Der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata), auch Kreuzblättriger Enzian genannt, ist eine Pflanzenart in der Gattung der Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Beschreibung mini|links|Illustration aus Flora Batava, Volume 15 mini|Vierzählige Blüten von der Seite mini|links|Vierzählige Blüten im Detail von oben mini|Kreuz-Enzian im Unterengadin mini|Fruchtstand

Vegetative Merkmale Der Kreuz-Enzian wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern.

Die Laubblätter sind zu einer grundständigen Rosette und am Stängel verteilt kreuzgegenständig angeordnet. Die einfachen, etwas ledrigen Blattspreiten sind bei einer Länge von 5 bis 10, selten bis zu 15, Zentimeter sowie einer Breite von 1 bis 2,5, selten bis zu 3,5 Zentimeter meist ei-lanzettlich und meist drei-, selten fünfnervig. Die unteren Stängelblattpaare sind am Grund zu einer meist 1,5 bis 2,5, selten bis zu 4 Zentimeter langen Scheide verwachsen.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Die zwittrige Blüte ist vierzählig mit doppelter Blütenhülle und 2 bis 2,5 Zentimeter lang. Die vier innen hellblauen Kelchblätter sind eng röhrig-glockig verwachsen mit vier meist breit-dreieckigen und fein zugespitzten Kelchzähnen; die Kelchzähne sind viel kürzer als die Kelchröhre. Die vier Kronblätter sind außen schmutzig-blau bis etwas grünlich, innen rein blau und ungefleckt. Zwischen den Kronzipfeln befinden sich ein oder mehrere Zähne. Ein Griffel fehlt; die Narben sind zwei kurze, aufrechte und zuletzt zurückgerollte Lappen.

Die braunen Samen sind bei einer Länge von 1 bis 1,3 Millimetern ellipsoid und ungeflügelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 52.

Ökologie Beim Kreuz-Enzian handelt es sich um einen mesomorphen, skleromorphen, überwinternd grünen Hemikryptophyten.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten besonders Hummeln.

Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris rebeli) legt ausschließlich am Kreuz-Enzian seine Eier ab. Mit der Brachenleite bei Tauberbischofsheim wurde durch Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17. Dezember 2014 ein Naturschutzgebiet mit einem Bestand von rund 900 Stöcken des Kreuz-Enzians geschaffen,Fränkische Nachrichten: „Brachenleite“: Ausweisung als Naturschutzgebiet beschlossen / Regierungspräsident Schmalzl: Überregionale Bedeutung für den ehemaligen Truppenübungsplatz / 64,4 Hektar werden unter Schutz gestellt. 22. Januar 2015. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 13. Mai 2016. in dem der noch seltenere Kreuzenzian-Ameisenbläuling ideale und fortan gesicherte Lebensbedingungen vorfindet.Main-Post: TAUBERBISCHOFSHEIM: Ehemaliger Standortübungsplatz ist Naturschutzgebiet. 18. Februar 2015. Online auf www.mainpost.de. Abgerufen am 13. Mai 2016.

Vorkommen und Gefährdung Das Verbreitungsgebiet des Kreuz-Enzians umfasst Europa (mit Ausnahme von Portugal, Großbritannien und Skandinavien) und Westasien.

In Österreich kommt er zerstreut in allen Bundesländern vor. In Deutschland kommt er zerstreut im zentralen Neckarbecken, in der Schwäbischen Alb, Frankenalb, Fränkischen Schweiz, im zentralen Thüringen, in Mainfranken, sehr zerstreut in den Alpen, im Alpenvorland, in Niederbayern, selten im Weserbergland, im nördlichen Mittelgebirge, nordöstlichen Brandenburg (im Nordosten, Mitte und Westen „stark zurückgehend“) vor.

Als Standorte für den kalksteten Kreuz-Enzian werden lichte Wälder, Waldsäume, Weiderasen und Trockenwiesen angegeben. In Mitteleuropa gedeiht er in montanen (bis subalpinen) Höhenstufen. In den Allgäuer Alpen steigt er in Tiroler Teil auf der Gehrenalpe gegen die Gehrenspitze bis zu einer Höhenlage von 1700 Metern auf. Im Engadin erreicht er in der Sesvennagruppe sogar eine Höhenlage von 2050 Metern. Der Kreuz-Enzian ist in Mitteleuropa eine Kennart der Pflanzengesellschafts-Klasse Festuco-Brometea, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Geranion sanguinei vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+w (trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Der Kreuz-Enzian ist in Österreich im pannonischen Gebiet sowie im nördlichen und südöstlichen Alpenvorland „gefährdet“. Er galt 1996 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands als 3+ = „gefährdet“, aber in der Roten Liste nach Metzing et al. 2018 erfolgte eine Verschlechterung der Einstufung in Gefährdungskategorie 2 = „stark gefährdet“ da ein starker Rückgang verzeichnet wurde. In Deutschland ist der Kreuz-Enzian wie alle Enzian-Arten nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) gesetzlich geschützt.

Systematik Die Erstveröffentlichung von Gentiana cruciata erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 231. Das Artepitheton cruciata bedeutet gekreuzt und bezieht sich auf die vierzählige Blüte, deren Blütenkronzipfel kreuzförmig zusammenstehen. Linné hat die Artbezeichnung von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen.

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten: Gentiana cruciata subsp. cruciata Karpaten-Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata subsp. phlogifolia ): Dieser Endemit gedeiht nur in den Süd- und Ostkarpaten in Polen, Rumänien und in der Ukraine. Er unterscheidet sich von der Nominatform durch kleinere Blüten, die außen hell-blau und innen weiß sind.

Symbolik und Sagen

Im Mittelalter war der Kreuz-Enzian besonders begehrt und wurde zum Erlösungssymbol durch Jesus Christus, da die Blattpaare, die Blütenkrone, Stängel- und Wurzelmark kreuzförmig sind, darauf beziehen sich auch die Trivialnamen.

Eine ungarische Sage rankt sich um Gentiana cruciata. Im Heer von König Ladislaus dem Heiligen war die Pest ausgebrochen. Im Traum erschien dem König ein Engel, der ihm befahl, einen Pfeil in die Luft zu schießen. Das Kraut, auf den der Pfeil fallen werde, würde die kranken Soldaten heilen. Am nächsten Morgen fiel der Pfeil auf den Kreuz-Enzian und so entstand der ungarische Name für diese Pflanzenart: Szent-László-Király-füve (Kraut des heiligen Ladislaus, des Königs).

Quellen Literatur

Thomas Gaskell Tutin: Gentiana. In:

Einzelnachweise Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 336. Karol Marhold, 2011+: Gentianaceae.: Datenblatt Gentiana cruciata. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2004–2006. Jens G. Rohwer: Gentianaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 635.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt Gentiana cruciata mit Fotos bei Botanik im Bild - Flora von Österreich. Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.

Kategorie:Enziane