Der Martinete ist ein Palo des Flamenco, das heißt eine seiner musikalischen und tänzerischen Formen.

Herkunft Einer verbreiteten Annahme zufolge ist der Martinete eng mit der Lebenswelt der Gitanos verbunden und als Gesang der Schmiede in Triana (Sevilla) entstanden; die Toná aus Cádiz sei die Vorgängerform gewesen.Vgl. auch Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 244 (Martinete: „eine der ältesten Flamencogesänge, begleitet vom Rhythmus eines Ambosses“). Die Bälge in den Schmieden habe man Martinetes genannt. Der Lärm in den Schmieden und die körperlich sehr anstrengende Arbeit sprechen jedoch dagegen, dass die Arbeiter sie mit Gesang begleiteten.

Laut Navarro Rodríguez war El Planeta in seinen späten Lebensjahren Schöpfer des Martinete; der Name beziehe sich auf den großen Industriekomplex von Málaga namens El Martinete.

Charakter Der Martinete ist ein Cante a palo seco, das heißt ohne Instrumentalbegleitung. Im Gegensatz beispielsweise zur Toná wird der Martinete überwiegend in Dur gesungen, mit gelegentlichen Einsprengseln der im Flamenco häufig verwendeten phrygischen Tonart. González Climent charakterisierte ihn so:

Gelegentlich wird der Martinete als Höhepunkt am Ende einer Toná oder Debla eingesetzt, oder einer Seguiriya vorangestellt.

Verse Die Strophen des Martinete bestehen aus vier achsilbigen Versen, entsprechend der spanischen Gedichtform Romance. Beim Vortrag werden im Martinete redoblado Verse wiederholt, im Martinete natural hingegen nicht.

+ Beispiel Natural Redoblado Nadie diga que es locura Lo que estoy aparentando Que la locura se cura Y yo vivo agonizando. Nadie diga que es locuranadie diga que es locura esto que estabaíto yo aparentando que la locura que la locura se cura y yo vivo agonizando.     Niemand sage, es sei Wahnsinn was ich darstelle dass der Wahnsinn heilt und es mit mir zu Ende geht. Niemand sage, es sei Wahnsinn niemand sage, es sei Wahnsinn was ich darstellen werde dass der Wahnsinn dass der Wahnsinn heilt und es mit mir zu Ende geht.

Martinete als Tanzform Als unbegleiteter Gesang hat der Martinete keinen festen Rhythmus. Der Tänzer Antonio Ruiz Soler gestaltete daher eine Solo-Choreografie auf Grundlage des 12/8-Metrums der Seguiriya, die er erstmals in Edgar Nevilles Film Duende y misterio del Flamenco aus dem Jahr 1952 präsentierte. Seine Interpretation etablierte den Martinete im Repertoirekanon des Flamenco und wurde zum Maßstab für spätere Schöpfungen.

Anmerkungen

Kategorie:Palo des Flamenco