mini|Venus und Mars werden von Vulcanus überrascht (Gemälde von Alessandro Varotari, um 1631) Ehebruch ist ein häufiges Thema der Literatur. Als Geschlechtsverkehr, den eine verheiratete Person mit einer anderen Person als dem Ehepartner hat, war Ehebruch bis ins 20. Jahrhundert fast überall auf der Welt strafbar, in den meisten islamischen Ländern (Zinā) und auch in Teilen der Westlichen Welt (etwa in vielen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten) ist er es heute noch. Mit weiblichem Ehebruch ist das Risiko verbunden, dass Kuckuckskinder entstehen. Generell bildet der Ehebruch einen Vertrags- und Vertrauensbruch gegenüber dem Ehepartner. Weil er im Leben ebenso ubiquitär ist, wie er zwischenmenschliche Konflikte hervorbringt und moralische Stellungnahmen herausfordert, ist er in der Weltliteratur zu allen Zeiten immer wieder beschrieben und problematisiert worden.

Einige Autoren haben das Thema weitaus öfter behandelt als andere, darunter etwa W. Somerset Maugham, Martin Walser und John Updike.

Allgemeines Schriftsteller haben über die Behandlung des Ehebruchthemas vielfach auch explizit nachgedacht. So vermutet der Schriftsteller Joachim Kalka:

Ein weiteres Beispiel bildet David Lodges Roman Denkt (2001), in dem die weibliche Hauptfigur, eine Schriftstellerin, von Anna Karenina ausgehend folgende Überlegung anstellt:

Nicht nur von Seiten der feministischen Literaturkritik ist vielfach argumentiert worden, dass die Brisanz und literarische Kraft von Ehebruchromanen wie Madame Bovary und Anna Karenina aus der „gesellschaftlich institutionalisierte[n] Unterdrückung der Frau“ herrühre. Jedoch haben weder die vielfältigen Errungenschaften der internationalen Frauenrechtsbewegungen noch die Liberalisierung des Scheidungsrechts zu einem Bedeutungsverlust des Themas in der Literatur geführt. In Denkt beobachtet die weibliche Hauptfigur:

Wie Jeffrey Eugenides in seinem Roman Die Liebeshandlung (2011) argumentiert hat, hätte ein Kulissenwechsel – etwa in gesellschaftliche Verhältnisse, in denen Emma Bovary sich bequem hätte scheiden lassen können – an der literarischen Sprengkraft von Madame Bovary nur wenig geändert, weil die eigentlichen Themen dieses Romans – Sexualität, Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen, Ehe und das Streben nach individuellem Glück – universelle menschliche Themen sind.

Der britische Schriftsteller Anthony Burgess hat das Bonmot geprägt, nach dem der Ehebruch „die kreativste der Sünden“ sei.

Antike Ägypten Zu den ältesten überlieferten literarischen Texten, in denen das Ehebruchthema behandelt wird, zählt die zweite Geschichte des Papyrus Westcar (zwischen 1837 und 1630 v. Chr.). Darin wird erzählt, wie der Zauberer Ubaoner Magie einsetzt, um den Liebhaber seiner Frau zu bestrafen; die untreue Frau wird hingerichtet.

Griechische Mythologie mini|Zeus nähert sich Astraea (Marco Liberi, 17. Jahrhundert) Einer der ältesten Ehebrecher der literarischen Überlieferung war der Olympische Gott Zeus, der seine Gattin Hera mit einer Vielzahl von Frauen betrogen hat, darunter Leto, Leda, Europa, Io und Persephone. Obwohl er sich diesen Frauen häufig in listiger Verwandlung genähert hatte, galt die Rache der betrogenen Hera nie Zeus, sondern stets den Geliebten. In der Odyssee (8./7. Jahrhundert v. Chr.) betrügt Odysseus seine unerschütterlich treue Gattin Penelope mit der Zauberin Kirke. Die Argonautensage erzählt von den Männern von Lemnos, die ihre Ehefrauen mit thrakischen Sklavinnen betrügen, nachdem Aphrodite ihre Frauen mit Mundgeruch gestraft hat; die aufgebrachten Ehefrauen richten unter ihren Männern daraufhin ein Massaker an. Medea ermordet, als ihr Ehemann, der Königssohn Iason, sich einer anderen Frau zuwendet, aus Rache nicht nur die Rivalin und deren Vater, sondern auch ihre eigenen Kinder.

