mini|Das Standbild eines Bittereinders, jenen die bis zum bitteren Ende kämpften in Bloemfontein (Südafrika) Bis zum bitteren Ende ist eine – mitunter scherzhaft gemeinte – Redewendung mit der Bedeutung: „Halte durch, bis es nicht mehr geht“, oder „bis jemand in bestimmten extremen Situationen nicht mehr kann“. Sie wird auch verwendet, wenn eine zunächst angenehme, dann aber unangenehme Sache bis zum Schluss durchgestanden wird. Man kann bis zum bitteren Ende kämpfen, ausharren oder etwas durchstehen.
Herkunft Die Redensart lässt sich bis auf mittelhochdeutsche Quellen in der Antithese, „süßer Anfang, bitteres Ende“, zurückführen. In neuzeitlichen Fastenpredigten und religiösem Kontext wurde das „bittere Ende“ stellvertretend für die „bittere Neige“ und den „bitteren Kelch“ verwendet. Die Floskel hat aber einen Wandel der Bedeutung durch die militärische Auseinandersetzung der „Bitterender“ während und nach dem zweiten Burenkrieg durchlaufen, wo die umfängliche journalistische Berichterstattung zum Alltagsgebrauch beitrug. Hierbei war jedoch die in der niederländischen Seefahrt gebräuchliche Bezeichnung „Bitterende“ für das Ende eines Seils, namensgebend.Johann Hinrich Röding: Allgemeines Wörterbuch der Marine, in allen europaeischen Seesprachen. Band 1, Halle 1785, S. 310 (Digitalisat).
Maritimer Ursprung mini|Die Seile (Enden) an Bits gebunden an Bord eines Segelschiffs
Im Englischen wird das „bitter end“ auch auf einen maritimen Ursprung in The Seaman’s Grammar and Dictionary von Captain John Smith 1627 zurückgeführt. Darin ist das „bitter’s end“ dasjenige dünne Ende eines Seils, welches vom Bord eines Schiffs an einem Poller im Hafen oder an Deck (Englisch: bitt) befestigt wird. Es ist im Allgemeinen jegliches restliche nichtarbeitende „faule“ Seil, was übrig bleibt, wenn Seile in der Takelage gespannt werden und an den Bitts vertaut werden. Das bittere Ende bezieht sich auch auf den letzten nichtgespannten Teil des Ankerseils. Gewöhnlich wird es mit farbigen Fähnchen markiert. Wenn die Matrosen Anker setzten und sich den Markierungen also dem bitteren Ende näherten, war klar, dass kein Seil mehr übrig war, was bedeutete, dass das Wasser zu tief war, um ankern zu können. Unter Umständen war auch der Anker verloren, weil zu viel Seil oder Kette im Wasser versenkt war. Nur mit großer, für das ganze Schiff gefährlicher Mühe war dann das Hieven des Ankers noch möglich, was englische Etymologen bewog, die Phrase bitter End in dem nautischen Ursprung zu verorten.Terry Breverton: Breverton's Nautical Curiosities: A Book of the Sea. Verlag LYONS PR., 2010, ISBN 978-1-59921-979-0 (Digitalisat abgerufen am 9. Mai 2020). Auch heute noch heißen in der englischen Marine die letzten sechs mit Signalfähnchen markierten Abschnitte „Bitter ends“.NAUTICAL LANGUAGE Wenn das zum Hantieren notwendige Seilende „bitter end“ erreicht ist, beginnt das dicke Ende und damit das eigentliche stabile Seil, das wirklich ein ganzes Schiff halten kann. Dieses restliche Arbeitsseil wird nach Gebrauch lose um die Bitts gebunden.A. Smythe Palmer: Folk-Etymology. Bell, Covent Garden [London] 1882, S. 29 f. (Digitalisat); The bitter end bei phrases.org.uk. Auch in der holländischen Seemannssprache ist das kurze „Bitterende“ ein gängiger Begriff.Johann Hinrich Röding: Allgemeines Wörterbuch der Marine, in allen europaeischen Seesprachen. Band 1, Halle 1785, S. 310 (Digitalisat). Auch das „dicke Ende“ ist in diesem Bedeutungskontext zu finden, da sich an das kurze „Bitterende“ das „dicke Ende“ anschließt. Hier bedeutet Ende in beiden Fällen Tau, also Seil.Duden Redensarten S. 187books.google.de abgerufen am 27. März 2020. Wichtig an diesem maritimen Ursprung ist, dass der Begriff „Bitterender“ namensgebend für jene Kämpfer im Burenkrieg war, die sich nicht ergaben, wie die große Gruppe ihrer Landsleute, der „Handsuppers“ (Händehochhalter), im damals noch holländischen Oranje-Freistaat in Südafrika.Arthur Keppel-Jones: Südafrika Safari-Verlag, 1952, S. 192 books.google.de Damit bedeutet „Bitterender“ eher „dünnes Ende einer Gruppe“.
