Tito Manlio ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“, RV 738) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Matteo Noris. Sie wurde in der Karnevalsaison 1719 im Teatro Arciducale in Mantua uraufgeführt.

Handlung

Die Handlung der Oper basiert auf einer historischen Begebenheit aus der Frühzeit Roms während der Latinerkriege, wie sie im 22. Buch von Livius’ Ab urbe condita im 60. Kapitel berichtet wird. Im „Argomento“ des Librettos ist sie folgendermaßen wiedergegeben:

Die mit Rom verbündeten latinischen Stämme forderten die gleichen politischen Rechte im Staat. Als der römische Senat diese verweigerte, rebellierten sie und erklärten den Krieg. Der Konsul Tito Manlio (Titus Manlius Imperiosus Torquatus) schickte seinen Sohn aus, um das latinische Lager zu erkunden, befahl ihm aber, sich unter keinen Umständen auf eine Schlacht außerhalb der militärischen Formationen einzulassen, da Latiner und Römer nicht ausreichend voneinander unterschieden werden konnten. Als Manlio dem latinischen Edelmann Geminio Mezio begegnete, der ihn beleidigte und zum Zweikampf herausforderte, schickte er seine Begleiter fort und kämpfte gegen Geminio, den er tötete. Bei seiner triumphalen Rückkehr nach Rom wurde er von seinem Vater beschuldigt, die Autorität des Senats missachtet und das Gesetz gebrochen zu haben und zum Tod durch Enthauptung verurteilt.

Erster Akt

Tempel mit Altar

Szene 1. Der römische Konsul Tito Manlio lässt sein Volk und seine Soldaten schwören, die Latiner zu hassen. Der Hauptmann Decio stimmt als erster stellvertretend für das Heer ein. Überraschenderweise leistet auch der Latiner Lucio den Schwur, denn er liebt Titos Tochter Vitellia. Es folgt Titos Sohn Manlio. Dann fordert Tito auch seine Tochter Vitellia und Manlios latinische Verlobte Servilia dazu auf – doch beide weigern sich. Tito löst unverzüglich Servilias Verlobung mit seinem Sohn und lässt Vitellia bis zur Klärung ihres Verhaltens in ihr Zimmer sperren.

Szene 2. Tito befiehlt seinem Sohn, das feindliche Lager auszukundschaften. Dabei dürfe er sich aber unter keinen Umständen in einen Kampf verwickeln lassen, da ein Gesetz des Senats dies jedem schwerttragenden Ritter verbiete (Arie Tito: „Se il cor guerriero“).

Szene 3. Servilia wirft Manlio vor, durch seinen Schwur ihre Liebe verraten zu haben. Manlio entgegnet, sie habe durch ihre Weigerung die Chance vertan, Römerin zu werden. Ihre Verlobung sei nun hinfällig (Arie Manlio: „Perché t’amo mia bella mia vita“). Sie trennen sich mit zwiespältigen Gefühlen.

Szene 4. Nachdem Manlio gegangen ist, grübelt die verzweifelte Servilia darüber nach, was das Schicksal wohl noch für sie beide vorgesehen hat (Arie Servilia: „Liquore ingrato“).

Gemächer

Szene 5. Lucio offenbart Decio seine Gefühle für Vitellia. Decio, der selbst heimlich in Vitellia verliebt ist, mahnt ihn zur Vorsicht, da Vitellias Herz vielleicht bereit einem anderen gehöre. Doch Lucio ist hoffnungsfroh (Arie Lucio: „Alla caccia d’un bell’adorato“).

Szene 6. Decio leidet unter seiner Liebe zu Vitellia. Er muss sie geheim halten, da sein Stand eine Verbindung nicht zulässt (Arie Decio: „È pur dolce ad’un anima amante“).

Szene 7. Vitellia schickt ihren Diener Lindo mit einem Brief an ihren Geliebten, den latinischen Hauptmann Geminio, in das feindliche Lager.

Szene 8. Tito kommt mit Lucio und einem Soldaten mit Ketten auf einer Schale zu Vitellia. Lucio soll sie dazu bringen, die Gründe für ihre Schwur-Verweigerung zu nennen. Da Vitellia hartnäckig schweigt, droht Tito ihr mit Folter und überlässt das weitere Verhör Lucio (Arie Tito: „Orribile lo scempio“).

Szene 9. Lucio gesteht Vitellia seine Liebe. Er bittet sie, den Schwur doch noch zu leisten. Er wolle Tito um ihre Hand bitten und als Gegenleistung den Latinerhauptmann Geminio in diesen Ketten in den Senat führen. Vitellia verbirgt ihre Empörung, da sie in seiner Liebe eine Chance sieht, ihre Ziele doch noch zu erreichen. Sie gestattet Lucio, um sie anzuhalten. Sie werde Tito sagen, was er wissen wolle. Lucio entfernt sich (Arie Lucio: „Parla a me speranza amica“).

