mini|hochkant=1.2|St. Johannis am Martin-Luther-Platz, geistlicher Mittelpunkt der einstigen Reichsstadt Schweinfurt und eine der kunsthistorisch bedeutsamsten evangelischen Kirchen im fränkischen Main-Gebiet

Die Liste von Sakralbauten in Schweinfurt listet Kirchen und weitere Sakralbauten in Schweinfurt auf, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Aufgeführt sind bestehende und abgegangene Kirchen, Kapellen und sakrale Bauten christlicher Religionsgemeinschaften und anderer Religionen.

Geschichte des Kirchenbaus in Schweinfurt Mittelalter mini|hochkant|Romanik: Brauttor (1240) St. Johannes

Die Christianisierung setzte in Franken Ende des 7. Jahrhunderts ein. Für die Zeit um 750 ist die Existenz Schweinfurts urkundlich nachgewiesen und 791 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Am westlichen Rande der ersten Schweinfurter Siedlung, des sogenannten Dorfs Altstadt, befindet sich am Kiliansberg die Wüstung der Kilianskirche, deren Ursprung und Alter unbekannt sind.

Auf der Stammburg der Markgrafen von Schweinfurt an der Peterstirn, am östlichen Rand des Dorfs Altstadt entstand um 1015 ein Nonnenkloster, vermutlich mit Klosterkirche.

Die Johanniskirche ist das älteste Kirchengebäude der heutigen Altstadt, das auf die Gründung der Reichsstadt Schweinfurt um oder vor 1200 zurückgeht. Sie wurde einen halben Kilometer westlich des Dorfs Altstadt planmäßig aufgebaut. Bei Ausgrabungen im Chor der Kirche wurden Vorgängerbauten aus dem 11. Jahrhundert freigelegt. Die gesamte pfarrliche Struktur Schweinfurts ab dem 12. Jahrhundert kann von der Johanniskirche hergeleitet werden.Schneider, Erich: Evangelische Kirchen in Schweinfurt. S. 8.

Aus einer Burgkapelle bildete sich im benachbarten Oberndorf, das in reichsstädtischer Zeit wie auch heute zu Schweinfurt gehört(e), etwa zeitgleich eine weitere Kirche. Die Kapelle wurde erstmals 1094 genannt und entwickelte sich, unter Wechsel des Patroziniums, zur heutigen Kreuzkirche. Im 14. Jahrhundert errichteten die Henneberger Grafen in Schweinfurt eine Reichsburg, die mit einer Liebfrauenkapelle ausgestattet wurde. Die Reichsburg wurde bald aufgelöst, die Kapelle blieb bestehen. Als Ersatz für die inzwischen aufgegebene Kilianskirche wurde 1412 eine zweite Kilianskirche (am später errichteten Zeughaus) einschließlich eines Friedhofs fertiggestellt.

Neuzeit mini|hochkant|Barock: PortalSt.-Salvator (1717)

Die Stadt Schweinfurt wurde 1542 evangelisch und man widmete die Kirchengebäude in lutherische Gotteshäuser um. Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde die Stadt weitgehend zerstört. Nachdem der Wiederaufbau die lutherische Konfession weiter in der Stadt verankert hatte, waren die Kapellen in den Verwaltungshöfen der Klöster die einzigen katholischen Gotteshäuser in der Stadt.Horling, Thomas: Katholiken in der evangelischen Reichsstadt Schweinfurt. S. 25.

In den folgenden Jahrhunderten variierte der Kirchenbestand nur sehr wenig.Schelter, Alfred: Der protestantische Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in Franken. S. 188. Die Liebfrauenkapelle stammt vermutlich von 1313. Sie war die Kapelle der einstigen Reichsburg im Zürch und wurde aus Anlass des 200. Jahrestags der Reformation 1717 als St.-Salvator-Kirche erneuert und erweitert. Die Spitalkirche war ebenfalls Bestandteil des religiösen Lebens der Schweinfurter Bevölkerung. Inzwischen waren die Klosterkapellen aufgegeben worden und die Reichsstadt war eine rein lutherische Gemeinde.

Dies änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Reichsfreiheit der Stadt aufgelöst und Schweinfurt Teil des Königreichs Bayern wurde. Auf das Jahr 1806 datiert die Errichtung der ersten katholischen Pfarrei Heilig-Geist, die später in der ehemaligen Spitalkirche ihren gottesdienstlichen Mittelpunkt erhielt.

Am Schillerplatz stand eine Halle der Freien Christlichen Gemeinde, die vor 1868 errichtet wurde und später als Theater diente.