Etymologie
Etymologien sehen die Wurzel von „bitter“ in „beißen“ und das Wort „Ende“ als eine Verkürzung (Ellipse) von „Ende-Christ“, dem Antichrist, der mit seinem Höllenschlund die Sünder beißt und frisst.wortherkunft bei wissen.de, beruft sich auf Wahrig Herkunftswörterbuch Band 6 Bertelsmann-Verlag 2009 beißen Unterstützend ist die Herleitung bitter und beißen in deren Ursprung zu sehen, anhand der englischen Übersetzung, dort ist bite in seiner frühen Form erhalten geblieben für beißen. Auch das dänische Verb bid und das niederländische bijt bedeuten beißen.
Für die Wendung und seine historischen Quellen lassen sich zwei Kontexte in jedoch unterschiedlichen germanischen Sprachräumen finden. Zum einen die deutsche biblisch-religiöse Zwillingsformel vom süßen Anfang und dem bitteren Ende, die als Antithese in gehobenem Stil für das Sterben als Finaler Punkt im Leben steht und schon im Mittelhochdeutschen belegt ist.Konrad Fleck: Flore und Blanscheflur. eine Erzählung (verfasst um 1220). Herausgegeben von Emil Sommer. Quedlinburg & Leipzig, 1846 (Digitalisat, abgerufen am 29. März 2020) Inhaltlich ist das antithetische Begriffspaar in allen folgenden Zeiten belegbar.
Die zweite Herkunft ist die durch Seefahrt geprägte englisch-holländische maritime. Das „Bittereinde“ ist ein dünnes Tau an Bord eines Schiffes, mit dem man das dicke Ende zieht. Dieses zusammengesetzte Wort war namensgebend für die Bittereinders in Südafrika in der kriegerischen Auseinandersetzung. Schließlich gewann das Begriffspaar durch die Berichterstattung während des Burenkriegs von 1902 eine militärische Konnotation, der im Afrikaans Kolonial-Niederländisch gebräuchliche Begriff „Bittereinders“ wurde eingedeutscht, die Kämpfe wurden vielfach aussichtslos bis zum bitteren Ende geführt. Es kreuzten sich die beiden Bedeutungen verschiedener Herkunft. Darüber hinaus änderte sich die Häufigkeit der Nutzung im DeutschenWortverlaufskurve für „bitteres Ende“, erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 25. März 2020. auch angesichts einer fortschreitenden Säkularisierung, es schwand die Angst vor der Endzeit im Höllenschlund, auch das Gegensatzpaar (Antonym) süßer Anfang – bitteres Ende ebbte ab, und die eher militärisch-kämpferische Bedeutung als pathetisch umschriebenes Bild für den Tod gewann. Nach den Weltkriegen und mit Abflachen der Kriegsrhetorik erweiterte sich die Bedeutung, dank ihres bildreich einprägsamen Charakters zur Durchhalteparole, die ein mitunter scherzhaft oder ironischHans Schemann: Deutsche Idiomatik. Wörterbuch der deutschen Redewendungen im Kontext S. 600ff. De Gruyter Verlag. 2. Auflage. 2011, ISBN 978-3-11-021788-9. (books.google.de) gemeinter Slogan ist.
