Reaper ist eine deutsche Heavy-Metal-Band aus Kassel, die im Jahre 1984 gegründet wurde. Sie ist stilistisch dem teutonischen Heavy Metal zuzuordnen.
Die Band um Gründungsmitglied Matthias „Mäfju“ Kraft und Urmitglied Daniel Zimmermann, deren Markenzeichen auch der sehr markante und raue Gesang ist, besteht seit 1984 ohne Unterbrechung. Obwohl musikalisch sehr eigenständig, weil teilweise verspielter und weniger geradlinig als so manch andere Genrevertreter können stilistische Querverweise u. a. zu den ebenfalls aus Deutschland stammenden Bands Grave Digger und Paragon gezogen werden. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen war es Reaper nie möglich, eine zusammenhängende Tour zu absolvieren. Inzwischen genießt die hessische Metalformation aufgrund ihres langen Bestehens dennoch besonders innerhalb der deutschen Metalszene Kultstatus und wird oftmals als Urgestein des deutschen Heavy Metals bezeichnet.ffm-rock.de – Reviews & Interviews – Live Reviews – 6. M.O.C.-FESTIVAL - Kassel, Musiktheater. Zuletzt abgerufen am 30. März 2018.
Geschichte Bandgründung, erste EP und zwei Demos: Reaper, Fairies Return und Metal or What?? (1984–1989) Die Ursprünge von Reaper gehen noch auf das Jahr 1983 zurück, obwohl die Band erst anno 1984 offiziell gegründet wurde. Die Basis legten die beiden Gitarristen Robert „Robbi“ Kölling und Andreas Maus mit dem Sänger und Schlagzeuger Ralph Kaëse (sprich Ka-Ese), die in Kassel begannen, gemeinsam zu musizieren. Zu diesem Trio gesellte sich bald darauf Bassist Matthias „Mäfju“ Kraft, doch nach nur wenigen Monaten Proben zu viert verließ Schlagzeuger und Sänger Ralph Kaëse aufgrund musikalischer Differenzen die noch in der Entstehung befindliche, bis zu dieser Zeit noch deutschsprachige Rock-Band mit dem noch inoffiziellen Namen Treibstoff. Ersetzt wurde er durch Peter „Onkel Eff“ Fickert, der schließlich wiederum nur kurze Zeit später den Namen Reaper ins Gespräch brachte. Die übrigen Mitglieder stimmten dem Vorschlag zu und so kann die Bandgründung von Reaper auf den Februar 1984 datiert werden. Was jedoch noch fehlte, war ein Frontmann, doch dieser war nur einen Monat später in Person von Thomas „Benny“ Bennecke gefunden.metalodyssey.net – German Metal Warriors Signs to Massacre Records Zuletzt abgerufen am 29. März 2018. Zu Beginn stellte die hessische Formation noch ein Programm zusammen, das überwiegend aus Metal- und Hard-Rock-Coverversionen bestand, jedoch wurden auch schon die ersten Eigenkompositionen in die Setlist integriert. Noch in der Findungsphase musste allerdings kurz nach der Bandgründung bereits der erste Besetzungswechsel unter dem Namen Reaper vollzogen werden. Für Robert Kölling wurde im April 1984 Leadgitarrist Daniel Zimmermann ins Boot geholt. Und Zimmermann erwies sich letztlich als Glücksgriff für die Band, kristallisierte er sich doch schnell als Hauptsongwriter heraus. Damit war es auch insbesondere er, der die stilistische Ausrichtung hin zum Heavy Metal teutonischer Prägung initiierte. In der Besetzung Bennecke, Zimmermann, Maus, Kraft und Fickert suchte Reaper bereits ein Jahr nach der Bandentstehung erstmals ein Tonstudio auf, um die ersten Aufnahmen zu wagen. Das schlicht Reaper betitelte und aus insgesamt sechs Eigenkompositionen bestehende erste Demo wurde innerhalb weniger Tage im Voice Studio in Kassel mithilfe eines 8-Spur-Rekorders aufgenommen und fertiggestellt.ffm-rock.de – Reviews & Interviews – Interviews – Reaper. Zuletzt abgerufen am 30. März 2018. Um Kosten zu sparen, wurde das Coverartwork des Tapes eigenhändig koloriert.
