Thomas Palme (* 1967 in Immenstadt) ist ein deutscher Künstler.

Leben Thomas Palme wurde in Immenstadt geboren. Sein Vater war Prokurist, seine Mutter Hausfrau. Bereits seine Schulhefte, sowie alle Klassenarbeiten waren zwanghaft übersät mit Kritzeleien. 1982 verließ er die Schule, um zunächst am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg Kontrabass zu studieren. 1983 begann er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Hans Baschang, um kurz darauf für ein Jahr an die Akademie der Bildenden Künste nach Wien zu wechseln. Von 1988 bis 1994 besuchte er an der Kunstakademie Düsseldorf die Klassen von Tony Cragg und Michael Buthe. Obwohl er sein Studium offiziell mit Diplom abschloss, nahm er nur spärlich am Unterricht teil, da er von den Professoren laut Eigenaussage nichts lernte.Biografie von Thomas Palme in der Ausstellung „Schiele Brus Palme. Absturzträume“ im Leopold Museum Wien 2018. Ab 1992 zeichnete sich eine Psychose ab, da er nicht wusste, mit welcher Hand er zeichnen soll.Biografie von Thomas Palme in der Ausstellung „Schiele Brus Palme. Absturzträume“ im Leopold Museum Wien 2018. Palme hat die Gabe, mit beiden Händen gleich gut zeichnen und schreiben zu können, doch empfindet er, dass jede Hand für eine andere Ausdrucksqualität steht. Da ihm niemand sagen kann, was er tun soll, hörte er auf künstlerisch tätig zu sein und arbeitete für verschiedene Kunsttransportfirmen. Erst 2001 begann er inmitten einer existenziellen Ausnahmesituation wieder zu zeichnen. Er entwickelte eine Technik, bei der er mit beiden Händen wechselseitig und teilweise gleichzeitig arbeitet. Im selben Jahr führte er bei Aufenthalten im Allgäu auch seine ersten Performances durch. 2007 zog Palme zurück ins Allgäu, wo er heute noch lebt. Von 2010 bis 2014 stritt er vor Gericht erfolgreich gegen seinen ehemaligen Verleger und Mentor um die Herausgabe von tausenden Arbeiten. Er lebt und arbeitet in Immenstadt im Allgäu.

Arbeit Obwohl Palme kurze Performances für die Kamera durchführt und auch schon kleinere Bronzeplastiken angefertigt hat, ist sein primäres künstlerisches Ausdrucksmedium die Zeichnung. „Sie bestimmt alles! Sie bestimmt den Künstler und sie bestimmt das Werk.“Thomas Palme, Ich werde aufhören – Ich werde weitermachen. In: Thomas Palme. Size Does Matter II. Large Drawings 2009-2010. The Austria Appendix. Kunsthalle Krems. Darling Publ. 2010, S. 125. Er meint auf einem Blatt sogar: „Ich zeichne nicht mehr selbst, es zeichnet irgendwie durch mich hindurch.“Thomas Palme, EZB go home, 2016 Jedes Jahr entstehen so rund 1000 Zeichnungen in Bleistift auf Papier. Palme arbeitet immer mit denselben Bleistiftstärken auf demselben Papier in denselben Formaten. Neben seinem Standardformat 65 × 50 cm, hat er auch großformatige Serien in den Maßen 150 × 120 cm geschaffen wie die Zyklen „Die Künstlerhure“ oder „Transformation“.

Im Zentrum seines Werks steht immer der Künstler als exemplarischer Stellvertreter der Gesellschaft, eingespannt zwischen den Triebkräften Eros und Thanatos. Die Titel und Textteile sind ein essenzieller Bestandteil seiner Zeichnungen. Durch das Wort erhalten die Darstellungen oft jene Wendung ins Ironische und Doppelbödige, die durch die teils provokanten und herausfordernden Sujets alleine nicht offensichtlich wäre. Palmes Einflüsse kommen daher auch stärker aus der Literatur als aus der bildenden Kunst. Es sind Autoren wie Giacomo Leopardi, Charles Baudelaire, Emily Dickinson, Ezra Pound oder T. S. Eliot, die sich als Referenz in seinen Bildtexten und Darstellungen finden. In Analogie zur „confessional poetry“ spricht er von seinen Zeichnungen auch als „confessional drawing“.

Palme bezieht sich auf jene Künstler und Literaten, die wussten, dass der Tod dem Leben eingeschrieben ist und die im Bewusstsein dieser Ohnmacht gearbeitet haben. Er entwirft in seinen Zeichnungen „eine Welt der Obsessionen und Verdrängungen, der Begierden und Leidenschaften, der Zwänge und Ängste […] und beschreibt dabei den ganz normalen Wahnsinn, die Lächerlichkeit und Tragödie des Mensch-Seins.“Hans-Peter Wipplinger, Schamane aus dem Allgäu. In: Thomas Palme. Size Does Matter II. Large Drawings 2009-2010. The Austria Appendix. Kunsthalle Krems. Darling Publ. 2010, S. 127. „Bei ihm kommt immer die doppelte Zeichnung zum Ausdruck und dies nicht, weil er mit beiden Händen gleich gut und teilweise gleichzeitig zeichnet, sondern es ist die Zeichnung, die er als Mensch erfahren hat, das Gezeichnetsein durch die Gesellschaft und die Zeichnung dieser Erfahrung auf dem Blatt Papier.“Roman Grabner, Der Schiele-Block. In: Thomas Palme. Der Schiele-Block. St. Ruprecht an der Raab 2018, o. S.

Die Zeichnungen vom Thomas Palme werden im Internet veröffentlicht.palme-zeichenblog.blogspot.com

Öffentliche Sammlungen (Auswahl) Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Kunstsammlung Land Niederösterreich Leopold Museum, Wien

Ausstellungen (Auswahl) 2018: Schiele Brus Palme. Absturzträume. Leopold Museum Wien 2017: Du und Ich, Zeichenstrich. Günter Brus + Thomas Palme. galerie GALERIE, Wien 2016: PALM-CAT 666. Martinetz, Köln 2016: Sternstunde Zeichnung. Galerie Michael Haas, Berlin 2016: Yoga Dog. Kai Erdmann Galerie, Hamburg 2015: Das gezeichnete Ich. BRUSEUM/Neue Galerie Graz 2014: Bronzen & Zeichnungen. Teapot, Köln 2013: Die schöne Müllerin. Art-Depot, Innsbruck 2012: Die kleine Wochenschau. Teapot, Köln 2011: The one hundred most important men in history. stageBACK / Eastlink Gallery Shanghai Thomas Palme – Galerie Jean Pierre Ritsch – Fisch, Straßburg 2010: Lost or Damned! Galleri Christoffer Egelund, Kopenhagen 2010: Artwhores, Künstlerhuren, Soloshow auf der Armory Show, New York 2010: Rising Spinett. Philipp Konzett Galerie, Wien 2010: Rotten Home. Einen besseren Künstler habt ihr nicht verdient! Factory/Kunsthalle Krems 2010: Animal Sprit. Galerie Jean Pierre Ritsch-Fisch, Straßburg 2009: MADNESS; BOOZE AND SOCIAL PHOBIA. stageBACK / Eastlink Gallery Shanghai (auf Einladung vom Goethe-Institut Shanghai) 2008: W.A.L.D. Teapot, Köln 2008: The Noise. Andreas Grimm, New York City 2008: Rezession, Klimawandel und Tod. Kunstraum BLAST, Köln 2007: Mösendorfer Blechsalat. Galerie Philipp Konzett, Wien 2007: Wer schaut denn da herein? Galerie Michael Haas, Berlin 2006: Colonia Dignidad. Kudlek van der Grinten Galerie, Köln 2004: The Welterman Time-Shock. Guild & Greyshkul, New York City 2004: Ich will nicht stigmatisiert sein. Galerie Parisa Kind, Frankfurt/Main 2003 Shakira47. Galerie Parisa Kind, Frankfurt/Main

Veröffentlichungen

Size Does Matter. Large Drawings 2008 – 2009. Köln: Darling Publ. 2009, ISBN 978-3-941765-03-0 Selfportraits & der Ego-Haiko-Zyklus. Köln: Darling Publ. 2009, ISBN 978-3-941765-08-5

Literatur Andy Lim: Nachlass Thomas Palme. Bleistiftzeichnungen 2001 – 2002. Darling Publ. 2002, ISBN 978-3-93479531-0 Andy Lim: Thomas Palme. The Brick. Works Not Only on Paper 2003-2004. Köln: Darling Publ. 2004, ISBN 978-3-980959-50-6 Andy Lim: Thomas Palme. The Brick’s Appendix. Works on Paper 2003-2004. Köln: Darling Publ. 2005, ISBN 978-3-939130-00-0 Andy Lim: Palme in Berlin. 14 Tage Thomas Palme bei Galerie Michael Haas in Berlin-Charlottenburg oder der Hase und die Vase. Galerie Michael Haas. Köln: Darjeeling Publ. 2007, ISBN 978-3-939130-38-3 Thomas Palme. Size Does Matter II. Large Drawings 2009 – 2010. The Austria Appendix. Kunsthalle Krems. Darling Publ. 2010, ISBN 978-3-901261-45-9 Thomas Palme. Jean-Pierre Ritsch-Fisch Galerie. Strasbourg: Marquart 2011. Veit Loers und Lothar Tirala: House of Pain. Thomas Palme. Alpina Druck, Innsbruck: Kunstraum Innsbruck 2014. Roman Grabner (Hrsg.): Thomas Palme. Der Schiele-Block. St. Ruprecht an der Raab, Wien 2018.

Weblinks

Werke von und über Thomas Palme in der Deutschen Digitalen Bibliothek Zeichnungen von Thomas Palme auf seinem Zeichenblog ART IN REVIEW; Thomas Palme and Jamie Isenstein

Einzelnachweise

Kategorie:Zeichner (Deutschland) Kategorie:Performancekünstler (Deutschland) Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Mann