mini|Zeichnung der Kapelle von London Charterhouse mit Maunys Wappenschild und den Resten von seinem Grab, 1895 Walter Mauny, 1. Baron Mauny KG (auch de Mauny oder Manny) (* um 1310; † 14. oder 15. Januar 1372 in Great Chesterford) war ein aus den Niederlanden stammender Ritter, der in England als Militär und Diplomat diente. Während der ersten Phase des Hundertjährigen Kriegs gehörte er zu den führenden Militärs auf englischer Seite. Er stiftete das London Charterhouse.
Herkunft Walter Mauny stammte aus der Grafschaft Hennegau, die zu seiner Zeit zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Er war der vierte der fünf Söhne von Jean le Borgne, dem Herrn von Masny, und von dessen Frau Jeanne de Jenlain. Zusammen mit seinen Brüdern wurde Walter vermutlich im Haushalt von Jean de Beaumont, dem Bruder von Graf Wilhelm I. von Hennegau erzogen. Im Dezember 1327 kam Walter als Page im Gefolge von Philippa of Hainault, der Tochter des Grafen, nach England, als diese den englischen König Eduard III. heiratete.
Aufstieg am englischen Königshof Am englischen Königshof stieg Mauny rasch zum Aufseher über die Windhunde der Königin auf. Auf Befehl des Königs wurde er 1331 zum Ritter (Knight Bachelor) geschlagen, dazu erhielt er eine stattliche Pension. Im August 1332 gehörte er als königlicher Ritter der kleinen Armee der sogenannten Enterbten an, die unter Führung von Edward Balliol und Henry Beaumont in Schottland einfiel, was als klares Zeichen gilt, dass Eduard III. die Invasion der Enterbten in Schottland billigte.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 80 Mauny nahm an der Schlacht von Dupplin Moor teil und konnte im November 1332 in einem Gefecht an der Roxburgh Bridge John Crab, den berühmten, in schottischen Diensten stehenden flämischen Piraten und Ingenieur gefangen nehmen.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 97 Mauny konnte Crab später an Eduard III. für 1000 Mark weiter verkaufen. Im nächsten Jahr gehörte Mauny der englischen Armee an, die erneut in Schottland einfiel. Nachdem er 1333 an der Belagerung von Berwick teilgenommen hatte, gehörte er dem Heer an, mit dem Eduard III. im Winter von 1334 bis 1335 ohne nennenswerte Erfolge nach Roxburgh vorstieß. Für den erfolglosen Sommerfeldzug, bei dem der König von Juli bis August erfolglos bis nach Perth vorstieß, rekrutierte Mauny in Südwales Rekruten.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 181 Mauny nahm an diesem Feldzug teil, ebenso gehörte er dem Heer, mit dem Eduard III. von Juni bis September 1336 in einem eindrucksvollen Zug nach Nordostschottland vordrang und dabei Aberdeen zerstörte. In den Feldzügen erwarb Mauny sich nach Jean Le Bel durch seine Kühnheit die Bewunderung des Königs, doch sonst ist über seine Rolle wenig bekannt, außer dass er bei dem letzten Feldzug zeitweise als Standartenträger des Königs diente. Durch die Gunst des Königs kam Mauny aber zu wachsendem Wohlstand und Einfluss, denn der König ernannte ihn im Dezember 1332 lebenslang zum Verwalter von Harlech Castle und zum Sheriff von Merionethshire, obwohl er offenbar nie die Region besuchte, geschweige denn das Amt selbst ausübte.Adam Chapman: Welsh soldiers in the later Middle Ages. Boydell, Woodbridge 2015, ISBN 978-1-78327-031-6, S. 176. In den nächsten Jahren wurden ihm in Nordwestwales noch weitere Ämter übertragen, so dass er dort nahezu umfassende Vollmachten wie ein Vizekönig besaß. Dazu übergab ihm der König 1335 große Teile des Besitzes von David Strathbogie in Buckinghamshire und Norfolk, nachdem dieser im Kampf gegen die Schotten gefallen war. Auch Thomas of Brotherton, 1. Earl of Norfolk, ein Onkel des Königs, förderte Mauny. Er gewährte ihm eine Pension und ernannte ihn zum Marshal of the King’s Marshalsea Court.
