nachfrage an militärischen Maschinen wieder an und es bildete sich eine ähnliche Verflechtung heraus, wie sie zwischen Militärs und Industrie bereits im Ersten Weltkrieg bestanden hatte. Auch Caproni zog aus der neuen Situation seinen Nutzen, da man beim Aufbau der neuen Teilstreitkraft auf Erfahrungen und Beziehungen aus der Vergangenheit setzen konnte. Bereits 1925 konnte das Kapital wieder aufgestockt werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Firmenbezeichnung der Società per lo sviluppo dell’aviazione in Italia in Aeroplani Caproni mit Firmensitz in Mailand umgeändert. mini|links|Büro Gianni Capronis nachgebildet im Museo dell’aeronautica Gianni Caproni
Das Jahr 1929 stellte infolge der Vermögensaufteilung zwischen beiden Brüdern einen Einschnitt in der Firmengeschichte dar. Federico erhielt die Società italiana Caproni mit Standort Vizzola Ticino. Letztere sollte sich in Zukunft mehr auf die Ausbildung von Piloten und Reparaturen spezialisieren, so dass sie deshalb in Scuola aviazione Caproni umbenannt wurde. Produktion und Entwicklung lagen dagegen im Aufgabenbereich von Gianni Caproni in Taliedo.Amilcare Mantegazza: Caproni e l’industria aeronautica italiana 1910–1952 S. 23.Romano Turrini: Ganni Caproni per Arco: il bene per il bene. S. 61.