Die Mont-Cenis-Gesamtschule ist eine städtische Gesamtschule in Herne-Sodingen. Sie nimmt am Schulversuch Talentschulen teil.
Konzept Die 1984 gegründete Mont-Cenis-Gesamtschule ist eine integrierte Ganztagsschule mit verstärkten Musik- und Sportunterricht, an der sämtliche Schulabschlüsse (Hauptschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss und Abitur) erworben werden können. Am Ende der Jahrgangsstufe Q1 (12) kann der schulische Teil der Fachhochschulreife erworben werden. Rund 1000 Schüler besuchen die Schule, sie werden von rund 107 Lehrern unterrichtet. Jeweils ein Klassenlehrerteam aus zwei Lehrenden betreut die Klassen, die nach Jahrgängen in eigenen Gebäudebereichen untergebracht sind. Die Jahrgänge sind sechszügig. Darüber hinaus stehen den Lernenden eine Berufsberatung und eigene Sozialpädagoginnen zur Verfügung. Mit Beginn des Schuljahrs 2012/2013 werden in der Schule auch Schüler mit Integrationsbedarf integrativ unterrichtet. Seit dem Schuljahr 2015/2016 werden Geflüchtete in speziellen Internationalen Klassen auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet. Kerngedanke des Gesamtschulkonzeptes sind das gemeinsame Lernen und die Chancengleichheit für alle Schüler unabhängig vom sozialen Status des Elternhauses.
Gymnasiale Oberstufe Die Mont-Cenis-Gesamtschule hat eine gymnasiale Oberstufe, von der Einführungsphase bis zur Qualifikationsphase (11. bis zur 13. Klasse). Die Einführungsphase beginnt meist mit zwei bis drei Klassen. Viele Lernende wechseln mit Fachoberschulreife mit Qualifikation (FORQ) in die eigene gymnasiale Oberstufe. Es bewerben sich aber auch jedes Jahr Schüler von Real- und Hauptschulen sowie des Gymnasiums, die einen FORQ-Abschluss vorweisen können. Die Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen bieten das Abitur nach 13 Schuljahren an.
Schulprofil Musikklassen Mit Musik- und Sportklassen bietet die Schule zwei besondere Profile an. In Kooperation mit der Musikschule Herne erlernen die Schüler der Musikklassen zunächst Blockflöte, anschließend die Instrumente Gitarre, Querflöte, Keyboard, Saxophon, Trompete, Schlagzeug, Tuba usw. In Big-Band-Formation musizieren sie unter der Leitung ihrer Musiklehrer. Sie treten öffentlich auf, nehmen an Wettbewerben teil und begleiten feierliche Anlässe mit ihrem Repertoire aus eigens dafür arrangierten bekannten Songs aus Rock, Pop und Jazz. Zu den größten Erfolgen gehört der Auftritt mit dem Landespolizeiorchester NRW in der Akademie Mont-Cenis am 4. Dezember 2014.
Sportklassen In den Sportklassen haben die Schüler vom 5. Jahrgang an verstärkten Sportunterricht. Seit 2016 nimmt die Schule am Projekt „Fußball trifft Kultur“ teil. Im Sport-Leistungskurs der Gymnasialen Oberstufe erwerben die Schüler einen Übungsleitungsschein. Bereits seit 1990 nehmen die Jugendlichen des 8. und 11. Jahrgangs alljährlich im Januar an der Sportwoche teil, bei der sie sich für die Wintersportarten Ski Alpin, Skilanglauf oder Snowboard entscheiden und gemeinsam mit ausgebildeten Ski- und Sportlehrer in ein alpines Skigebiet reisen. Schüler, die nicht am Wintersport teilnehmen möchten, nehmen ein Sportangebot, beispielsweise eine Reiterwoche, in der Region wahr. Spiel- und Sportmöglichkeiten werden ebenfalls vom Ganztagsbereich zur Verfügung gestellt. Ob „bewegte Pause“ mit der separaten Spieleausgabe für die Jahrgänge 5 bis 7 sowie für die Jahrgänge 8 bis 10 oder Kickern in der Mittagspause – die Schüler wählen aus einem großen Angebot.
Projekte mini|Mont-Cenis Gesamtschule Herne, April 2018
Die Schule führt zahlreiche Projekte durch, darunter „Deutsch-Checker“, „Fußball trifft Kultur“,http://www.litcam.de/de/fussball-trifft-kultur Chancenwerk, Sporthelferausbildung, Streitschlichter, ChangeWriters,https://www.changewriters.de/ Buddies, Leseclub, Peers und den Europäischen Fremdsprachentag.
