mini|Logo von Everytown for Gun Safety mini|500px|Der Kongressabgeordnete Jim Moran (D) spricht auf einer Veranstaltung von Mayors Against Illegal Guns (2010). Everytown for Gun Safety (engl. für: „Jede Stadt für Schusswaffensicherheit“; kurz oft: Everytown) ist eine amerikanische Non-Profit-Organisation mit Sitz in New York City, die sich für Waffenkontrolle und gegen Waffengewalt einsetzt.
Everytown entstand 2014 aus dem Zusammenschluss der Organisationen Mayors Against Illegal Guns und Moms Demand Action for Gun Sense in America. Die Organisation wurde von dem Unternehmer, Politiker und Philanthropen Michael Bloomberg gegründet, der sie zu einem großen Teil auch finanziert.
Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gesetzt, Politiker, Presse und Öffentlichkeit über die Folgen von Waffengewalt aufzuklären und Anstrengungen zu fördern, die darauf abzielen, Kriminelle am Schusswaffenbesitz zu hindern. In jüngerer Zeit setzt sie sich insbesondere dafür ein, Personen, die Schusswaffen erwerben wollen, generell einem Background Check zu unterziehen, bei dem unter anderem Vorstrafen recherchiert werden. Darüber hinaus führt Everytown auch eigene Forschung zum Thema Waffengewalt durch.
Entstehung Mayors Against Illegal Guns (MAIG) wurde im April 2006 auf einem Gipfeltreffen gegründet, zu dem Michael Bloomberg, der zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister von New York City war, seinen Bostoner Amtskollegen Thomas Menino eingeladen hatte. Bloomberg und Menino teilten sich den Vorsitz des Bündnisses. An der Erstunterzeichnung der Koalitionsprinzipien waren 15 Bürgermeister beteiligt. Ende 2014 gehörten der Koalition bereits 855 Bürgermeister an.
mini|Logo von Moms Demand Action for Gun Sense in America Im April 2014 schlossen MAIG sich mit Moms Demand Action zusammen. Die neue Dachorganisation erhielt den Namen Everytown for Gun Safety. Der Gründung waren ein knappes Jahr zuvor Debatten vorausgegangen, die im US-Senat über Änderungen des föderalen Waffenrechts geführt worden waren. Hintergrund dieser Debatten war der Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 gewesen; die Senatoren Joe Manchin (D) und Pat Toomey (R) hatten sich dabei erfolglos für ein Gesetz eingesetzt, das Personen, die auf Schusswaffenmessen (Gun Shows) oder im Internet Waffen erwerben wollen, zu einem Background Check zwingt.
Bloomberg hat erklärt, mit Everytown habe eine Organisation geschaffen werden sollen, die der National Rifle Association (NRA) an politischem Einfluss gleichziehen könne.
Positionen Everytown ist unter anderem mit folgenden Positionen und politischen Forderungen in Erscheinung getreten: Background Checks Die Organisation setzt sich für eine Ausdehnung der Background Checks von Personen ein, die Schusswaffen erwerben wollen, und fordert entsprechende Änderungen der bundesstaatlichen und der föderalen Gesetze. Sie hält es für notwendig, dass unterschiedslos bei jedem Erwerb von Schusswaffen Background Checks durchgeführt werden („universal background checks“). Everytown plädiert dafür, dass der Background Check nicht nur eine Prüfung des Strafregisters, sondern auch eventuell vorhandener psychiatrischer Akten umfassen soll.
Im Nachbarland Kanada sind solche Background Checks bereits gesetzlich vorgeschrieben. Eine entsprechende Novellierung der amerikanischen Bundesgesetze, die Barack Obama nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School (2012) eingeleitet hatte, wurde 2017 von Donald Trump wieder aufgehoben.
Beziehungsgewalttäter Everytown unterstützt die Schaffung von Gesetzen, die Personen, welche wegen häuslicher Gewalt aktenkundig geworden sind, am Erwerb von Schusswaffen hindern. Eigene Forschungen, die Everytown durchgeführt hat, ergaben, dass in Bundesstaaten, die einen entsprechenden Background Check verlangen, weniger Personen Waffengewalt durch ihren Sexualpartner erleiden als in Staaten, die solche Prüfungen nicht verlangen. Im Jahre 2014 hat Everytown sich insbesondere in sechs Bundesstaaten dafür eingesetzt, dass Personen, die wegen häuslicher Gewalt rechtskräftig verurteilt worden sind oder ein Kontaktverbot (violence restraining order) auferlegt bekommen haben, keine Schusswaffen erwerben dürfen: Louisiana, Minnesota, New Hampshire, Vermont, Washington und Wisconsin.
