mini|Carl Türk als Bataillonsarzt mini|Grab auf dem Burgtorfriedhof Carl Adolph Georg Hermann Türk (* 28. September 1838 in Rostock; † 22. November 1890 in Lübeck) war ein deutscher Arzt und Stadtphysicus.

Leben Herkunft Carl Türk war ein Sohn des gleichnamigen Rostocker Rechtshistorikers und Professors Karl Türk und seiner (ersten) Frau Emma Sophia, geborene Brandenburg. Wegen Beteiligung an der Revolution 1848 wurde sein Vater nach vierjähriger Untersuchungshaft 1852 aus dem mecklenburgischen Dienst entlassen. Nachdem er an verschiedenen Stellen vergeblich versucht hatte, sich ein neues Wirkungsfeld zu verschaffen, ging er 1860 nach Lübeck, wo er sich durch journalistische Arbeiten ernährte.

Laufbahn Carl besuchte zuerst die Große Stadtschule in Rostock, dann das Katharineum zu Lübeck bis zum Abitur Michaelis 1856.Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907 (Digitalisat), Nr. 540 Türk studierte Humanmedizin an der Universität Rostock,Eintrag im Rostocker Matrikelportal dissertierte in Breslau und erhielt in Berlin nach bestandener Prüfung am 5. April 1862 seine Approbation und ließ sich in Lübeck nieder. Hier wohnte er zuerst in der Königstraße 857 Höhe Aegidienstraße, von dort zog man ins Jakobi Quartier in die Breite Straße 787 und dann zurück in die Königstraße 667 Höhe Katharinenkirche. 1870 wurde die mittlere Hüxstraße 290 gezogen und drei Jahre danach die 331, welche später die Nr. 36 werden sollte. Hier blieb man.

Als 1866 der bisherige Oberarzt, Emil Cordes, des Lübeckischen Kontingentes der Oldenburgisch-Hanseatischen Brigade aus seiner Stellung ausschied, trat er in dieselbe ein und bekleidete das Amt eines Stabs- und Bataillonsarztes.

Mit ihrem Beitritt zum Norddeutschen Bundes wurden die Bundeskontingente der Freien Hansestädte aufgelöst. Hamburg verlor mit dem 15. Mai 1867 seine eigene Wehrhoheit und musste als Friedensgarnison zwei Bataillone aufnehmen. Am 1. Oktober 1867 wurden gemäß einer Konvention vom 27. Juni 1867 Mannschaften und Unteroffiziere der aufgelösten Regimenter Hamburgs (des Stadtmilitärs in Garnison) und Lübecks in das neue Regiment, es war das 1866 in Bromberg formierte Infanterie-Regiment Nr. 76, übernommen. Der Stab sowie die Musketierbataillone wurden 1867 nach Hamburg, das der Füsiliere wurden nach Lübeck verlegt. Den Soldaten dieses Stehenden Heeres wurde freigestellt, den Dienst bei der preußischen Armee fortzusetzen.Militär-Wochenblatt. 1867, S. 738.

