mini|Andrea Saemann in einer Performance mit Judith Huber und Ursula Scherrer, 2026 Andrea Saemann (* 12. März 1962 in Wilmington, Delaware, USA) ist eine Schweizer Performance- und Konzeptkünstlerin und Performanceorganisatorin. Sie arbeitete seit 2011 mit am Schweizer Performance Preis und koordinierte den Anlass bis 2017, hat die Plattform für Texte über Performance ApresPerf ins Leben gerufen und ist Gründungsmitglied des PANCH – Performance Art Network CH. Sie organisierte und kuratierte von 2014 bis 2025 das Festival Translocal Performance Art Giswil.

Leben Andrea Saemann kam nach der frühesten Jugend in den USA mit ihren Eltern und zwei Schwestern nach Basel. Sie absolvierte den gestalterischen Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in Bern 1981–1982 und studierte von 1982 bis 1985 Architektur an der ETH Zürich. Die folgenden zwei Jahre verbrachte sie in Paris im LEM (laboratoire et études du mouvement) an der École internationale de théâtre Jacques Lecoq und fünf weitere Jahre in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste bei Marina Abramovic und B. J. Blume (Teil des Künstlerduos Anna und Bernhard Blume), um Performance zu studieren und in freier Kunst zu diplomieren. Sie reiste nach Asien und Südafrika und begann Performance zu unterrichten und als Multiplikatorin zu arbeiten. Nach einer Thailandreise ging sie zurück nach Basel und installierte dort zusammen mit Pascale Grau Performance-Präsentationen im Kunstraum Kaskadenkondensator und arbeitete als Archivarin bei den Architekten Herzog & de Meuron. Sie organisierte zusammen mit Lena Eriksson ein Gästeatelier und war Teil eines Künstlerinnenwohnprojektes die Lodge, beides im Werkraum Warteck pp in Basel und ist Teil der Genossenschaft Amerbach Studios, eines Projekts für Künstlerinnen.

Arbeitsweise/Werk Saemann arbeitet als Performerin, räumlich und narrativ, mit Stockungen und Differenzen zwischen Sprache, Bild, Wahrnehmung, Erinnerung und Übersetzung. Sie interessiert sich für die Organisation von Erinnerung und die Verortung und Kontextualisierung von Ereignissen. Verena Kuni schrieb 2007 im Schweizer Kunstbulletin unter dem Titel «Eine Saga von realer Gegenwart» über Saemann: «Andrea Saemann betreibt Performance-Forschung mit künstlerischen Mitteln. Ihre Performances, in denen sie Wiederaufführungen und Variationen historischer Arbeiten mit neuen Elementen kombiniert, verbinden Vergegenwärtigung, Reflexion und Revision. Unter dem Arbeitstitel Generation Gap begann sie 2002 eine forschende Auseinandersetzung mit den Performances einiger Künstlerinnen jener Generation von Pionierinnen, die zweifelsohne Geschichte geschrieben haben – während ihr Werk allenfalls in Form von mehr oder weniger rudimentären Dokumentationen erhalten ist.»Die Kunstwissenschaftlerin Sabine Gebhardt Fink schrieb 2016 über Saemann: «Wechselnde Kollaborationen und zugleich das Insistieren auf einer eigenständigen performativen Arbeit sind für Andrea Saemann zentral. Ihre kuratorische Arbeit und das Schaffen ‹konzeptueller Rahmungen› für andere Performerinnen – etwa in der Arbeit Tskaltubo Hot Pots in Georgien (2016) –, kann als ‹Salonology› bezeichnet werden; Konvivialität, Austausch und nicht-hierarchische Diskurse spielen dabei eine zentrale Rolle.»Im Sommer 2022 kuratierten Muda Mathis, Chris Regn, Andrea Saemann und Lena Eriksson die Ausstellung Bang Bang – Translokale Performance Geschichten im Museum Tinguely. Daraus entstanden Publikationen wie 2022 das Megazin, 2024 Revolving Documents, oder 2025 das Lesebuch Revolving Histories. Zur Buchpremiere des Lesebuch Revolving Histories – zu translokaler Performance Kunst Schweiz wurde 2025 in Kooperation mit dem Theater Basel, Radio X und dem Performance Kunst Netzwerk Schweiz PANCH eine 5-stündige Leseperformance im Foyer Public des Theaters als Radio Live Veranstaltung organisiert.

Anfang 2026 befasste sich Saemann in einer Lecture Performance in der Kaserne Basel mit dem eigenen Archiv. Sie fokussierte auf ihre Entwicklung zur Künstlerin und auf Begegnungen unterschiedlichster Art, u. a. mit Terminator 1+2 oder den Performancekünstlerinnen Carolee Schneemann und Joan Jonas.