Szene 10. Vitellia hat vor, ihrem Vater von ihrer Liebe zu Geminio zu erzählen, die sie dazu nutzen will, Frieden zwischen ihren beiden Völkern zu erreichen (Arie Vitellia: „Di verde ulivo“).

Lager der Latiner

Szene 11. Geminio ist begierig auf den Kampf mit den Römern, doch gleichzeitig seiner Liebe zur Römerin Vitellia verfallen (Aria breve Geminio: „Bramo stragi e son traffitto“).

Szene 12. Lindo erscheint mit Vitellias Brief, in der sie ihm von dem verweigerten Schwur berichtet und ihn bittet, schnellstens nach Rom zu kommen und sie zu retten. Er will sofort loseilen, doch dann erinnert er sich an seine Pflicht gegenüber seinem Volk. Er trägt Lindo auf, ihr mitzuteilen, dass er seine Aufgaben nicht vernachlässigen könne, ohne ihr unwürdig zu werden (Arie Lindo: „L’intendo e non l’intendo“).

Szene 13. Manlio kommt mit einigen römischen Reitern in das Lager und prahlt vor Geminio hochmütig mit seinen Waffen. Geminio fordert ihn zum Zweikampf heraus. Trotz des ausdrücklichen Befehls seines Vaters geht Manlio darauf ein. Beide ergreifen ihre Schwerter.

Szene 14. Servilia tritt zwischen die beiden. Sie erinnert sie daran, dass Manlia ihr Bräutigam und Geminio ihr Bruder und außerdem Vitellia in Gefahr ist. Sie fordert beide auf, die Waffen niederzulegen. Sie beruhigen sich. Geminio bittet Servilia, zu Tito zu gehen und ihm mitzuteilen, dass er Römer werden wolle, wenn er Vitellias Hand erhalte (Arie Servilia: „Parto, ma lascio l’alma“).

Szene 15. Während Geminio und Manlio den Fortgang Servilias beobachten, erinnert sich Geminio wieder an seine Pflichten als Latiner. Er fordert Manlio erneut heraus. Diesem bleibt als Ritter nichts anderes übrig, als die Herausforderung anzunehmen (Arie Manlio: „Sia con pace, o Roma augusta“).

Zweiter Akt

Saal im Palast des Konsuls

Szene 1. Wie Vitellia ihm aufgetragen hat, bereitet Lucio Tito auf ihr Geständnis vor und bittet ihn um ihre Hand. Tito hat keine Einwände gegen Verbindung. Solange Vitellia jedoch Rom feindlich gesinnt sei, verdiene sie den Tod. Lucio bittet ihn um Mitgefühl für seine Tochter (Arie Lucio: „Non ti lusinghi la crudeltade“).

Szene 2. Vitellia läuft zu Titus, um ihm ihr Herz zu offenbaren. Sie wird durch die Rückkehr Servilias unterbrochen, die von der Aussicht auf Frieden berichtet: Ihr Bruder Geminio habe sich in Vitellia verliebt und sei bereit, seine Ansprüche auf das Konsulamt aufzugeben und Römer zu werden, wenn er sie zur Frau erhalte. Zur Freude der beiden Frauen – und zu Lucios Entsetzen – ist Tito einverstanden. Servilia soll Geminio sofort das Eheversprechen überbringen. Geminio könne als Latiner zwar kein Konsulamt erlangen, aber ihm werde die Liebe des Senats und Roms gehören (Duett Vitellia/Servilia: „D’impoviso riede il riso“).

Szene 3. Decio meldet die Rückkehr Manlios. Tito, Servilia und Vitellia erwarten ihn ungeduldig, um ihm die gute Nachricht mitzuteilen. Doch Manlio teilt ihnen mit, dass er von Geminio zum Duell gefordert wurde und ihn getötet habe. Die beiden Frauen fallen in Ohnmacht. Sie werden von Dienern in ihre Gemächer getragen.

Szene 4. Als Tito seinen Sohn auf das gebrochene Senatsgebot hinweist, rechtfertigt sich Manlio für seine Tat mit den vielfachen Beleidigungen Geminios. Er habe durch seinen Sieg über die Latiner eine ruhmwürdige Tat begangen. Tito jedoch beharrt darauf, dass er für seinen Ungehorsam bestraft werden müsse.

Szene 5. Manlio hat Schuldgefühle gegenüber Servilia (Arie Manlio: „Se non v’aprite al dì“).

Hof

Szene 6. Lindo versucht, Vitellia davon abzuhalten, zum Grab ihres Geliebten zu gehen. Diese aber dürstet nach Rache (Arie Vitellia: „Grida quel sangue“).

Szene 7. Servilia schließt sich Vitellia an, um ihren Bruder zu rächen und Manlio zu töten, obwohl sie ihn noch immer liebt. Lindo bemüht sich vergeblich, sie aufzuhalten (Arie Lindo: „Rabbia ch’accendasi in cor di femmina“).