In der mittelhochdeutschen Literatur und der Literatur der frühen Neuzeit mini|hochkant|Taufkirche in Florenz,Baptisterium San Giovanni Kuppeldarstellung, bitteres Ende im Sinne von beißender Antichrist im mittelalterlichen Verständnis. mini|hochkant|Bitteres Ende im Höllenschlund, Fresko in der Pfarrkirche St. Vitus in Kottingwörth mini|Der Marner (Abbildung aus dem Codex Manesse) bedient das Bild vom bitteren Ende und nennt das Gegenstück den süßen ChristGroße Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) — Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340, S. 351 rechte Spalte, Mittelvers (Digitalisat)
Für das Wort bitter gilt laut Duden heute ein breites Spektrum von Bedeutungen: vom bitteren Geschmack, über „schmerzlich“ bis „stark, groß, schwer“.www.duden.de: bitter, abgerufen am 24. März 2020. So gesehen bedeutet bitteres Ende so viel wie schmerzliches Ende. In Etymologien wird der Ursprung von bitter in beißend gesehen.Eintrag „bitter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 28. März 2020. Laut Wahrigs Etymologie war ursprünglich mit bitter eben nur beißend gemeint. Für das Wort „Ende“ sei festgehalten, dass im mittelalterlichen Verständnis die Endzeiterwartung eine wichtige Funktion der Abgrenzung einnahm, von dem, was man unbedingt ablehnte. Die starke Bedeutung der End-Christ-Vorstellung Antichristder am Ende kommende Christ – Antichrist Enti-krist Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum Mittelhochdeutschen Wörterbuche von Benecke-Müller-Zarncke. 3 Bände, Leipzig 1872–1878 woerterbuchnetz.de, S. 551 (Digitalisat, abgerufen am 29. März 2020) wird dabei nicht aus reinen Propaganda-Zwecken, sondern aus religiösen, vorrationalen Überzeugungen erklärt.Otto Borst: Alltagsleben im Mittelalter. Insel-Verlag, Frankfurt 1983, ISBN 3-458-32213-2, S. 563 ff.Johan Huizinga: Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden
Der älteste Beleg im Sinne von beißendem bitteren Ende ist in der Heiligenlegende des Sylvesters vom Meister Konrad von Würzburg in einer Handschrift überliefert, welche vor 1287 entstanden ist; sie ist überdies mit 5222 Versen die umfangreichste Legende Konrad von Würzburgs, welche im geblümten Stil der spätmittelalterlichen Dichtung verfasst wurde. Es ist der Aufruf Papst Silvesters an Kaiser Konstantin, nachdem er ihn von Krankheit befreit hatte, als Gegenleistung (Schuld) sich zum Christentum bekehren zu lassen, dafür sollen die Kinderopfer erspart bleiben, er müsse überdies keine strenge Marter und harten Höllenquallen ertragen, die zu einem schmerzlichen, peinigenden bitteren Ende führen würden, er müsse sich nur für alle Zeit dem Glauben Untertan machen.
Für die Nähe zur Fegefeuerangst und diesem Ende mit beißenden Qualen lassen sich weitere mittelhochdeutsche Fundstellen in der Manessischen Liederhandschrift und der Mystik Johannes Taulers im 14. Jahrhundert verorten. Hier ist das Thema Apokalypse. Die Welt steht vor dem bitteren Ende wegen fehlgeleiteter Tugendhaftigkeit und Falschheit.
Ähnlichen Ursprungs in der frühneuzeitlichen Dichtung ist die in Paarreimen verfasste Morallehre von Hans Sachs, darin wird dem Leben mit „Laster“ ein bitteres Ende in Reimen zugeschrieben, jedoch ohne die Welt vor dem Untergang zu sehen.
In der weltlichen Literatur vom 17. bis ins 20. Jahrhundert
Im profanen belletristischen Schrifttum seit der Reformation steht für das bittere Ende häufig der Liebeskampf und die Angst vor dem Tod aus Liebe als Thema zur Auswahl. Als rhetorisches Stilmittel für die eher gehobene Form etablierte sich die überkreuzte Figur süßer Anfang – bitteres Ende beispielsweise in Mozarts Singspiel Don Juan:
oder auch bei Schlegel findet sich das überkreuzte Gegensatzpaar:
Im Trauergedicht von Zeindl ist die Wendung auf den aussichtslosen Kampf gegen eine Krankheit verwendet. Sie steht für das Ende nach dem Siechtum: