mini|Der Schwarzenbergplatz (2014) mini|Der Hochstrahlbrunnen, dahinter das Heldendenkmal der Roten Armee (2019) mini|hochkant|Reiterdenkmal Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg (2010) mini|Schwarzenbergbrücke, links dahinter die Karlskirche (vor 1871) mini|Blick auf den Platz mit Hochstrahlbrunnen und Palais Schwarzenberg, um 1905
Der Schwarzenbergplatz ist einer der bekanntesten Plätze im Wiener Stadtzentrum. Hier grenzen (im Uhrzeigersinn) die Gemeindebezirke Innere Stadt, Landstraße und Wieden aneinander.
Geschichte mini|Blick vom Palais Schwarzenberg, ca. 1900
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das Areal des heutigen Schwarzenbergplatzes Anteil am südlichen Glacis. Diese militärisch defensive Freifläche war der Stadtmauer vorgelagert und wurde vom (offenen) Wienfluss durchzogen. Nach dem Abriss der Stadtmauer (1858–1863) standen in ihrem ringförmigen Bereich und auf dem vorgelagerten Glacis sehr große Flächen zur Bebauung zur Verfügung. Ähnlich den Ringstraßenpalais wurden auch auf diesem Bauerwartungsland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Prachtbauten errichtet.
Reiterstatue
1861 beschloss Kaiser Franz Joseph I., dem 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig siegreichen Feldherrn Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg hier ein Denkmal errichten zu lassen. Für das Monument fand die militärisch angelegte Grundsteinlegung am 18. Oktober 1863 statt, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht. Das Reiterstandbild schuf der Dresdner Bildhauer Ernst Hähnel (1811–1891). Das in jenen Tagen ästhetisch wie historisch nicht unumstrittene Denkmal wurde am 20. Oktober 1867 feierlich enthüllt. (Der Jahrestag der Völkerschlacht, der 18. Oktober, war aus politischer Rücksicht nicht wahrgenommen worden.)
Schwarzenbergbrücke 1865 wurde der Wien-Fluss hier überbrückt. Stadtauswärts begann an der Schwarzenbergbrücke der Rennweg, die alte Ausfallstraße, und führte nach Südosten, nach Ungarn. Später begann nach der Brücke auch die Prinz-Eugen-Straße, die das Stadtzentrum mit Südbahnhof und Ostbahnhof, dem heutigen Hauptbahnhof, verbindet. In der Aufgabelung zu dieser Straße und zum Rennweg liegt das Palais Schwarzenberg, gefolgt vom Schwarzenberggarten und dem Belvederegarten.
Die Brücke wurde 1895 abgebrochen, weil von diesem Jahr bis 1902 der Wienfluss eingewölbt wurde. Entlang des südlichen Ufers der Wien wurde bis 1898 die Wientallinie der Stadtbahn gebaut und ebenfalls eingewölbt. Darüber verläuft heute die Lothringerstraße.
Hochstrahlbrunnen Anlässlich des Baus der I. Wiener Hochquellenwasserleitung wurde vor dem Palais Schwarzenberg (auf einem Areal, das damals noch nicht zum Schwarzenbergplatz zählte) der Hochstrahlbrunnen errichtet. Er wurde am 24. Oktober 1873 mit einer Zeremonie eröffnet, der Kaiser Franz Joseph I. beiwohnte.
Die Bedeutung des Ensembles mit der Reiterstatue hatte eine Umbenennung zur Folge: Die seit etwa 1870 von der Seilerstätte stadtauswärts bis zum Wienfluss verlaufende Schwarzenbergstraße wurde 1880 in ihrem südlichen Abschnitt, zwischen Ringstraße und Lothringerstraße, in Schwarzenbergplatz umbenannt. 1904 wurde der Platz südlich bis zum Palais Schwarzenberg erweitert.Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien, Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 175 Die Angabe, die Schwarzenbergstraße habe sich zuvor bereits bis zum Palais Schwarzenberg erstreckt, harmoniert nicht mit historischen Stadtplänen und Adressbüchern.
