Die Geschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet beginnt mit der Gründung der ersten Luftfahrtvereine im Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mutige „Aviatiker“, so nannte man damals die Piloten, führten ihre Flugapparate einer begeisterungsfähigen Öffentlichkeit vor. Zeppelin- und Parseval-Luftschiffe erschienen am Himmel über der Ruhr und weckten in den Köpfen der Honoratioren, Industriellen und wohlhabenden Kaufleute den Wunsch nach dem, was heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist: Die Luftreise von einem Ort zum anderen.

Anfänge der Luftfahrt Das Streben der einzelnen Städte im Ruhrgebiet nach Luftgeltung und die Erkenntnis, dass man die neue Technologie zu zivilen und militärischen Zwecken nutzen kann, führten zur Entstehung von Flugplätzen wie Wanne-Herten, Oberhausen-Holten, Duisburg-Neuenkamp, Dortmund-Fredenbaum und Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen, wobei der Platz in Holten bereits seit 1909, Fredenbaum seit 1911 bestand. Alle anderen genannten Plätze entstanden erst im Jahre 1912.

In den Jahren zwischen 1911 und 1914 waren jene frühen Flugplätze Stätten von aufsehenerregenden Flugveranstaltungen. In jenen Jahren entwickelte sich im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet ein Schwerpunkt der Luftfahrt im Westen des damaligen Deutschen Reiches. Die frühen Flugapparate wurden ja nicht nur vorgeflogen, sondern zu einem Teil auch vor Ort konstruiert und gebaut. Eine kleine Luftfahrtindustrie entstand. Das bekannteste Unternehmen waren die am Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen beheimateten Kondor Flugzeugwerke, wo zunächst die sogenannten Kondor-Tauben hergestellt wurden. Eine betriebseigene Flugschule gab es ebenfalls. Im Ersten Weltkrieg wurden vornehmlich Schulungs- und Aufklärungsflugzeuge im Auftrage der Albatros Flugzeugwerke in Lizenz für die deutschen Luftstreitkräfte produziert. Eigene, zum Teil zukunftsweisende Konstruktionen kamen über das Versuchsmusterstadium nicht hinaus. 1920 wurden die Kondor-Flugzeugwerke aufgelöst.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 verloren diese Flugplätze weitgehend ihre Bedeutung. Lediglich vom Flugplatz Rotthausen wurde 1919 eine Luftpostverbindung über Hannover nach Berlin eingerichtet, welche bis 1920 bestand. Das laut Versailler Vertrag bestehende Flugverbot machte zunächst sämtliche weitergehende Planungen zunichte.

Im Verlauf der 1920er Jahre entstanden weitere Flughäfen im Ruhrgebiet: Flughafen Essen/Mülheim (mit Vorgängerplatz im westfälischen Dorsten) und Dortmund-Brackel entstanden, in den 1930er Jahren kam noch der vorwiegend militärisch genutzte Flugplatz in Gelsenkirchen-Buer dazu. Der Flugplatz Buer befand sich auf dem bei dem Gelsenkirchener Stadtteil Buer gelegenen Berger Feld. In erster Linie wurde dieser Flugplatz durch eine Fliegerübungsstelle der deutschen Luftwaffe genutzt. Während des Zweiten Weltkrieges waren dort auch verschiedene Einsatzgruppen der Luftwaffe für kurze Zeit stationiert. Das ehemalige Flugplatzterrain wird seit den 1970er Jahren zu einem großen Teil vom Fußballverein FC Gelsenkirchen-Schalke 04 genutzt. Neben der Geschäftsstelle des Vereins wurde hier das Parkstadion und die moderne Fußballarena errichtet. Dazu kam noch ein weitläufiges Trainingsgelände. Die Konzentration richtete sich fortan auf die Flughäfen Essen/Mülheim und Dortmund.

Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet Im Jahre 1925 wurde die Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet (LURAG) gegründet. An dieser Gesellschaft waren sämtliche größeren Städte und Landkreise im Ruhrgebiet beteiligt. Wegen der französischen Besatzung des Ruhrgebietes in den Jahren 1923–1925 flog man zunächst (Mai bis August 1925) von einem provisorisch angelegten Flugplatz nördlich der Stadt Dorsten aus. Der 1925 gegründete Flughafen Essen/Mülheim wurde später zum „Flughafen Ruhrgebiet“ benannt, wovon ab dem Spätsommer des Jahres 1925 geflogen wurde. Der Anspruch an der Teilnahme am aufstrebenden Weltluftverkehr wurde somit begründet. Weitere LURAG-Flugplätze waren Düsseldorf-Lohausen, Krefeld und der kurzlebige (Sommer 1927) Wasserflughafen Duisburg am Rheinufer bei Wanheimerort.

