Die Strobe (Pinus strobus), auch Weymouth-Kiefer, Weymouthskiefer oder Seidenkiefer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Kiefern (Pinus) innerhalb der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Im östlichen Nordamerika ist sie die größte Nadelbaum-Art, mit bis zu 500 Jahre alten Exemplaren. Sie ist der offizielle Staatsbaum der US-Bundesstaaten Maine und Michigan.
Das Eponym des Namens Weymouth-Kiefer bezieht sich nicht auf den englischen Entdecker und Schriftsteller George Weymouth, der sie 1605 nach Europa brachte, sondern auf Thomas Thynne, 1. Viscount Weymouth, der sie im 18. Jahrhundert in England als Forstbaum etablierte.
Beschreibung und Ökologie mini|Illustration mini|Habitus im Habitat mini|Ältere Exemplare im Habitat
Erscheinungsbild Die Weymouth-Kiefer ist ein immergrüner Baum mit Wuchshöhen von 25 bis 35 Metern, der auch eine Wuchshöhe bis 67 Meter erreichen kann. Der Brusthöhendurchmesser erreicht Werte von 1 bis 3 Metern. Sie kann bis zu 450 Jahre alt werden. Die säulenförmigen Stämme wachsen gerade und weisen eine starke Beastung auf. Die meist zu fünft in unregelmäßigen Quirlen stehenden Äste sind weit ausladend und gehen fast rechtwinklig vom Stamm ab. An den Enden richten sie sich oft auf. Die Zweige sind büschelig benadelt. Junge Zweige sind sehr dünn. Freistehende Bäume bilden eine symmetrisch kegelförmige Krone aus, während Baumexemplare im Bestand schmalkronig wachsen und einen langen astfreien Stamm haben. Altbäume, die im Bestand wachsen, bekommen eine breite und unregelmäßige Krone.
Wurzelsystem Das Hauptwurzelsystem besteht aus einer Pfahlwurzel und meist drei bis fünf weitreichenden Seitenwurzeln, welche bis in mittlere Bodentiefen vordringen. Die Pfahlwurzel von Altbäumen ist meist stark beschädigt, weshalb diese häufig vom Wind geworfen werden. Auf flachgründigen und schlecht drainierten Böden ist die Weymouth-Kiefer ein Flachwurzler, während auf tiefgründigen Böden von den Seitenwurzeln nach unten wachsende Senkerwurzeln abgehen. Kleine Seitenwurzeln werden direkt am Wurzelhals gebildet.
Die Weymouth-Kiefer bildet Ektomykorrhizen aus. Zu den häufigsten Mykorrhizapartnern gehören der Fliegenpilz (Amanita muscaria), der Pfifferling (Cantharellus cibarius), Russula lepida, Scleroderma vulgare, der Elfenbeinröhrling (Suillus placidus), der Weinrote Schuppenröhrling (Suillus spraguei) sowie verschiedene Arten der Trichterlinge (Clitocybe) und der Milchlinge (Lactarius).
Rinde und Borke Junge Bäume weisen eine dünne und glatte Borke auf, die dunkel-grün und oft etwas rötlich getönt ist. Die Borke von Altbäumen ist 2,5 bis 5 Zentimeter dick, rissig, grau-braun und in breite Schuppen aufgeteilt, welche durch flache Risse getrennt werden. Die jungen Zweige haben eine grüne und flaumig behaarte Rinde, welche später kahl und orangefarben wird. Die Rinde von älteren Zweigen hat aufgrund von bleibenden Kurztriebnarben eine raue Oberfläche.
Holz Das cremefarbene bis stroh-gelbe Kernholz wird von einem nahezu weißen Splint umgeben. Es bestehen gleitende Übergänge zwischen Früh- und Spätholz. Vor allem im Spätholz sind die Harzkanäle gut erkennbar, welche einzeln oder in Gruppen von zwei oder drei stehen. Mit einer Darrdichte von 0,38 g/cm³ ist das weiche Strobenholz relativ leicht, aber stark belastbar. Es ist schraubenfest, sehr maßhaltig und lässt sich leicht bearbeiten, imprägnieren und trocknen, ist aber wenig dauerhaft. Selbst das Kernholz muss beim Verbau in fäulnisgefährdeten Lagen imprägniert werden. Das Holz der Weymouth-Kiefer ist weich und leicht wird deshalb gerne als Material für Bienenbeuten genutzt. Das Kurzzeichen als Handelsholz nach EN 13556 ist PNST.
Knospen und Nadeln Die Winterknospen sind bei einer Länge von 0,4 bis 1 Zentimetern scharf-zugespitzt, eiförmig-zylindrisch und haben dünne, rötlich-braun gefärbte Knospenschuppen, die etwas verharzt sind.
