Die Liste von Todesopfern des nationalsozialistischen Systems zwischen dem 2. Juli 1934 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs bietet einen Überblick über Personen, die zwischen dem 2. Juli 1934 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs vom nationalsozialistischen Staat beziehungsweise von Organen und Exekutivpersonen des nationalsozialistischen Staates oder Gliederungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), wie der Sturmabteilung (SA) oder Schutzstaffel (SS), bzw. Angehörigen dieser Gliederungen, zu Tode gebracht wurden.

Für eine Übersicht zu Personen, die in dem Zeitraum zwischen dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungsaktion des NS-Regimes vom 30. Juni bis 2. Juli 1934 – die in der Forschung weithin als „Das Ende der Machtergreifung“ (Mathilde Jamin)Wolfgang Michalka (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Paderborn 1984, S. 207. oder als „Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft“,Heinz Höhne: Mordsache Röhm: Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft, 1933–1934. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984. also als Abschluss der Phase der Durchsetzung und Konsolidierung der nationalsozialistischen Diktatur, gilt – zu Tode kamen, siehe die analoge Liste von Todesopfern des nationalsozialistischen Terrors während der Machteroberungsphase 1933/1934. Für die Todesopfer der Röhm-Affäre siehe die Liste der im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches getöteten Personen.

Für die nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 durch das nationalsozialistische System verursachten Todesopfer wird auf die Datenbanken Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 des Bundesarchivs (für die Opfer der Shoa) bzw. auf die Datenbank des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge (für die bei militärischen Handlungen ums Leben gekommenen Personen)Datenbank des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge. verwiesen.

Liste der Todesopfer im Überblick Der dritte Abschnitt („In Konzentrationslagern und Gefängnissen gewaltsam zu Tode gekommene Personen“) listet Personen auf, die zwischen dem 2. Juli 1934 und dem 1. September 1939 in den in diesen Jahren innerhalb des deutschen Staatsgebietes bestehenden Konzentrationslagern zu Tode kamen.

Der vierte Abschnitt („Opfer von regulären Hinrichtungen“) verzeichnet Personen, die von regulären Gerichten offiziell und im Einklang mit dem damals herrschenden Rechtssystem zum Tode verurteilt und zwischen dem 2. Juli 1934 und dem 1. September 1939 hingerichtet wurden.

Opfer von wilden Terrormaßnahmen 7. bis 13. November 1938: Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 („Reichskristallnacht“) wurden nach Angaben des Jüdischen Museums Berlin 400 nach nationalsozialistischer Definition als „Juden“ geltende Personen innerhalb des Gebietes des Deutschen Reiches ermordet oder in den Suizid getrieben.9. November 1938. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung geht die Forschung inzwischen von über 1.500 Todesopfern aus. Die Nationalsozialisten gaben die Zahl der ums Leben Gekommenen mit 91 an.Novemberpogrom 1938. Bundeszentrale für politische Bildung, 31. Oktober 2023. Eine vom Land Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2018 kam zu dem Ergebnis, dass insgesamt 127 Menschen in dem Gebiet, das das heutige Bundesland bildet, 1938 durch die Novemberpogrome starben: Nämlich zehn Personen, die in der Pogromnacht selbst erschossen, erstochen oder ertränkt wurden; vierundvierzig Personen, die an den Folgen oder Spätfolgen der Misshandlungen, die sie während der Pogromnacht erlitten starben; zweiundvierzig Personen, die zweiundvierzig Personen, die aufgrund der Ereignisse Suizid begingen; sowie einunddreißig Personen, die während der Pogromnacht verhaftet, anschließend als „Aktionsjuden“ in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt wurden und die dann dort oder nach ihrer Entlassung an den Folgen der Haft starben.Landesregierung Nordrhein-Westfalen: "127 Menschen starben durch Novemberpogrome von 1938: Landesweite Studie nennt erstmals die Todesopfer für Nordrhein-Westfalen"; Bastian Fleermann / Gerd Genger / Hildegard Jakobs / Immo Schatzschneider: Gedenkbuch für die Toten des Pogroms 1938 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Droste Verlag, Düsseldorf 2019. Namentlich bekannte Opfer des Pogroms: 8. November 1938: Robert Weinstein (* 28. Februar 1883 in Felsberg), Textilhändler, Sozialdemokrat und ehemaliger stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher von Felsberg, wurde im Zuge der Novemberpogrome, am Abend des 8. November 1938, von einem Mob aus Angehörigen der SA, SS und HJ, obwohl er schwer krank war, aus seinem Wohnhaus in der Felsberger Obergasse getrieben und durch die angrenzenden Straßen getrieben, er starb einige Minuten später in der Untergasse (auf der Straße) an Herzversagen.Manfred Schaake: "Am 8. November 1938 starb in Felsberg der Jude Robert Weinstein", in: HNA vom 8. November 2016.

