mini|Marija Kapnist auf einer ukrainischen Briefmarke von 2014 Marija Rostyslawiwna Kapnist bzw. Maria Rostislawowna Kapnist (geborene Marietta Rostislawowna Kapnist-Serko, , ; * in Sankt Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 25. Oktober 1993 in Kiew, Ukraine) war eine sowjetische Filmschauspielerin. Im Jahr 1988 wurde sie als Verdiente Künstlerin der Ukrainischen SSR ausgezeichnet.
Aufgrund ihrer adligen Herkunft war sie über viele Jahre hinweg politischen Repressionen ausgesetzt. Sie wurde wiederholt der konterrevolutionären Tätigkeit beschuldigt und inhaftiert. Bis in die Zeit des Tauwetters hinein arbeitete sie als Straßenkehrerin, bevor sie die Möglichkeit erhielt, eine Schauspielkarriere zu beginnen, in der sie große Erfolge erzielte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion setzte sie sich für die Wiederherstellung der Monarchie in Russland ein.
Familie mini|Wappen der Familie Kapnist Marija Kapnist stammt aus der alten, griechischstämmigen Familie Kapnist. Ihr Vater Rostislaw Kapnist (1875–1921), war adeliger Großgrundbesitzer und AntiquitätensammlerEintrag zu Rostyslaw Kapnist in der Enzyklopädie der modernen Ukraine; abgerufen am 2. April 2018 (ukrainisch) und ihr Urgroßvater Pjotr Kapnist war der Bruder des Schriftstellers Wassili Kapnist. Mütterlicherseits geht ihre Familie bis auf den Ataman der Saporoger Kosaken Iwan Sirko zurück.Die Hauptrolle von Marija Kapnist auf day.kyiv.ua, 23. Dezember 2014; abgerufen am 2. April 2018 (ukrainisch)
Leben Marija kam in Sankt Petersburg zur Welt und verlebte ihre ersten Lebensjahre in einem schönen Haus auf der Englischen Promenade () am Ufer der Großen Newa. Nachdem, durch die Oktoberrevolution bedingt, das Leben in der Stadt immer schwieriger wurde, zog die Familie nach Sudak an der Schwarzmeerküste auf der Halbinsel Krim. Nachdem ihr Vater im Winter 1921 von den Bolschewiki erschossen und ihr Haus zerstört worden war, blieb der Rest der Familie mittellos zurück. Nach einigen Jahren erfasste der rote Terror sämtliche Familienmitglieder. Durch die Hilfe von Krimtataren gelang es Marija und ihrer Mutter, in krimtatarischer Tracht, aus Sudak zu entkommen.
Im Alter von 16 Jahren lebte Marjia Kapnist wieder in Petersburg, dass nun Leningrad hieß. Dort wurde sie ein Jahr später am Leningrader Puschkin-Theater aufgenommen und ging nach dessen Schließung ans Russische Staatliche Institut für darstellende Kunst.
Der Eindruck, dass sich die Verhältnisse wieder normalisiert hätten, trog, denn nach dem Tod von Sergei Kirow im Dezember 1934, einem engen Freund der Familie Kapnist, begannen die Stalinschen Säuberungen und sie musste, aufgrund ihrer adeligen Herkunft, die Stadt verlassen. Die folgenden Jahre verbrachte die junge Schauspielerin zunächst in Kiew, daran anschließend in Batumi und schließlich erneut in Leningrad. Anfang 1941 wurde die inzwischen 27-jährige für „antisowjetische Propaganda und Agitation“ zu 8 Jahre Lagerhaft, die später noch einmal auf 15 Jahre verlängert wurde, verurteilt. Die folgenden Jahre verbrachte sie in Gulags unter anderem in Sibirien, Karaganda, Dscheskasgan und Jenisseisk, in denen sie schweren Repressalien, Schlägen, nächtlichen Verhören und gesundheitsschädlicher Schwerstarbeit in Bergwerken ausgesetzt war. In Sibirien lernte sie den polnischen Ingenieur Jan Wolkonski kennen und wurde in der Folge Mutter einer Tochter, die sie nach der Heldin aus Gorkis Erzählung Makar Tschudra Radda nannte. Marija's Tochter kam in einen Kindergarten im Lager. Dort wurde Marija Zeuge, wie eine Erzieherin ihre Tochter schlug und beschimpfte, woraufhin sie die Erzieherin schlug. Daraufhin wurde sie zu weiteren zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und ihre Tochter Raddu kam in ein Kinderheim. 1958 widerrief der Oberste Gerichtshof ihre Verurteilungen, und der Fall wurde ohne Vorliegen eines Verbrechens ausgesetzt. Nach ihrer Rehabilitation war Marija allerdings dermaßen von der Haft gezeichnet, dass sie sich selbst nicht mehr im Spiegel erkannte. Die 42-jährige Marija sah aus wie eine runzlige alte Frau und bekam Suizidgedanken.
Nach 15 Jahren in Unfreiheit zog Marija Kapnist nach Kiew und musste sich dort, zunächst obdachlos, durchschlagen. Um wenigstens etwas Geld zu verdienen, arbeitete sie als Masseurin und Hausmeisterin. Als sie eines Tages an einem Kino stand, wurde sie von dem jungen Filmregisseur Jurij Lyssenko (, 1910–1994) für den Film entdeckt. Der Erfolg von Tavria zog die Aufmerksamkeit vieler Regisseure auf sich, sodass sie fortan als Filmschauspielerin ein festes Auskommen hatte. Sie spielte in ihrem weiteren Leben in 75 SpielfilmenProfil Marija Kapnist auf kinopoisk.ru; abgerufen am 2. April 2018 (russisch) meist düstere, harte Frauen, Hexen, Zauberinnen, eine mysteriöse Gräfin und ähnliche Rollen.
Nach einem Kinobesuch im Oktober 1993 trat sie abends den Heimweg an und ging, aufgrund einer in Lagerhaft entwickelten Klaustrophobie, statt durch eine Unterführung, über den vielbefahrenen Siegesprospekt in Kiew, wo sie von einem Auto erfasst wurde. Während ihres anschließenden Krankenhausaufenthaltes erkältete sie sich und starb aufgrund von eintretenden Komplikationen 79-jährig in einem Kiewer Krankenhaus. auf 1576.com.ua; abgerufen am 2. April 2018 (ukrainisch) Marija Kapnist wurde auf dem Familienfriedhof in Welyka Obuchiwka (), in der Oblast Poltawa bestattet.
Filmografie Quelle:
Ehrungen 1988 – Verdienter Künstler der Ukrainischen SSR 2014 – An ihrem 100. Geburtstag wurde in Kiew eine Gedenktafel zu ihrer Erinnerung angebracht. Webseite der Informationsagentur der Kulturindustrie; abgerufen am 2. April 2018 (ukrainisch) Die ukrainische Post gab zu diesem Anlass eine Briefmarke heraus.
Weblinks
Eintrag zu Marija Kapnist in der Enzyklopädie der modernen Ukraine (ukrainisch)
Siehe auch Liste vom Sowjetregime verfolgter ukrainischer Künstler
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Häftling im Gulag Kategorie:Künstler (Kiew) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Ukrainer Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 1993 Kategorie:Frau