Die Universität Complutense Madrid () ist eine Universität in der spanischen Hauptstadt Madrid. Sie ist eine der ältesten Universitäten der Welt und die größte Präsenzuniversität Spaniens. Ursprünglich im Jahr 1499 in Alcalá de Henares gegründet, wurde sie 1836 nach Madrid verlegt. Die Universität ist eine der renommiertesten akademischen Einrichtungen Spaniens und bekannt für die Ausbildung historischer Persönlichkeiten, sieben Nobelpreisträger und bedeutender Führungskräfte in Politik, Literatur und Wissenschaft. Die Universidad Complutense Madrid ist besonders für Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie, Medizin, Moderne Sprachen, Geschichte, Archäologie, Kommunikations-, Rechts- und Politikwissenschaften bekannt.

Geschichte

Die Universität in Alcalá mini|Zentraluniversität (1847–1943)

Die heutige Universität Complutense Madrid wurde von Kardinal Cisneros in Alcalá de Henares gegründet, das wiederum auf das römische Complutum zurückgeht. Grundlage dafür war das päpstliche Schreiben „Inter cetera“, das Papst Alexander VI. am 13. April 1499 ausstellte und dem Kardinal das Privileg einräumte, ein Kolleg für Schüler zu gründen und in Alcalá de Henares zu errichten. Kardinal Cisneros ließ bereits im März 1499, einen Monat vor Erteilung der päpstlichen „Carta bulada“, den Grundstein für das Colegio Mayor San Ildefonso legen. Ziel war die Gründung des Colegio Complutense, in dem Theologie, Kanonisches Recht und Freie Künste gelehrt werden sollten.

Die Bauarbeiten an der Universität dauerten bis 1508, im selben Jahr nahmen die ersten Studierenden ihr Studium auf. Der erste Rektor wurde am 17. Oktober 1508 gewählt und am 18. Oktober 1508 begann der Unterricht mit einer Einführung in die Moralphilosophie von Aristoteles. Cisneros orientierte sich an den mittelalterlichen europäischen Universitäten: Theologie, Medizin und Jura standen im Mittelpunkt, die Freien Künste dienten als Vorbereitung. Mit der kollegialen Struktur wollte er auch weniger begüterten Studierenden Zugang ermöglichen.

1510 wurden die „Constituciones“ des Colegio Mayor veröffentlicht, die detaillierte Regeln für die Fakultäten von Theologie, Kanonischem Recht und Medizin sowie für die Freien Künste enthielten. Zudem wurden weitere Fächer wie Grammatik und Griechisch eingeführt. Bemerkenswert ist, dass Medizin ursprünglich nicht vorgesehen war, aber in den „Constituciones“ (Nr. 49) mit zwei Lehrstühlen festgeschrieben wurde, um den Bedarf an medizinischer Ausbildung für die Gesellschaft zu decken. Mit der Verabschiedung der „Constituciones“ erhielt die Universität erstmals eine eigene Rechtspersönlichkeit, geleitet von einem Rektor, wie das Colegio selbst.

Nach wechselvollen Entwicklungen verfiel die Universität in Alcalá im Laufe der Zeit. 1821 ordnete das „Reglamento General de Instrucción Pública“ die Gründung der Universidad Central in Madrid an, die 1822 offiziell eröffnet wurde und die Studien der Universität von Alcalá, San Isidro und des Naturkundemuseums übernahm. Die Rückkehr des Absolutismus 1824 in Spanien brachte die Universität wieder nach Alcalá, wo sie jedoch unter Repressionen, Verlust von Privilegien, Verbot des akademischen Kostüms und fehlenden Räumen in der Stadt Madrid stark geschwächt war.