Jeweils fünf Nadeln befinden sich in 1 bis 1,5 Zentimeter langen und hell orange-braunen Nadelscheiden an den Kurztrieben. Die blau- bis dunkel-grünen Nadeln sind 6 bis 12 Zentimeter lang und 0,7 bis 1 Millimeter breit und fallen im August des ersten Jahres ab. Die Nadeln verbleiben zwei bis drei Jahre am Baum, ehe sie sich braun verfärben und im Herbst abfallen. Die Nadeln sind gerade, etwas gedreht, weich und biegsam. Im Querschnitt sind sie dreieckig und ihre Kanten sind fein gesägt. Nur die adaxialen Seiten tragen schmale, weiße Spaltöffnungsbänder. Es sind meist zwei, seltener ein oder drei Harzkanäle vorhanden.
Blüten, Zapfen und Samen Die Strobe ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch) und wird mit 5 bis 10 Jahren mannbar, wobei männliche Blütenzapfen nicht vor dem 9. Jahr ausgebildet werden. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Die hell-braunen bis braunen männlichen Blütenzapfen sind bei einer Länge von 0,8 bis 1 Zentimetern oval. Man findet sie grundständig stehend an diesjährigen Trieben im unteren Kronenbereich. Die bis zu 1,2 Zentimeter langen weiblichen Blütenzapfen sind rosa-farben bis purpurrot. Sie wachsen in Gruppen von zwei bis vier meist im oberen Kronenbereich an der Spitze von älteren Trieben. Im Gegensatz zu den weiblichen Blütenzapfen werden die männlichen nicht jedes Jahr gebildet. Die Bestäubung erfolgt Mitte Juni. Gelegentlich tritt Selbstbefruchtung auf.
Die Zapfen sind nach der Bestäubung grün gefärbt und reifen im zweiten Jahr. Zur Reife sind sie braun gefärbt, selten nur 5 meist 8 bis 20 und manchmal bis 25 Zentimeter lang mit Durchmessern von rund 2,5 Zentimetern im geschlossenen und von 4 bis 8 Zentimetern im geöffneten Zustand. Sie sind in der Form zylindrisch, schmal und leicht gebogen. Man findet sie an bis zu 2 Zentimeter langen Stielen hängend, einzeln oder in Gruppen an zweijährigen Zweigen im oberen Kronenbereich. Jüngere Zapfen sind oft verharzt. Die 40 bis 100 relativ großen Zapfenschuppen sind dünn holzig, eiförmig und biegsam. Die Apophyse ist stumpf und blass braun bis graubraun und auf mittig stehenden Schuppen im Umriss mehr oder weniger rhombisch und geht in einen stumpfen, endständigen Umbo über. Pro Zapfenschuppe entwickeln sich zwei Samen. Die reifen Samen werden Anfang August des zweiten Jahres entlassen, die leeren Zapfen fallen im Winter vom Baum.
Die abgeflachten, breit verkehrt eiförmigen bis beinahe dreieckigen, selten ab 5, meist 7 bis 8 und manchmal bis 9 Millimeter langen Samen sind rötlich-braun bis grau und schwarz gefleckt und tragen einen 20 bis 28 Millimeter langen, blassbraunen Flügel, welcher sich nur mit zwei kleinen, seitlichen Anhängseln am Samenkörper festhält. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 8,6 und 22,7 Gramm.
Die Ausbreitung erfolgt großteils durch den Wind (Anemochorie). Die Weymouth-Kiefer vermehrt sich hauptsächlich generativ, sie ist aber auch in der Lage, Absenker zu bilden.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.
Verbreitung und Standort mini|Verbreitungsgebiete von Pinus strobus var. strobus (grün) und Pinus strobus var. chiapensis (rot) Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Kanada und den Vereinigten Staaten bis nach Süd-Mexiko und Guatemala, wobei es zwischen den Beständen in Nordamerika und denen in Mittelamerika eine Lücke von 2400 Kilometern gibt, welche die beiden Varietäten Pinus strobus var. strobus und Pinus strobus var. chiapensis voneinander trennt.
