mini|Das Franziskanerkloster von Südosten mini|Kirche von der Burggasse aus Das Franziskanerkloster Schwaz ist ein Kloster der Franziskaner (OFM) in Schwaz in Tirol in Österreich.

Geschichte Das Franziskanerkloster in Schwaz wurde 1507 auf Betreiben der damaligen Bergwerksherren bzw. Bergknappen und der Bürger von Schwaz mit Erlaubnis des Kaisers Maximilian I. gegründet. Die Franziskaner waren schon seit 1471 regelmäßig zur Aushilfe nach Schwaz gekommen (Schwaz war zu jener Zeit noch keine eigene Pfarre). Nachdem die Schwazer Bevölkerung und der Kaiser den Klosterbau in Angriff genommen hatten, gab es unerwartete Hindernisse: Am 15. Juli 1507 wurde der Klosterbau vom zuständigen Pfarrer von Vomp unter Androhung des Banns verboten (in Vertretung des Generalvikars von Brixen). Die Verantwortlichen hatten ganz einfach vergessen, die Kirche um Erlaubnis zu bitten. Sie hatten dies unterlassen, da Kaiser Maximilian versprochen hatte, sich selbst darum zu kümmern (Die sogenannte Stiftungsurkunde Kaiser Maximilians erwähnt zwar ein päpstliches Schreiben, über dessen Vorhandensein ist aber nichts weiteres bekannt).

Den Grund für Kirche und Kloster hatte Hans Fieger von Melans zu Friedberg (d. Ä.) von Andrä Stollbrock erworben und 1507 den Franziskanern geschenkt. Dazu überließ er ihnen auch sein eigenes angrenzendes Anwesen mit dem charakteristischen Wendeltreppenturm, heute noch „Fiegerhof“ genannt (siehe Abb. links und rechts unten), welches samt Garten in den Klosterbau integriert wurde. Ein Teil des Fiegerhauses diente höchstwahrscheinlich als Mühle. Eine alte Leitung führte schon damals Wasser vom Lahnbach bis zum Haus.

Das Wappen des Hans Fieger und jene seiner Brüder Siegmund und Christoph finden sich im Kreuzgang. Sie hatten dort die ersten drei Fresken gestiftet.

Am 30. August 1507 wurde die Schenkungsurkunde von Hans Fieger ausgestellt. Am selben Tag fand auch die Grundsteinlegung statt, wie auf der dargestellten Urkunde zu sehen ist.

Das Ordinariat von Brixen zog seinen Einspruch gegen den Klosterbau aber erst zurück, nachdem auch der Abt der Abtei St. Georgenberg seinen Einspruch zurückgezogen hatte und Kaiser Maximilian nochmals interveniert hatte.

Die offizielle kirchliche Zustimmung erfolgte einen Monat nach der Grundsteinlegung, am 26. September 1507, im Rahmen eines Festaktes unter der Leitung von Conradus, Abt von St. Georgenberg, Abt Leonhard von Wilten und dem zuständigen Pfarrer Peürl von Vomp. Als Gesandter Kaiser Maximilians wurden der am kaiserlichen Hofe weilende Franziskaner P. Johannes de Donis, resign. Bischof von Großwardein, nach Schwaz gesandt. Nach einem Hochamt in der Vomper Pfarrkirche zog man in einer Prozession nach Schwaz und Prior Baumgartner von St. Georgenberg verkündete, dass kirchlicherseits keine Einwände mehr bestünden und der Bau begonnen werden konnte. Der Franziskaner P. Christoph verblieb danach auf dem späteren Kirchenplatz und feierte mit seinen Mitbrüdern einen Dankgottesdienst.

Bereits am 23. November 1507 wurde der sich im Bau befindende Haupttrakt des Klosters eingeweiht. Der weitere Klosterbau nahm noch einige Jahre in Anspruch. Die vielen Stifter und Wohltäter, vor allem waren es die vermögenden Schwazer Gewerken, die den Klosterbau finanzierten, wurden durch die Darstellung ihrer Wappen an den Schlusssteinen des Kreuzrippengewölbes im Kreuzgang geehrt. Kaiser Maximilian wurde durch die Darstellung der Wappen seiner Länder geehrt.

Mit dem Bau der Klosterkirche begann man im April 1508.

Ein Jahr später, 1509, war die Bonaventurakapelle (siehe Bild unten) fertiggestellt, in der nun alle Messfeiern stattfanden. Am 16. Oktober 1509 wurde sie zusammen mit dem Kreuzgang eingeweiht. Die Darstellung der 12 Apostelkreuze lassen darauf schließen, dass diese Kapelle kirchenrechtlich gesehen den Status einer Kirche innehatte. Über der Kapelle war der erste Gebetsraum. Dieser ist aber nicht mehr vorhanden, da in den späten 1950er Jahren die dort im 1. Stock liegenden Räume zum Mariensaal zusammengefasst wurden. Übrigens sind nur noch in der Bonaventurakapelle die originalen Butzenfenster erhalten geblieben.

