mini|400px|Der Prato della Valle, im Hintergrund die Basilika Santa Giustina, 2012 mini|250px|Plan des Prato aus dem 18. Jahrhundert Der Prato della Valle (venetisch: Pra de ła Vałe) ist ein Platz im italienischen Padua. Die „Wiese“ ist mit rund 90.000 Quadratmetern nicht nur der größte Platz der Stadt, sondern auch einer der größten innerstädtischen Plätze Europas.Puppi/Toffanin, Guida di Padova, S. 163.

Schon zu römischer Zeit fanden dort öffentliche Veranstaltungen statt, ebenso im Mittelalter und in späteren Jahrhunderten. Seine heutige elliptische Form mit einer Insel in der Mitte, zwei sie umsäumenden Reihen von 78 Statuen von Persönlichkeiten mit Verbindung zu Padua und einem sie umfließenden Kanal erhielt der Platz im 18. und 19. Jahrhundert. Am Prato liegt die Basilika Santa Giustina, eine der größten Kirchen der Welt.

Namensgebung In der römischen Zeit sowie im Frühmittelalter war das Gelände als Campo di Marte oder Campo Marzo (Marsfeld) bekannt, weil es unter anderem für militärische Aufmärsche genutzt wurde – Mars war der römische Gott des Krieges. Später wurde es als Valle del Mercato bezeichnet, weil dort Märkte und Warenmessen stattfanden. Wegen der benachbarten Basilika Santa Giustina wurde auch der Name Prato di Santa Giustina benutzt. Die Bezeichnung Prato della Valle (Pratum Vallis) ist erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt: Pratum bezeichnet eine Wiese, Valle bezog sich darauf, dass das Gelände in einer Senke lag. In der Zeit des Königreichs Italien (1861–1946) trug das Gelände offiziell den Namen Piazza Vittorio Emanuele II nach König Viktor Emanuel II., im Volksmund wurde jedoch weiter vom Prato della Valle gesprochen.Puppi, Prato della Valle, S. 60–61. Eine weitere volkstümliche Bezeichnung ist Prà senza erba (Wiese ohne Gras), weil nach der Umgestaltung Ende des 18. Jahrhunderts wegen der hohen Bäume auf dem Platz oftmals kein Gras mehr wuchs.

Geschichte Das ursprüngliche Areal mini|hochkant|Giovanni Antonio Canal, Ansicht des Prato vor seiner Neugestaltung, 1741–1746, Museo Poldi Pezzoli mini|hochkant=0.8|Hölzernes Pferd aus dem Jahr 1466, heute ausgestellt im Palazzo della Ragione mini|Gedenktafel für Michael Gaismair am Ort seiner Ermordung Der Campo di Marte lag südlich des antiken römischen Zentrums und der großen Biegung des Medoacus, dem alten Flussbett des Brenta. Hier führte die venetische Straße entlang, die Patavium (Padua) mit Ateste (Este) und der Adria verband. Auf dem Campo befanden sich wichtige Gebäude wie das Theater Zairo auf der Ostseite, dessen Fundamente sich unter der heutigen Anlage befindenLuciano Bosio: L’età preromana e romana, in: Puppi (Hrsg.): Prato della Valle, S. 37. sowie die Arena der Stadt.Luciano Bosio: L’età preromana e romana, in: Puppi (Hrsg.): Prato della Valle, S. 44–46. Seit der Renaissance wurde immer wieder behauptet, dort habe sich ein Concordia-Tempel befunden,Maria Pia Billanovich: Una miniera di epigrafi e di antichità: il chiostro maggiore di S. Giustina in Padova (=Italia medioevale e umanistica, 12), 1969, S. 283 ff. doch gilt dies angesichts der Tatsache, dass sich dort ein Friedhof befand, als widerlegt.Girolamo Zampieri: La tomba di San Luca Evangelista. La cassa di piombo e l’area funeraria della Basilica di Santa Giustina in Padova, Rom 2003, S. 37–39.

452 wurde die Stadt zunächst von den Hunnen unter Attila zerstört, die wiederaufgebaute Stadt im Jahre 613 von den Langobarden niedergebrannt. Die antiken Bauten wurden dabei größtenteils zerstört. Die meisten Bewohner verließen die Stadt und siedelten sich in der Gegend von Monselice an oder in der Lagune von Venedig.