Im Nordteil des Verbreitungsgebiets findet man die Art meist auf niedrigen Hügeln und in den Appalachen bis in eine Höhe von 1200 Metern. Es werden sowohl feuchte Flussniederungen, Moore, trockene und sandige Ebenen, steile und felsige Hänge sowie Felskuppen besiedelt. Optimal sind frische Sande und Lehme sowie Kiese, die gut drainiert sind. Seltener werden Tone und vernässte Böden besiedelt. Sie wächst dort in Gesellschaften der Klasse Pinetea strobi. Als Pionier besiedelt die Weymouth-Kiefer Brandflächen, aufgelassene Äcker, Wiesen und Windwurfflächen, wird aber auf Standorten mittlerer Qualität häufig von Laubbäumen verdrängt. Auf Standorten niederer Qualität erweist sie sich aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit jedoch als überlegen. Der pH-Wert der besiedelten Böden liegt zwischen 4,7 und 7,0. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt je nach Standort 510 bis 2030 mm, wovon etwa die Hälfte zwischen April und September fällt. Die Winter sind kalt und reich an Schnee.
Das Verbreitungsgebiet der Varietät chiapensis liegt in feuchten Berggebieten mit häufigen Nebeln in Höhen von 800 bis 2000 Metern. Der Niederschlagsmenge kann Werte von bis zu 3000 Millimetern erreichen. Frost tritt nicht auf. Beide Varietäten wachsen in Mischwäldern zusammen mit anderen Nadel- oder Laubbaumarten, wobei mehrere Laubbaumarten, beispielsweise der Amerikanische Amberbaum (Liquidambar styraciflua) oder die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), mit ähnlich weit auseinander liegenden Verbreitungsgebieten sowohl in den Appalachen als auch in Mexiko und Guatemala vorkommen.
Die Strobe wuchs 1999 auf 0,26 % der bayerischen Waldflächen und ist damit nach Douglasie und Japanlärche die dritthäufigste Fremdbaumart. Die Bäume wurden überwiegend um 1900 gepflanzt; nach 1925 geschah dies wegen der Ausbreitung des Blasenrosts (Cronartium ribicola) kaum noch. Die Strobe erbringt einen höheren Ertrag als die Föhre (Waldkiefer) und das Holz erzielt etwas höhere Preise. Sie hat geringe Nährstoffansprüche, ist auf Buntsandstein und Kreide der Kiefer überlegen und besiedelt extreme Standorte wie Sand-, Schotter-, Block- und Moorböden. Sie ist frost- und spätfrosthart und wenig nassschneegefährdet. Die besten Wachstumsbedingungen sind auf frischen, feuchten und wechselfeuchten Böden gegeben.
Gefährdung und Schutz In der Roten Liste der IUCN wird Pinus strobus als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ eingestuft. Pinus strobus hat in Nordamerika ein sehr großes Verbreitungsgebiet und die Varietät strobus breitet sich in vielen Gebieten stark aus. Die großen Bestände, die von den europäischen Siedlern stark genutzt wurden, waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verbraucht. Voll ausgewachsene Bäume sind selten, doch ist die Art durch den starken Zuwachs nicht gefährdet. Auch gibt es viele Bestände in geschützten Bereichen.
Pinus chiapensis wird als „Endangered“ = „stark gefährdet“ geführt, weil diese Art zwar ebenfalls ein großes Verbreitungsgebiet („extent of occurrence“) hat, jedoch sind die Populationen meist klein (5 bis 20 Hektar) und isoliert sind; ihre größten Bestände gibt es in Chiapas und Oaxaca, die größte davon bei El Rincon in Oaxaca mit etwa 50.000 ausgewachsenen Exemplaren auf einem Gebiet von 1500 Hektar. Die tatsächlich bewachsenen Flächen („area of occupancy“) werden zusammen auf etwa 400 Quadratkilometer geschätzt, und die Bestände gehen weiterhin zurück. Früher wurden die Bestände übernutzt, weil das Holz für die Schifffahrt Verwendung fand. Obwohl die Holzqualität gut ist und die Bäume lokal zur Holzgewinnung verwendet werden, besteht die Hauptgefahr in der Abholzung der Bestände für den Mais- oder Kaffeeanbau oder der Errichtung von Weiden für Rinder. Eine weitere Gefahr ist das Eindringen gebietsfremder Arten wie der Schachtelhalmblättrigen Kasuarine (Casuarina equisetifolia) oder der Mexikanischen Zypresse (Cupressus lusitanica).
Das Bundesamt für Naturschutz schätzt Pinus strobus als invasive Art ein und hat sie auf die Managementliste der Schwarzen Liste invasiver Arten gesetzt, da sie einheimische Arten verdrängen kann.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Pinus strobus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 1001. Die Art Pinus strobus gehört zur Untersektion Strobus der Sektion Quinquefoliae aus der Untergattung Strobus innerhalb der Gattung der Pinus.
Botanische Geschichte Bei wenigen Autoren gibt es etwa zwei Varietäten, doch bei den anderen Autoren gibt es keine akzeptierten Subtaxa: