Als Chokes bezeichnet man bei Grappling-Kampfsportarten sowie beim Mixed Martial Arts Griffe, welche die Aufgabe des Gegners durch Würgetechniken erzwingen. Sie sind abzugrenzen von „Locks“, also dem Überhebeln von Gelenken, wie etwa den Beinen, den Armen oder den Schultern.
Chokes haben den Vorteil, dass sie unmittelbar auch gegen Stärkere wirken, wohingegen etwa ein Armhebel unter Umständen nicht beendet werden kann, wenn der Gegner stärker ist und diesen verteidigt.
Gleichzeitig ist das Verletzungsrisiko relativ gering, da der Gegner bei Nichtaufgabe zwar nach kurzer Zeit das Bewusstsein verliert, aber schnell wieder erwacht. Die Gefahr bleibender Schäden ist also sehr gering.Einführung zum Thema "Chokes" allgemein, abgerufen am 1. April 2018.
Generelle Unterscheidungen Chokes können sowohl in Bezug auf die Wirkung, auf die sie abzielen, als auch auf die Art, wie sie ausgeführt werden, unterschieden werden.
Blood Chokes/Air Chokes Grob unterschieden werden können die Chokes in „Blood Chokes“, also Chokes, welche den Blutfluss in den Arterien zum Gehirn unterbrechen und so durch den Sauerstoffmangel Bewusstlosigkeit herbeiführen, sowie „Air Chokes“, welche ein Würgen, also die Unterbrechung der Luftzufuhr über die Luftröhre zur Folge haben. Der Unterschied ist jedoch je nach individueller Anatomie der Kämpfer sowie Ausführtechnik fließend.
Wird eine Technik als Blood Choke ausgeführt, wirkt sie jedoch bei Nichtaufgabe des Gegners im Allgemeinen schneller. So tritt bei Unterbrechung der Blutzufuhr die Bewusstlosigkeit nach ca. 10 Sekunden ein,Vortrag der Rechtsmedizin Homburg zu Bewusstlosigkeit bei Strangulation, Folie 8, abgerufen am 1. April 2018. während eine Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zu den Lungen minutenlang ohne Folgen bleiben kann.
Zudem ist die Gefahr einer nachhaltigen Quetschung des Kehlkopfes sowie der Luftröhre bei einem Air Choke deutlich größer.
Hingegen hierzu müsste theoretisch ein Blood Choke bei einem bewusstlosen Kämpfer minutenlang gehalten werden, um ernsthafte Schäden oder Tod zu erwirken. Dies geschah so bei einem Hinterhofkampf im Sommer 2013 in Brasilien. Hier hielt ein Jugendlicher einen anderen nach dessen Aufgabe noch 37 Sekunden in einem „Bulldog Choke“ fest.Gracie Breakdown "Boy choked to death in violent Backyard Fight, abgerufen am 1. April 2018.Bericht über Todesfall bei Hinterhofkampf (portugiesisch), abgerufen am 1. April 2018. → Siehe auch: Hauptartikel Würgegriff
Arm Chokes/Shoulder Chokes Relevanter als die nicht immer eindeutig voneinander abgrenzbare Wirkung der Chokes ist die Unterscheidung in Bezug auf die Technik, mit der sie ausgeführt werden. Hierzu unterscheidet man Arm Chokes, Chokes wie etwa den „Rear Naked Choke“, bei welchem die Wirkung mit den Armen erzielt wird, sowie Shoulder Chokes, welche aufgrund von Druck mittels der Schulter wirken.
Eine Sonderform, bei der die Beine genutzt werden, stellt der Triangle Choke dar. → Hauptartikel Triangle Choke
Abgrenzung zu Neck Cranks Abzugrenzen von Chokes sind „Neck Cranks“, die ein Verreißen des Genicks zum Ziel haben.
Grundsätzlich können Chokes von Neck Cranks klar abgegrenzt werden. Allerdings kann eine brutale Anwendung oder die Anwendung durch ungeübte Personen, die nicht hinreichend wissen, was sie tun, zu schweren Verletzungen führen. Ein „Guillotine Choke“ etwa kann, je nach Ausführung ein Blood Choke, ein Air Choke, aber auch ein Neck Crank, also das Verreißen des Nackens sein. So wurde der Amateur-Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Zach Kirk bei einem Kampf in Iowa am 27. Mai 2009 aufgrund eines Guillotine Chokes querschnittsgelähmt.Fistic Medicine – The Zach Kirk Saga, abgerufen am 1. April 2018.Zach Kirk paralyzed for life, abgerufen am 1. April 2018.The Story of Zach Kirk, abgerufen am 1. April 2018.
No-Gi Chokes/Gi Chokes Des Weiteren können Chokes in „Gi Chokes“ sowie „No-Gi Chokes“ unterschieden werden.