Sanitätsdienst Der Schulsanitätsdienst besteht aus etwa 10–15 Schülern. Alle Schüler, die im Schulsanitätsdienst sind, haben an einer Ausbildung zur Ersten Hilfe teilgenommen und besitzen den Ersthelferschein. Dafür wird der schuleigene Sanitätsraum genutzt.
Arbeitsgemeinschaften Im Nachmittagsbereich wählen die Schüler aus einer Vielzahl von Angeboten, z. B. Garten-AG zur Pflege des Schulgartens, Online-AG mit Schülerzeitungsblog, Mofa-AG, Tanz-AG, Jonglage, Upcycling, Musik, Youth Club und weitere.
Partnerschulen Gründungsschulleiter Wolfgang Viehweger (Schulleitung 1984 bis 1995) initiierte im Jahr 1990 eine Schulpartnerschaft mit Hernes nordfranzösischer Partnerstadt Hénin-Beaumont. Zu Beginn der Partnerschaft konnten die Gesamtschüler ihr dreiwöchiges Berufspraktikum in Frankreich absolvieren. Im Gegenzug sammelten französische Austauschschüler praktische Erfahrungen bei der Baufirma Heitkamp in Herne, dem damaligen Partnerbetrieb der Gesamtschule. Auch die Lehrer knüpften zahlreiche deutsch-französische Freundschaften und so blieb die Schulpartnerschaft über 20 Jahre bis zum Jahr 2010 bestehen. Als am nachhaltigsten erwies sich der Austausch mit dem Collège Anne Frank in Dourges, einem Vorort von Hénin-Beaumont. Darüber hinaus ergab sich neben einem Englandaustausch nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 ein vorübergehender Kontakt mit der Geschwister-Scholl-Oberschule aus der Lutherstadt Eisleben. Die Schule nahm wiederholt an Comenius-Projekten und E-Twinning-Partnerschaften teil.
Geschichte der Schule Entwicklung der Mont-Cenis-Gesamtschule 1979 wurde die erste Gesamtschule auf dem heutigen Herner und Wanne-Eickeler Stadtgebiet als „Gesamtschule Herne“ in Wanne-Eickel an der Stöckstraße gegründet. Nachdem in einer Ratssitzung im Dezember 1983 der endgültige Beschluss zur Einrichtung einer zweiten Gesamtschule an der Mont-Cenis-Straße erging, wurden im Schuljahr 1984/85 noch in Wanne-Eickel 104 Kinder in vier neue fünfte Klassen (Klassen 5.6 bis 5.10) aufgenommen, die überwiegend aus Herne stammten. Die Fünftklässler mussten allmorgendlich von Herne nach Wanne-Eickel, quasi von Bahnhof zu Bahnhof, fahren. Schließlich zogen die Herner Kinder am 5. August 1985 – mit ihren 17 Lehrern – an die Mont-Cenis-Straße 180, den heutigen Schulstandort, um. Die neue Schule nannte sich von nun an Gesamtschule Herne, während die Schule an der Wanne-Eickeler Stöckstraße zur Unterscheidung Gesamtschule Wanne-Eickel hieß.WAZ Herne und Wanne-Eickel, 6. August 1985 (Stadtarchiv-Herne) Im Jahr 2001 wurde die Gesamtschule Herne in Mont-Cenis-Gesamtschule umbenannt.WAZ Herne und Wanne-Eickel, 25. Mai 2000
Bei Herner Eltern und Kindern war die neue Gesamtschule Herne als stadtweit einzige Ganztagsschule, die zudem mit einer modernen Dreifachsporthalle ausgestattet war, beliebt. Von den 192 angemeldeten Kindern konnten im Losverfahren zunächst nur 120 Kinder aufgenommen werden. Zwei Jahre später, nach dem Auslaufen der vormals in den Schulgebäuden untergebrachten Hauptschule im Jahr 1986 und dem Umzug der Realschule an die Castroper Straße im Jahr 1987, wird sie sechszügig. Im Nachmittagsbereich gab es in den ersten Jahren 22 Arbeitsgemeinschaften, die von Eltern angeboten wurden: Schreibmaschineschreiben, Basteln, Nähen usw. 1990 wurde der erste Abschlussjahrgang nach der 10. Klasse entlassen. Drei Jahre später, am 9. Juni 1993, erhielten die ersten Abiturienten ihr Reifezeugnis aus den Händen von Schulleiter Wolfgang Viehweger – NRW-Kultusminister Hans Schwier war Ehrengast und ließ es sich nicht nehmen, den 28 Schülern, die als erster Jahrgang 1984 noch an der Gesamtschule in Wanne-Eickel eingeschult worden waren, persönlich zu gratulieren.WAZ Herne und Wanne-Eickel, 9. Juni 1993 (Stadt-Archiv Herne) Ihre Abiklausuren schrieben sie bereits im Neubau für die Oberstufe, der am 30. Oktober 1992 nach nur einjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht wurde.