Opfer von Fememorden 23. Januar 1935 (in Slapy nad Vltavou): Rudolf Formis (* 25. Dezember 1894 in Stuttgart), Ingenieur, Anhänger der antinazistischen Schwarzen Front. Formis betrieb im Auftrag von Otto Strasser einen geheimen Untergrundsender in der Tschechoslowakei, der von dort aus gegen das NS-Regime gerichtete Rundfunkbotschaften in das deutsche Staatsgebiet ausstrahlte. Trotz Tarnung wurde dieser Sender Ende 1934 von der deutschen militärischen Abwehr lokalisiert. Im Januar 1935 versuchten zwei als Touristen getarnte Agenten des Sicherheitsdienstes der SS, im Auftrag des SD-Chefs Reinhard Heydrich, das Hotel Zahori bei Slapy nad Vltavou, von dem Formis seinen Sender betrieb, auf: Ihr Auftrag lautete, den Sender zu zerstören und Formis zu betäuben und nach Deutschland zu entführen. Das Manöver misslang. Formis widersetzte sich bei dem versuchten Zugriff den Agenten, wobei es zu einem Schusswechsel kam, bei dem sie ihn erschossen. Die Täter, die SD-Männer Alfred Naujocks und Werner Göttsch, entkamen über die Grenze nach Deutschland. März 1938: Wilhelm von Ketteler (* 1906 auf Burg Eringerfeld), Diplomat. Ketteler, der in verdeckter Form von der deutschen Gesandtschaft in Wien aus gegen das NS-System arbeitete, wurde am Tag des Einmarsches der deutschen Truppen in Wien im März 1938 auf Befehl von Reinhard Heydrich von Agenten des Sicherheitsdienstes der SS entführt und, als er sich weigerte, im Verhör Geheiminformationen preiszugeben, die diese ihm abpressen sollten, bzw. er sich weigerte, ein Abkommen mit dem Sicherheitsdienst zu schließen, von diesen durch Eintauchen seines Kopfes in einen Wasserbottich ertränkt. Der Leichnam wurde anschließend in die Donau geworfen und im April bei Hainburg an der österreichisch-tschechischen Grenze angespült.

In Konzentrationslagern und Gefängnissen gewaltsam zu Tode gekommene Personen mini|rechts|Stolperstein Reinhold Jürgensen

