Weltcupfinale 2018 Turnierserien: FEI-Weltcup Dressurreiten 2017/2018, FEI-Weltcup Springreiten 2017/2018 Austragungsort: AccorHotels Arena,Paris, Teilnehmende Reiter: 18 Dressurreiter; 39 Springreiter (ohne Rahmenprüfungen) Internet: feiworldcupfinals-paris.com
Das Weltcupfinale 2018 im Spring- und Dressurreiten war das Finale der Weltcupserien in zwei Pferdesportdisziplinen. Es wurde vom 10. bis zum 15. April 2018 in der AccorHotels Arena in Paris-Bercy durchgeführt.
Pferdesport in Paris Während die Dressurreiter über kein regelmäßiges internationales Turnier in Paris verfügen, zählt Paris zu den Millionenstädten mit der größten Dichte an wichtigen Springreitturnieren: Der erstmals in den 1860er Jahren ausgerichtete Concours central hippique de Paris zählte zu den ersten großen Springreitveranstaltungen weltweit. Das Turnier wurde letztmals 1958 im Grand Palais durchgeführt, wo seit 2010 der CSI 5* Saut Hermès seine Austragungsstätte hat.
In Villepinte wird jeweils im November/Dezember der Salon du Cheval de Paris mit einem Weltcupturnier der Voltigierer und einer Etappe des Longines Masters Grand Slam im Springreiten durchgeführt. Die Global Champions Tour/League führt eine ihrer Stationen auf dem Champ de Mars durch und auch Versailles war bereits Austragungsort eines CSI 5*-Springreitturniers.Turnierkalender der FEI
Die AccorHotels Arena, damals noch unter dem Namen Palais Omnisports, war selbst bis 2005 Veranstaltungsort einer Etappe des Springreiterweltcups – des Jumping International Paris-Bercy. Letzte Sieger des hiesigen Weltcupspringens waren Rodrigo Pessoa und Baloubet du Rouet.FEI World Cup Jumping Update: Paris Bercy, inside.fei.org, 13. März 2005, abgerufen am 31. März 2018Ergebnisse Jumping International Paris-Bercy 2005
Beide Disziplinen richteten zuvor bereits einmal ein Weltcupfinale in Paris aus: Im Springreiten 1987 und im Dressurreiten im Jahr 1991.
Dressurreiten Qualifizierte Teilnehmer Bei den Dressurreitern gab es zwei Absagen kurz vor dem Finale: Die Australierin Mary Hanna hatte die weite Anreise nach Europa bereits im Februar hinter sich gebracht, verzichtete jedoch aus gesundheitlichen Gründen ihres Pferdes. Die FEI fragte daraufhin bei Cathrine Dufour (als weltranglistenhöchste nicht qualifizierte Reiterin) für eine Finalteilnahme an, diese sah aufgrund der zu kurzen Vorbereitungszeit von nur vier Tagen für ihr Pferd davon ab. Den Wildcard-Platz übernahm gemäß Weltranglistenreihung Hayley Watson-Greaves, nachdem zuvor auch der noch in den Vereinigten Staaten befindliche Steffen Peters angefragt worden war.Watson-Greaves Gets Hanna's Vacant Spot at 2018 World Cup Final, eurodressage.com, 6. April 2018 Einen Tag später verzichtete auch Tinne Vilhelmson Silfvén, die Teil der Wintersaison in Florida verbracht hatte, auf ihren Finalstartplatz. Auch ihr Pferd war nicht fit für den Wettkampf. Die somit zur Verfügung stehende weitere Wildcard erhielt Morgan Barbançon Mestre.2018 World Cup Finals, Barbançon Substitutes, eurodressage.com, 7. April 2018
WeltcupligaAnzahl der Reiter, die sich aus dieser Liga für das Weltcupfinale qualifizierenqualifizierte Teilnehmer, Stand 5. April 2018 Zentraleuropaliga 2 Nordamerikanische Liga 2 Pazifische Liga 1 (Absage, damit weitere Wildcard) Westeuropaliga 9 (Absage, damit weitere Wildcard) Teilnehmer aus Gebieten ohne Weltcupliga 1 Weltcupsieger 2016/2017 1 Wildcards der FEI 2
Ablauf und Ergebnisse Grand Prix Für die Dressurreiter stand am Nachmittag des Freitags (13. April) die erste Prüfung des Finalturniers auf dem Programm. Der Grand Prix diente als Einlaufprüfung: Die Teilnahme war (wie bei den Qualifikationen) verpflichtend, das Ergebnis hat jedoch für den Ausgang des Finals keine direkte Bedeutung.
