Kurt-Werner Wichmann (* 8. Juli 1949 in Lüneburg; † 25. April 1993 in Heimsheim) war ein deutscher Serienmörder, der u. a. für die zwei Doppelmorde in der Göhrde verantwortlich war. Die Polizei überprüft Verbindungen zu über 230 Verbrechen, darunter Mord und Vergewaltigung.

Beschreibung Wichmann war nach den Erinnerungen Bekannter gutaussehend, blond und von biederer, gepflegter Erscheinung. Ein Zeuge bezeichnete ihn als stillen Typ mit „kalten, eiskalten Augen, die alles taxierten“. Andere beschrieben ihn als Eigenbrötler, arrogant und geltungsbedürftig. Er litt unter starken Kontrollzwängen, weshalb er Gegenstände seiner Opfer auf seinem Grundstück vergrub und sich Zeitungsartikel und Fernsehberichte über seine Verbrechen sorgfältig aufbewahrte. Auffallend war, dass er stets Handschuhe und eine Sonnenbrille trug. In einem seiner Autos fand man einen Bundeswehrschlafsack für Übernachtungen im Freien, ein Fernglas und Karten. Zudem hielt er sich häufig im Wald auf. Er wohnte in einem Eigenheim in einer Stichstraße am Rand von Lüneburg direkt am Wald.Thomas Hirschbiegel: Zu Besuch im Grusel-Haus So lebte Serienkiller Kurt W., Berliner Kurier, 30. Mai 2016 In diesem Haus war er auch aufgewachsen. Er hatte einen Schäferhund und zeigte rechtsextreme politische Einstellungen (auf seinem Grundstück hisste er ab und zu die Reichskriegsflagge, in seinem Geheimraum fand man NS-Literatur). Im Lauf der Zeit hatte er mehrere Umbauten vorgenommen, darunter auch den Einbau von Geheimverstecken. Eine Tür führte ins Nichts: Man blickte durch sie von oben in die Garage und hinter ihr war ein Galgenstrick angebracht. Zur Zeit des Mordes an Birgit Meier war er verheiratet. Seine 13 Jahre ältere Frau Alice verstarb im Jahr 2006. Er war häufig in Geldnot, zur Zeit seines Todes überschuldet und inserierte als Callboy in Pornozeitschriften.

Familie Wichmann wurde am 8. Juli 1949 in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg im Wienebütteler Weg 1 als Sohn von Kurt Emil Wichmann und Marie Gertrud Wichmann geboren.Stadtarchiv Lüneburg: Kurt-Werner Wichmann

Sein Vater wurde am 7. Mai 1901 in Elbing geboren und lebte in Boltersen, Südergellersen, Kirchgellersen, Oedeme und schließlich Lüneburg. Er war als Abbauer, Freileitungsmonteur und Arbeiter tätig und war in erster Ehe mit Frida Wichmann (geboren mit dem Namen Schrimper in Beckum) verheiratet, mit der er zwei Kinder, Friedrich Wichmann (geboren am 25. Januar 1925 in Paderborn) und Elsbeth Wichmann (geboren am 28. Juni 1928 auf Gut Brünneckshof in Ostpreußen), hatte. Er starb am 25. März 1982 in Lüneburg.

Seine Mutter wurde am 1. Januar 1916 in Oberschlesien in der Stadt Orzesche (polnisch Orzesze) im Kreis Pleß geboren. Sie hatte den Geburtsnamen Stebel und hieß bis zu ihrer Scheidung Kempe. Ihre erste Ehe wurde am 29. Februar 1942 in Neisse geschlossen und mit der Scheidung am 2. Dezember 1948 in Lüneburg beendet. Sie wohnte in Oppeln, Klein Meusdorf bei Leipzig, Sasse und schließlich in der Schillerstraße 21 in Lüneburg, wo sie auch mit ihrem späteren zweiten Ehemann lebte. Sie starb am 3. November 1984 in Lüneburg.

Wichmann hatte eine Schwester, Ursula Marie Wichmann, die jedoch bereits einen Tag nach ihrer Geburt am 27. Juni 1952 starb, und einen 1958 geborenen Bruder.

Wohnorte

Kurt-Werner Wichmann lebte zunächst in der Schillerstraße 21 in Lüneburg, ab Juni 1950 im Ginsterweg 52, ab 17. September 1952 im Vrestorfer Weg 3NDR (2020) Die Geheimnisse des Totenwaldes (7/9) Psychogramm eines Mörders und schließlich ab 2. März 1978 Am Streitmoor 15. Ab 13. Januar 1961 war er zudem in Großefehn in Ostfriesland und ab 1963 zeitweise im Fürsorgeheim Wichernstift in DelmenhorstFocus (2. Dezember 2020): Serien-Killer „blonde Bestie“. Die wahre Geschichte hinter dem TV-Spektakel und in anderen Heimen und jugendpsychiatrischen Anstalten.NDR (2019): Eiskalte Spur, Teil 3: „Menschliche Knochen“ Das Haus im Vrestorfer Weg 3 in unmittelbarer Nähe zum späteren Wohnhaus existiert heute nicht mehr und ist ein Gewerbegebiet. Nach seiner Haftentlassung 1975 lebte Wichmann bis 1978 bei Helga H., die er durch eine Kontaktanzeige während der Haft kennengelernt hatte, in Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe.