Denkmal für Eduard Suess mini|links|Eduard-Suess-Denkmal Das Eduard-Suess-Denkmal für den bedeutenden österreichischen Geologen, das 1928 vom Bildhauer Franz Seifert geschaffen worden war, stand ursprünglich auf dem Schwarzenbergplatz. Nach dem „Anschluss Österreichs“ im Jahr 1938 wurde die Büste aufgrund des jüdischen Hintergrunds von Suess von den Nationalsozialisten entfernt. Beim Zusammenbruch des NS-Regimes wurde die Büste in einem Depot verborgen aufgefunden. Die Initiative zur Wiederaufstellung ging 1946 von den Wiener Wasserwerken aus, die aufgrund der Belegung des früheren Standortes durch das Heldendenkmal der Roten Armee zunächst alternative Standorte prüften. Der damalige Direktor der Geologischen Bundesanstalt, Heinrich Küpper, setzte durch, dass das Denkmal im Rahmen der 100-Jahr-Feier der Anstalt vor dem Palais Rasumofsky wiedererrichtet wurde. Die Aufstellung der Suess-Büste vor dem Palais erfolgte am 24. Oktober 1951.Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, Wien 2020. S. 359–408. Hier: S. 365–366 (Online). Im Jahr 1969 wurde das Denkmal schließlich an seinen ursprünglichen Standort auf dem Schwarzenbergplatz zurückgebracht.Thomas Hofmann: Drei Denkmäler für Eduard Suess, die keiner kennt. Der Standard, 16. Oktober 2020.
Heldendenkmal Hinter dem Hochstrahlbrunnen beziehungsweise südlich davon wurde im August 1945, unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges, von der Roten Armee das Heldendenkmal (im Volksmund: Russendenkmal) enthüllt. Bis 1956 war dort auch ein sowjetischer Jagdpanzer SU-100 aufgestellt. Während der Besatzungszeit wurde der südliche Teil des Schwarzenbergplatzes am 12. April 1946 in Stalinplatz umbenannt und behielt diesen Namen bis zum 18. Juli 1956. Im Haus der Industrie, damals Stalinplatz 4, befand sich bis 1955 der Sitz des Alliierten Rates der vier Besatzungsmächte.
mini|links|150px|Historische Jugendstil-Platzbeleuchtung vom Typ „Bischofsstab“
Arribas-Gestaltung In den Jahren 2003 und 2004 wurde der Schwarzenbergplatz nach einem Konzept des spanischen Architekten Alfredo Arribas neu gestaltet und zusätzlich mit im Boden eingelassenen Beleuchtungselementen ausgestattet, die verschiedene Lichteffekte darstellen. Im Zuge des Umbaus wurden die bis dahin vorhandenen kleinen Grünflächen entfernt, was auch kritisiert wurde.. wien.at (PDF-Datei; 323 kB) Besonders starke Vorbehalte gab es, als die großteils noch vorhandenen schlanken Lichtmasten von 1904 durch Beleuchtungskörper ersetzt wurden, die Kritiker als plump und klobig empfanden.Dazu (pro Arribas) der Wiener Architekturkritiker Jan Tabor Die vorherige Konzeption der Gemeinde Wien hatte die vollständige Wiederherstellung der historischen Jugendstil-Beleuchtungskörper vom Typus „Bischofsstab“ vorgesehen.Zwei solche von der MA 33 rekonstruierte Maste stehen derzeit Am Hof. Siehe dazu das Sonderheft von „Steine sprechen“, Nr. 122/2002 Im Jahr 2016 waren viele der 300 im Boden eingelassenen, per Computer angesteuerten Effektleuchten nicht mehr funktionstüchtig. Der Rückbau der veralteten Technik, die nur in den ersten Jahren gewartet wurde, steht zur Diskussion.Effektlichtern auf Schwarzenbergplatz droht Aus. orf.at, 19. August 2016, abgerufen am 19. August 2016.
Unter dem Schwarzenbergplatz verlaufen nicht nur der Wienfluss und die U-Bahn-Linie U4, hier befand sich einst auch die Zwingburg, ein Unterschlupf für Obdachlose und Strotter, die sich in die Wiener Kanalisation zurückzogen.
Verkehr mini|Straßenbahnverkehr auf dem Schwarzenbergplatz
Der Schwarzenbergplatz wurde schon bald nach seiner Errichtung ein wichtiger Verkehrsknoten. 1873 führten von hier aus Linien der Pferde-Tramway nach Favoriten und Sankt Marx. 1901 wurde die nach Sankt Marx führende Linie bis zum Wiener Zentralfriedhof verlängert und bald darauf elektrifiziert. Seit 1907 fährt die Straßenbahnlinie 71 auf dieser Strecke. Sie wurde im Dezember 2012 vom Schwarzenbergplatz über die Ringstraße verlängert.Neue Linie am Wiener Ring, in: Tageszeitung Salzburger Nachrichten, Salzburg, 31. Oktober 2012, S. 11.
Der Schwarzenbergplatz wird weiters von der Straßenbahnlinie D, der Verbindung vom Stadtzentrum zum 2010 abgetragenen Südbahnhof, seit Dezember 2012 zum neuen Hauptbahnhof (Ostseite), seit 2019 bis zur Absberggasse in Favoriten, und von der Linie 2 (befährt den an den Platz angrenzenden Abschnitt der Ringstraße) sowie von den City-Buslinien 2A und 4A angefahren. Außerdem halten hier einige Linien des Nachtbusverkehrs.
