mini|Beispiel eines Kampfroboters: Das System Special Weapons Observation Reconnaissance Detection System (SWORDS). Foto aus dem Jahr 2009. Militärroboter bezeichnet eine Kategorie unbemannter Systeme, die für militärische Zwecke entwickelt, hergestellt und eingesetzt werden. Bewaffnete unbemannte Systeme sind auch als Autonomes Waffensystem bekannt. Diese Systeme besitzen einen hohen Grad an Automation (Robotik) in Kombination mit intelligenten und autonomen Elementen. Die Geräte („Roboter“) werden oft für landbasierte Anwendungen eingesetzt.

Weitere, teils umgangssprachliche Bezeichnungen sind „Kampfroboter“ () oder „Kampfrobotersystem“ ().

Einleitung mini|Minenentschärfroboter tEODor der Bundeswehr beim Zerstören einer simulierten Sprengfalle (2018) mini|Prototyp von Boston Dynamics „Atlas“ im Jahr 2013. Er soll für das US-Verteidigungsministerium Fahrzeuge steuern und in gefährlichen Umgebungen arbeiten.Marco Elsy: "DARPA unveils ATLAS, Is the Terminator one step closer?" vom 16. Juli 2013, gesichtet am 16. September 2013 In den letzten Jahren hat sich die anfängliche Euphorie etwas gelegt und die Ziele in der militärischen Roboterentwicklung wurden neu und realitätsnäher formuliert. Der 2003 von der US-Army für 2025 geplante „Tactical Autonomous Combatant“U.S. Joint Forces Command – Group Alpha: Rapid Assessment Process (RAP) Report 3–10, Unmanned Effects (UFX): Taking the Human Out of the Loop. ist somit inzwischen konkreten unbemannten Systemen gewichen. Anstelle eines taktisch autonomen Systems stehen derzeit ferngesteuerte und semiautonome Systeme im Vordergrund.

Bereits in Kampfeinsätzen eingesetzt werden Kampfdrohnen, sogenannte Unmanned Aerial Vehicles, die in der Lage sind, Aufklärungsbilder zu machen und gezielt Raketen auf Bodenziele abzuschießen.

Im letzten Jahrzehnt war die militärische Roboterentwicklung einerseits vor allem darauf beschränkt, umzusetzen, was machbar war, ohne näher auf die ethischen und rechtlichen Implikationen einzugehen. Andererseits existierte eine visionäre Vorstellung über vollautonome Roboter, die sich an den Theorien der technologischen Singularität orientierte und von einem menschenähnlichen Bewusstsein von Robotern ausging. Letzteres scheint in weiter Ferne zu liegen, die Integration von Robotern in die Streitkräfte ist jedoch bereits Realität. In den letzten Jahren wurde vom US-Militär erkannt, dass es keine Regelungen und Rahmenbedingungen geschaffen hatte und eigentlich von der Entwicklung überrollt worden war. Derzeit wird versucht, die Entwicklung wieder einzuholen, und es wurden mehrere Studien in Auftrag gegeben, die die rechtlichen und ethischen Aspekte des Robotereinsatzes abklären sollen.Military Robot Ethics Report der Ethics + Emerging Technologies Group an der California Polytechnic State University (PDF; 1,4 MB) Ronald Arkin, Governing Lethal Behavior in Autonomous Robots

Dabei ist die Problematik zu beobachten, dass die USA in der Roboterintegration eigentlich kaum mehr hinter den Status quo zurückgehen können, da die neue Armeestruktur, die Future Combat Systems, bereits umgesetzt werden und ohne autonome Systeme nicht bzw. nicht im gewünschten Maße funktionieren werden. Weiter ist die Entwicklung in der militärischen Roboterentwicklung weltweit angestoßen worden und scheint auch nicht mehr aufhaltbar.

Die Kritik an der Verwendung von Robotern in militärischen Kontexten kann generell in zwei Gruppen eingeteilt werden. Auf der einen Seite ist dies die vor allem in den Medien vorgebrachte, zumeist undifferenzierte und sich von Vorstellungen aus der Science-Fiction ableitende Kritik, die Roboter als „stone cold killers“Washington Post sieht. Auf der anderen Seite steht die Kritik von Philosophen wie z. B. Robert SparrowRobert Sparrow: Killer Robots. In: Journal of Applied Philosophy. Vol. 24, No. 1, 2007., Vincent C. Müller oder Peter AsaroPeter Asaro: How Just Could a Robot War Be? In: Philip Brey, Adam Briggle, Katinka Waelbers (Hrsg.): Current Issues in Computing And Philosophy. IOS Publishers 2008, Amsterdam 2008. und Roboterwissenschaftlern wie z. B. Noel Sharkey, die dezidiert ethische Fragestellungen problematisieren. Derzeit ist noch nicht klar, inwieweit diese Kritik von den verantwortlichen Stellen rezipiert wird. Zusätzlich gibt es von politischer Seite Kritik an der Unverhältnismäßigkeit der Ausgaben gegenüber dem kurzfristig zu erwartenden Nutzen von unbemannten bzw. robotischen Systemen.Defense Secretary Robert M. Gates empfiehlt die vorübergehende Einstellung des Fahrzeugprogrammes der Future Combat Systems