Doch die hessische Formation ruhte sich nicht auf diesem ersten Schritt aus und legte bald darauf nach. Anno 1986 begab man sich ins R.E.H. Sound Studio in Kassel, um mit Produzent Eckhard „Ecki“ Lukarsch die erste EP aufzunehmen. Lukarsch selbst war im Übrigen Bassist der Metalband Trademark, die ihrerseits 1982 mit der Single Demon’s Gate ihr einziges musikalisches Lebenszeichen hinterließ.discogs.com – Trademark (22) – Demon’s Gate. Abgerufen am 29. März 2018. Die sich aus vier Songs zusammensetzende Eigenproduktion Fairies Return erschien noch im selben Jahr und auch hier legten die Musiker erneut selbst Hand an: Wiederum im Sinne der Kostenersparnis wurde die Hülle der 12"-EP von den Bandmitgliedern selbst geknickt, gefaltet und geklebt. Im Nachhinein war die Band nicht ganz glücklich mit der Veröffentlichung, weil die Schlagzeugspuren auf Anraten hin mit einem Drumcomputer programmiert wurden. Nach der Veröffentlichung von Fairies Return kam es zum zweiten Besetzungswechsel: Peter „Onkel Eff“ Fickert musste Reaper aus beruflichen Gründen verlassen. Für ihn konnte Normen Schäfer gewonnen werden und somit war die vakante Stelle am Schlagzeug schnell wieder besetzt.
Mit Thomas Bennecke am Mikro, den Gitarristen Daniel Zimmermann und Andreas Maus, dem Bassisten Matthias Kraft und dem neu hinzugestoßenen Schlagzeuger Normen Schäfer spielte Reaper im November 1987 zusammen mit Rage, Holy Moses und Monroe auf dem Hard’n Heavy Festival in Hessisch Lichtenau.setlist.fm – Artists – R – Reaper – Reaper Concert Setlists & Tourdates. Abgerufen am 30. März 2018. Anschließend machte man sich erneut im Voice Studio in Kassel ans Werk, um ein neues Demo aufzunehmen. Und dieses aus sieben Songs bestehende Tape, das letztlich 1988 unter dem Titel Metal Or What?? erschien, sollte gewissermaßen einen ersten kleinen Durchbruch für die Band darstellen, ebnete es doch den Weg zum ersten Plattenvertrag. Das Label Metal Enterprises, das zu dieser Zeit u. a. bereits Alben der US-amerikanischen Heavy-Metal-Bands Hammers Rule und Black Virgin sowie ein Album der nicht unumstrittenen, weil anfangs mit der Skinhead-Szene kokettierenden Band Böhse Onkelz veröffentlicht hatte, wurde auf die Kasseler Metalband aufmerksam und nahm sie im Sommer 1988 unter Vertrag. Dass sich das Label seltsamer Veröffentlichungspraktiken bediente und zusammen mit dessen Gründer Ingo Nowotny im Laufe der Zeit mehr und mehr dem Rechtsrock zuwenden sollte, blieb den Musikern zunächst verborgen. Man freute sich schlicht und einfach über den ersten Plattenvertrag. Im Nachhinein wurde Metal or What?? im Vergleich zu Fairies Return von den Bandmitgliedern als wichtigere und bessere, weil hinsichtlich Songwriting und Klang ausgereiftere Veröffentlichung angesehen.
Das erste Studioalbum: Beyond All Time (1989–1991) Nach der Freude über den ersten unterzeichneten Plattenvertrag mit Metal Enterprises, der auf drei Alben festgelegt war, musste allerdings im Jahre 1989 kurz vor den Aufnahmen zum ersten Studioalbum ein unerwarteter Rückschlag überwunden werden: Schlagzeuger Normen Schäfer verließ die Band und die Aufnahmen drohten aufgrund eines fehlenden Schlagzeugers zu platzen. Doch Reaper konnte ein weiteres Mal schnell reagieren und fand mit Michael „Miwe“ Wengerter innerhalb kürzester Zeit einen Nachfolger. Allerdings offenbarte der Schlagzeuger zunächst ein nicht unerhebliches Problem: Wengerter hatte zum Zeitpunkt des Einstiegs bei Reaper keine Double-Bass-Erfahrung, die Songs des neuen Albums sahen jedoch diese im Heavy Metal etablierte Spieltechnik vor. Folglich musste sich der Schlagzeuger die Double-Bass-Technik in nur drei Wochen aneignen. Es gelang ihm letztlich und so konnte die Formation in der Besetzung Bennecke, Zimmermann, Maus, Kraft und Wengerter das Debütalbum Beyond All Time in den drei Tagen, die für die komplette Aufnahme nur zur Verfügung standen, einspielen. Produziert von Ingo Nowotny und aufgenommen im Tanit Studio im Altenstadter Ortsteil Enzheim wurde das Album schließlich 1990 veröffentlicht und über das Major-Label Bellaphon vertrieben. Im Anschluss an die Publizierung des Erstlings folgten einige Liveauftritte, die die Bühnenerfahrung der Musiker und den Bekanntheitsgrad der Band weiter steigerten.