Militär während des Hundertjährigen Kriegs Ernennung zum Admiral und Angriff auf Cadzand Als im August 1337 der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich begann, wurde Mauny zum Admiral of the North ernannt. Damit war er für die Verteidigung aller ostenglischen Häfen zwischen der Themsemündung im Süden und Berwick im Norden verantwortlich. Dazu gab ihm der König das Kommando über die Vorhut des Expeditionsheeres, mit dem er in den Niederlanden landen wollte. Dazu sollte er mit seinen Schiffen die Frachtschiffe eskortieren, die englische Wolle zum Verkauf in die Niederlande bringen sollten. Durch den Verkauf dieser Wolle sollte der Feldzug nach Frankreich finanziert werden. Anfang November 1337 brach Mauny daraufhin mit einer Flotte von 85 Schiffen mit 1450 Soldaten, 2200 Seeleuten, einer Reihe bedeutender Kaufleute sowie mit Bischof Henry Burghersh von Lincoln und drei weiteren königlichen Räten auf. Auf dem Weg nach Holland griff die Flotte überraschend den flämischen Hafen Sluis an, wurde jedoch zurückgeschlagen. Am 9. November landete die Flotte daraufhin auf der nahe gelegenen Insel Cadzand. Mehrere Tage lang plünderten die Engländer die Insel und töteten dabei zahlreiche Einwohner. Daraufhin landete eine flämische Armee unter dem Kommando von Guy, einem Halbbruder von Graf Ludwig I. von Flandern, um die Invasoren zu vertreiben. In der blutigen Schlacht von Cadzand wurden die Flamen geschlagen und Guy gefangen genommen. Mauny selbst konnte mehrere Gefangene machen, für die er £ 8000 Lösegeld erhielt. Seine Armee hatte jedoch in der Schlacht hohe Verluste erlitten, und militärisch blieb die Besetzung von Cadzand ohne Bedeutung. Er verließ die Insel wenig später, brachte die mit Wolle beladenen Schiffe Ende November 1337 nach Dordrecht und kehrte kurz darauf nach England zurück.
Rolle im Feldzug von 1338 bis 1339 Als Admiral war Mauny hauptverantwortlich dafür, eine Flotte zusammenzubringen, mit der das Heer von Eduard III. im Juli 1338 nach Brabant übersetzen konnte. Er selbst nahm mit einem Gefolge von zehn Rittern, 33 Knappen und 50 Bogenschützen an dem Feldzug teil. Auch zwei seiner Brüder aus dem Hennegau beteiligten sich mit ihrem Gefolge an dem Feldzug. Nach der Überfahrt der Truppen wurde Mauny als Admiral abgelöst. Von Brabant reiste der König allerdings zunächst nach Deutschland, um Verbündete zu gewinnen. Der Feldzug nach Frankreich begann deshalb nach langer Verzögerung erst im September 1339. Mauny wollte sich nun unbedingt im Kampf hervortun. Während der König mit seiner Armee von Valenciennes nach Cambrai marschierte, unternahm er mit 50 Mann einen Raubzug gegen die unbefestigte Stadt Mortagne. Mauny ließ die Stadt plündern und teilweise niederbrennen, bevor er sich wieder zurückzog. Als der König am 20. September 1339 mit der Belagerung von Cambrai begann, bestach Mauny den Kommandanten der nahegelegenen Burg von Thun-l’Évêque, die er so erobern konnte. Während der nächsten zwei Monate nahm Mauny an dem zerstörerischen Raubzug des englischen Heeres durch das Cambrésis und das Thiérache teil. Noch in der letzten Nacht des Raubzugs, am 22. Oktober 1339, führte Mauny kleine Gruppen von Spähern gegen die französischen Linien bei Buironfosse. Sie töteten Wachposten und griffen kleinere Gruppen von französischen Soldaten an, ehe sich am nächsten Tag das englische Heer nach Norden zurückzog und auflöste. Nach dem Ende der Belagerung wurde am 11. November einer von Maunys Brüdern, der in der Nähe von Cambrai gefangen genommen wurde, von wütenden Bürgern gelyncht, als er in die Stadt gebracht wurde.Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Vol. 1: Trial by battle. Faber and Faber, London 1990, ISBN 0-8122-3147-3, S. 307.
