mini|hochkant|Der Mythos von Sisyphos. Alte Übersetzung, Ausgabe von 1995 Der Mythos des Sisyphos (französischer Originaltitel: Le Mythe de Sisyphe) ist ein philosophischer Essay von Albert Camus aus dem Jahr 1942, erschienen bei Gallimard in Paris. Die erste deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1950 trägt den Titel Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Camus greift darin den griechischen Mythos von Sisyphos auf.
Einordnung in das Werk Camus’
Der Mythos des Sisyphos ist neben Der Mensch in der Revolte (L’homme révolté) das wichtigste philosophische Werk Camus’. In Der Mythos des Sisyphos entwickelt Camus seine Philosophie des Absurden, die eng mit dem Existentialismus verwandt ist. Der Essay ist im Zusammenhang mit dem Bühnenstück Caligula (Uraufführung 1945) und dem Roman Der Fremde (L’Étranger, 1942) zu sehen. Die Thematik des Absurden, welche Camus in diesem Werk entwickelt, findet sich jedoch nicht nur in diesen Werken, sondern durchzieht Camus’ Œuvre, so sind zum Beispiel diese Motive auch in Die Pest (La Peste, 1947) vorhanden.
1948 erschien das Werk erstmals mit der im Erstdruck nicht enthaltenen Kafka-Studie, 1965 erschien die letzte noch von Camus durchgesehene Fassung.Lt. Nachwort von Vincent von Wroblewsky zu dessen Neu-Übersetzung bei Rowohlt
Inhalt
Dem Absurden kann man sich nicht entziehen
Für Camus befindet sich der Mensch in einer absurden Situation. Das Absurde besteht in dem Spannungsverhältnis zwischen der Sinnwidrigkeit der Welt einerseits und der Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn bzw. sinnvollem Handeln. Welche Konsequenzen sind aus dieser Situation „ohne Hoffnung“ zu ziehen?
Camus zeigt die Widersprüchlichkeit des durch die Absurdität begründeten Suizides auf. Danach setzt er sich mit Denkern auseinander, welche die Absurdität der menschlichen Situation erkannt haben, insbesondere die Existenzphilosophen Kierkegaard, Heidegger, Jaspers, aber auch der Phänomenologe Husserl, sowie andere Philosophen und Literaten wie Schestow, Dostojewskij, Kafka und Nietzsche. Allerdings hätten diese Denker, bei den Dichtern ihre Protagonisten, nach der Analyse der Situation, eventuell mit der Ausnahme Nietzsches, die falschen Konsequenzen gezogen, indem sie der Absurdität – unter Aufopferung des klaren Verstandes – durch einen irrationalen „Sprung“ (saut) entfliehen wollten. Dieser Sprung besteht je nach Denker in der Zuflucht zu metaphysischen, ästhetischen, religiösen oder rationalistischen Rettungsangeboten. Camus hierzu:
Ständige Revolte und Annehmen der Absurdität als Lösung
Es gibt drei aufeinander folgende Stufen des Umgangs mit der Absurdität: ihre Erkenntnis ihre Annahme die aufbegehrende Revolte
In der Revolte gegen das Absurde, als Reaktion auf das Annehmen der Absurdität, kann sich der „absurde Mensch“ selbst verwirklichen und zur Freiheit finden. Dem eigentlichen Grund der Absurdität, dem Tod, kann allerdings auch Camus nicht entfliehen:
Darin gleicht der Mensch nach Camus’ Interpretation der mythologischen Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint:
Übersetzungen Eine erste deutsche Übersetzung erschien 1950 unter dem Titel Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde im Karl Rauch Verlag. Übersetzer waren Hans Georg Brenner und Wolfdietrich Rasch. Ein Nachwort in Form eines kommentierenden Essays schrieb Liselotte Richter für die Rowohlt-Ausgabe von 1959.Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Rowohlt Taschenbuch 1995, ISBN 3-499-12375-4 (Übersetzer, Ausgabe und Nachwort) Im Jahr 2000 erschien eine neue Übersetzung von Vincent von Wroblewsky unter dem aktuellen Titel Der Mythos des Sisyphos im Rowohlt Verlag.
Literatur Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. deutsch von Vincent von Wroblewsky. Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 978-3-499-22765-3. Edgar Neis: Albert Camus’ Die Pest, Der Mythos von Sisyphos, Der Mensch in der Revolte. Königs Erläuterungen und Materialien, 165. C. Bange Verlag, Hollfeld 5., neub. & erw. Aufl. 1977, zuletzt 1996, ISBN 3-8044-0202-X. Eberhard Rathgeb: Rezension: Belletristik. Sisyphos zieht in den Krieg. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Februar 1999. Yves Bossart: Albert Camus – Zum Glück hat das Leben keinen Sinn! Schweizer Radio und Fernsehen, 7. November 2013.
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Essay Kategorie:Philosophisches Werk Kategorie:Werk von Albert Camus