Das Kursbuch ist eine deutsche Kulturzeitschrift, die 1965 von Hans Magnus Enzensberger in Zusammenarbeit mit Karl Markus Michel gegründet wurdeKursbuch 1, Juni 1965, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1965. Im Impressum steht: „Verantwortlich für den Inhalt: Hans Magnus Enzensberger. Redaktion: Karl Markus Michel.“ und zunächst im Suhrkamp Verlag erschien. Sie zählte zu den wichtigsten Organen der 68er-Bewegung (APO). Nach mehreren verlegerischen und personellen Brüchen erscheint die Zeitschrift heute in der Kursbuch Kulturstiftung, herausgegeben von Armin Nassehi, Sibylle Anderl und Peter Felixberger. 1976 erschien im 2001-Verlag ein zweibändiger in Leinen gebundener Nachdruck der Kursbücher 1–10 bzw. 11–20.Hans-Magnus Enzensberger (Hrsg.): Kursbuch Band I 1965 bis 1967.Hans-Magnus Enzensberger (Hrsg.): Kursbuch Band II 1968 bis 1970.
Geschichte Im Heft 15 (1968) wurde im Kontext der Studentenunruhen der Tod der Literatur proklamiert. In der Folge kam es zu einer zunehmenden Politisierung der Zeitschrift, was zu einer Auflagensteigerung von 10.000 auf rund 50.000 Exemplare führte.1968 und die ,68er‘ – Ereignisse, Wirkungen und Kontroversen in der Bundesrepublik abgerufen am 20. August 2021. Ab 1970 erschien das Kursbuch im Verlag Klaus Wagenbach,Kursbuch Verlag/Wagenbach, ab 21 (September) 1970. Oral ausgemacht in: Der Spiegel 25/1970. nach dessen Spaltung 1973 im Rotbuch Verlag Berlin,Kursbuch/Rotbuch Verlag ab 1990 im Rowohlt Verlag. Sein Charakter wurde über Jahrzehnte maßgeblich durch Karl Markus Michel geprägt, der im Jahre 2000 starb. Tilman Spengler und Ingrid Karsunke führten es weiter. Ina Hartwig wurde in die Redaktion neu aufgenommen. Von Sommer 2005 (Nummer 161) bis Juni 2008 (Nummer 169) wurde das Kursbuch von der Zeit (Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck) durch Michael Naumann und Tilman Spengler herausgegeben; die inhaltliche Ausrichtung und das Erscheinungsbild wurden dabei grundlegend verändert und auf ein Magazin-Format umgestellt. Das Kursbuch erschien alle drei Monate und enthielt jeweils Texte zu einem bestimmten Themenschwerpunkt.
Da zum Ende die Auflage deutlich unter 10.000 Exemplaren blieb, erklärte Tilman Spengler im Juni 2008 die Einstellung der Zeitschrift.Spiegel Online: „Kursbuch“ wird eingestellt vom 11. Juni 2008
Im August 2011 erwarb die Murmann Verlag GmbH (seit 2014 Murmann Publishers GmbH) in Hamburg alle Rechte am Kursbuch, das seit Februar 2012 – mit vier jährlichen Ausgaben – wieder erscheint. Seit 2017 erscheint das Kursbuch in der Kursbuch Kulturstiftung. In der zweiwöchigen Kolumne „Montagsblock“ werfen die Herausgeber Schlaglichter auf aktuelle Themen und Entwicklungen.
Seit 2016 erscheint die Reihe kursbuch.edition, in der Kursbuch-Autoren ihre Essays aus den Kursbüchern in Buchlänge weiterdenken und ausführen.Peter Felixberger: Weg vom Panikjournalismus, buchmarkt.de vom 31. Juli 2016, abgerufen am 20. August 2017 In der Reihe erschien im März 2018 unter anderem das Buch der 68er-Zeitzeugin Gretchen Dutschke. Anlässlich der 200. Ausgabe der Zeitschrift hat die Kursbuch Kulturstiftung im Dezember 2019 alte Kursbücher digitalisiert und in einem Digitalarchiv zur freien Verfügung gestellt.
