mini|hochkant=1.3|Schloss Bothmer Schloss Bothmer ist ein Baudenkmal in der mecklenburg-vorpommerschen Stadt Klütz. Die barocke Dreiflügelanlage wurde in den Jahren 1726 bis 1732 für Johann Kaspar von Bothmer von Johann Friedrich Künnecke erbaut. Hervorzuheben sind das Vestibül, der Gartensaal und der Festsaal. Das Schlossmuseum sowie weitere Einrichtungen im Schloss stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Geschichte Überblick mini|Schloss und Park Bothmer, 2024 Das Barockschloss befindet sich am südlichen Ortsrand der nordwestmecklenburgischen Kleinstadt Klütz. Der denkmalgeschützte Komplex aus mehrflügeligem Schloss und rechteckiger Garteninsel bildet die größte erhaltene Barockanlage Mecklenburg-Vorpommerns.Das Schloss im Klützer Winkel. schloss-bothmer.info; abgerufen am 2. April 2009. Die zum Schloss führende FestonalleeDie Festonallee. mv-schloesser.de aus spalierartig gezogenen Lindenbäumen ist ein in Deutschland einzigartiges Gartendenkmal. Das Schloss wurde nach englischen und niederländischen Vorbildern für den in Diensten des englischen Königshauses stehenden Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer von 1726 bis 1732 als Stammsitz seiner Familie erbaut. Zusammen mit zahlreichen benachbarten Gütern befand es sich über 200 Jahre im Eigentum der Bothmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz enteignet und das Schloss in der Zeit der DDR zu einem Altenheim umfunktioniert. Nachdem ein privater Investor ein geplantes Nutzungskonzept nicht umsetzen konnte, wurde es Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und kam in die Obhut der Behörde Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. Nach einer Zeit des Leerstands und Verfalls wurde es saniert; im Mai 2015 wurde das Schlossmuseum im Corps de Logis eröffnet.
Vorgeschichte des Schlosses mini|Hans Caspar von Bothmer (1717) mini|hochkant|Stammwappen der Adelsfamilie von Bothmer Der Bauherr des Schlosses war der aus der niedersächsischen Adelsfamilie Bothmer stammende Diplomat Hans Caspar von Bothmer. Der 1656 geborene Bothmer entstammte dem niederen Landadel und wurde 1682 an den kurfürstlichen Hof von Hannover geholt, wo er als Hofjunker von Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg diente.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 31. Seine diplomatischen Fähigkeiten führten zu einem steten Aufstieg bei Hofe, und er wurde mit verschiedenen diplomatischen Missionen betraut. 1696 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern und seinem Vater zum Reichsfreiherren ernannt und 1713 zu Wien zum Reichsgrafen erhoben. Ab 1711 diente Bothmer als Gesandter des Hauses Hannover in London, wo er 1714 maßgeblich an der Einsetzung Georgs I. als König von Großbritannien beteiligt war. Derart in den höheren Adel aufgestiegen, verfolgte Bothmer die Absicht, einen größeren Güterkomplex für die Errichtung eines Stammsitzes und zur Versorgung seiner Familie zu erwerben. Die finanziellen Möglichkeiten dazu erhielt er unter anderem durch König Georg, der dem Reichsgrafen zum Dank für den gewonnenen Thron großzügige Dotationen gewährte.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 32.
Da Hans Caspar von Bothmer vorwiegend in London weilte, erwarb sein Bruder Friedrich Johann ab 1721 Ländereien für die Errichtung eines Gutsbesitzes. Im Klützer Winkel litt die Familie Plessen unter den Folgen des Großen Nordischen Krieges und einer ungünstigen Wirtschaftslage; ihr Besitz wurde zu einem günstigen Preis angeboten.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 38. Bald konnte die Familie Bothmer weitere Ländereien hinzugewinnen, diesmal durch einen Ehekontrakt mit der dort ebenfalls ansässigen Familie von Bülow (Siehe auch: Burg Arpshagen). Der Sohn Friedrich Johanns und Neffe Hans Caspar Bothmers, Hans Caspar Gottfried, wurde mit Christine Margarethe von Bülow vermählt, wodurch mit dem Tode ihres Vaters, des Oberstallmeisters Hartwig von Bülow, 1729 das Gut Elmenhorst mit den weiteren Ländereien der Bülows an die Familie von Bothmer kam. Dazu gehörte auch das Kirchenpatronat über das benachbarte Damshagen mit der St.-Thomas-Kirche. (PDF) Kirchenführer der Gemeinde Damshagen.
Der Familiensitz derer von Bothmer mini|Buckingham House – der Vorläufer des heutigen Buckingham Palace – gilt als eines der Vorbilder Bothmers Schloss Bothmer wurde von 1726 bis 1732 durch den Architekten Johann Friedrich Künnecke inmitten der Bothmerschen Güter nach niederländischen und englischen Vorbildern erbaut. Es war ein vollständiger Neubau, einen Vorgängerbau gab es nicht. Der Standort wurde sowohl aus ästhetischen als auch aus praktischen Gründen gewählt. Die sanft gewellte Hügellandschaft bot einen ansprechenden Rahmen für die Schlossanlage, aus dem benachbarten Klütz konnten Arbeitskräfte geworben werden und die beiden Handelsstädte Lübeck und Wismar waren nicht weit entfernt. Hans Caspar von Bothmer starb 1732 in London und hat das vollendete Schloss nicht mehr gesehen. Da sein Sohn bereits früh verstarb, wurden sein Neffe Hans Caspar Gottfried und dessen Ehefrau Christine Margarethe zu den ersten Bewohnern des Schlosses. Bothmer diente ihnen und den folgenden Majoratsherren als ständig bewohnter Familiensitz, wobei die zum Teil mit verschiedenen Ämtern versehenen Reichsgrafen bei Abwesenheit durch einen Gutsinspektor vertreten wurden.
