Der Wartburgkreis ist ein Landkreis in Thüringen, benannt nach der Wartburg in Eisenach. Er ist der nach Einwohnerzahl und Fläche größte Kreis des Landes. Der Kreis erstreckt sich entlang der Landesgrenze zu Hessen vom Hainich, der bei Treffurt ans Obere Eichsfeld grenzt, bis zum nördlichen Ende der Milseburger Kuppenrhön nahe Geisa. Kreisstadt ist Bad Salzungen, größte Stadt Eisenach.
Geografie Lage in Deutschland Der Wartburgkreis liegt auf dem 10. Längengrad, auf dem auch Kiel, Hamburg, Würzburg und Ulm liegen, sowie auf dem 51. Breitengrad, auf dem auch Köln, Erfurt und Dresden liegen. Nach mehreren Berechnungsvarianten liegt der Mittelpunkt Deutschlands im Wartburgkreis.
Lage in Thüringen Der Wartburgkreis liegt im Westen Thüringens. Nachbarkreise sind (von Norden im Uhrzeigersinn) Unstrut-Hainich, Gotha und Schmalkalden-Meiningen in Thüringen, Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner in Hessen. Raumordnerisch gehört der Kreis zur Planungsregion Südwestthüringen. mini|329x329px|Naturräume im Wartburgkreis (TLUG)
Naturräumliche Gliederung Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands gehört der Süden des Wartburgkreises zur Vorder- und Kuppenrhön. Nördlich von Öchsenberg, Dietrichsberg und Baier schließt sich das Salzunger Werrabergland an. An dessen nordöstliche Erhebungen Böller, Stoffelskuppe, Milmesberg, Eichkopf und Aschenberg grenzt der Thüringer Wald, dessen östlichste Erhebungen im Wartburgkreis der Große Weißenberg, der Gerberstein und der Große Wartberg sind. Es schließt sich das Westthüringer Berg- und Hügelland an, mit den Hörselbergen an der östlichen Grenze des Wartburgkreises. Der Norden des Kreises gehört zu Ringgau und Hainich.
Nach dem TLUG (TLUBN) werden die Naturräume Thüringens etwas abweichend vom Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands eingeteilt. Im Süden und der Mitte des Wartburgkreises gibt es mit der Einteilung Vorderrhön (inklusive Pleß und Stopfelskuppe), Bad Salzunger Buntsandsteinland und Thüringer Wald mit Zechsteingürtel kaum Abweichungen. Auch nördlich davon herrscht mit Waltershäuser Vorbergen und dem südwestlichen Zipfel des Innerthüringer Ackerhügellandes sowie Werrabergland-Hörselberge und Hainich grobe Übereinstimmung.
Größtes Fließgewässer im Kreisgebiet ist die Werra, größte Nebenflüsse hier im Mittellauf von links die Felda und die Ulster. Im Unterlauf nimmt sie von rechts die Suhl, die Elte und ihren größten Nebenfluss, die Hörsel auf.
Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 48 ausgewiesene Naturschutzgebiete, 63 Flächennaturdenkmale sowie 80 Naturdenkmale. Darüber hinaus sind ca. 10.000 besonders geschützte Biotope im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes mit einer Fläche von ca. 6.650 ha kartiert.Wartburgkreis: Schutzgebiete und Schutzobjekte, abgerufen am 9. November 2022.
Der Wartburgkreis liegt anteilig im Nationalpark Hainich (3.074 ha, 2,3 % der Gesamtfläche), im Biosphärenreservat Rhön (27.382 ha, 21,0 %), im Landschaftsschutzgebiet Thüringische Rhön (31.515 ha, 24,2 %), im Landschaftsschutzgebiet Thüringer Wald (11.900 ha, 9,1 %), im Naturpark Thüringer Wald sowie im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal.
Berge und Erhebungen mini|Der Baier mini|Der Heldrastein Die Geländehöhen im Wartburgkreis betragen zwischen 169 m im Werratal unterhalb Großburschla und 746,5 m auf dem Großen Weißenberg.Die folgende, auf das Kreisgebiet reduzierte Übersicht basiert auf der Liste von Bergen und Erhebungen in Thüringen.