Um das Jahr 1518 wurde an der Nordseite der Kirche noch der Friedhof errichtet.

Der Bereich oberhalb des Refektoriums, Brüdergang genannt, hat eine große Balkendecke wie der darunter liegende Speisesaal. Im Brüdergang hing von Beginn an ein großes gotisches Kruzifix, welches sich seit den 1990er Jahren in der Bonaventurakapelle befindet.

Ebenfalls sehenswert ist die alte Sakristei, die in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, obwohl ebenfalls in den 50er Jahren im Raum davor eine neue Sakristei entstanden war.

Das neue Kloster gehörte bei seiner Gründung zur österreichischen (Wiener) Franziskanerprovinz und ab 1580 zur neugegründeten „Tiroler Franziskanerprovinz vom Heiligen Leopold“.

Zur Linken ist die älteste Darstellung des Schwazer Klosters aus dem frühen 18. Jahrhundert zu sehen (aus dem Klosterarchiv Bozen). Wer das Kloster in seinem heutigen Zustand kennt, sieht sofort die Unterschiede. Von besonderem Interesse ist die Kapelle im Garten (im Bild gang rechts), die nicht mehr existiert (nicht zu verwechseln mit dem Pavillon an der Südmauer). Der Klerikatstrakt (ganz rechts unten) wurde erst 1736 errichtet. Das Hauptgebäude war mit diesem Gebäudeteil nur über einen schmalen Gang (quasi ein Schwibbogen) verbunden. Dieser Übergang wurde erst 1925 ausgebaut. Der östliche Gartenteil (Bild-Oberkante) kam erst 1882 dazu, dieser gehörte damals (im 19. Jh.) noch zum Knapp-Haus. Der große Innenhof war um das Jahr 1730 noch begrünt. Die Klosterchronik erwähnt im Jahr 1699 eine Neugestaltung des Kreuzganghofes mit Blumen, Säulen und Bänken. Schon damals stand die markante Linde auf unserem Kirchenvorplatz. Leider steht auch die alte Weberei im Garten nicht mehr.

Durchaus sehenswert ist auch das alte Refektorium (der Speisesaal), welches sich seit der Anfangszeit nicht sehr verändert hat. Natürlich wurden die Tische und der Holzboden sowie die Vertäfelung im Laufe der Jahrhunderte einige Male erneuert (zuletzt 1961). Hier werden alle Mahlzeiten eingenommen und die zweimal wöchentlichen Rekreationen, das abendliche zusammensitzen, findet ebenfalls hier statt. Zu besonderen Anlässen konnten so manche Schwazer diesen Raum betreten. Einer der Luster war übrigens für den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand vorgesehen. Nach dessen Ermordung war der Schwazer Schlosser Rappel auf zwei Dutzend eben gefertigte Luster sitzen geblieben. Ein amerikanischer Provinzial sah den Luster, welcher als Leihgabe in der Klosterbibliothek hing und kaufte alle Luster für eine Kirche seiner Provinz. Als Dank bekam das Kloster von Jakob Rappel einen Luster geschenkt.

Die Kirche

Beginn Die großen Renovierungsphasen: 1618, 1735, 1844, 1936, 1965 und 1990.

Es soll anfangs gleich Erwähnung finden, dass die Veränderungen in der Kirche im Laufe der Jahrhunderte so zahlreich waren, dass Vieles nicht festgehalten wurde und hier nur ein grober Überblick präsentiert wird.

Die Leitung und Planung für den Kirchenbau 1508 wurde wie schon beim Kloster dem Meister Christoph Reichartinger übertragen. Der ausführende Werkmeister war Ulrich Klotz, der selbst auch Steinmetz war. (Er hat u. a. das Refektoriums- und das Sakristeiportal geschaffen). Als Vorlage diente Reichartinger die Hl. Kreuz-Kirche in Augsburg (ehem. Chorherrenstift, im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer schwer beschädigt, heute Dominikanerkloster). Am 3. Mai 1515 wurde die neue (noch nicht ganz fertiggestellte) Kirche feierlich eingeweiht. (Das Kirchweihfest wurde früher traditionellerweise immer am dritten Sonntag nach Ostern gefeiert.) Die Franziskanerkirche gehört zu den größten gotischen Gotteshäusern Tirols (59 m lang, 20 m breit).