Auf Hans Caspar Gottfried Graf von Bothmer (1695–1765) als zweitem Majoratsherrn folgten Hans Caspar III., Graf von Bothmer (1727–1787), dritter Majoratsherr, Hans Caspar Julius Victor, Graf von Bothmer (1764–1814), vierter Majoratsherr, und auf diesen sein Bruder Christian Ludwig Graf von Bothmer (1773–1848) als fünfter Majoratsherr.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 116–129. Graf Christian Ludwig hatte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, woraus eine bauliche Vernachlässigung des Schlosses folgte. Ein Besucher schrieb 1833 „das große Schloss Bothmer […] es sah sehr wüst aus“ und „das Gras zwischen dem Pflaster war fußhoch gewachsen“.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 130.
Das Schloss und der mecklenburgische Grundbesitz waren bereits auf Veranlassung Hans Caspar von Bothmers zu einem Fideikommiss, also zu einer unveräußerlichen Erbmasse, umgewandelt worden. Damit sollte Bothmer immer an den ältesten männlichen Erben der Familie übergehen, der zugleich den Titel des Reichsgrafen erhielt. Dadurch konnte es aber bei Ausbleiben eines männlichen Erben zu Streitigkeiten kommen; diese Situation trat unter Graf Christian Ludwig ein.F. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 116. Die von Bothmer gerieten in Konflikt mit den Rantzau aus dem benachbarten Schleswig-Holstein, als Kuno zu Rantzau-Breitenburg, der mütterlicherseits selber aus dem Haus Bothmer stammte, im Namen seiner Frau Amalasuntha von Bothmer deren Erbjungfernrecht durchzusetzen versuchte. Rantzau und seine Frau lebten einige Jahre im Schloss, wobei es immer wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen und 1851 sogar zu einem Aufruhr in Arpshagen kam,Julius-Eduard-Hitzig [Nachfolger] (Hrsg.): Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechts-Pflege, 72. Verlag Dümmler, Berlin 1855, S. 259 ff. Anfang 1852 ging der Besitz durch Vergleich auf einen männlichen Erben aus einem anderen Familienzweig über: Felix Gottlob Graf von Bothmer (1804–1876) wurde sechster Majoratsherr.Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin, 26. Junius 1852, No. 16, III. Abtheilung. Selbstverlag, Schwerin 1852, S. 86. Digitalisat Er stammte aus einer älteren Seitenlinie und musste sich für die juristische Durchsetzung seines Rechts stark verschuldenF. Burmeister, C. Mark: Schloss Bothmer in Mecklenburg: Entstehung, Wandel und Vision. 2006, S. 119. so dass er nach Antritt der Majoratsherrschaft in Konkurs gehen musste, der Fideikommiss auf Anweisung der Landesherrschaft unter Zwangsverwaltung gestellt und Karl von Maltzahn, der Erste Direktor des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins als Konkursverwalter eingesetzt wurde.Karl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Band 36. Hoffmann & Campe, Hamburg 1856, S. 186. Auf Felix von Bothmer folgten 1876 sein Sohn Ludwig Georg Otto Friedrich Graf von Bothmer (1835–1894) als siebter Majoratsherr, verheiratet mit Bertha Freiin von Orgies genannt von Rutenberg, der Tochter von Otto von Orgies-Rutenberg. Ludwig von Bothmer-Bothmer war auch Vorstandsvorsitzender des Geschlechts-Verbandes der Gesamtfamilie. Gutserbe wurde sein Sohn Otto von Bothmer (1865–1918) als achter Majoratsherr und dann, da dieser ohne männliche Nachkommen starb, Felix von Bothmers Neffe Alfred Graf von Bothmer (1859–1934) als neunter und letzter Majoratsherr. Ende der 1920er Jahre umfasste Bothmer als Lehngut 1889 ha. Hinzu kamen die 577 ha für Gut Brook sowie ebenfalls als Teil des Familienfideikommisses Gut Arpshagen mit 387 ha, nach der letzten Ausgabe des amtlich publizierten Güter-Adressbuch Mecklenburg.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand Bothmer samt den dazugehörigen Gütern noch aus mehr als 7800 Hektar Grundfläche. In der Zeit Graf Alfreds traten jedoch große Veränderungen ein. Ausgelöst durch den Ersten Weltkrieg, geriet der Besitz in eine finanzielle Depression, die durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise noch verschlimmert wurde. Die Familienfideikommisse wurden aufgehoben und Bothmer damit uneingeschränktes Eigentum, das auch verkauft werden konnte. Die umfangreiche Schlossbibliothek wurde 1928 in Hamburg versteigertKatalog: Mecklenburgische Schloßbibliothek des Grafen Bothmer-Bothmer: alte Drucke und Chroniken, Geschichte, Kulturgeschichte, Geographie, Niedersachsen ..., Weltliteratur ..., Autographen; Versteigerung zu Hamburg, 5. und 6. Oktober 1928 / Walther Christiansen & Co. , und die Verschuldung führte zu einem Verkauf zahlreicher Güter. 1934 übernahm der von Alfreds Frau Mary, geborene Taylor, adoptierte Neffe zweiten Grades Ludwig Max Otto Graf von Bothmer (1889–1973) den verkleinerten Besitz. Ludwig war der Sohn des bayrischen Oberst Moritz Graf Bothmer und der Sophie Edle von Taeuffenbach. Der letzte Gutsherr auf Bothmer war wie sein Vater Offizier, Major a. D., und später Pfarrer der Christengemeinschaft.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit mini|hochkant|Während der Zeit des Altenheims wurde das Schloss zunehmend vernachlässigt. Blick in einen der Salons des Corps de Logis, 2008