Rhön Sachsenburg (720,9 m), Auersberger Kuppenrhön Baier (713,9 m), Auersberger Kuppenrhön Roßberg (Schleid) (693,6 m), Auersberger Kuppenrhön Gläserberg (670 m), Auersberger Kuppenrhön Dietrichsberg (668,9 m), Auersberger Kuppenrhön Pleß (645,4 m), Vordere RhönGipfelbereich liegt vollständig im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Rößberg (Ketten) (639,4 m), Soisberger Kuppenrhön Öchsenberg (627,2 m), Auersberger Kuppenrhön Rockenstuhl (529 m), Soisberger Kuppenrhön
Salzunger Werrabergland Kuppe (493,3 m) Milmesberg (461,2 m) Lehnberg (447,9 m) Thüringer Wald Großer Weißenberg (746,5 m) (am Rennsteig, Beginn des Breitunger Rennsteigs und Grenzpunkt zu den Landkreisen Gotha und Schmalkalden-Meiningen) Rennwegskopf (729,6 m) (über den der Breitunger Rennsteig und die Grenze zum Landkreis Schmalkalden-Meiningen verläuft) Gerberstein (728,5 m) (nördlich des Rennsteigs südöstlich von Ruhla) Birkenheide (717,3 m) (südlich des Rennsteigs südwestlich von Ruhla) Glöckner (702,5 m) (am Rennsteig südlich von Ruhla) Breitenberg (697,3 m) (nördlich von Ruhla) Kahle Koppe (692,0 m) (östlich von Ruhla, über die die Weinstraße und Grenze zu Gotha verläuft) Bommelhauck (684,7 m) Schnepfenberg (677,4 m) Kissel (648,8 m) Höllkopf (646,0 m) Todter Mann oder Todtemann (582,2 m) (am Rennsteig, nordwestlich von Ruhla, höchster Berg des Nordwestlichen Thüringer Waldes)
Westthüringer Berg- und Hügelland Großer Hörselberg (484,2 m) Reizenberg (482,0 m) Kambühl (453,6 m) Kleiner Hörselberg (436,1 m) Hohleite (385,8 m) Mihlberg (379,0 m) Karlskuppe (377,1 m) Petersberg (344,2 m)
Hainich und Ringgau Heldrastein (503 m) Alter Berg (493,9 m) Stöckigtsberg (450,2 m) Lindenhecke (447 m) Rittergasserberg (440,3 m) Wartenberg (429,9 m) Harsberg (409,7 m) Goldberg (379,8 m) Adolfsburg (378,7 m)
Gewässer Zum Kreisgebiet gehören 1326 Hektar Wasserflächen.Der Wartburgkreis: Zahlen-Daten-Fakten 2010. Herausgegeben vom Landratsamt Wartburgkreis.
Fließgewässer mini|Die Werra bei Creuzburg mini|Die Ulster in Geisa mini|Die Nesse in Wenigenlupnitz Über die Werra wird das gesamte anfallende Oberflächenwasser zur Weser und Nordsee abgeführt. Das gesamte Kreisgebiet ist somit nach dem Wasserhaushaltsgesetz der Flussgebietseinheit Weser zugeordnet.Anlage 2 des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushalts in der Fassung der Bekanntmachung vom 31. Juli 2009 ()
Der Wartburgkreis besitzt den größten Anteil am Mittellauf der Werra. Bedingt durch historische Grenzziehungen seit dem Mittelalter bildet die Werra im Abschnitt zwischen Vacha und Großburschla mehrfach die Landesgrenze zwischen Hessen und Thüringen.