Auszeichnungen 1999: Basler Künstlerstipendium, Kunstkredit Basel-Stadt 2000: Otzenrath Stipendium 2002: Förderung Forschungsprojekt «generation gap», zusammen mit Chris Regn, Performance-Wettbewerb des Kunstkredits Basel-Stadt 2005: Werkbeitrag, Kunstkredit Basel-Stadt 2007: Förderung Performance Saga, freie Kunstprojekte, Kunstkredit Basel-Stadt, zusammen mit Katrin Grögel 2018: Atelierstipendium URRA Buenos Aires, Atelier mondial 2019: Performancepreis Schweiz / Publikumspreis: Manifesto Reflex Collective, mit Monika Dillier, Iris Ganz, Sibylle Hauert, Lysann König, Fränzi Madörin, Muda Mathis, Dorothea Mildenberger, Sarah Elena Müller, Barbara Naegelin, Chris Regn, Dorothea Schürch, Sus Zwick.

Kuratorien 1997–1999: Koordination im Kunstraum Kaskadenkondensator, Basel, Schweiz 1999: Kongress für künstlerische Strategien, Vorträge, Gespräche und Bankett im Sudhaus Warteck Basel, kuratiert und organisiert mit dem ersten Manifest grosser und angesehener Künstlerinnen, mit Monika Dillier, Lisa Fuchs, Pascale Grau, Muda Mathis, Barbara Naegelin, Sus Zwick, Basel, Schweiz 2001: Helle Nächte, ein Projekt der Kunstvereine Binningen, Bottmingen und Reinach, kuratiert und organisiert zusammen mit Annina Zimmermann, Basel-Stadt, Baselland, Schweiz 2003: Generation Gap, Andrea Saemann, Transeuropa Festival Hildesheim, Deutschland 2004: Kunstraum Lodypop mit Lena Eriksson, Basel, Schweiz 2007: purity & danger, ein grosses, öffentliches Bad auf dem Münsterplatz, Kunstaktion gemeinsam mit Tischgesprächen zu Rotrausch, dem Fest der Kulturen vom Museum der Kulturen, Basel, Schweiz 2008: the road to Nieu Bethesda, ein Symposium mit Kunstschaffenden aus der Schweiz und Südafrika, gemeinsam initiiert und organisiert mit Monika Dillier 2008: Performance Saga Festival – Bern, gemeinsam mit Katrin Grögel in Kooperation mit Bone: Norbert Klassen und Peter Zumstein, Schlachthaus Theater, Bern, Schweiz 2009: Performance Saga Festival – Basel, gemeinsam mit Katrin Grögel, Radio X, Voltahalle, Ausstellungsraum Klingental, Kaskadenkondensator und öffentlicher Raum Basel, Schweiz 2009: Performance Saga Festival – Lausanne, gemeinsam mit Katrin Grögel in Kooperation mit dem Théâtre de l’Arsenic, Lausanne, Schweiz 2011: Festival lo que lleva el viento I, kuratiert und organisiert gemeinsam mit Katrin Grögel und Simone Rüssli in Kooperation mit dem Verein Las Conejeras, Performancefestival in Arrecife, Lanzarote, Spanien 2013: Festival lo que lleva el viento II, kuratiert und organisiert gemeinsam mit Simone Rüssli in Kooperation mit dem Verein Las Conejeras, Performancefestival in Arrecife, Lanzarote, Spanien 2011–2017: Koordination Performance Preis Schweiz seit 2014: Plattform für Texte über Performance ApresPerf mit Dorothea Schürch seit 2014: Festival International Performance Art Giswil, Schweiz 2014: Hecht an der Grenze, mit Cécile Hummel und Dagmar Reichert, Haus Hecht, Waaghaus, Bodman Literaturhaus, Gottlieben, Schweiz 2015 die Stein ins Rollen bringen, Marathonlesung von «The Making of Americans» von Gertrude Stein, organisiert und konzipiert mit Marcel Schwald, in Koproduktion mit Kaserne im Exil und der Ateliergemeinschaft VIA, Basel, Schweiz 2016: Hot Pots – situationsspezifische Langzeitperformance, kuratiert von Jennifer Mira Ackermann, Monika Dillier, Andrea Saemann, Artas Foundation, Tskaltubo Sanatorium, Georgien 2018: PANCH Performance Photography, Gruppenausstellung, kuratiert von Markus Goessi, Eliane Rutishauser, Yolanda E. Natsch, Andrea Saemann, mit 80 Kunstschaffenden als Special Guest an der Liste Art Fair, Basel, Schweiz 2018: Doce en Diciembre, URRA, PROA 21, Buenos Aires, Argentinien 2022: Bang Bang – translokale Performancegeschichten im Museum Tinguely in Basel, mit Lena Eriksson, Muda Mathis, Chris Regn