In Euripides’ Tragödie Der bekränzte Hippolytos (428 v. Chr.) verliebt – durch einen Zauber der eifersüchtigen Aphrodite – Theseus’ Gattin Phaidra sich in ihren Stiefsohn Hippolytos und erhängt sich, da ihre Liebe nicht erwidert wird. Eine weitere berühmte Ehebrecherin der griechischen Mythologie ist Klytaimnestra, die gemeinsam mit ihrem Liebhaber Aigisthos ihren Ehemann Agamemnon ermordet. Aërope betrügt ihren Ehemann Atreus mit dessen Bruder Thyestes; Atreus vertreibt den Nebenbuhler und lässt Aërope ins Meer werfen.

Herakles, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht unsterblich ist, begeht einen Suizidversuch, nachdem er mit Iole fremdgegangen ist und seine Frau Deïaneira ihn aus Rache mit dem Nessoshemd foltert. Herakles selbst ist die Folge eines Seitensprunges seiner Mutter Alkmene, der Zeus sich in der Gestalt ihres Verlobten Amphitryon genähert hatte; bereits in Plautus’ Adaption des Stoffes (Amphitruo, um 190 v. Chr.) sind Alkmene und Amphitryon zu Beginn der Handlung miteinander verheiratet.

Bibel Auch das Alte Testament der Bibel enthält Erzählungen über Ehebruch. So schläft laut der mit Sarah verheiratete Abraham mit der Sklavin Hagar; obwohl dies anfänglich auf Sarahs Wunsch hin geschieht, ist sie später eifersüchtig. In wird berichtet, wie Ruben mit Bilha, der Konkubine seines Vaters Jakob, schläft. König David, der zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Ehefrauen hat, schläft mit Bathseba, der Frau des Hethiters Urija, und lässt Urija dann ermorden . Unklar ist die in angedeutete Untreue von Gomer, der Ehefrau des Propheten Hosea.

Im Neuen Testament findet sich die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin in . Seit dem Kirchenvater Hippolyt und Papst Gregor I. wurde Maria Magdalena häufig mit dieser Ehebrecherin gleichgesetzt; noch im ausgehenden 19. Jahrhundert tat es ihnen z. B. Paul Heyse (Maria von Magdala, 1899) gleich. Wie unter anderem Cynthia Bourgeault aufgewiesen hat, hat diese Gleichsetzung jedoch keine biblische Grundlage und ist eine Fiktion späterer Jahrhunderte. Siehe hierzu auch:

Mittelalter und Renaissance Frankreich Aus dem Altfranzösischen stammt die Erzählung von Lancelot, der eine Liebesbeziehung mit Guinevere, der Gemahlin seines Herrn, König Artus anknüpft. Dieser Stoff, dessen älteste erhaltene Adaption Chrétien de Troyes’ Verserzählung Le Chevalier de la charrette (1177–1181) ist, wurde bis in die Gegenwart immer wieder neu interpretiert. In Geoffrey von Monmouths lateinischer Bearbeitung desselben Stoffes, Historia regum Britanniae (1136), war es noch Mordred, der eine ehebrecherische Beziehung zu Guinevere unterhielt. Ebenfalls im Umfeld der Ritter der Tafelrunde hat Chrétien de Troyes seine Verserzählung Cligès (um 1176) angesiedelt, in der der Titelheld sein Herz an Fenice verliert, die Ehefrau seines Onkels Alis; da letzterer stirbt, finden die Liebenden glücklich zueinander.

Ähnlich bedeutend ist die Erzählung von Tristan und Isolde, deren älteste überlieferte Schriftformen aus dem 12. Jahrhundert stammen; sie schildert das Schicksal einer irischen Königstochter, die einen Liebestrank, den sie eigentlich gemeinsam mit ihrem Bräutigam Marke von Cornwall trinken soll, versehentlich gemeinsam mit dessen Brautwerber einnimmt.

Ebenfalls im 12. Jahrhundert schrieb Marie de France mehrere Lais, die von weiblichem Ehebruch handeln, wie Equitan, Bisclavret und Yonec, in denen die Schuldigen schwerste Strafen erleiden.

Margarete von Navarras Heptaméron (1558) umfasst neben vielen anderen eine satirische Erzählung über König Alfons II. von Neapel, der ein Verhältnis mit einer adligen Dame hat, deren Ehemann sich schadlos hält, indem er wiederum mit der Königin schläft.

Deutscher Sprachraum Um das Jahr 1240 verfasste der Stricker seinen Schwankroman Der Pfaffe Amis über einen betrügerischen Priester, der die Ehefrauen, die als unbescholten gelten wollen, veranlasst, ihr gesamtes Vermögen für einen angeblichen Kirchbau zu spenden.