Am 7. November 1867 erhielt das Regiment, in dem Türk jetzt Bataillonsarzt war, die Benennung 2. Hanseatisches Infanterie-Regiment Nr. 76. Nach Dr. Beckers, Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 10. Jahrgang, Nr. 10, Ausgabe vom 5. Februar 1868, S. 64. Oberarzt der Garnison, im Februar 1868 erfolgter Versetzung trat Türk in dessen Funktionen. Am 21. September 1869 wurde mit dem Bau der Kaserne begonnen und am 29. Oktober 1870 deren Richtfest begangen. Auf dem Gelände der Waisenhofallee wurde zudem ein Lazarett in Form von neun Baracken für Militärkranke errichtet. Elke P. Brandenburg: St. Lorenz: Chronik der Vorstadt vor dem Holstentor, Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck 2001, S. 58. Bereits kurz vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges war Türk als Delegierter des lübeckischen Zweigvereins zur Pflege verwundeter Krieger zu der Jahresversammlung des Hauptvereines am 18. Juni 1870 in Berlin gewesen. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 12. Jahrgang, Nr. 52, Ausgabe vom 29. Juni 1870, S. 292. Als Stabsarzt und Leibarzt des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin Franz Brümmer: Türk, Emmy. in: Anton Bettelheim: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. S. 174–176. zog er in den Krieg. Nach dem Küstenschutz erreichten sie am 1. September 1870 das Feld bei Metz. Dort übernahm der Großherzog die Führung des XIII. Armee-Korps und belagerte die Festung. Ab Ende Oktober belagerte man Paris und kämpfte anschließend als Armeegruppe des Großherzogs gegen die französische Loirearmee in der Schlacht bei Loigny und Poupry, Hermann de Boor hielt für das 2. Hanseatische Regiment Nr. 76 die Schlacht von Loigny auf einem Gemälde fest. Diese Schlacht sollte in dem später für das aus dem III. Bataillon entstehende Lübecker 3. Hanseatische Regiment Identitätsstiftend werden. Orléans, Beaugency und Le Mans. Für seine großen Verdienste als Nichtkombattant im Kriege wurde er mit dem Eisernen Kreuz am weißen Band.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee. 1875, S. 217. ausgezeichnet. Erst als er im Juni 1871 aus Frankreich zurückgekehrt war, konnte er seine ärztliche Praxis wieder aufnehmen. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 13. Jahrgang, Nr. 49, Ausgabe vom 28. Juni 1871, S. 280. Seit 1872 war er Chefarzt im Garnison-Lazarett an der Mühlenbrücke 869. Zum Ende des Jahres 1879, der Senat sollte Türk an Stelle des am 27. April 1879 verstorbenen Johann Heinrich Christoph Pabst zum 1. Januar 1880 zum Physikate berufen, Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 22. Jahrgang, Nr. 1, Ausgabe vom 4. Januar 1880, S. 8. wurde sein Abschiedsgesuch genehmigt. Unter der Verleihung des Charakters eines Oberstabsarztes II. Klasse stellte man ihn à la suite des Regiments mit der gesetzlichen Pension zur Disposition.Amtliches Beiblatt zur Deutschen militärärztlichen Zeitschrift. 9 (1880), S. 12.

Türk war Mitglied im Tierschutzverein. Auf der Generalversammlung des Vereines im April 1872 schied er jedoch aus deren Vorstand aus. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 14. Jahrgang, Nr. 31, Ausgabe vom 17. April 1872, S. 172.

Auf der Generalversammlung des von seiner Frau gegründeten Zweigvereins Lübeck des Vaterländischen Frauenvereins wurde Türk 1874 zu einem von dessen Beiräten gewählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 16. Jahrgang, Nr. 25, Ausgabe vom 29. März 1874, S. 154–155.

Der Senat erwählte am 13. September 1877 die Herren Doktoren Carl Andr. Hinr. Mollwo und Türk zu Mitgliedern des Medizinal-Kollegiums. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 19. Jahrgang, Nr. 77, Ausgabe vom 26. September 1877, S. 440. Als solches musste er jedoch mit seiner Ernennung zum Physikus und somit Leiter des Gesundheitswesens des Stadtstaates 1880 ausscheiden. In den Jahren 1880, 1883 und 1887 wählte man ihn zum Vorsitzenden des Ärztlichen Vereins zu Lübeck.Rohden (Lit.), S. 221

Seit 1873 war Türk Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. Unterstützt von Senator Thomas Johann Heinrich Mann und dem zu früh verstorbenen Dr. med. Joh. Carl Heinr. Friedr.Hinckeldeyn beantragte er eine jährliche Subvention in Höhe von 600 Mark für die in der Krankenpflege besonders geschätzten Grauen Schwestern für den Zeitraum der nächsten drei Jahre. Auf der Versammlung am 9. November 1880 wurde er genehmigt. Gesellschaft zur Bef. gemeinnütz. Thätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 22. Jahrgang, Nr. 90, Ausgabe vom 10. November 1880, S. 518.