Das sechste Starterpaar des Grand Prix schien der Aufgabe vor der Atmosphäre der gut 15.000 Zuschauer fassenden Halle nicht gewachsen: Die für die Philippinen reitende Ellesse Tzinberg und ihr erfahrener Wallach Triviant hatten bei Freiluftturnieren in den Vereinigten Staaten mehrfach Grand Prix-Ergebnisse von etwa 65 Prozent erzielt.FEI Athlete Performance: Ellesse Tzinberg In Paris kamen sie nur auf 58,292 Prozent. Im versammelten Schritt, in der Passage und den Einerwechseln erhielt sie von einzelnen Richtern nur eine Eins als Wertungsnote („sehr schlecht“). Da ein Ergebnis von 60 Prozent das Mindestqualifikationskriterium für die Grand Prix Kür waren, verpasste sie den Einzug in die Finalprüfung.
Deutlich besser verkrafteten den Wechsel von der Sonne Floridas zur Halle von Paris Laura Graves und ihr inzwischen 16-jähriger Verdades. Mit über 81 Prozent setzte sie sich als viertletzte Starterin klar in Führung. Die Weltcupfinalsieger des Vorjahres, Isabell Werth und Weihegold OLD, zeigten sich bis zur 17. Lektion erwartungsgemäß stark mit mehreren mit Neun bewerteten Lektionen. Doch dann leisteten sie sich Fehler im starken Galopp, in den Zick-Zack-Traversalen und in den Einerwechseln. Auch wenn sie sich anschließend wieder auf 9er-Noten-Niveau einpendelten, kam Werth im Gesamtergebnis auf drei Prozent weniger als Graves, die damit zum zweiten Mal nach dem CHIO Aachen 2017 gegen Isabell Werth siegreich war.Ergebnis Grand Prix de DressageWeltcupfinale Dressur: Graves gewinnt Quali, Deutsche auf Plätzen zwei bis vier, Jan Tönjes / St. Georg, 13. April 2018
Ergebnis: ReiterPferdBewertung1 Verdades 81,413 %2 Weihegold OLD 78,261 %3 Unee BB 75,668 %4 Sammy Davis Jr. 75,311 %5 Deja 74,689 % (beste 5 von 18 Teilnehmern)
Grand Prix Kür (Finale) mini|hochkant=1.3|Podium des Dressur-Weltcupfinals 2018 Ohne einen Pausentag stand weniger als 24 Stunden später bereits das Finale an: Am 14. April ab 14:00 Uhr wurde die Grand Prix Kür durchgeführt. Anhand des Ergebnisses dieser Prüfung wurde der Weltcupsieger ermittelt.Zeitplan und Ergebnisse Weltcupfinale Paris 2018 Die Weltcupkür war mit 275.000 Euro dotiert.
Erste Starterin in der Kür war die US-Amerikanerin Shelly Francis mit dem Rappwallach Danilo. Nachdem sie im Grand Prix mit 68,326 Prozent nur auf Rang 17 gekommen war, überzeugte sie die Richter insbesondere in der B-Note. Mehrere Richter gaben ihr dort über 80 Prozent, 74,189 Prozent als Gesamtnote reichten am Ende für den zwölften Platz. Die beste Bewertung der ersten Hälfte des Starterfelds erhielten Daniel Bachmann-Andersen und der KWPN-Hengst Zack. Ihnen gelang als erste der Sprung über 80 Prozent als Gesamtergebnis. Als letztes Paar der ersten Hälfte verpassten Inessa Wiktorowna Merkulowa|Inessa Merkulowa und ihr Trakehner Mister X die 80 Prozent, bewiesen jedoch erneut ihre Stellung als stärkstes osteuropäisches Paar im Dressursport.
Den Auftakt zur zweiten Hälfte machten Edward Gal und Zonik, ein Sohn des kurz zuvor gestarteten Zack (79,654 Prozent). Bestes niederländisches Paar waren jedoch die nachfolgend angetretenen Madeleine Witte-Vrees und Cennin. Mit Belinda Weinbauer war auch eine Reiterin aus Österreich am Start. Doch Weinbauer kam mit dem 16-jährigen Söhnlein Brilliant MJ aufgrund von Fehlern in den Einer- und ZweierwechselnPlatz 13 für Belinda Weinbauer und Söhnlein Brilliant MJ, eqwo.net, 14. April 2018 nicht an ihre Bestleistungen dieser Weltcupsaison heran, 74,050 Prozent reichten am Ende für Rang 13.