Szene 8. Manlio versucht vergeblich, seine Tat vor Vitellia und Servilia zu rechtfertigen. Da nun niemand mehr zu ihm hält, fordert er Vitellia auf, Servilia ihren Dolch zu geben, damit sie ihn töten kann. Er glaubt nicht, dass sie dazu in der Lage ist.

Szene 9. Decio kommt mit einem Soldaten, der Fußketten bringt. Tito hat befohlen, Manlio diese anzulegen und ihn in den Kerker zu sperren. Servilias Liebe zu Manlio regt sich wieder. Sie will für ihn um Gnade bitten (Duett Servilia/Vitellia: „Dar la morte a te, mia vita“).

Szene 10. Decio zeigt Mitgefühl für Manlio. Lucio kommt, einen Brief lesend, hinzu. Die drei unterhalten sich über diese Wendung des Schicksals (Arie Manlio: „Vedrà Roma, e vedrà il Campidoglio“).

Szene 11. Lucio hält Rom für undankbar. Der Brief hat ihn davon überzeugt, dass er sich für Manlio einsetzen muss (Arie Lucio: „Combatta un gentil cor“).

Salon

Szene 12. Von Selbstzweifeln geplagt verfasst Tito das Todesurteil gegen seinen Sohn.

Szene 13. Decio bittet Tito vergeblich um Gnade für Manlio, der immerhin den feindlichen Anführer besiegt habe und im Heer unentbehrlich sei. Zudem sei er Titos eigener Sohn (Arie Decio: „No che non morirà“).

Szene 14. Auch Servilia bittet Tito um Gnade für Manlio. Ihre Rede beeindruckt Tito, doch beeinflusst sie sein Urteil nicht mehr. Er gestattet ihr jedoch, gemeinsam mit Manlio im Kerker zu sterben (Arie Servilia: „Andrò fida, e sconsolata“).

Szene 15. Nun tritt Vitellia vor Tito. Sie bittet nicht um Gnade für ihren Bruder, sondern verlangt Rache für den Tod ihres Geliebten. Zudem schwört sie den Latinern „Mord, Terror, Gemetzel und Untergang“, da der Grund für ihre ursprüngliche Weigerung nicht mehr existiere.

Szene 16. Tito beauftragt Lucio, Manlio das unterschriebene Urteil vorzulesen. Er verspricht ihm die Hand Vitellias (Arie Tito: „Legga, e vegga in quel terribile“).

Szene 17. Vitellia teilt Lucio mit, dass sie ihn nicht heiraten werde, sondern Geminio auch nach dessen Tod treu bleiben wolle (Arie Vitellia: „Povero amante cor“).

Szene 18. Lucio ist entschlossen, Manlio zu retten (Arie Lucio: „Fra le procelle“).

Dritter Akt

Grausiger Kerker mit brennenden Fackeln. Nacht

mini|Dritter Akt: Servilia besucht den schlafenden Manlio im Gefängnis

Szene 1. Servilia betrachtet liebevoll den mit gefesselten Füßen schlafenden Manlio (Arie Servilia: „Tu dormi in tante pene“). Nachdem er erwacht ist, berichtet sie ihm von ihrem fehlgeschlagenen Gnadengesuch. Er bittet sie, noch einmal zu Tito zu gehen, um ihm zu sagen, dass er selbst um Gnade bitten wolle (Arie Servilia: „Parto contenta, volto vezzoso“).

Szene 2. Lucio erscheint mit dem Todesurteil. Manlio soll bereits am nächsten Morgen enthauptet werden. Lucio teilt ihm mit, dass er vom latinischen Heer zum Anführer erwählt wurde. Er habe zwar kein persönliches Interesse an dieser Position, werde sie aber annehmen, um Manlio mit Hilfe seiner Truppen zu retten. Manlio aber ist gefasst. Seiner Meinung nach habe er durch den Zweikampf Rom treu gedient, und das wolle das auch weiterhin, selbst wenn es ihn das Leben koste. Lucio ist beeindruckt (Arie Lucio: „Chi seguir vuol la costanza“).

Szene 3. Manlio kann die Anwesenheit seiner Geliebten in dieser demütigenden Lage kaum ertragen. Doch sie weigert sich zu gehen und erklärt, mit ihm gemeinsam sterben zu wollen (Duett Servilia/Manlio: „Non mi vuoi con te, o crudele“).

Gemächer

Szene 4. Vitellia beauftragt Lindo, die Meinungen des Volks über das Todesurteil herauszufinden (Arie Lindo: „Brutta cosa è il far la spia“).

Szene 5. Lucio berichtet Vitellia von Manlios gefasster Aufnahme des Urteils. Er wirbt erneut um sie. Doch Vitellia fordert als Liebesbeweis den Kopf Manlios (Arie Vitellia: „A te sarò fedele“). Sie geht.

Szene 6. Lucio ist entsetzt über Vitellias Grausamkeit (Arie Lucio: „Non basta al labbro“).