Die Universität unter Königin Isabel II. von Spanien Das Gesetz über die öffentliche Ausbildung aus dem Jahr 1821 verfügte die Verlegung der Universidad de Alcalá de Henares nach Madrid mit dem Namen „Universidad Central“. Aufgrund der politischen Wechselfälle kehrte die Universität 1823 an ihren ersten Standort zurück. Erst 1836 konnte die endgültige Verlegung durch königlichen Erlass von Königin Isabel II. nach Madrid durchgeführt werden. Anfangs umfasste sie Theologie, Philosophie, Kanonisches Recht und Jurisprudenz, Naturwissenschaften, Medizin und Pharmazie. 1843 war in Alcalá kein Überbleibsel der von Cisneros gegründeten Institution mehr vorhanden. Bis 1850 trug die Universität den Namen „Literaria de Madrid“, ab 1850 führte sie wieder den Namen „Universidad Central“. Der Name sollte darauf hinweisen, dass diese Universität als Norm und Modell für die anderen spanischen Universitäten gelten sollte. Diese Sonderstellung wurde durch das Erziehungsgesetz von 1857 bestätigt, das bis 1943 gültig war.

Im selben Jahr erlaubten zwei Erlasse von Königin Isabel II. erneut das Tragen akademischer Kleidung und legten die Farben der Fakultäten fest. 1852 wurden die Fakultäten der Theologie abgeschafft, 1854 jedoch in vier Universitäten wieder eingeführt und 1857 durch die „Ley Moyano“ konsolidiert; endgültig abgeschafft wurden sie 1868, um Wissenschaft und Theologie zu trennen. Vorher gab es zahlreiche kurzlebige Studienpläne, oft politisch motiviert oder wegen fehlender Mittel kaum umsetzbar. Ab 1857 besaß sie das Monopol für die Verleihung von Doktortiteln in Spanien. 1858 umfasste die Universidad Central neben den sechs Fakultäten weitere Schulen: Musik- und Schauspiel-konservatorium, Lehrerbildung, Landwirtschaft, Architektur, Diplomatie, Maschinen- und Chemieingenieurwesen, Veterinärmedizin und Handel.

Die „Ley Moyano“ zentralisierte die Verwaltung der Universität und betonte den praxisnahen Charakter der Lehre. Einrichtungen wie das Museo de Ciencias Naturales, der Botanische Garten und das Astronomische Observatorium wurden in die Universität integriert. Die Struktur blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert bestehen, erlebte aber konservative Reformphasen. Die letzte Phase von Isabel II. führte zu einem Konflikt innerhalb der universitären Gemeinschaft Madrids, bekannt als „primera cuestión universitaria“.

Die Universität während des Demokratischen Sechsjahres (1868–1874) und der Restauration Ab 1868, nach dem Sturz Isabels II., begann im Rahmen des Sexenio Revolucionario eine Phase mutiger und visionärer Reformen an den spanischen Universitäten. Wissenschaft und Lehre sollten unabhängig von Staat und Kirche sein, die Professoren in der freien Äußerung ihres Denkens autonom und ethische Verantwortung ein zentraler Bestandteil akademischen Handelns. Viele geplante Reformen scheiterten jedoch an der politischen Instabilität jener Jahre.

Mit der Restauration der Bourbonen-Monarchie 1875 in Spanien kehrte eine konservativere Haltung in der Hochschulpolitik ein. Die wenigen zuvor durchgesetzten Reformen wurden stark eingeschränkt, was erneut zu Konflikten führte, die sogenannte „segunda cuestión universitaria“, in der sich Teile der Universitätsgemeinschaft engagierten. Trotz der Schwankungen zwischen konservativen und liberalen Regierungen blieb die geschaffene Universitätsstruktur weitgehend unverändert.

Nach fast einem halben Jahrhundert war die Gesetzgebung veraltet und die Universität befand sich in einer Krise. Die spanische Gesellschaft verlangte durch den technischen Fortschritt neue Berufsbilder und die beginnende universitäre Forschung um 1898, unterstützt von Persönlichkeiten wie José Rodríguez Carracido, Ignacio Bolívar, Ramón Menéndez Pidal und Santiago Ramón y Cajal, fand in diesem überholten System weder organisatorisch noch infrastrukturell Platz.

Die Universität von der Krise bis zum Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) Die Krise von 1898 offenbarte die strukturellen Schwächen Spaniens und verdeutlichte die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen im Bildungswesen auf allen Ebenen. Mit der Gründung des Ministeriums für öffentliche Bildung (Ministerio de Instrucción Pública) im Jahr 1900 begann eine neue Phase in der Geschichte der spanischen Universitäten. Der erste Minister, Antonio García Alix, leitete Reformen der Studienpläne ein, die eine stärkere Angleichung an die Standards europäischer Universitäten zum Ziel hatten. In dieser reformorientierten Zeit entstand auch die Junta para Ampliación de Estudios, die Stipendien für Auslandsaufenthalte förderte und den Aufbau von Forschungslaboren unterstützte, wobei Professoren der Universität Central eine zentrale Rolle spielten.