Rolle im Feldzug von 1340 1340 nahm Mauny am zweiten Feldzug von Eduard III. in die Niederlande teil, dabei kämpfte er am 24. Juni in der Seeschlacht von Sluis. Während die englische Armee vom 26. Juli bis zum 25. September 1340 vergeblich Tournai belagerte, unternahm Mauny eine Reihe von zerstörerischen Raubzügen in die Städte und Dörfer des Tournaisis und der angrenzenden Regionen, bei denen er reiche Beute machte. Als der König die Belagerung wegen Geldmangel abbrechen musste, gehörte Mauny zu den Vertrauten von Eduard III., als dieser unter demütigenden Umständen von seinen Gläubigern in Gent festgehalten wurde. Dem in höchster Not sich befindenden König lieh Mauny etwa £ 4000. Er gehörte zu den acht Begleitern des Königs, als dieser aus Gent flüchtete und in einem kleinen Boot aus den Niederlanden flüchtete. Auf See nahm sie ein Schiff auf, das sie nach England brachte.Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Vol. 1: Trial by battle. Faber and Faber, London 1990, ISBN 0-8122-3147-3, S. 361. Am 30. November 1340 gehörte Mauny zu dem kleinen Gefolge des Königs, als dieser ohne Vorankündigung mit dem Boot am Wassertor des Tower of London landete und seine Minister mitten in der Nacht für sein Scheitern verantwortlich machte.
Rolle im Bretonischen Erbfolgekrieg Im Oktober 1341 ernannten Eduard III. Mauny zusammen mit Robert d’Artois zum Kommandanten der englischen Armee, die im Bretonischen Erbfolgekrieg Johann von Montfort gegen den französischen Anwärter Karl von Blois unterstützen sollte. Dieser Plan wurde im Februar 1342 geändert, als der König nicht eine, sondern innerhalb von vier Monaten drei englische Armeen in die Bretagne senden wollte. Mauny wurde zum alleinigen Kommandanten der ersten dieser Armeen ernannt, die als Vorhut die Landung der anderen beiden Armeen decken sollte. Da er jedoch zunächst nicht genügend Schiffe für die Überfahrt seiner Truppen erhielt, erreichte Mauny erst Anfang Mai und damit sechs Wochen später als geplant Brest. Er hatte mit 34 men-at-arms und etwa 200 berittenen Bogenschützen nur die Hälfte der Truppen erhalten, die ursprünglich geplant waren. Zu dieser Zeit hatte Karl von Blois bereits den Großteil der Bretagne erobert und die Anhänger von Johann von Montfort zurückgedrängt. Maunys einziger nennenswerter Erfolg war ein Raubzug nach Finistère, wo er Hervé de Léon, den Stellvertreter von Karl von Blois in der Bretagne und andere wertvolle Gefangene machen konnte. Auch wenn der Chronist Jean Le Bel in einem dramatischen, doch nicht wirklichkeitsgetreuen Bericht die Erfolge von Mauny beschreibt, war dessen Expedition ein Misserfolg. Etwa Ende Juni 1342 schloss er mit Vertretern von Karl von Blois einen Waffenstillstand und kehrte nach England zurück. Eduard III. war über den Abschluss des Waffenstillstands, den er sofort für ungültig erklärte, verärgert. Zwar behielt Mauny die Gunst des Königs, doch erhielt er nie wieder ein eigenständiges Kommando.
Im Oktober 1342 kehrte Mauny mit dem von Eduard III. befehligten englischen Hauptheer in die Bretagne zurück. Er erhielt den gefährlichen Auftrag, die Befestigungen von Vannes zu erkunden, und nahm an der folgenden Belagerung der Stadt teil, die jedoch im Januar 1343 abgebrochen werden musste.
Feldzug nach Südwestfrankreich, Gefangennahme und Rolle bei der Belagerung von Calais