Das Haus Am Streitmoor 15, das er von seinen Eltern erbte, liegt in einem damaligen Neubaugebiet in einer Stichstraße am Rand von Lüneburg direkt neben einem Wald und einem kleinen Moor. Es ist im nördlichsten Zipfel von Lüne-Moorfeld, am Rand des Streitmoor gelegen; die Ansiedlung liegt räumlich näher an Adendorf, nahe dem Punkt, an dem die Gemeindegrenzen von Lüneburg, Adendorf und Bardowick zusammentreffen.

Delikte Jugendstraftaten Wichmann kam mit 14 Jahren erstmals in Jugendarrest, nachdem er eine Untermieterin im Haus seiner Eltern mit einem Messer bedroht und versucht hatte, sie zu erwürgen. Wichmann lebte damals nicht zu Hause, sondern wuchs in einem Fürsorgeheim (Wichernstift) auf. Dort wollte er aber nicht länger bleiben und brach bei seinen Eltern ein, um sich Geld zu beschaffen. Der Vater war gewalttätig und soll seine Söhne misshandelt haben. Mit 16 Jahren überfiel Wichmann eine Radfahrerin und belästigte sie sexuell, was ihm sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung einbrachte. 1967 bedrohte er Polizisten mit einer Kleinkaliberwaffe und wurde zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt. 1968 wurde die 38-jährige Ilse Gerkens beim Fahrradfahren in einem Wald bei Lüneburg mit vier Schüssen aus einem Kleinkalibergewehr in den Rücken getroffen und getötet. Zeugen sahen einen Jugendlichen fliehen, auf den die Beschreibung Wichmanns passte. Die Polizei legte in diesem Zusammenhang eine Akte über ihn an. Man fand bei ihm Kleinkalibergewehre und Zeitungsausschnitte über den Mord, der aber nie offiziell aufgeklärt wurde. 1970 wurde er für die Vergewaltigung einer Anhalterin, die er auch zu erwürgen versuchte, zu fünfeinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Anhalterin konnte ihn damals überreden, sie laufenzulassen. Als er bald darauf in der Zeitung von dem Fall las, fühlte Wichmann sich falsch dargestellt und ging selbst zur Polizei, um dies richtigzustellen, was zu seiner Verhaftung führte. Während seiner Haftstrafe hatte er jedoch mehrfach Freigang, so dass er einzelne Straftaten während des Gefängnisurlaubs verübt haben könnte.

Der Fall Birgit Meier Birgit Meier, eine Fotografin aus Lüneburg,Ziegler, Jean-Pierre: Die Leiche im Haus des Friedhofsgärtners Spiegel Online am 29. September 2018 verschwand im Sommer 1989. Schon wenige Wochen später zeigten sich Verbindungen zwischen ihr und dem Lüneburger Friedhofsgärtner Wichmann. Zunächst vermutete man Suizid oder verdächtigte den Ex-Ehemann, jedoch fokussierten sich später die Ermittlungen auf Wichmann, den die Verschwundene zuvor nach Aussagen des Ex-Ehemanns auf einer Party kennengelernt hatte. Außerdem hatte er zuvor Gartenarbeiten bei den Nachbarn von Birgit Meier verrichtet. Er wurde vernommen, sein durch seine Ehefrau bestätigtes vorgebliches Alibi aber nicht genauer überprüft. Dass er zur Zeit des Verschwindens der damals 41-jährigen Birgit Meier krankgeschrieben war, verschwieg er, und die Polizei fragte auch nicht genauer nach.

Erst mit der Einsetzung einer neuen Staatsanwältin in Lüneburg kamen weitere Ermittlungen in Gang. Im Jahr 1993 wurde gegen den Gärtner ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts im Fall Birgit Meier eingeleitet, und die Polizei nahm eine Hausdurchsuchung vor. Die Ermittler fanden zwei Kleinkaliber-Gewehre, einen umgebauten scharfen Schreckschuss-Revolver, Elektroschocker, Schalldämpfer, Handschellen, Beruhigungs- und Schlaftabletten, Folterwerkzeug in einem mit einer schallisolierten Tür verschlossenen Geheimraum, den nur er und sein Bruder betreten durften. Im Garten fand sich ein vergrabenes knallrotes neues Ford-Sportcoupé, auf dessen Rücksitz dem Anschein nach Blut klebte. Das Fahrzeug war erst 1991, also lange nach Birgit Meiers Verschwinden, von Wichmann geleast und später als gestohlen gemeldet worden.Eiskalte Spur - Die Göhrde-Morde und die verschwundene Frau, abgerufen am 1. März 2022 Die Leichenspürhunde schlugen mehrfach an, man fand aber keine Leichen.