Die LURAG ging in die 1926 gegründete Deutsche Luft Hansa auf und wurde als Gesellschaft in den 1930er Jahren gelöscht. Der letzte Geschäftsbericht der LURAG stammt aus dem Jahr 1935.

Flugplatz Holten Der erste und somit älteste Flugplatz im Ruhrgebiet – nach dem August-Euler-Flugplatz und dem Flugplatz Johannisthal der drittälteste Flugplatz Deutschlands – befand sich im Holtener Bruch bei dem heute zu Oberhausen gehörenden Stadtteil Holten (Gemarkung Holten, Flur 6, Bruchstraße). Das landwirtschaftlich nur extensiv nutzbare Gelände im Bereich des heutigen Rhein-Herne-Kanals war seit alters her eine Allmende der Gemeinde Holten gewesen.Fritz Gehne: Holten, der erste Flugplatz Westdeutschlands. In Heimatkalender 1943, S. 179–182. Abgerufen am 4. Januar 2022. Am 27. Oktober 1909 erteilte der Gemeinderat Holten dem Westdeutschen Verein für Flugsegler e. V. mit Sitz in (Alt-)OberhausenNäheres zur Vereinsorganisation und den Vereinsmitgliedern, siehe Flugsport, Jahrgang 1911, Nr. 2, S. 68 () die Genehmigung zur Errichtung einer „Abflugbahn“ und förderte das Projekt mit einem Zuschuss von 500 Mark. Im Gegenzug musste sich der Verein zu einer jährlichen Pacht von 100 Mark verpflichten. Außer der Abflugbahn errichtete der Verein, der „Gleit- und Motorflug“ betrieb, in den folgenden Monaten drei Schuppen als „Fliegerhallen“ und einen „Abflugturm mit Gleitbahn für Flugmaschinen“. Die Pläne zu diesen Anlagen hatte der Holtener Architekt Ewald Schnaare entworfen, ebenso eine Halle, die wenig später der Niederrheinische Verein für Luftschiffahrt aus Essen dort genehmigen und errichten ließ. Als weitere „Fliegerhalle“ kam 1911 am Rand des Flugplatzes eine Zeile von fünf Schuppen hinzu, die die Niederrheinische Flugzeug-Bauanstalt des Ingenieurs Otto Hilsmann aus Altenessen erbauen ließ.Bauakte der Stadt Oberhausen/Rhld. Betreff: Niederrheinischer Verein für Luftschiffahrt, Essen, Flur VI, Nr. 47/5, Bruchstraße Ein Teil der Schuppen wurde zur Vermietung angeboten. Bereits Anfang 1912 befand sich Otto Hilsmanns Firma in Zahlungsschwierigkeiten.Flugsport, Jahrgang 1912, Nr. 1, S. 35 (Digitalisat) Hilsmann, der die Pachtung und Verwaltung des Flugplatzes 1911 übernommen hatte,Flugsport, Jahrgang 1911, Nr. 4, S. 138. übergab ihn im Laufe des Jahres 1912 an die Gemeinde Holten, welche den Flugplatz der „freien Konkurrenz“ öffnete.Flugsport, Jahrgang 1912, Nr. 13. In den Folgejahren waren auf dem Platz neben Werkstätten für Fluggeräte, eine Flugschule und eine kleinere Flugzeugfabrikation tätig, welche von den aus Duisburg stammenden, zu den Alten Adlern zählenden Gebrüdern Karl und Peter Strack unterhalten wurde.

Auf dem Flugplatz Holten machten viele Flugpioniere aus der Region auf dem Terrain ihre ersten Flugversuche. Das Markenzeichen des Platzes war der 8,9 Meter hohe „Holtener Abflugturm“ bzw. die „Holtener Startrampe“, welche über eigens hierzu ausgegebene Zwanzig-Mark-Aktien finanziert wurde.Anteilsschein des Westdeutschen Vereins für Flugsegler e. V. Gleit- und Motorflug, Webseite im Portal hwph.de, abgerufen am 22. November 2015. Die am 23. Mai 1910 eingeweihte, 20 Meter lange Rampe konnte bei Bedarf auf einer ringförmigen Zementbahn in den Wind gedreht werden, um optimale Startbedingungen zu erreichen. Ein bekannter Gleitflieger über dem Holtener Bruch war der Sterkrader Fördermaschinist Bergmann. Auf dem ersten Flugtag 1911 stellte der Flieger Bruno Werntgen bei einem Stundenflug über Holten mit 80 Metern einen Höhenrekord auf.