Vermutlich im Auftrage des elsässischen Adligen Peter Diemringer von Staufenberg wurde um 1320 die erste überlieferte Version der auf volkstümlicher Tradition beruhenden Undinen-Stoffes niedergeschrieben. Die Versnovelle erzählt von der Mahrtenehe des Erzählers mit einer Merfeye, die sich ausbedingt, dass er keine andere Ehefrau nehme; als er dies auf Druck seiner Verwandten dennoch tut, stirbt er noch am Hochzeitstag.

Die Moralsatire Das Narrenschiff (1494) des Straßburgers Sebastian Brant enthält eine Episode „Vom Ehebruch“.

Italien mini|Alexandre Cabanel: Der Tod von Francesca da Rimini und Paolo Malatesta (1870) Zu den berühmtesten Ehebruchgeschichten des Mittelalters zählt die Episode von Francesca da Rimini im 5. Gesang von Dantes Divina Commedia (1321); Francesca büßt in der Hölle, nachdem ihr ungeliebter Ehemann Giovanni Malatesta sie beim Fremdgehen mit seinem Bruder Paolo erwischt und getötet hat. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert haben viele Schriftsteller und andere Künstler an diesem Stoff erneut Interesse gefunden und ihn für ihre eigenen Werke zeitgemäß interpretiert.

Giovanni Boccaccios Novellensammlung Decamerone (1349–1353) enthält die Geschichte der Madonna Filippa, die von ihren Mann nach einem Seitensprung vor Gericht gebracht wird, sich dort jedoch schlagfertig und erfolgreich verteidigt.

In Bernardo Dovizi da Bibbienas Komödie La calandria (1513) wird der Ehebruch bewerkstelligt, indem der Liebhaber sich als Frau verkleidet und auf diese Weise Zugang ins Haus der verheirateten Geliebten erlangt. In Niccolò Machiavellis thematisch ähnlicher Komödie La mandragola (1518) gibt der Liebhaber sich aus demselben Grunde als Arzt aus.

England Mehrere Ehebruchgeschichten sind auch in Geoffrey Chaucers Canterbury Tales (1387) zu finden, darunter The Millers’ Tale über den Studenten Nicholas, der ein Verhältnis mit der Ehefrau seines Vermieters hat; Chaucer schützt vor, den Leser vor der Sünde warnen zu wollen, stellt sie aber viel zu unterhaltsam dar, um diesen Zweck tatsächlich zu erreichen.

In Richard Johnsons höfischem Roman Tom a Lincoln (1599/1607) erfährt der Leser von einer ehebrecherischen Affäre König Arthurs mit Angelica, der Tochter des Lord Mayor of London.

1592 erschien in London anonym das Bühnenstück The Tragedy of Master Arden of Faversham über einen reichen Landbesitzer, dessen untreue Frau zwei Mörder anheuert, um ihren Gatten aus dem Wege zu schaffen. 1603 folgte Thomas Heywoods von einem italienischen Roman inspiriertes Bühnenstück A Woman Killed with Kindness, in dem der betrogene Ehemann auf Blutrache verzichtet, die untreue Frau aber an gebrochenem Herzen stirbt.

Umstritten ist in der Fachliteratur, ob Hamlets Mutter Gertrude eine Ehebrecherin war, d. h. ob sie mit Claudius bereits zu Lebzeiten von Hamlets Vater intim war (um 1601). „Ay, that incestuous, that adulterate beast“, wettert Hamlets Vaters Geist im 5. Auftritt des 1. Aktes. Im Werke Shakespeares wäre sie damit die einzige Figur, die tatsächlich einen Ehebruch begangen haben könnte, denn in Othello, Das Wintermärchen und Cymbeline sind die vermeintlichen Ehebrecherinnen allesamt unschuldig.

Andere Sprachräume Zur nordischen Mythologie gehört der Wälsungen-Stoff einschließlich der Geschichte der Signy, die mit Siggeir verheiratet ist, mit ihrem Zwillingsbruder Sigmund aber den Sinfiötli zeugt. In Richard Wagners Ring des Nibelungen (1848–1874) entsprechen diesen Vieren die Figuren Sieglinde, Hunding, Siegmund und Siegfried.

Die in mittelniederländischer Sprache verfasste sotternie Lippijn – Teil der literaturhistorisch bedeutenden Van Hulthemschen Handschriften – erzählt die Geschichte eines Ehemannes, der zwar weiß, dass seine Frau einen Liebhaber getroffen hat, dessen Anklagen von der Umgebung aber heruntergespielt und sogar zu seinem Nachteil verwendet werden.

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Ehebrecherinnen in der spanischen Literatur (Siglo de Oro)