Moderne mini|hochkant|Postmoderne: Auferstehungskirche

Während der Industrialisierung zogen viele Arbeiter aus dem katholischen Umland in die protestantische Stadt, sodass schließlich die Katholiken in der Mehrheit waren und mehrere katholische Kirchen, vorwiegend im Westen der Stadt in den neu entstandenen Arbeitervierteln errichtet wurden. Als erste Filiale von Heilig-Geist bildete sich die Pfarrei St. Josef in den 1920er Jahren.

Später wurde die evangelisch-lutherische Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der westlichen Innenstadt errichtet. In jedem neu erschlossenen Stadtteil wurden nun weitere evangelische und katholische Kirchen erbaut.

Für die Kirchen der Nachkriegszeit gewannen die jeweiligen Gemeinden wichtige Architekten für die Bauten. Dies mag auf katholischer Seite auch an der Vorreiterrolle des Bistums Würzburg im modernen Kirchenbau gelegen haben. Hervorzuheben sind St. Anton, St. Michael und insbesondere St. Kilian von Hans Schädel, das in die Geschichte des modernen, deutschen Kirchenbaus einging.Vgl.: Pfrang, Michael: Von der Pfarrfamilie zur City-Pastoral. Auf evangelischer Seite schuf der bekannte Architekt Olaf Andreas Gulbransson mit der Auferstehungskirche einen neuen, modernen Baustil, der Sichtmauerwerk, Handwerk und Ornamentik vereint.

Schließlich etablierten sich auch christliche Sekten sowie weitere christliche Konfessionen, wie eine griechisch-orthodoxe Gemeinde.

In den letzten Jahrzehnten, im Zuge einer weltweiten Verlagerung von Gottesdienstbesuchern von den Amtskirchen zu den Freikirchen, entstanden auch in Schweinfurt weitere evangelische Freikirchen, teilweise im neuen, amerikanischen Typus in Gewerbegebieten, mit größeren Parkmöglichkeiten auf eigenen Grundstücken. Die Freikirchen sehen ihre Versammlungsstätten nicht als sakrale, sondern zweckdienliche Räume, urchristlich bzw. biblisch orientiert, ohne Altar, Kunstausstattung, manchmal auch ohne Kreuz und wenn, dann ohne Korpus, wegen des ersten der Zehn Gebote. Öfters wurden Büro- oder Gewerberäume übernommen, während die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Schweinfurt einen Neubau erstellte.

Kirchen Die Auflistung orientiert sich für die evangelisch-lutherischen Kirchen am Buch Evangelische Kirchen in Schweinfurt von Erich Schneider, für die katholischen Gotteshäuser am Sammelband Spurensuche von Erich Schneider und Uwe Müller. Die Zuordnung zu den inoffiziellen Stadtteilen erfolgt durch die Lage im Stadtgebiet.

Die Kirchen sind nach ihrem (vermuteten) Entstehungsjahr geordnet. Abgegangene Bauten sind mit einem Kreuz (†) versehen, evangelisch-lutherische Kirchen haben in Klammern eine Jahreszahl für den ersten lutherischen Gottesdienst bzw. die Umwidmung. Alle evangelisch-lutherischen Kirchen gehören heute zum Evangelisch-Lutherischen Dekanat Schweinfurt, die katholischen zum Dekanat Schweinfurt-Stadt.

Benediktinerklosterkirche

kath. (†) 1015

Auf dem Burgberg Peterstirn am Main, im Osten Schweinfurts, lag die Stammburg der Markgrafen von Schweinfurt.Schilling, Walter: Die Burgen, Schlösser und Herrensitze Unterfrankens. S. 30. Zunächst wurde 1015 etwas unterhalb der Burg ein Nonnenkloster eingerichtet, das wohl auch mit einer Kirche ausgestattet war. Später entstand ein Benediktinerkloster. Noch im 11. Jahrhundert wurde in den Quellen von einem Glockenturm neben der Kirche berichtet. 1437 wurde die Kirche wohl abgebrochen.

St. Johannis

ev.-luth. (1542) 11. Jh. 200px|St. Johannis

Die JohanniskircheSchneider, Erich: Evangelische Kirchen in Schweinfurt. ist die älteste noch bestehende Kirche der Stadt und noch heute geistlicher Mittelpunkt der Altstadt und des gesamten historischen Schweinfurts. Die Vorgängerbauten der Kirche entstanden bereits im 11. Jahrhundert. Um 1200 begann man mit der Errichtung des heutigen Baus. Erstmals erwähnt wurde das Gotteshaus allerdings erst im Jahr 1325. Die Taufkapelle kann auf das Jahr 1360 datiert werden.