Auf der Versammlung am 31. Mai 1881 wurde die Liste der Kandidaten für die bevorstehende Bürgerschaftswahl im III. Wahlbezirk (Marien Quartier und Vorstadt St. Lorenz) am 21. Juni aufgestellt. Türk ist als einer der drei möglichen Ersatzmänner der Bürgerschaftskandidaten aufgestellt worden.Local- und vermischte Notizen. In Lübeckische Blätter; 23. Jg., Nummer 44, Ausgabe vom 1. Juni 1881, S. 300.

mini|Navigationsschule mit Kaisertor Als Friedrich Esmarch, Chirurg und Begründer des zivilen Samariterwesens, 1885 in der Kaufmannschaft einen Vortrag hielt, wandte er sich persönlich an die örtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes und legte ihr die Unterweisungen im Samariterdienst nahe. Ein entsprechender Verein trat am 5. März unter dem Vorsitz von Louis Schütt und Türk zusammen. Es wurde vorgeschlagen, diese für alle Seemannsschulen an der deutschen Küste für die Steuerleute obligatorisch zu machen. Auf Veranlassung des Senatoren Johannes Fehling, in sein Ressort fiel die Angelegenheit, wurden in der lübeckischen Navigationsschule beim Kaisertor die Unterweisungen als erster deutschen verbindlich eingeführt. Das Rote Kreuz stellte hierfür bis 1892 Arzt und Lehrapparat zur Verfügung, danach übernahm dies der Staat.Krankenpflegerinnen auf dem Lande. von Emmy Türk in: Lübeckische Blätter, 41. Jahrgang, Nr. 32, Ausgabe vom 2. August 1889, S. 399–400.

Am 6. Januar 1887, einen Tag nachdem er sein 25-jähriges Praxisjubiläum begangen hatte, wurde Türk zum Mitglied der Prüfungsbehörde für Apothekengehülfen ernannt. Den Vorsitz der auf zwei Jahre gewählten Behörde hatte er ab 1888 inne. Die beiden anderen Mitglieder sind C. A. Pfaff und Siegfried Mühsam gewesen. Local- und vermischte Notizen. In Lübeckische Blätter; 29. Jg., Nummer 103, Ausgabe vom 25. Dezember 1887, S. 559–560.

Anfang 1888 wurde die Leitung des kürzlich konstituierten Lübecker Bezirksvereines des 1883 in Kassel gegründeten Deutschen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke bestimmt. Den Vorsitz übernahm Heinrich Alphons Plessing, den Vorstand bildeten Türk, Ludwig Trummer, Theodor Eschenburg, Nicolaus Joachim Bernhard Jürss Jürss war als Inhaber der Firma J. J. Jürss Kaufmann einer Kolonialwaren-Handlung. und Christian Reimpell.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter. 30. Jahrgang, Nr. 9, Ausgabe vom 29. Januar 1888, S. 56. Letztere Frage beschäftigte ihn, wie auch aus seinen in der Gewerbegesellschaft gehaltenen Vorträgen hervorgeht, schon seit längerem. Bereits 1867 handelte einer „über die alkoholhaltigen Getränke“.

Im Oktober 1889 kam Otto Riedel vom Medicinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut als Stabs- und Bataillonsarzt zum lübeckischen Bataillon. 1891 ernannte ihn der Senat zum Nachfolger Türks als Stadtphysikus. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nr. 30, Ausgabe vom 11. März 1891, S. 116.

Familie Türk wurde zum Hausarzt Emanuel Geibels und zählte ihn zu seinen Freunden. Durch ihn lernte er die Schriftstellerin Emmy Eschricht kennen und heiratete sie 1867. In der Hausnummer 36, dem Haus seiner Wohnung und Praxis, unterhielten Carl und Emmy später zusammen einen, wie es die Erinnerungen des Schauspielers Max Grube überlieferten, für diese Zeit sehr aufgeschlossenen Literarischen Salon. Titus und Eva waren die Kinder des Paares.

mini|Lazarett an der Waisenhofallee