Als Gi Chokes werden Choketechniken bezeichnet, welche ein Kleidungsstück zur Ausführung erforderlich machen. Klassischerweise ist dies im Kampfsport ein Gi. In einer Selbstverteidigungssituation können dies auch ähnlich gelagerte, hinreichend weit geschnittene und reißfeste Kleidungsstücke, wie etwa ein Schal, eine Lederjacke oder ein Hoodie sein.
Der Nachteil besteht darin, dass für eine Selbstverteidigungssituation nicht grundsätzlich damit gerechnet werden kann, dass der Angreifer solche Kleidungsstücke trägt. Werden also ausschließlich Gi-Griffe trainiert, ist dies für eine Selbstverteidigungssituation nur bedingt geeignet.
No-Gi Chokes sind hingegen nicht von einer entsprechenden Kleidung abhängig. Sie funktionieren generell, sofern sie korrekt ausgeführt werden.
Der Nachteil ist, dass sie oftmals schwerer anzuwenden sind, wenn der Gegner sie verteidigt. So kann der Gegner etwa seinen Hals vor einer Guillotine mittels Einziehen des Nackens und Vorschieben der Schulter schützen. Seinen Gi-Kragen kann er jedoch nur bedingt verdecken/verstecken.
Nachfolgend sind zunächst die No-Gi Chokes aufgeführt:
Arm Chokes Als Arm Chokes sind vor allem folgende Chokes relevant:
Rear Naked Choke 300px|mini|alt=Ein Soldat der US Marines demonstriert den Rear Naked Choke.|Ein Soldat der US Marines demonstriert den Rear Naked Choke. Der Rear Naked Choke (RNC), im Judo auch bekannt als „Hadaka-jime“ (裸絞め, frei übersetzt „überkreuztes Auswringen“) sowie als „Mata Leon“ oder „Mata Leão“ (spanisch bzw. portugiesisch für „Löwentöter“), ist ein Choke, welcher vom Rücken aus angewendet wird.Kyuzo Mifune: The Canon Of Judo. Kodansha International, 2004, ISBN 4-7700-2979-9, S. 136.
Frei übersetzt bedeutet es „von hinten ausgeführter, nackter Drosselgriff“. Das Wort „nackt“ bezieht sich darauf, dass zur Ausführung kein Gi benötigt wird, wie das oftmals bei Judo- und Jiu Jitsu-Techniken der Fall ist.Rear Naked Choke, Namensherkunft, Bedeutung, abgerufen am 1. April 2018.
Er kann bei oberflächlicher Betrachtung leicht mit einem typischen „Würgegriff“ von hinten verwechselt werden. Tatsächlich zielt er aber nicht auf die Luftröhre, sondern in erster Linie auf die Schlagadern des Gegners. Es handelt sich also um einen Blood Choke.
Zur Ausführung sind zwei Varianten möglich:
In der ersten Variante legt der Angreifer seinen Arm V-förmig von hinten um den Hals des Gegners und hält seinen eigenen Bizeps. abgerufen am 1. April 2018. Mit der anderen Hand kann er nun den Kopf des Gegners nach vorne schieben und so die Schlagadern blockieren.
In der zweiten Variante legt er ebenfalls die eine Hand um den Hals des Gegners, greift jedoch nicht seinen Bizeps, sondern legt die Hände quer zusammen („Gable Grip“). Den Druck erzeugt er, indem er seinen Ellenbogen gegen das Schulterblatt des Gegners stemmt.Rear Naked Choke in der zweiten Variante, abgerufen am 1. April 2018.
Aufgrund des einfachen Prinzips sowie der Tatsache, dass dieser Choke sowohl am Boden wie auch im Stand angewandt werden kann, ist er sehr gut zur Selbstverteidigung geeignet. Der Nachteil besteht darin, dass der Angreifer bzw. derjenige, der sich verteidigt, auf den Rücken des Gegners gelangen muss.Youtube-Seminar Bas Rutten zu seinem Rear Naked Choke. Abgerufen am 1. April 2018.
Guillotine Choke mini|Schematische Darstellung eines Guillotine Chokes Der Guillotine Choke, auch bekannt als „Mae-Hadaka-Jime“ (前裸絞, „von vorne nackter Choke“, vlg RNC), wird im Gegensatz zum Rear Naked Choke von vorne angewendet. abgerufen am 1. April 2018.
Er ist landläufig im deutschsprachigen Raum auch als umgekehrter Schwitzkasten bekannt.Ingo Wirth, Hansjürg Strauch: Rechtsmedizin: Grundwissen für die Ermittlungspraxis. (= Grundlagen der Kriminalistik). 2006, S. 122. (online)
Zur Anwendung wird der Kopf des Gegners unter die Achselhöhle genommen und mit der anderen Hand blockiert. Der Kopf steckt also fest wie in einer historischen Guillotine.
Angewendet werden kann der Guillotine Choke entweder mit oder ohne Arm des Gegners im Griff.