Für den Straßenverkehr beginnt am südöstlichen Ende des Schwarzenbergplatzes der Rennweg, die historische Ausfallstraße Wiens Richtung Pressburg und Budapest. Südwestlich zweigt vom Platz die Prinz-Eugen-Straße zum Belvedere und zum Gürtel ab. Im Mittelteil des Platzes kreuzt die Lothringerstraße (siehe auch Zweierlinie), Verbindung vom Karlsplatz zum Stadtpark auf dem eingewölbten Wienfluss, den Platz. Am nördlichen Platzende bilden Kärntner Ring und Schubertring Teile der den historischen Stadtkern umgebenden Ringstraße.
Andere Nutzungen Seit Jahren dient der Schwarzenbergplatz – auf der Freifläche vor dem Brunnen – als Treffpunkt für die Critical-Mass-Raddemonstration.
Im Sommer 2016 wurde eine elektrisch gepumpte stehende Surfwelle mit 1,4 m Höhe für Publikum gegen Entgelt und als Werbevehikel für den Mobilfunkanbieter 3 betrieben.Surfen mitten in der Stadt, orf.at, 28. Mai 2016, abgerufen am 28. Mai 2016.Aus für „City Wave“ am Schwarzenbergplatz orf.at, 4. Mai 2017, abgerufen am 5. Mai 2017.
Bemerkenswerte Bauwerke am Schwarzenbergplatz Die Gebäude, die an den Platz angrenzen, sind amtlich im Uhrzeigersinn, beginnend beim zentrumsnächsten Punkt, Ecke Schubertring, nummeriert und werden hier auch in dieser Reihenfolge angeführt.Auf die Gegenwart bezogene Angaben nach Begehung durch Wolfgang J. Kraus am 8. Juni 2009 Bevor 1904 der südlich angrenzende Straßenraum einbezogen wurde, gab es am Schwarzenbergplatz nur sechs Hausnummern, auf beiden Seiten je drei zwischen Ring und Lothringerstraße. (Die heutige Nr. 17 war damals Nr. 6.)Felix Czeike, Hrsg. Helga Czeike, Sabine Nikolay und Susanne Claudine Pils: Geschichte der Wiener Apotheken. Die Apotheken im heutigen ersten Wiener Gemeindebezirk, Studien-Verlag Innsbruck / Wien / Bozen 2010, ISBN 978-3-7065-4952-3, S. 448 f.
mini|Nr. 1: Palais Erzherzog Ludwig Viktor
Nr. 1: Palais Erzherzog Ludwig Viktor 1863 wurde Heinrich Ferstel mit dem Bau von zwei Palais beauftragt. Das für Erzherzog Ludwig Viktor von 1864 bis 1866 errichtete Palais Erzherzog Ludwig Viktor an der (östlichen) Ecke zum Schubertring (1. Bezirk) wurde etwa um 1900 renoviert, 1910 vom Staat angekauft und beherbergte 1911–1939 das Militärkasino. Heute nützen das Burgtheater als Spielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz (seit 1981), der Verein der Alt-Neustädter (= der Absolventen der Militärakademie in Wiener Neustadt) sowie die Offiziersgesellschaft das Gebäude. Das erwähnte zweite Palais baute Ferstel genau gegenüber, auf Nr. 17, und stimmte die Fassaden beider Bauwerke aufeinander ab.
mini|Nr. 2: Palais Wiener von Welten
Nr. 2: Palais Wiener von Welten Von den Architekten August Schwendenwein und Johann Romano wurde das 1869 fertiggestellte Palais Wiener von Welten an der östlichen Platzseite (1. Bezirk) für Eduard Wiener von Welten entworfen. Im Vorgarten des Palais befindet sich der kleinste Weingarten Wiens, im Palais das Spanische Kulturinstitut.
mini|Nr. 3: Neubau aus dem Jahr 1983
Nr. 3: früher Direktion der Staats-Eisenbahn-Gesellschaft Das Administrationsgebäude der k.k. priv. österreichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft (einer privaten österreichischen Bahngesellschaft, die erst 1909 verstaatlicht und in die Staatsbahnen integriert wurde) Ecke Lothringerstraße (östliche Seite, 1. Bezirk) wurde 1868–1870 nach Plänen von Heinrich Ferstel errichtet. Nach einem Bombentreffer 1945 brannte das Gebäude aus, wurde 1950 abgetragen und erst 1983 durch einen Neubau mit historisierender Fassade nach Plänen von Georg Lippert ersetzt. Das Haus Schwarzenbergplatz 3 war bis 2022 Sitz der Europazentrale der russischen Sberbank.
mini|Nr. 4: Haus der Industrie
Nr. 4: Haus der Industrie