Es wurden sechs gotische Altäre errichtet, von denen der Apostelaltar das Werk Hans Malers war. Der Hochaltar stellte im Mittelschrein die Stigmatisation des heiligen Franz von Assisi dar, die Seitenaltäre u. a. Maria Schmerzen, Sippen-, Apostel- und Passionsaltar. (Der Schmerzensaltar wurde von der 1512 gegründeten Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens gestiftet).

Im Jahre 1521 kam aus Eichstätt über Passau ein vom schwäbischen Meister Loy Hering gefertigtes Steinkreuz. Es wurde im Langhaus mittlings vor dem Lettner aufgestellt und mit einem Gitter umschlossen.

Bereits im Jahre 1585 wurde der Hochaltar auf Betreiben des Provinzials P. Gabriel Raber durch einen Renaissancealtar ersetzt (bzw. der Altar umgebaut). Dieser wurde vom Haller Maler Melchior Ridterl (oder Ritterl) gefasst. Er stellte, wie sein Vorgängerwerk, wiederum die Stigmatisierung des Hl. Franziskus dar. Dieser Altar ist leider verschollen.

Von der gotischen Grundausstattung ist in der Franziskanerkirche nur sehr wenig erhalten, so etwa eine spätgotische Skulptur der „Mater Dolorosa“ aus dem frühen 16. Jh. und das ausdrucksvolle Steinkruzifix des Loy Hering (laut Prof. Ulrich Söding stammt es vom Augsburger Meister Gregor Erhart). Drei Tafelbilder des Apostelaltars, die Tafelbilder des Passionsaltars und fünf Bilder des Annaaltars (Sippenaltar) sind heute auf Schloss Tratzberg. Zwei weitere Tafelbilder aus dem Apostelaltar des Hans Maler (Marter der Apostel Bartholomäus und Andreas) befinden sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Sie wurden um 1816 verkauft bzw. geraubt. Ihre letzten Tafelbilder verkauften die Franziskaner vermutlich um das Jahr 1840. Neben der Schmerzensgruppe blieben nur zwei gotische Reliefs (ca. 1520) dem Kloster erhalten, denn sie waren im Altar der Bonaventurakapelle eingearbeitet worden.

Renovierung 1618 Unter der Führung des Meister Leibacher wurden damals die Kirchensäulen poliert und der seitliche Franziskusaltar abgetragen und versetzt. Weiters wurde die Kirche von Meister Bruel geweißelt.

Neu geschaffen wurden u. a. die Gitter und das Chorgestühl:

Die beiden Seitenteile des hinteren schmiedeeisernen Gitters, eine Arbeit des Jenbachers Christoph Stöckl (1621) gehörten ursprünglich auch zum Lettner und waren dort eingesetzt. Der jüngere mittlere Teil des Gitters stammt von Josef Mayr aus Schwaz (1735). In der Mitte des Lettners befand sich das große Steinkreuz von Loy Hering (siehe unten). Bemerkenswert ist auch das Renaissance-Chorgestühl. Es wurde 1617–1618 vom Schwazer Kunsttischler und Bildhauer Michael Pirtaler zusammen mit zwei weiteren Gesellen und mit dem Augsburger Schlosser Johann Wolf geschaffen. Von den ursprünglichen vier Reihen haben sich zwei erhalten. Aus der Anfangszeit stammt auch noch die alte Sakristeitüre. Diese schmideiserne Türe wurde im Jahre 1509 errichtet, ist eine Arbeit des Meisters Andre und trägt das Wappen der Stifter, die Gewerken Stöckl. Das beeindruckende Portal stammt von Ulrich Klotz.

Im Jahre 1621 wurde auch ein neuer Hochaltar errichtet. Damals war es üblich, an Werktagen den wertvollen Mittelschrein mit einem Bild zu verdecken. Dieses Gemälde, darstellend die Glorie des Hl. Franziskus und Franziskanerheilige im damals üblichen grauen Reformatenhabit, stammt vom Innsbrucker Hofmaler Paul Honegger, und ist noch im Besitz des Klosters.

In einer Klosterrechnung des Jahres 1631 wird ein Tischlermeister und zwei Gesellen für die Aufstellung der Krippe und des Ostergrabes entlohnt. Nähere Informationen zu diesen frühen Kunstwerken existieren leider nicht.

Am Rande des Friedhofs wurde 1650 eine kleine Kapelle errichtet. Sie galt als erste der insgesamt zehn Schwazer Haagkapellen. 1885 wurde sie zu einer Lourdesgrotte umgestaltet. Die Marienstatue wurde von einer Delegation eigens aus dem französischen Wallfahrtsort geholt.

Im Jahre 1687 bekam die Kirche unter dem Guardian P. Nikolaus Perckhofer einen neuen Boden. Die Marmorplatten dazu kamen aus dem Steinbruch in Kleinsöll bei Breitenbach. Dieser Steinboden wurde 1990 durch einen Neuen ersetzt.

Barockisierung