Im Jahr 2001 wurde die Schule in Mont-Cenis-Gesamtschule umbenannt. Der Name geht zurück auf ein technisches Wunderwerk – den Mont-Cenis-Eisenbahntunnel in den französischen Alpen, der der 1872 in Herne-Sodingen gegründeten Zeche Mont-Cenis ihren Namen gab.WAZ Herne und Wanne-Eickel, 25. Mai 2000 Nach fast 100 Jahren – und einer wechselvollen Geschichte – wurde die Zeche im Jahr 1978 geschlossen und es entstanden mitten in Sodingen 25 Hektar Brachfläche, auf der die Fortbildungsakademie des Innenministeriums NRW und ein Stadtteilrathaus errichtet wurden. Ausschlaggebend für die Umbenennung der Schule war für Schulleiter Udo Müller (Schulleitung 1995 bis 2017), dass die Bevölkerung den Namen Mont-Cenis einerseits mit der Geschichte und Gegenwart des Bergbaus in Herne verbinde und er andererseits für den Aufbruch in die Zukunft stehe, den Herne durch die zukunftsweisende Architektur und Technik der Fortbildungsakademie in Sodingen erfahre. Bei der Feierstunde zur Namensgebung verwies auch Oberbürgermeister Wolfgang Becker auf die große Bedeutung, die mit dem Namen der Zeche Mont Cenis verbunden sei: „Er steht wie kaum ein zweiter für Tradition und Wandel, für Geschichte und Zukunft.Archiv der Mont-Cenis-Gesamtschule Herne “
Am 16. März 2014 wurde die neue Mensa eingeweiht, die einen lichtdurchfluteten Flachbau als Anbau der bereits bestehenden Mensa nutzt. Schließlich wurde 2015 der neue Schulgarten mit einem Amphitheater aus Naturstein für den Unterricht im Freien angelegt. Im September 2017 (WAZ vom 26. August 2017) beschloss die Stadt Herne einen Teilabriss der Schulgebäude und einen Erweiterungsbau für die Mont-Cenis-Gesamtschule; die Kosten werden mit 33,7 Millionen Euro veranschlagt. In die Planungen wurden im Frühjahr 2017 Schüler, das Lehrerkollegium und Vertreter aus dem Stadtteil in drei Ideen-Workshops einbezogen. Im nächsten Schritt soll ein Architekturwettbewerb ausgelobt werden. Der Schulbetrieb wird durch den Neubau nicht beeinträchtigt, da dieser auf den bestehenden Freiflächen des Schulgeländes errichtet wird.
Die im Februar 2017 eingesetzte Schulleiterin Sylke Reimann-Pérez rief einen Ausbildungspakt ins Leben, bei dem die Schule mit der Stadt Herne und lokalen Unternehmen kooperiert, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Jugendlichen bestmöglich auf ihr Berufsleben vorzubereiten.
Geschichte des Schulstandorts Der zur Sodinger Straße gelegene Gebäudeteil war 1956 als Evangelische Volksschule Sodinger Straße errichtet worden. Er diente als Ersatz für die in die Jahre gekommene Viktoriaschule am Grünen Weg, die spätere Erich-Kästner-Schule. Die Volksschule wurde von rund 400 Sodinger Mädchen und Jungen besucht und stand unter Leitung von Rektor Hegemann. Sie galt als moderner Schulbau und verfügte über Klassenräume mit Einbauschränken, modern ausgestattete Lehrküchen, eine Sporthalle mit Hausmeisterwohnung und ein Lehrschwimmbecken. In unmittelbarer Nähe der Schule wurde im Jahr 1970 mit dem Revierpark Gysenberg der erste Freizeitpark im Ruhrgebiet eröffnet, unter anderem mit zahlreichen orangefarbigen Kletter-Kuben für die Kinder, Gartenliegestühlen für die Erwachsenen, einem großen Streichelzoo und einem Wellenbad, dem heutigen Lago.