Nachdem die Stadt 1542 evangelisch geworden war, wurde St. Johannis lutherische Hauptkirche. Im Markgräflerkrieg wurde die Kirche beschädigt.

Nach dem Wiederaufbau wurde St. Johannis bis ins 20. Jahrhundert nicht mehr umfassend verändert. Im Zweiten Weltkrieg stürzte das Kirchendach ein. Die dreischiffige Basilika hat einen einschiffigen Chor und ein zweischiffiges Querhaus. Am Chor steht der Nordturm, der geplante Südturm wurde nicht ausgeführt.

Die Innenausstattung kam zu unterschiedlichen Zeiten in die Kirche, wodurch in der Kirche alle Baustile von der Romanik bis zum Barock vertreten sind. Die sogenannte Sandstein-Madonna aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert zeigt den Übergang von der Romanik zur Gotik. Vom ausgehenden 16. Jahrhundert stammt das Schweinfurter Konfessionsbild, das älteste Bild dieser Art Süddeutschlands. Zudem befinden sich in der Kirche viele Epitaphien Schweinfurter Bürger.

Kreuzkirche

ev.-luth. (1542) 11. Jh./1940 200px|Kreuzkirche

Die evangelisch-lutherische KreuzkircheSchümann, Christian: Von der Laurentiuskapelle über die Jesus-Christus-Kirche zur Kreuzkirche. steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg, als Dorfkirche des bereits in reichsstädtischer Zeit zu Schweinfurt gehörendem Oberndorf.

Im Jahr 1094 wurde erstmals die Laurentius-Kapelle genannt. Sie wurde von den Schweinfurter Markgrafen dem Kloster Theres übergeben. Turm und Chor der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle, die um 1500 erweitert wurde, ehe in Schweinfurt 1542 die Reformation eingeführt wurde. Im Jahr 1650 entstand die neue Jesus-Christus-Kirche mit der ehemaligen Burgkapelle als Taufkapelle.

Das Langhaus wurde von 1938 bis 1940 im Heimatstil durch Gottfried Dauner und Horst Schwabe errichtet. Es entstand eine Saalkirche mit eingezogenem Chor, die seitdem Kreuzkirche genannt wird. Der Chor weist nach Süden, was für das Mittelalter ungewöhnlich ist. Der Turm mit welscher Haube steht an der Ostseite des heutigen Langhauses, das eine umlaufende Holzempore besitzt.

St. Nikolaus

kath. (†) 1294

Die Siechenhauskapelle St. NikolausHeßdörfer, Valentin Clemens: Geschichtliche Notizen über ein ehemaliges Siechenhaus zum hl. Nikolaus. S. 14 f.Schneider, Erich: Klöster und Stifte in Mainfranken. S. 118 f. auf dem Areal des heutigen Alten Friedhofs an der Schultesstraße wurde 1294 erstmals erwähnt. In Siechenhäusern wurden Leprakranke von der restlichen Bevölkerung separiert. Zur Ausübung der religiösen Handlungen wurden neben den Siechenhäusern oftmals Kapellen errichtet, die zumeist sogenannten Siechenheiligen geweiht wurden. Später plante man die Kapelle dem Prämonstratenserorden zu übergeben, sie wurde jedoch von Schweinfurter Bürgern mit dem Siechenhaus erworben. Ein Tympanon der Kapelle ist erhalten.

St. Kilian I

kath. (†) vor 1300

Die Kirchenwüstung St. KilianWehner, Thomas: Die Entwicklung der pfarrlichen Strukturen in Schweinfurt. wird wegen späterer Kirchen gleichen Namens an anderen Orten der Stadt auch als St. Kilian I bezeichnet. Sie lag 400 Meter nordöstlich der heutigen Schweinfurter Altstadt, im heutigen Villenviertel Kiliansberg und war die Kirche für die erste Schweinfurter Siedlung. Kirche und Siedlung wurden im 16. Jahrhundert aufgegeben und verfielen.

Siehe auch: St. Kilian II

St. Salvator

ev.-luth. (1532) 1313/1717 200px|St. Salvator

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Salvator im Zürch geht auf die Frauenkirche zurück, einen Vorgängerbau aus dem Spätmittelalter. 1310 errichteten die Grafen von Henneberg eine Reichsburg im Zürch. Ab 1427 wurde sie Stück für Stück abgebrochen, nur die vermutlich 1313 errichtete Burgkapelle überstand den Abriss.In der Literatur sind die Bezeichnungen „unser vrauen kirge“, „vrauen capelle“ und „unser vrauin capelle'“ zu finden. Nach ihrer Zerstörung 1554 wurde sie bis 1561 wieder aufgebaut, bald darauf zerfiel sie erneut.