Die politischen und sozialen Umstände Spaniens und Europas in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts begrenzten die Umsetzung der Reformen. Im Mai 1919 erließ die Regierung ein Königliches Dekret zur Universitätsautonomie, das der Universität Central eine begrenzte akademische Selbstständigkeit zusprach. Dieses Gesetz wurde jedoch während der Diktatur von Miguel Primo de Rivera suspendiert, die ihre eigene Vorstellung von Universitätsautonomie durchsetzte.

Ein weiterer entscheidender Impuls für die Modernisierung der Universität Central war der Bau der Ciudad Universitaria. 1929 wurde unter der Schirmherrschaft von König Alfonso XIII. die Baukommission der Ciudad Universitaria gegründet. Ziel war es, die wachsende Studentenpopulation aus dem Stadtzentrum zu verlagern und ein imposantes Infrastrukturprojekt umzusetzen, wozu die Kommission Flächen in Moncloa erwarb.

Mit der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik wurden die schwachen Strukturen der Diktatur aufgehoben, während das Projekt der Ciudad Universitaria fortgeführt wurde. Das republikanische Bildungsprogramm brachte neue Studienpläne und Organisationsstrukturen. 1931 wurde experimentell ein neuer Studienplan für die Fakultät für Philosophie und Literatur eingeführt, der erste Elemente der Autonomie ermöglichte. Dieser Reformgedanke wurde 1933 im Gesetzesentwurf über die Grundlagen der Universitätsbildung von Minister Fernando de los Ríos weitergeführt, der eine moderne Universität als Ort der Persönlichkeitsbildung, beruflichen Qualifikation und Forschung definierte.

In den 1930er Jahren nahm der Bau der Ciudad Universitaria Fahrt auf. 1933 wurde das erste Gebäude, die Fakultät für Philosophie und Literatur, offiziell eröffnet, und bis 1936 war der zentrale Kern des Campus fertiggestellt oder kurz vor der Fertigstellung.

Während des Spanischen Bürgerkriegs wurde das Gelände der Ciudad Universitaria zum ständigen Kriegsschauplatz, sodass der reguläre Lehrbetrieb unmöglich wurde. Ein Großteil der Madrider Professorenschaft folgte den Anweisungen des Ministeriums für öffentliche Bildung und verlegte die Lehre nach Valencia.

Die Universität während der Franco-Diktatur (1939–1975) Kurz vor dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs 1939 ernannte das Franco-Regime Pío Zabala y Lera zum ersten Rektor der Diktatur an der Universität Madrid. Unter seiner Leitung wurden die neuen, von den Behörden entworfenen Studienpläne umgesetzt. Das Exil und die sogenannte „depuración“ (Säuberung) des Lehrpersonals trafen fast 40 % der Professorenschaft, darunter ehemalige republikanische Rektoren wie José Giral, Fernando de los Ríos und José Gaos.

1943 trat die „Ley de Ordenación de la Universidad Española“ in Kraft, die bis 1970 die Grundzüge der franquistischen Universität festlegte. Die Universität verlor ihren Modellcharakter und war nicht mehr als „Universidad Central“, sondern unter dem Namen als „Universidad de Madrid“ bekannt.Ministerio de Educación 2012 Sie etablierte ein stark zentralistisches System: Der Rektor, direkt vom Staat ernannt, war die oberste Autorität; Kirche, Militär und Falange wurden in die universitäre Organisation integriert. Religionsunterricht, obligatorische Sportausbildung und die Mitgliedschaft im staatlich kontrollierten SEU (Sindicato Español Universitario) gehörten zu den staatlich verordneten Pflichten. Neue Fakultäten in Madrid entstanden, darunter Veterinärmedizin und Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Zwischen 1951 und 1956 leitete Pedro Laín Entralgo das Rektorat, wobei die strenge staatliche Kontrolle durch das Franco-Regime minimal gelockert wurde.