589 veränderte der Brenta durch eine Reihe von Überschwemmungen in der Po-Ebene seinen Lauf; das gesamte Stadtgebiet wurde überflutet und war auch weiterhin von saisonalen Überschwemmungen betroffen. Das niedrigliegende Prato-Gelände entwickelte sich in der Folge zu einem sumpfigen Gebiet voller Mücken. 899 plünderten Ungarn die Stadt. 970 besichtigte der Bischof von Padua, Gauslinus Transalgardo, das Areal und fand es „verwüstet und verlassen“. Er initiierte eine Umgestaltung des Prato sowie den Bau des reich ausgestatteten Klosters Santa Giustina, das von den Ungarn gleichfalls zerstört worden war.Silvana Collodo, Il Prato in età medievale. In: Puppi (Hrsg.): Prato della Valle, S. 56–64.

Ab Mitte des 11. Jahrhunderts gab es auf dem Areal Märkte und Warenmessen. Jährlich im Oktober und November wurden die großen kirchlichen Messen zu Ehren der Schutzheiligen Justina und Prosdocimus, der Legende nach erster Bischof der Stadt, gefeiert.

Die Märkte und die damit verbundenen Rechte waren Anlass zu zahlreichen Rechtsstreitigkeiten zwischen der Stadt und dem Kloster Santa Giustina. 1077 erteilte der Bischof Udalricus ein Placitum, das den Mönchen von Santa Giustina den Besitz des Prato bestätigte und sich selbst das Recht vorbehielt, die noch vorhandenen Überreste des römischen Theaters als Steinbruch für den Bau des Klosters zu nutzen.Radicchio, Descrizione della general idea. S. 13. Es heißt im Volksmund, dass die Ruinen des römischen Theaters für den Bau der Rialtobrücke in Venedig verwendet wurden, die der Bischof von Padua an Venedig verpfändet habe, um seine dortigen Schulden zu bezahlen. Da die erste steinerne Rialtobrücke erst im 16. Jahrhundert errichtet wurde, gilt diese Geschichte als Legende.

Ab dem 12. Jahrhundert fanden neben den Jahrmärkten und Messen Theatervorstellungen und Spiele auf dem Prato statt: So gab es Aufführungen wie Der wilde Mann sowie Darstellungen der Passion und der Auferstehung. Beim Castello d’Amore, einer venetischen Tradition, mussten junge Männer eine auf dem Platz aufgebaute Burg, in der sich Mädchen befanden, durch das Werfen von Obst erobern, die die Mädchen ebenfalls mit Obstwürfen verteidigten. Auf die Eroberung, die zu vielen Ehen geführt haben soll, folgten Feiern und Bankette.Il Castello d’Amore (PDF; 208 kB) Abgerufen am 28. September 2019.

Ab 1257 wurde auf der den Prato umgebenden Promenade jährlich ein Pferderennen zur Feier der Befreiung von der Tyrannei des Ezzelino III. da Romano im Jahr zuvor veranstaltet. Am 7. Oktober 1399 endete auf dem Prato eine prächtige Prozession, Bianchi genannt, die neun Tage lang die ganze Stadt durchquert hatte und um Frieden für das folgende Jahrhundert bat. Während einer Karnevalsveranstaltung im Jahre 1466 wurde ein riesiges hölzernes Pferd auf dem Prato aufgestellt, als Anspielung auf den legendären Trojaner Antenor als Gründer der Stadt und das Trojanische Pferd. Geschaffen wurde es nach dem Vorbild des Pferdes des Condottiere Gattamelata von Donatello, dessen Denkmal vor der Basilika des Heiligen Antonius in Padua steht. 1808 fanden im Prato erste Wagenrennen mit sogenannten Padovanelle statt, Vorfahren des modernen Sulky für Trabrennen; die Rennen wurde bis in das 20. Jahrhundert ausgetragen.

An Palmsonntag war der Prato der traditionelle Ort der Versammlung „aller freien Männer von Padua“. 1238 hielt Petrus de Vinea vor ihnen im Auftrag von Kaiser Friedrich II. eine Rede, um die Bürger im Konflikt mit dem Papst auf Friedrichs Seite zu ziehen.Giosuè Musca: Strumenti, tempi e luoghi di comunicazione nel Mezzogiorno normanno-svevo. Edizioni Dedalo, 1995, ISBN 978-88-220-4146-3, S. 127 ().

Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Maglio Carrarese (die städtische Schmiede) in der Nähe des Prato gebaut. Diese nutzte Wasser aus den nahgelegenen Kanälen. Zusammen mit Dämmen, die für den Betrieb der notwendigen Mühlen erbaut wurden, hatten diese Anlagen neuerliche Überschwemmungen des Geländes zur Folge. Obwohl der Prato daher weiterhin sumpfig und feucht war, weil das Wasser aus der Senke nicht abfließen konnte, behielt er seine Bedeutung als Marktplatz und Veranstaltungsstätte für Volksspektakel und religiöse Andachten.

Am 15. April 1532 wurde der Tiroler Revolutionär Michael Gaismair, der vor den Österreichern in die Republik Venedig geflohen und auf den ein Kopfgeld ausgesetzt war, auf dem Prato von drei Männern mit 42 Messerstichen ermordet. Die Stelle, an der er ermordet wurde, ist heute mit einer Gedenktafel markiert.

Die Neugestaltung mini|Plan des Prato im Jahre 1767, vor der Projektausführung von Andrea Memmo mini|400px|Der künftige Prato auf einem Kupferstich von Francesco Piranesi, 1786 1767 ging der Prato nach jahrhundertelangen erbitterten Auseinandersetzungen vom Besitz des Klosters in den der Stadt über, nachdem die Regierung der Republik Venedig, zu der Padua seit 1405 gehörte, dies verfügt hatte. Die Übergabe war Voraussetzung dafür, dass das sumpfige Gelände trockengelegt und befestigt werden konnte. Im selben Jahr wurde die Presidenza del Prato della Valle eingerichtet, eine Institution, in der vier namhafte paduanische Bürger saßen und die den Zweck hatte, den Prato zu verwalten und die Durchführung von Veranstaltungen zu unterstützen.Lionello Puppi: Il Prato in età moderna. In: Puppi (Hrsg.): Prato della Valle, S. 107 f.

Eigentlicher Organisator der Neugestaltung war der venezianische Politiker Andrea Memmo, der seit 1775 in Padua das Amt des Provveditore innehatte. Er beauftragte den Abt Domenico Cerato, Professor für Architektur an der Universität Padua, mit der praktischen Durchführung. Padua galt zu dieser Zeit als rückständig, etwa im Gegensatz zu Verona, das zu Beginn des Jahrhunderts durch zahlreiche neue Bauten aufgewertet worden war. Der französische Enzyklopädist Charles de Brosses schrieb damals über die Stadt, man könne sich kaum etwas „Ärmeres, Traurigeres und Verlasseneres“ vorstellen.Zaggia, Isoletta sacra al commercio ed all’arti, S. 112. Memmo wollte die verarmte Stadt baulich und dadurch wirtschaftlich beleben, sein Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Prato. Seine Pläne für den Aufschwung der Stadt wurden von dem Gelehrten Melchiorre Cesarotti unterstützt.Zaggia, Isoletta sacra al commercio ed all’arti, S. 113. Der Prato sollte ein neues Zentrum des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Padua werden und die Attraktivität der Stadt für ausländische Reisende erhöhen.Zaggia, Isoletta sacra al commercio ed all’arti, S. 116 f.

In der Mitte des Platzes wurde eine von einem Kanal umflossene ovale Insel vorgesehen, die erhöht liegen sollte. Auf der Insel sollten sich zwei von Bäumen flankierte Wege kreuzen. Über den Kanal waren zwei von Obelisken flankierte Brücken auf die Mittelinsel vorgesehen, nach Memmo später Memmia genannt. Der Verlauf der Längsachse der ellipsenförmigen Anlage war von Nordwesten nach Südosten geplant.

Die Arbeiten begannen im Sommer 1775, um erste sichtbare Ergebnisse bei der Herbstmesse von Santa Giustina vorzeigen zu können.Zaggia, Isoletta sacra al commercio ed all’arti, S. 117 f. Während seiner Aufenthalte in Padua kontrollierte Memmo den Fortschritt der Arbeiten täglich; er wohnte derweil im Palazzo Angeli am nördlichen Eingang des Prato, einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, das früher Kardinal Bessarion gehört hatte.

Mittelpunkt wurde die Insel Memmia. Sie entstand, indem die zentrale Senke des Platzes mit 10.000 Wagenladungen Erde aufgefüllt wurde. Der elliptische Kanal, der die Insel umgibt, wurde von dem Kanal Alicorna gespeist, diente aber gleichzeitig der Entwässerung. Das Wasser sollte durch zwei Mündungen abfließen, die sich unter der südlichen Brücke (Ponte dei Papi) befinden.Maurizio Berti;, L’impianto idrico-architettonico dell’isola Memmia. In: Puppi (Hrsg.): Prato della Valle, S. 107 f.