Der Lotus 102B war ein Formel-1-Rennwagen des britischen Rennstalls Lotus, der in der Formel-1-Saison 1991 eingesetzt wurde.
Technische Daten Mangels finanzieller Möglichkeiten – die zum R. J. Reynolds Konzern gehörende Zigarettenmarke Camel hatte den Sponsorenvertrag mit Lotus zum Jahresende 1990 aufgekündigt – konnte der Rennstall für die Formel-1-Saison 1991 kein neues Fahrzeug entwickeln. Stattdessen griff das Team auf den Lotus 102 aus dem Vorjahr zurück, der nach leichten Modifikationen die Bezeichnung 102B erhielt. Konstruiert wurde der Rennwagen von dem Ingenieurteam Enrique Scalabroni und Frank Coppuck.
Änderungen betrafen vor allem das Heck, das filigraner gestaltet werden konnte. Probleme gab es hingegen mit der sehr tief ausgeschnittenen Cockpitöffnung, was dazu führte, dass sich im Bereich des Fahrerhelmes erhöhte Luftturbulenzen bildeten. Das Monocoque war aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt.
Angetrieben wurde der Lotus 102B von einem 127 kg schweren Judd-V8-Saugmotor mit 3496 cm³ Hubraum. Bei einer Drehzahl von etwa 11.500/min entwickelte er eine Leistung von ca. 455 kW. Motorelektronik und Zündsystem stammten von Gibson Technology (Zytek). Das manuell zu schaltende Getriebe von Lamborghini hatte sechs Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Die Räder waren einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängt. Die Bremsanlage stammte von Hitco und die Bremszangen von Brembo. Die Stoßdämpfer hingegen lieferte Bilstein.
Sponsor Über einen großen Hauptsponsor verfügte Lotus für 1991 nicht. Lackiert war das Fahrzeug stattdessen größtenteils in Weiß und British Racing Green. Werbeträger waren unter anderem der japanische Baumaschinenhersteller Komatsu, der Modellbauhersteller Tamiya sowie das Bekleidungsunternehmen Tommy Hilfiger.
Saisonverlauf Der Judd-Motor erwies sich für Lotus durch seine mangelnde Leistung und Zuverlässigkeit als Fehlgriff. Gleich neunmal scheiterten die Fahrer an der Vorqualifikation. Die insgesamt drei Weltmeisterschaftspunkte holten Mika Häkkinen und Julian Bailey beim Großen Preis von San Marino. Danach konnten keine weiteren zählbaren Ergebnisse mehr von den Piloten eingefahren werden. Am Ende der Saison belegte Lotus den neunten Rang in der Konstrukteursweltmeisterschaft.
Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Punkte Rang Formel-1-Weltmeisterschaft 1991 39. 11 13* 9 5 DNF DNF 9 DNQ 12 DNF 14 DNF 14 14 DNF DNF 19 12 DNQ DNQ 6 DNQ 12 DNQ 10 10 14* 7 DNF DNF 11 12 DNQ DNQ DNQ DNQ
Literatur François-Xavier Basse: Fahrzeugdatenblatt: Lotus 102B-Judd. Letzte Hoffnung. In: Das große Formel-1-Archiv. Weltbild Verlag Augsburg, o. S. Anthony Pritchard: Lotus: The Competition Cars-All the Racing Type Numbers from 1947 to the Modern Era. Haynes Publishing Sparkford 2006, ISBN 978-1-84425-006-6, S. 199, 255. Achim Schlang: Grand Prix. Die Rennen zur Automobil-Weltmeisterschaft 1991. Motorbuch Verlag Stuttgart 1991, ISBN 978-3-613-01402-2, S. 26 f.
Weblinks
102B Kategorie:Rennwagen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1991 Kategorie:Historischer Rennwagen