In den Vereinigten Staaten werden pro Monat etwa 50 Frauen von ihren gegenwärtigen oder ehemaligen Partnern erschossen.
Schusswaffenunfälle mit Kindern Die Organisation setzt sich für eine Technologie ein, die Schusswaffen sicher macht, und für Gesetze, die eine sichere Aufbewahrung von Schusswaffen verlangen. Dadurch soll vor allem verhindert werden, dass Kinder durch Schusswaffen zu Schaden kommen.
In einer 2017 veröffentlichten Studie wurde aufgezeigt, dass in den USA im Zeitraum von 2012 bis 2014 jährlich durchschnittlich 5790 Kinder bis zu 17 Jahren wegen Schussverletzungen eine Krankenhausnotaufnahme in Anspruch haben nehmen müssen. Etwa 21 % davon waren einem Schusswaffenunfall zum Opfer gefallen. Die Zahl der Kinder, die durch Schusswaffenunfälle starben, hatte im selben Zeitraum durchschnittlich 1297 pro Jahr betragen.
Schusswaffenschmuggel und illegaler Schusswaffenhandel Gesetze, die den Schmuggel und illegalen Handel mit Schusswaffen unter Strafe stellen, bestehen in den Vereinigten Staaten nur auf der Ebene der Bundesstaaten, nicht aber auf Bundesebene. Dies ist deshalb ungewöhnlich, weil Straftatbestände wie z. B. Carjacking, Bankraub, Kinderpornografie, Kreditkartenbetrug oder Computerkriminalität, die ebenfalls dazu tendieren, die Jurisdiktion der einzelnen Bundesstaaten zu überschreiten, eben aus dem letztgenannten Grunde als federal crimes („Bundesverbrechen“) verfolgt werden. Anders als bei Straftaten, die allein unter die Jurisdiktion der Bundesstaaten fallen, können zur Verfolgung von federal crimes die Ressourcen der Bundespolizei und des United States Attorney genutzt werden. Everytown setzt sich dafür ein, Schusswaffenschmuggel und illegalen Schusswaffenhandel („gun trafficking“) per Gesetz als federal crime einzustufen.
In den Vereinigten Staaten werden jedes Jahr mehr als eine halbe Million Schusswaffen gestohlen, von denen viele als Hehlerware anschließend wieder verkauft werden.Philip J. Cook, James A. Leitzel: “Smart” Guns: A Technological Fix for Regulating the Secondary Market 7, Terry Sanford Institute of Public Policy, Duke University, Juli 2001 (Working Paper Series SAN01-10);
Position zu halbautomatischen Waffen Anders als andere Waffenkontrollgruppen tritt Everytown gegenwärtig nicht mit Forderungen nach einem Verbot von halbautomatischen Schusswaffen (Assault weapons) in Erscheinung.
Der Kongress der Vereinigten Staaten hatte 1994 einen Violent Crime Control and Law Enforcement Act verabschiedet, der die Herstellung, die Weitergabe und den Besitz halbautomatischer Waffen bundesweit verbot. Das Gesetz war mit einer Auslaufklausel versehen gewesen und lief 2004 aus. Initiativen verschiedener Senatoren und Abgeordneter des Repräsentantenhauses, das Gesetz permanent zu machen, scheiterten. Die Bundesstaaten entscheiden seitdem wieder selbst, ob sie halbautomatische Waffen dulden oder verbieten wollen. Nur wenige Bundesstaaten machen von der Verbotsmöglichkeit Gebrauch.
Die Verwendung halbautomatischer Waffen erklärt die hohe Zahl von Todesopfern und Verletzten u. a. bei den Massakern von Columbine (1999), Aurora (2012), Sandy Hook (2012) und Orlando (2016). Zu den Organisationen, die sich für ein Verbot solcher Waffen einsetzt, zählt unter anderem das Giffords Law Center to Prevent Gun Violence.
Position zum 2. Zusatzartikel Everytown erhebt keine Forderungen, den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten zu revidieren.