Einzelne Bände Übersicht der ersten Kursbücher von 1965 bis 1975:Kursbuch 1965-1975: Übersicht mit Inhaltsangabe, von Magdalena Müller und Monique Sontag 1965 Kursbuch 1: Faux Départs – Falsch angefangen, 1.1965 Kursbuch 2: Von der Gewalt, 1.1965 Kursbuch 3: Die Spuren des Wahnsinns, 1.1965 1966 Kursbuch 4: Katechismus zur deutschen Frage, 1.1966 Kursbuch 5: Beschreibung einiger Dinge, 1.1966 Kursbuch 6: Where is Vietnam?, 1.1966 Kursbuch 7: Der Feind, 1.1966 1967 Kursbuch 8: Neue Mathematik/Grundlagenforschung/Theorie der Automaten, 1.1967 Kursbuch 9: Vermutungen über die Revolution/Kontroversen über den Protest, 1.1967 Kursbuch 10: (Gedichte und Erzählungen), 1.1967 1968 Kursbuch 11: Revolution in Lateinamerika, 1.1968 Kursbuch 12: Der nicht erklärte Notstand, 1.1968 Kursbuch 13: Die Studenten und die Macht, 1.1968 Kursbuch 14: Kritik der Zukunft, 1968 Kursbuch 15: I, II, III (Gedichte und Erzählungen), 1968; darin späte Gedichte von Ingeborg Bachmann: Keine Delikatessen (entstanden 1963), Enigma, Prag Jänner 64, Böhmen liegt am Meer. Bachmann hatte lange überlegt, ob sie diese Gedichte an die Redaktion schicken solle und war schon im Januar 1966 sehr skeptisch, ob man Gedichte in einen solch politischen Kontext stellen solle. 1969 Kursbuch 16: Kulturrevolution – Dialektik der Befreiung, 1969 Kursbuch 17: Frau – Familie – Gesellschaft, 1969 Kursbuch 18: Cuba, 1969 Kursbuch 19: Kritik des Anarchismus, 1969 1970 Kursbuch 20: Über ästhetische Fragen, 1970 Kursbuch 21: Übergänge zum Sozialismus, 1.1970 Kursbuch 22: Nordamerikanische Zustände. Dossier 1: Täglicher Faschismus, Nordamerikanische Zustände. Dossier 2: Sozialrevolutionäre Gruppen in den USA / Schwarzer Kapitalismus, 1.1970 1971 Kursbuch 23: Übergänge zum Sozialismus, 1.1971 Kursbuch 24: Schule, Schulung, Unterricht, 1.1971 Kursbuch 25: Politisierung: Kritik und Selbstkritik, 1.1971 Kursbuch 26: Die Klassenkämpfe in Italien, 1971 1972 Kursbuch 27: Planen Bauen Wohnen, 1.1972 Kursbuch 28: Das Elend mit der Psychiatrie, I Psychiatrie, 7.1972 Kursbuch 29: Das Elend mit der Psychiatrie, II Psychoanalyse, 9.1972 Kursbuch 30: Der Sozialismus als Staatsmacht, 1.1973 1973 Kursbuch 31: Staatsgewalt und Reformismus, 1.1973 Kursbuch 32: Folter in der BRD. Zur Situation der Politischen Gefangenen. Kursbuch 33: Ökologie und Politik oder Die Zukunft der Industrialisierung, 1.1973 Kursbuch 34: Kinder, 1.1973 1974 Kursbuch 35: Verkehrsformen, I Frauen Männer Linke. Über die Schwierigkeiten ihrer Emanzipation, 1.1974 Kursbuch 36: Geld, 1.1974 Kursbuch 37: Verkehrsformen, II Emanzipation in der Gruppe und die „Kosten“ der Solidarität, 10.1974 Kursbuch 38: Lohnarbeit, 1.1974 1975 Kursbuch 39: Provinz, 1975 Kursbuch 40: Beruf: Langer oder kurzer Marsch?, 1975 Kursbuch 41: Alltag, 1975 1976 Kursbuch 46: Volksfront für Europa, 1976
Literatur Peter Felixberger, Armin Nassehi (Hrsg.): Kursbuch 182. Das Kursbuch. Wozu? 50 Jahre. Die Jubiläumsedition. Sven Murmann Verlagsgesellschaft, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86774-424-9. Peter Felixberger, Armin Nassehi (Hrsg.): Kursbuch 200. Revolte 2020. Kursbuch Kulturstiftung, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96196-099-6. Henning Marmulla: Enzensbergers Kursbuch. Eine Zeitschrift um 68. Matthes & Seitz, Berlin 2011, ISBN 978-3-88221-624-0. Henning Marmulla: Das Kursbuch: Nationale Zeitschrift, internationale Kommunikation, transnationale Öffentlichkeit. In: Martin Klimke, Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Bonn 2008, S. 37–47. Kristof Niese: „Vademekum“ der Protestbewegung? Transnationale Vermittlungen durch das Kursbuch von 1965 bis 1975. Nomos Verlag, Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-4303-2; Rezension. Kristof Niese: Wandlungsprozesse in Literaturzeitschriften: „Kursbuch“ und Kursbögen 1965‒1975 im historischen Kontext. , in: 1968 in der deutschen Literaturwissenschaft / Themengruppe „Die 68er: Themen, Thesen, Theorien“ (literaturkritik.de Archiv/Sonderausgaben) (2020).
Weblinks
Website des Kursbuchs Online-Archiv des Kursbuchs 1965 ff. Wiederbelebung der kulturpolitischen Zeitschrift „Kursbuch“ Deutschlandfunk, März 2012 Liste der Kursbücher 1965 bis 1975 Montagsblock der Herausgeber Armin Nassehi und Peter Felixberger Jutta Duhm-Heitzmann: 10.06.1965 - “Kursbuch” erscheint zum ersten Mal. WDR ZeitZeichen vom 10. Juni 2015 (Podcast, 13:34 min).
Einzelnachweise
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