Kampfroboter sind häufig Thema von Science-Fiction, z. B. der Filmserie Terminator.

Entwicklung Im Gegensatz zu anderen Militärtechniken kann die Herstellung einfacher, unbemannter Systeme ohne besonderen Aufwand mit frei und relativ günstig verfügbaren Komponenten erfolgen.P. W. Singer: Wired for War. New York 2009, S. 240–241. Die Entwicklung von Militärrobotern bzw. militärisch nutzbaren Technologien erfolgt durch Ausschreibungen (z. B. DARPA Grand Challenge), durch nichtmilitärische Konzerne (z. B. Samsung SGR-A1) und auch durch Rüstungsfirmen. Systeme, die durch Autonomie oder Fernsteuerung nicht auf aufwändige netzwerktechnische Infrastruktur angewiesen sind und vornehmlich im taktischen Bereich eingesetzt werden, werden in der asymmetrischen Kriegsführung eine zunehmende Rolle spielen.Asymmetrische Kriege Unbestritten ist, dass der zunehmende Einsatz unbemannter Systeme, künstlicher Intelligenz und neuer Waffensysteme die Art der Kriegführung beeinflussen wird., Bericht des Development, Concepts and Doctrine Centre des britischen Verteidigungsministeriums, Kapitel: Dimensions/Military

Die meisten Armeen erwarten sich von der Robotik neben den Fortschritten in der Waffentechnologie vor allem große Einsparungspotentiale bei den Kosten. Die Kosten für die Herstellung und den Betrieb unbemannter Systeme liegen weit unter denen bemannter Systeme. Als weiterer Versuch, Einsparungen im Budget vorzunehmen, konnte in den letzten Jahren das Anmieten von Robotern von Privat Military Contractors (PMC) beobachtet werden (z. B. von den US-Marines und der US-Navy).David Axe: Warbots. Ann Arbor 2008, S. 48.

Geschichtliche Entwicklung Als Vorläufer der militärischen Roboter gelten im Allgemeinen ferngelenkte Waffen. Einer der ersten Einsätze einer Waffe, die als ferngelenkt gelten kann, fand am 22. August 1849 bei der Bombardierung Venedigs durch die österreichische Armee statt. Es handelte sich dabei um unbemannte, mit Sprengstoff beladene Ballons, wobei man auf eine günstige Windrichtung vertrauen musste, da sie keinerlei Steuerung besaßen. Gezündet wurden diese Ballons entweder durch Zeitzünder oder durch einen Fernauslöser per Kupferdraht. Ähnliche Systeme wurden von den Unionstruppen im amerikanischen Sezessionskrieg geplant, kamen jedoch nicht zum Einsatz.

1898 stellte Nikola Tesla auf der Electrical Exhibition in New York City’s Madison Square Garden ein funkgesteuertes Torpedo vor und stieß damit die Entwicklung zu ferngelenkten Waffen an. In den kommenden Jahren wurden die Entwicklungen auf diesem Gebiet vorangetrieben und von Gustave Gabbet und Paul Aubriot unter anderen 1915 ein „torpille terrestre électrique“, also ein Landtorpedo entwickelt.

Etwa zur gleichen Zeit wurde unter dem Decknamen „Aerial Target“ von Archibald Low für die britische Armee eine ferngesteuerte Bombe mit einem Sprengkopf entwickelt. Weiterentwickelt wurden diese Ideen 1925 unter dem Namen Larynx (Long Range Gun with Lynx Engine) und in weiterer Folge von Deutschland mit dem Fieseler Fi 103 (wurde als V1 allgemein bekannt). In den folgenden Jahrzehnten wurden aufbauend auf diesen Konzepten die modernen Cruise Missiles entwickelt. mini|Vorläufer der Kampfroboter: Der Zwergpanzer Goliath der deutschen Wehrmacht Komplizierter erwiesen sich Entwicklungen für Landfahrzeuge. Jedoch konnten hier ebenso in den späten 1930er Jahren erste Durchbrüche erzielt werden. Die von der Sowjetunion entwickelten Teletank-Modelle, also zur Funksteuerung umgebaute Panzer, und von Deutschland bereits in einer großen Stückzahl (über 7500) hergestellten Sd.Kfz. 302 („Goliath“), per Kabel gesteuerte mobile Sprengladungen, galten jedoch im militärischen Einsatz nicht als Erfolg.