Das zweite Studioalbum: The Years Within (1992–1996) Nach einigen Liveauftritten strebte Reaper im Laufe des Jahres 1991 die Aufnahme eines Nachfolgers von Beyond All Time an. In derselben Besetzung – Bennecke, Zimmermann, Maus, Kraft und Wengerter – und mit dem gleichen Produzenten – Nowotny – wurde das zweite Studioalbum wiederum im Tanit Studio in Enzheim in Angriff genommen. Diesmal hatte die Band allerdings zumindest fünfeinhalb Tage Zeit für die Aufnahmen. Der mit dem Titel The Years Within versehene Zweitling inklusive des regelmäßig in Livesets integrierten Songs „Lucifer’s Rising“ wurde schließlich über Mausoleum Records vertrieben. Diese belgische Plattenfirma hatte sich bereits in den 80er Jahren in der Heavy-Metal-Szene einen Namen gemacht, da sie u. a. Tonträger von Warlock, Killer, Crossfire, Ostrogoth und Living Death veröffentlicht hatte. Eigentlich hatte sich Reaper inzwischen insbesondere in Deutschland mithilfe der beiden Studioalben und der regelmäßigen Liveauftritte einen respektablen Bekanntheitsgrad erspielt und somit eine gute Grundlage geschaffen, sich in der Metal-Szene zu etablieren, allerdings sollte die Band in der Folge zunächst mehrere Rückschläge überwinden müssen.
Auflösungserscheinungen (1994–1996) Den Aufwärtstrend, den Reaper bis zur Veröffentlichung von The Years Within erlebt hatte, stoppten genau genommen drei Faktoren: Zum Ersten sorgte die Grunge-Welle, die aus den USA auch nach Europa herüberschwappte, dafür, dass die Stilrichtungen des klassischen Hard Rock und Heavy Metal in den 90er Jahren deutlich an Beliebtheit verloren, worunter viele traditionelle Rock- und Metalbands zu leiden hatten. Zum Zweiten hatte Reaper nach wie vor einen gültigen Vertrag mit Metal Enterprises, allerdings offenbarte Ingo Nowotny seine Orientierung zum Rechtsrock hin inzwischen ganz deutlich – unschwer erkennbar an den Veröffentlichungen seines Labels zu dieser Zeit. Davon distanzierte sich die Band entschieden, doch der Vertrag behielt seine Gültigkeit und somit durfte Reaper bei keiner anderen Plattenfirma einen Kontrakt unterzeichnen. Zum Dritten zerfiel nach und nach das Line-up, das die beiden ersten Studioalben eingespielt hatte. Nachdem 1994 zunächst Frontmann Thomas „Benny“ Bennecke die Band aus privaten Gründen verlassen hatte, folgten ihm 1996 zuerst Schlagzeuger Michael „Miwe“ Wengerter aufgrund beruflicher Verpflichtungen und schließlich Gitarrist Andreas Maus aus persönlichen Gründen. Somit standen der Bassist und zugleich letztes verbliebenes Gründungsmitglied Matthias „Mäfju“ Kraft sowie Urmitglied Daniel Zimmermann nach und nach ohne Mitstreiter da. Darüber hinaus gelang es den beiden verbliebenen Musikern nicht wie in der Vergangenheit, schnellen und adäquaten Ersatz für die drei freigewordenen Posten zu finden. Im Gegenteil, zunächst konnten Kraft und Zimmermann überhaupt keine neuen Mitstreiter für Reaper gewinnen. Doch dies bedeutete nicht das Ende der Band. Die Überzeugung der beiden verbliebenen Bandmitglieder in ihr musikalisches Tun sollte die sichtlich angeschlagene und prinzipiell handlungsunfähige Formation Reaper am Leben halten.
Jahre der Überbrückung und das dritte „Studioalbum“: Cardinal Sins (1996–2000)