Im KZ Dachau kamen in der zweiten Jahreshälfte 1934 und im Jahr 1935 zwölf Gefangene ums Leben.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. Für das KZ Fuhlsbüttel sind siebzehn Personen identifiziert worden, die zwischen Juli 1934 und März 1936 dort getötet oder in den Tod getrieben wurden.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. Im KZ Lichtenburg starben nach unvollständigen Unterlagen zwischen Mitte 1934 und Mitte 1936 mindestens sechs Häftlinge gewaltsam.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. Für das KZ Sachsenburg liegt eine wage Schätzung vor, der zufolge zwischen August 1934 und Ende 1935 zwanzig Gefangene in diesem Lager ihr Leben verloren.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. 10. Juli 1934 (im KZ Oranienburg): Erich Mühsam (* 6. April 1878 in Berlin) Schriftsteller und Publizist. Als politischer Aktivist war Mühsam 1918 an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt gewesen. Er wurde am 28. Februar 1933 von den Nationalsozialisten in Haft genommen und am 10. Juli 1934 von Angehörigen der SS-Wachmannschaft im KZ Oranienburg umgebracht, wobei ein Suizid durch Erhängen vorgetäuscht wurde. 20. Juli 1934 (im KZ Fuhlsbüttel): Paul Karl Bach (geb. 11. März 1903), Zimmermann, Kommunist. Seit 1927 war Bach in der Kommunistischen Partei tätig. Am 18. Juli 1934 wurde Bach verhaftet und ins KZ Fuhlsbüttel verschleppt. Ihm wurde Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen. Er starb zwei Tage später in Fuhlsbüttel, offiziell durch Suizid. Mithäftlinge berichteten hingegen, dass er infolge von gewaltsamen Übergriffen durch SS-Männer zu Tode kam. Heute erinnert ein Stolperstein in der Detmerstraße 28 in Hamburg-Nord an ihn.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. 14. September 1934 (im KZ Fuhlsbüttel): Ferdinand Buhk (geb. 2. November 1909 in Hamburg), Maschinenbauer, Angehöriger des Kommunistischen Jugendverbandes. Buhk erlernte den Beruf des Maschinenbauers und war bei der Firma Weil & Reineke tätig. 1931 wechselte er von den SPD-nahen Republikanischen Pfadfindern zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands. Am 26. März 1933 wurde Buhk zusammen mit anderen Mitgliedern des KJVDs verhaftet, nachdem sie ertappt wurden, während sie gegen die NS-Regierung gerichtete Parolen auf Hauswände malten („Hitler bedeutet Krieg“, „Heil Moskau“). Er kam in das Gefängnis Schwarzenbek wurde aber bereits Ende April wieder freigelassen. Ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat wurde am 29. Mai 1933 eingestellt. Anschließend betätigte er sich weiter im Untergrund, indem er den Posten eines politischen Leiters des KJVDs in Bergedorf übernahm. Im Zuge der Zerschlagung der Gruppe wurde er am 13. September 1934 erneut in Haft genommen und ins KZ Fuhlsbüttel verbracht. Am 14. September wurde er in seiner Zelle mit einem Taschentuch am Haken der Luftklappe erhängt aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft bezweifelte die offiziell vom Lager mitgeteilte Todesursache („Selbstmord durch Erhängen“) und vermutete einen getarnten Mord. An der Leiche wurden Spuren schwerer Misshandlungen festgestellt (das Gesäß war „blau und striemig“). An Buhk erinnert ein Stolperstein in der Rothenhauschaussee 217 in Bergedorf.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213. 26. September 1934: Artur Richard Wustmann (geb. 16. Februar 1905), Färber, KPD-Mitglied. Nach Misshandlungen in der Haft im Universitätsklinikum Eppendorf gestorben.Der Lange Arm der Gewalt: Das Beispiel einer NS-Täterfamilie. 2021, S. 284. 29. Oktober 1934 (im KZ Fuhlsbüttel): Rudolf Harms (geb. 1. Dezember 1905 in Altona), Zimmermann, Kommunist. Als Kommunist wurde Harms 1933 in Haft genommen: Er wurde vom 9. August 1933 bis zum 9. März 1934 erst im KZ Wittmoor und anschließend im KZ Fuhlsbüttel gefangen gehalten. Nach einer vorübergehenden Freilassung wurde er am 14. Oktober 1934 erneut verhaftet und erneut ins KZ Fuhlsbüttel gebracht. Dort starb er zwei Wochen später, offiziell, indem er sich selbst erhängte. Heute erinnert ein Stolperstein vor der Gärtnerstraße 90 in Eimsbüttel an ihn.Klaus Drobisch/Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. 2018, S. 213.Biogramm zu Rudolf Harms bei "Stolpersteine Hamburg". 27. November 1934 (Untersuchungsgefängnis Hamburg): Karl Leopold Naujack (geb. 2. Januar 1887 in Assaunen), Maler. Bei der Vorführung vor der Staatspolizei durch Schläge mit einem Gummiknüppel schwer geschlagen. Aufgrund der hierbei erlittenen Verletzungen an Kopf, Rücken, Gesäß und Oberschenkeln wurde er ins Lazarett des Untersuchungsgefängnisses gebracht und dort verstorben.Michael Joho: "Dies Haus soll unsere geistige Waffenschmiede sein". 2006, S. 103.Heiko Tessmann: Der Lange Arm der Gewalt: Das Beispiel einer NS-Täterfamilie. 2021, S. 255.