Während des Ersten Weltkriegs standen zwar einige Militärbaracken auf dem Flugplatz, zu einer Nutzung als Militärflugplatz kam es jedoch nie. Mit der Gründung des Vereins für Flugsportfreunde nahm der Flugplatz nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal einen kurzen Aufschwung. In diesem Verein waren vor allem ehemalige Flieger des Ersten Weltkriegs organisiert, die ihre Werkstatt und Übungsräume im Feuerwehrturm von Hamborn-Marxloh eingerichtet hatten. Am 23. Mai, dem Himmelsfahrtstag des Jahres 1926, wurde auf dem Flugplatz Holten ein spektakulärer Großflugtag abgehalten, zu dem rund 30.000 Zuschauer anreisten, großenteils über Züge, die am Sterkrader Bahnhof hielten. Bei diesem Ereignis boten die „Weltkriegshelden“ Ernst Udet, Paul Bäumer und Richard Dietrich sowie die Flieger Auffahrt und Selbach Kunstflüge dar. Eine Junkers-Passagiermaschine streifte beim Anflug einen Drahtzaun und fiel für weitere Demonstrationsflüge aus. Im Folgejahr wurde – ebenfalls zu Christi Himmelfahrt – die Rheinische Flugwoche abgehalten, wieder mit Ernst Udet, diesmal mit Thea Rasche und einem Absprung Hamborner Fallschirmspringer aus 500 Metern Höhe. Auch an diesem Tag ereignete sich ein Unglück: Der Ballon der Mongolfierfahrerin Baumgart ging in Flammen auf.

1926 stellte die Verwaltung der Stadt Sterkrade beim Regierungspräsidenten Düsseldorf den Antrag, den Sportflugplatz Holten zu einem Verkehrslandeplatz auszubauen. Diese Bestrebungen scheiterten. Im Jahr 1927 wurde der Flugplatz Holten aufgegeben, um das Gelände in den folgenden Jahren zur Industriefläche (Werk Ruhrchemie) umzuwandeln.Flugzeuge über dem Holtener Bruch. Aufsatz, zusammengestellt aus Zeitungsberichten der damaligen Zeit, PDF im Portal alfred-ulrich-lindemann, Mai 1993.

Flugplatz Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen miniatur|hochkant=1.2|„Fräulein Charlotte Möhring hat das Pilotenzeugnis erworben.“ – Flugplatz Gelsenkirchen-Essen-Rotthausen, 1912 Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit am 25. Mai 1912 auf Pachtland des alten Gutes Nienhausen eröffnet, entwickelte sich dieser Flugplatz zu einem Schwerpunkt der frühen Luftfahrtentwicklung im Ruhrgebiet. Initiiert wurde der Flugplatz durch den späteren Gründer der Kondor-Flugfabrik Ernst August Schröder, der die Kommunen Gelsenkirchen, Essen (Stadt und Landkreis), Rotthausen, Katernberg und die Zeche Zollverein für den Plan gewinnen konnte. Es wurde die Westdeutsche Fluggesellschaft mbH als Betreibergesellschaft gegründet, die 500 Morgen Land von Ernst Nienhausen pachtete. Auf einem Teil wurde die Trabrennbahn Nienhausen, jetzt GelsenTrabPark, errichtet und auf 280 Morgen der Flughafen nebst Gebäuden gebaut. Es war der erste kommunale Flughafen in der deutschen Geschichte. Die Eröffnung fand am Samstag vor Pfingsten statt und war der Startschuss für einen dreitägigen Flugwettbewerb zu dem tausende Zuschauer kamen. Sie konnten unter anderem Hellmuth Hirth (1886–1938), Gerhard Sedlmayr (1891–1952), Curt von Stoephasius (1878–1917), Fokker (1890–1939) und Josef Suwelack (1888–1915) am Himmel sehen. Am Pfingstsonntag den 26. Mai 1912 landete der Zeppelin LZ 11 „Viktoria Luise“.Anzeige zur Eröffnung des Flugplatzes in der Essener Volkszeitung vom 25. Mai 1912 Wenige Tage später eröffnete die Flugschule von Georg Mürau, Charlotte Möhring und Josef Schlatter. Möhring war die erste Flugschülerin am Standort und bekam ihren Flugschein im September, was sie zur zweiten Frau mit Privatfluglizenz machte.Jo Gernoth: , WAZ vom 15. Oktober 2014. Abgerufen am 7. April 2022 Der Flugplatz wurde abweichend vom offiziellen Namen auch als Flugplatz Rotthausen, Flugplatz Nienhausen, Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen, Flugplatz Gelsenkirchen-Rotthausen-Essen, Flugplatz Gelsenkirchen-Rotthausen oder Flugplatz Gelsenkirchen genannt.