Um den Griff richtig vorzubereiten, kann das Kinn des Gegners gegriffen und leicht angehoben werden. Die zweite Hand greift nun die erste Hand im Bereich des kleinen Fingers und erhöht den Zug.
Der Guillotine Choke kann sowohl im Stand als auch am Boden ausgeführt werden. Hierzu existieren zahlreiche Varianten, etwa aus der Guard, der Half Guard, als Verteidigung gegen einen Double Leg Takedown, oder als Verteidigung aus der Side Control.
Er ist eng mit dem „D'arce Choke“ verwandt, bei welchem der eigene Bizeps wie beim Rear Naked Choke gegriffen wird (statt der Handwurzel) und der Druck auf den Rücken des Gegners ausgeübt wird. Ein fließender Wechsel zwischen beide Chokes ist für geübte Kämpfer leicht möglich.Youtube-Seminar Rener Gracie zur Guillotine. Abgerufen am 1. April 2018.
Shoulder Chokes D'arce Choke/Brabo Choke Der D'arce Choke, auch bekannt als „Brabo Choke“ (im Judo auch bekannt unter Ukemi (受身)) wurde nach Joe D'Arce, einem brasilianischen Third-degree Jiu Jitsu-Schwarzgurt unter Renzo Gracie benannt.Einführung "Mechanics of the D'Arce Choke, Namensgebung, abgerufen am 1. April 2018.
Unter seinem zweiten Namen Brabo Choke wurde der Choke zeitgleich bekannt durch den portugiesischen BJJ-Schwarzgurt Leonardo Vieira. Dieser sah den Griff bei einem seiner Schüler. Das Wort „Brabo“ bedeutet auf Portugiesisch so viel wie „wütend, tough/hart“ oder auch „aggressiv“.
Als Vieira diese Position selbst probierte, lautete seine E-Mail-Adresse „leobrabo@...“. Deshalb, und weil es inhaltlich zum Choke passte, setzte sich der Name Brabo Choke durch.Artikel "The History of the Gi Brabo Choke, Namensgebung, abgerufen am 1. April 2018.
Der besseren Verständlichkeit halber wird der Choke im Rest des Artikels nur noch als D'arce Choke bezeichnet.
Der Angreifer bringt, wie beim Guillotine Choke, seinen Arm unter den Hals des Gegners und durch die Achselhöhle. Allerdings greift er nicht wie beim Guillotine Choke seine eigene Hand, sondern seinen Bizeps wie beim Rear Naked Choke.
Um mit der Schulter noch tiefer in den Hals des Gegners zu kommen, kann der Angreifer mit dem Gegner eine Längsrolle über die blockierte Schulter durchführen (Als „Gator Rolle“ bekannt)
Um den Druck mit der Schulter im Hals zu erhöhen, „wandert“ er nun mit den Beinen von oben nach unten, während er gleichzeitig den Griff beibehält. Dadurch erhöht er mit seinem Torso den Druck auf den Nacken/Hinterkopf des Gegners und presst diesen so in den Choke hinein.
Das „Wandern“ erfüllt so den Zweck des „Nachvornedrückens“ beim Rear Naked Choke. Von der Ausführung könnte man den D'arce Choke daher mit einem umgekehrten (kopfüber) Rear Naked Choke vergleichen: Während beim Rear Naked Choke der Ausführende parallel hinter dem Gegner sitzt oder steht, ist der Angreifer beim D'arce Choke um 180° versetzt zum Gegner. Der Druck auf die Schulterblätter entspricht damit der Wirkung des Drucks auf den Kopf beim Rear Naked Choke.
Darin ist auch der Nachteil des D'arce Chokes zu sehen: Er kann gegen einen stehenden Gegner nur dann ausgeführt werden, wenn der sich bereits tief nach vornüber gebeugt hat (beispielsweise bei einem misslungenen Double Leg Takedown).
Anaconda Choke Der „Anaconda Choke“ ist von der Ausführung her grundsätzlich gleich mit dem D'arce Choke. Jedoch greift hier der Angreifer nicht unter den Achseln zum Nacken durch, sondern umgekehrt, also von der oberen Schulter unter die gegenüberliegende Achselhöhle.
Die restliche Ausführung ist mit der des D'arce Chokes identisch: Der Angreifer „verriegelt“ seinen Griff, indem er seinen eigenen Bizeps greift, und dreht seine Schulter mittels der Torsionskraft tiefer in den Nacken des Gegners, indem er eine Gator Rolle praktiziert (ähnlich einer Anakonda, welche ihre Beute umwickelt und um die eigene Längsachse dreht).Einführung in den Anaconda-Choke, Blackbelt-Wiki. Abgerufen am 1. April 2018.Youtube-Seminar "Unterschiede zwischen Brabo Choke und Anaconda Choke von BJJ-Schwarzgurt Stephen Kersting. Abgerufen am 1. April 2018.
Von Flue Choke