Hochkonzentriert zeigte sich Deja, die 14-jährige Stute von Patrik Kittel. Seine Kür mit Stevie Wonders Isn't she lovely als zentralem Musikstück wurde vom Publikum frenetisch gefeiert, auch die Richter vergaben sehr hohe B-Noten (zwei Richter sogar im 90-Prozent-Bereich). Mit 83,146 Prozent war dies die neue Führung. Mit weniger mitreißender, dafür sehr tragender Musik und einer technisch sehr anspruchsvollen Lektionsfolge gingen die Sieger des Vortages ins Viereck. Laura Graves und Verdades erhielten A-Noten um 83 Prozent und B-Noten weit über 90 Prozent. Mit der Gesamtnote von 89,082 Prozent bestand eine realistische Chance auf den Weltcupfinalsieg.
Unglücklich war der Kürauftakt für die nach Graves startende Dorothee Schneider. Ihre Kürmusik erklang nicht auf ihr Handzeichen. Erst nach längerem Warten konnte sie ihre Kür dann doch mit Musik starten. Doch Schneider ließ sich hiervon nicht verunsichern und kam mit ihrem 12-jährigen Sammy Davis Jr. auf 81,843 Prozent. Schneiders Ritt hatte ein deutsches Trio zum Abschluss der Prüfung eröffnet, es folgte Isabell Werth. Anders als am Vortag leistete sie sich mit Weihegold OLD keine Fehler und konnte an die Bestergebnisse der Stute anknüpfen. Mit 90,657 Prozent gelang es ihr, Laura Graves noch die Führung abzunehmen. Dies sollte auch das beste Ergebnis bis zum Prüfungsende bleiben, Werth verteidigte ihren Weltcupfinalsieg.
Jessica von Bredow-Werndl hatte das Los den letzten Startplatz der Kür zugewiesen. Nachdem sie bei ihrem letzten Weltcupstart in Göteborg mit Unee BB noch aufgab, zeigte sich der Hengst in Paris wieder in Topform. 83,725 Prozent reichten – wie bereits beim Finale 2016 – für den dritten Rang.Ergebnis Grand Prix KürWeltcup-Finale: Dressurkönigin Isabell Werth, Sabine Gregg / Reiter Revue International, 14. April 2018
Ergebnis: ReiterPferdBewertung1 Weihegold OLD 90,657 %2 Verdades 89,082 %3 Unee BB 83,725 %4 Deja 83,146 %5 Sammy Davis Jr. 81,843 %6 Cennin 81,336 %7 Zack 80,532 %8 Zonik 79,654 %9 Mister X 79,139 %10 Sir Donnerhall II OLD 76,207 %11 Rubins Nite 75,346 %12 Danilo 74,189 %13 Söhnlein Brilliant MJ 74,050 %14 After You 72,786 %15 Foco Loco W 72,679 %16 Zippo 72,289 %17 Zodiak 70,621 %
Springreiten Qualifizierte Teilnehmer (Weltcup) Bedingt durch den Finalstandort in Mitteleuropa traten die aus der Westeuropaliga qualifizierten Reiter fast komplett in Paris an. Absagen kamen nur von den Reitern aus dem Stall von Jan Tops, Edwina Tops-Alexander und Alberto Zorzi, sowie von Christian Ahlmann. Ahlmann verzichtete, da sein für den Start im Weltcupfinale vorgesehenes Pferd Epleaser van´t Heike sich verletzt hatte. Damit verringerte sich das Aufgebot des ohnehin in einer Schwächephase befindlichen deutschen Springreitsports auf zwei Reiter: Marcus Ehning und Daniel Deußer., Handelsblatt / dpa, 11. April 2018
Die Schweiz ist ebenso mit zwei Reitern in Paris vertreten: Steve Guerdat hatte sich ohnehin über die Westeuropaliga qualifiziert. Paul Estermann war dort nur 23. geworden, profitierte jedoch davon, dass kurzfristig Max Kühner (der selbst Nachrücker war) seinen Start absagte.Last minute change for the FEI World Cup finals in Paris, equnews.com, 9. April 2018 (englisch) Der in den Vereinigten Staaten lebende Beat Mändli war über die Nordamerikanische Liga für das Finale qualifiziert, scheute jedoch die lange Anreise und legt den Fokus mehr auch die Weltreiterspiele im Spätsommer.Mändli verzichtet auf Weltcup-Final, Aargauer Zeitung, 3. April 2018, abgerufen am 12. April 2018 Trotz eben dieser weiten Anreise stellten die Vereinigten Staaten das größte Aufgebot beim Weltcupfinale, man nutzte alle seine zehn Startplätze.
Die wohl weiteste Anreise hatten die zwei über die Australische Liga qualifizierten Teilnehmer, die beide die Reise nach Europa antraten.