Durch eine Polizeipanne wurde Wichmann die Flucht ermöglicht. Während der laufenden Hausdurchsuchung wurde er durch einen Polizisten angerufen und informiert, dass gerade sein Haus durchsucht werde, weil gegen ihn wegen Mordverdacht ermittelt werde. Am Telefon gab sich Wichmann überrascht und kündigte an, sofort zum Haus zu kommen. Tatsächlich setzte er sich jedoch nach Süddeutschland ab. Er wurde am 15. April 1993 bei Heilbronn verhaftet, als er in einen Verkehrsunfall verwickelt war und man Waffen in seinem Fahrzeug fand.Thomas Hirschbiegel: Nach 23 Jahren .Der schlimmste Serienmörder der Nachkriegszeit? in Mopo vom 27. Mai 2016 Mit im Fahrzeug saß sein zehn Jahre jüngerer Bruder, der zu ihm ein enges Verhältnis hatte und von Wichmann dominiert wurde.Anne Kunze, Felix Rohrbeck, Auf der Lichtung, Zeit Online, 3. November 2016 Zehn Tage nach seiner Festnahme erhängte sich der 43-jährige Wichmann in der Haft in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim.Thomas Hirschbiegel: Die Abschiedsbriefe des Serienkillers. Rasiert mich, bevor ihr mich verbrennt in Mopo vom 30. Mai 2016 Suizid-Versuche hatte er schon zuvor unternommen. Er hinterließ merkwürdige Abschiedsbriefe, in denen er unter anderem seinen Bruder aufforderte, die Dachrinne zu reinigen. Nach seinem Tod endete die Mordserie in den Wäldern rund um Lüneburg. Die weiteren Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt, da gegen Tote nicht ermittelt wird. Sein Fahrzeug und die bei ihm gefundenen Gegenstände wurden von der Polizei entsorgt.

Es war der beharrlichen Eigeninitiative des pensionierten ehemaligen stellvertretenden Polizeipräsidenten der Hamburger Polizei und Leiter des Landeskriminalamts Hamburg Wolfgang Sielaff, des Bruders der verschwundenen Birgit Meier, zu danken, dass die Ermittlungen weiter liefen. Sielaff startete im Jahr 2002 zusammen mit befreundeten Kriminalisten private Recherchen, die 2017 zur Entdeckung der Leiche seiner ermordeten Schwester führten. Die sterblichen Überreste von Birgit Meier wurden am 29. September 2017 im von Wichmann ehedem bewohnten Haus entdeckt und geborgen. Sielaff und seinem sogenannten „Kernteam“ war die ungewöhnliche Beschaffenheit der zur Reparatur von Autos vorgesehenen Grube in der Garage Wichmanns aufgefallen: Zum Stehen war sie zu niedrig, zum Liegen zu tief. Dort suchte die Gruppe nun ohne Durchsuchungsbeschluss, aber mit Erlaubnis der neuen Besitzer des Hauses nach Meiers Leichnam. Der Ehemann der Getöteten, Harald Meier, beauftragte einen Maurer, den Betonboden aufzustemmen. Jedoch wurden zunächst keine Spuren gefunden, weshalb die Suche abgebrochen werden sollte. Als der Maurer aber noch einmal die Treppe in die Grube hinabstieg, stieß er mit seinem Fuß zufällig gegen eine Stelle des Betonbodens, die daraufhin einbrach. Durch erneutes Graben einer Rechtsmedizinerin wurde ein Mittelfußknochen der kopfüber einbetonierten Meier gefunden, welcher schließlich zur Entdeckung von Meiers Leichnam führte.

Am 19. Januar 2018 wurde bekannt, dass Birgit Meier laut dem Obduktionsgutachten der Medizinischen Hochschule Hannover erschossen worden war. bei ndr.de vom 19. Januar 2018 Der Lüneburger Polizeipräsident Robert Kruse teilte mit, dass man beim Täter von einem Serienmörder ausgehe, der möglicherweise auch außerhalb von Deutschland zugeschlagen hatte. Er kündigte eine gründliche Überprüfung von Altfällen an, für die Wichmann als Täter in Frage komme. Analysten des Landeskriminalamts Niedersachsen haben daraufhin 24 ungeklärte Taten, vor allem Tötungsdelikte und auch Vermisstenfälle, herausgefiltert. Im Februar 2018 wurde der Fall erneut in der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst im Fernsehen vorgestellt, da die Ermittler von einem Mittäter, Helfer oder zumindest von Mitwissern ausgehen. bei ndr.de vom 2. März 2018.

Göhrde-Morde