Performances und Installationen 1989/90/91: Wie eine Frau has a cow… a lovestory. Performance mit Pascale Grau, Künstlerhaus Vorwerkstift und HfbK Hamburg, Kulturbahnhof, Thun, Kino Reithalle, Bern, Kanzlei, Zürich, Belluard-Festival, Fribourg, Thalia Theater, Hamburg, Klasse B.J. Blume, HfbK Hamburg, Kloster Haydau, Morschen 1991: Weit West Wild Nah. Projekt, gruppe a.b.: Dorothee Daphi, Pascale Grau, Anke Grot, Matthias Moebius, Andrea Saemann, Völkerkundemuseum Hamburg 1993: dressing 1–5. Projekt, gruppe a.b.: Dorothee Daphi, Pascale Grau, Matthias Moebius, Kai Rickert, Andrea Saemann, Junge Hunde, Kulturfabrik Kampnagel, Hamburg 1995: Haus S(a)egen – eine theatralische Einrichtung. gruppe a.b.: Dorothee Daphi, Pascale Grau, Matthias Moebius, Andrea Saemann, Junge Hunde, Kulturfabrik Kampnagel, Hamburg 1997/98/99: 3 X 3 (2. Schritt), Performance, 3 X 3 mit Pascale Grau, Festival For Eyes and Ears, Odense, Dänemark, Centre Civic Can Felipe, Barcelona, Cruce, Arte y pensamiento contemporáneo, Madrid, D! Club, Lausanne, Malmö Kunsthall, Malmö, Schweden, o.T. Raum für aktuelle Kunst, Luzern, Kunstmuseum St. Gallen, Schweiz 1998: Schlüsselreize. Performance, VIM, Verein für improvisierte Musik, Davidsbodeneck, Basel, Schweiz 1999: gerade jetzt. Performance, Festival auf eine Art, KuLe, Berlin, Deutschland 1999: Meta – eine Ansicht. Performance, Kunsthalle, Bern, Schweiz 1999/2000: Performances 1989–1999 (CH) Videoperformance, Dokumentation und Installation, Kunsthaus Baselland, Basler Künstler-Stipendium, Kunstkredit Kanton Basel-Stadt, Eidgenössisches Künstler-Stipendium 2000, Bundesamt für Kultur, Schweiz 2000/2001: Terminator, Performance, Kino Movie, Basel, Bone Festival: CH-Fokus, Schlachthaus Theater, Bern, Schweiz 2002: Schnittstellen. Muda Mathis / Sus Zwick / Andrea Saemann, HyperWerk/FHBB, Plug in, Basel, Schweiz 2003: reenactment: semiotics of the kitchen. Performance mit Martha Rosler uno vielen Performerinnen, A Short History of Performance – Part II, Whitechapel Art Gallery, London, England 2003: …remote…control… – Performance dank Valie Export. Performance Saga Performances, [plug.in], Basel 2003: liberty_5 – Performance dank Regula Huegli & Valie Export, Performance Saga Performances, transeuropa 2003, Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Performancefestival across the border, Kubus, Hannover, Deutschland 2003: Modell Broll. Rauminstallation (Videos, Objekten, Zeichnungen), mit Monika Dillier, Lena Eriksson, Muda Mathis, Chris Regn, Sus Zwick, bei: Eingreifen, Galerie Helga Broll, Thealit und Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen, Deutschland 2004: lodypop. Performance, mit Lena Eriksson und Marcel Furrer (Musik), I need you, Kunsthaus Pasquart, Biel, Schlachthaus Theater, Bern 2004: the creation of stars. Performance dank Emilio Maraini & Valie Export, Instituto Svizzero di Roma, Rom 2004: Wärmehaushalt. Rauminstallation, und Ausflug in die Fresken. Performance dank Bruder Klaus, zur Ausstellung von Monika Dillier bin zu dorff gesyn. Galerie Hofmatt, Sarnen 2004/05/06/07/10: Saemann meets Schneemann – Performance dank Carolee Schneemann. Performance Saga Performances, copy, create, manipulate, [plug.in], Basel, interfiction Kulturbahnhof, Kassel/D, Arsenic, Lausanne, trouble//1, female body, Stadtbad Oderbergerstrasse, Berlin/D, Galerie Wildwechsel, Frankfurt/D, Ausland, Berlin/D, momentum – platform for performance art, Brüssel/B, deSingel, Antwerpen, 2006, Theater am Neumarkt, Zürich 2007, Symposium Pathologische Esthetica IV, thema: Seksualiteit, HAN University Nijmegen/NL 2010 2005: when the people ask me – Videoinstallation dank Marina Abramovic. Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel, Werkbeiträge, Kunstkredit Kanton Basel-Stadt 2005: dies und das und das auch. Wandinstallation, bei Chris Regn Meisterwerke. Lerchenfeld, HfBK Hamburg, Deutschland 2005: no projection. Performance mit Lena Eriksson, der längste Tag, Kunsthof, Zürich, Schweiz