Ferngesteuerte Flugzeuge waren ab den 1930er Jahren im Einsatz. Das bekannteste war wohl die Fairey IIIF floatplane der britischen Armee. Sie hatten ihre Bedeutung vor allem in der Flugabwehrausbildung.

Die USA begannen bereits während des Zweiten Weltkrieges mit der Massenproduktion von ferngesteuerten Flugzeugen, von der Radioplane OQ-2 wurden beispielsweise allein im Zweiten Weltkrieg über 15.000 Stück produziert. In den 1950er Jahren wurden diese nun nicht mehr nur zu Trainingszwecken verwendet, sondern auch als Täuschziele bei Bombardements eingesetzt. Nur wenig später entdeckte man das Potential für Spionage- und Aufklärungsflüge und setzte diese sogenannten Aufklärungsplattformen im Vietnamkrieg auch mit Erfolg ein.

Bereits 1971 gab es die ersten erfolgreichen Versuche der Verwendung von Drohnen als Waffenplattformen, jedoch dauerte es bis 2001 zum ersten tatsächlichen Kampfeinsatz einer Drohne in Afghanistan. Damit war im Wesentlichen auch die Trennung zwischen gelenkter Munition einerseits und unbemannten Fluggeräten andererseits abgeschlossen.

In modernen Armeen haben Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) vielfältige Aufgaben, die grob in folgende funktionale Kategorien eingeteilt werden können: Sie dienen als Trainingsziel und als Täuschkörper zur Aufklärung zur Logistischen Unterstützung der Streitkräfte und zur Bekämpfung gegnerischer Ziele

Seit 2001 werden bewaffnete Predator UAVs zu gezielten Tötungen in Afghanistan und Pakistan verwendet. Zum ersten Mal außerhalb Afghanistans wurde ein Predator UAV am 3. November 2002 im Jemen zur Tötung von Qaed Salim Sinan al-Harethi, der als Hauptverantwortlicher für den Anschlag auf die Cole im Jahr 2000 gilt, eingesetzt.

Indien verkündete im Sommer 2013, Kampfroboter zu entwickeln, die den herkömmlichen Frontsoldaten in vielen Bereichen ersetzen sollen. Die Maschinen sollen selbstständig Freund und Feind erkennen, teilte der Chef von Indiens Forschungs- und Rüstungsinstitut mit, man sei jedoch noch ein Jahrzehnt von der Einführung entfernt.

Systematik

Es wird nun eine kurze Übersicht über einige in der US-Armee in Verwendung befindlichen unbemannten Fahrzeuge gegeben. Dabei ist in folgende Gruppen zu unterscheiden. Unmanned Aerial Vehicles Unmanned Ground Vehicles Unmanned Surface Vehicles und in den Bereich der Autonomen Waffensysteme

Autonomie mini|Video Sind autonome Waffensysteme noch aufzuhalten? Die meisten frühen UAVs waren im Wesentlichen nicht mehr als durch einen Menschen ferngesteuerte Flugzeuge, manchmal um einfache Systeme zur Flugunterstützung, wie automatische Stabilisierung, Geschwindigkeitskontrolle und ähnliches, ergänzt. Von eigentlicher Autonomie kann somit kaum gesprochen werden. Generell muss festgehalten werden, dass im Gegensatz zur Technik im Bereich der Flugzeuge die Technik im Bereich der Autonomie erst am Anfang der Entwicklung steht. Innerhalb der amerikanischen Streitkräfte ist auch noch keineswegs klar wie weit die Autonomie der UAVs überhaupt reichen soll, da man Probleme befürchtet, wenn sich immer mehr bemannte und unbemannte Flugzeuge den Luftraum teilen müssen. Erschwert wird dies noch dadurch, dass sowohl Army, Navy, Marines und Air Force eigene bemannte und unbemannte Flugzeuge im Einsatz haben und diese nicht zentral koordiniert sind. Die Bandbreite von eingesetzten UAVs reicht von großen Aufklärungsflugzeugen wie dem Global Hawk in 20 km Einsatzhöhe bis zu kleinen sogenannten Miniature UAVs die in wenigen hundert Metern Höhe von einzelnen Einheiten zur Aufklärung eingesetzt werden.