Dieser 1791 verabschiedete Zusatzartikel verbietet es der Bundesregierung, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken. Die amerikanischen Milizen waren auch über den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hinaus ununterbrochen in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt geblieben, und der Zusatzartikel hatte sicherstellen sollen, dass die männlichen Einwohner wehrfähig blieben. Da seit dem Sezessionskrieg (1861–1865) auf amerikanischem Boden kaum noch nennenswerte militärische Konflikte ausgetragen wurden, ist das Fortbestehen des 2. Zusatzartikels in jüngerer Zeit hochkontrovers geworden. Eine Umfrage vom Februar 2018 hat gezeigt, dass 21 % der Amerikaner (Demokraten: 39 %, Republikaner: 8 %) eine Abschaffung des 2. Zusatzartikels begrüßen würden.
Tiahrt-Amendment Vor der Gründung von Everytown war es ein zentrales Ziel von Mayors Against Illegal Guns (MAIG) gewesen, das Tiahrt-Amendment außer Kraft zu setzen.
Hintergrund Im Mittelpunkt dieses Gesetzes steht das National Tracing Center des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF). Diese Behörde, die dem Justizministerium der Vereinigten Staaten untersteht, ist die einzige Stelle in den USA, wo systematisch Informationen über mögliche Straftaten gesammelt werden, die mit Schusswaffen zu tun haben. Ihre Aufgabe ist es, die Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen.
Das 2003 in Kraft getretene, nach seinem Initiator, dem Kongressabgeordneten Todd Tiahrt (R), benannte Gesetz verhindert, dass Informationen auch an Dritte weitergegeben werden. Informationen, die dennoch an Dritte gelangen, werden z. B. in der Zivilgerichtsbarkeit nicht als Beweismaterial anerkannt. Der Abgeordnete Tiahrt hat erklärt, das Gesetz sei notwendig, um die Privatsphäre von Schusswaffenbesitzern zu schützen und um einen Missbrauch der Informationen zu verhindern.
Kritik von MAIG am Tiahrt-Amendment MAIG hat bei der Forderung nach Aufhebung des Tiahrt-Amendment folgende Gründe geltend gemacht: Das Gesetz hindert staatliche und kommunale Strafverfolgungsbehörden daran, Informationen über die Besitzgeschichte von Schusswaffen zu erlangen. Sie hindert örtliche Polizeibehörden daran, die Verkäufer illegal erworbener Waffen ausfindig zu machen, die Handelswege der Hehler zu untersuchen und zwischen individuellen Schusswaffenverbrechen Zusammenhänge erkennen zu können. Michael Bloomberg, damals Bürgermeister von New York City, bezeichnete das Amendment als „eine Beleidigung Tausender von Polizisten, die der Bedrohung durch illegale Schusswaffen gegenüberstehen“. Das Tiahrt-Amendment bestimmt, dass Background-check-Unterlagen, die im Rahmen des National Instant Criminal Background Check System erstellt werden, innerhalb von 24 Stunden wieder vernichtet werden müssen. MAIG argumentiert, dass dies die Fahndung nach kriminellen Schusswaffenhändlern erschwere; die Vorschrift erschwere es weiterhin, Strohmänner zu identifizieren und zu verfolgen, die Waffen für kriminelle Personen erwerben, welche einen Background Check nicht bestehen würden. Auch erleichtere sie es, Käufer davonkommen zu lassen, die einen Background Check nur aufgrund von Verfahrensfehlern bestanden haben. Das Tiahrt-Amendment verwehrt dem Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives die Autorität, die Bestände von Händlern nach verlorenen oder gestohlenen Schusswaffen zu durchsuchen. Unter den geltenden Gesetzen kann diese Behörde zugelassene Waffenhändler ohne Durchsuchungsbefehl nur einmal pro Jahr durchsuchen.
Kontroverse um die Unterstützer der Kampagne Bei seiner Initiative, das Tiahrt Amendment abzuschaffen, wurden MAIG unter anderem von zehn nationalen Polizeiorganisationen unterstützt, wie der International Association of Chiefs of Police, der International Brotherhood of Police Officers, der Major Cities Chiefs Association und dem Police Executive Research Forum. Wie das Brady Center to Prevent Gun Violence aufgewiesen hat, hat das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives für den Zeitraum vor 2003 keinen einzigen Fall nachweisen können, in dem durch Presseveröffentlichungen von Daten aus dem National Tracing Center Polizeibeamte zu Schaden gekommen wären.