Nachfolgend sind die wichtigsten Flüsse im Kreisgebiet aufgelistet. Nach Thüringer Wassergesetz sind Werra, Hörsel, Nesse und Ulster Gewässer erster, alle anderen Flüsse sind Gewässer zweiter Ordnung:
Flüsse imWartburgkreis Gesamtlängein km davon im Kreisgebiet Werra 299,6 Elte 22,5 22,5 Emse 14 Erbstrom 13,5 13,5 Felda 42,2 Grumbach 12 12 Hörsel 48,5 Ifta 5,5 5,5 Lauterbach 14,0 14,0 Lempertsbach 9,5 7,5 Madel 10 10 Nesse 52,6 Oechse 16 16 Pfitzbach 12,3 12,3 Rohrgraben 7 7 Schnellmannshäuser Bach 7,2 7,2 Schweina 12,5 12,5 Suhl 22,3 22,3 Ulster 57,2
Stehende Gewässer mini|Die Bernshäuser Kutte mini|Schloss Wilhelmsthal mit See Der Wartburgkreis verfügt nur über wenige natürliche Standgewässer, welche überwiegend als Erdfallseen entstanden sind. Hierzu gehören der Burgsee, der Buchensee und der Erlensee in bzw. bei Bad Salzungen, der Hautsee und der Albertsee nahe Dönges, der Frauensee, die Bernshäuser Kutte und der Schönsee bei Urnshausen sowie das Forstloch bei Immelborn.
Als Badegewässer sind der Schönsee sowie die Kiesseen I und II der Kiesgrube Immelborn ausgewiesen., Amtsblatt des Wartburgkreises – 26. Februar 2013 – Ausgabe 04/13, S. 8.
Bereits im Mittelalter begann man mit der Anlage von Fischteichen, die meist im Umfeld von Klöstern entstanden. Als Folge der Kiesgewinnung im Werratal wurden bei Treffurt, Mihla, Gerstungen, Dankmarshausen, Vacha, Immelborn und Barchfeld Kiesgrubengewässer geschaffen.
Eine Besonderheit ist der Wilhelmsthaler See, er wurde im Flusslauf der Elte zur Ergänzung der Parkanlage von Schloss Wilhelmsthal als Stausee angelegt und diente ursprünglich als Gondelteich. Um 1715 erbaut, gilt er als älteste Talsperre Thüringens.Heiko Kleinschmidt: Das Neue Schloss in Wilhelmthal zeigt sich ganz in Weiß. Thüringer Allgemeine / Eisenacher Allgemeine, 9. Dezember 2015. Weitere Stauseen, zumeist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Bewässerungsspeicher angelegt, befinden sich bei Ettenhausen/Suhl, Großenlupnitz, Burkhardtroda und Bairoda. Ein industriebedingter Wasserspeicher wurde im Fuchsgrund bei Thal angelegt.
Durch Flussbegradigungen entstandene Altarme der Werra sind noch bei Tiefenort, Gerstungen, Pferdsdorf-Spichra und Treffurt vorhanden.
Moore Durch Auslaugungs- und Senkungsvorgänge bildeten sich nördlich von Bad Salzungen und bei Dankmarshausen ausgedehnte Moor- und Feuchtgebiete, bekannt als Moorgrund und Rhäden (mit dem Naturschutzgebiet Dankmarshäuser Rhäden). Diese wurden durch Melioration im 19. Jahrhundert größtenteils in Grünland umgestaltet. Die in den Hochlagen der Rhön vorhandenen Hochmoore genießen besonderen Schutz. alternativtext=Sachsen-Eisenach|mini|300x300px|Fürstentum Eisenach (um 1720)
Geschichte alternativtext=Sachsen-Eisenach, seit 1850 mit den Verwaltungsbezirken III (Eisenach) und IV (Dermbach)|mini|433x433px|Sachsen-Eisenach, seit 1850 mit den Verwaltungsbezirken III (Eisenach) und IV (Dermbach)alternativtext=Staatsgebiete, die bis 1920 auf dem heutigen (2024) Gebiet des Wartburgkreises existierten|mini|317x317px|Staatsgebiete, die bis 1920 auf dem heutigen (2024) Gebiet des Wartburgkreises existierten Die historische territoriale Basis des Wartburgkreises ist das 1596 gebildete Fürstentum Sachsen-Eisenach, zu dem im 18. Jh. die Ämter Eisenach, Creuzburg, Gerstungen, Hausbreitenbach, Tiefenort sowie Kaltennordheim gehörten. 1809 fand die Realunion mit Sachsen-Weimar statt. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Sachsen-Weimar-Eisenach zum Großherzogtum erhoben und dessen Gebiet die östlichen Teile des Gerichts Heringen im Amt Friedewald (Dippach, Vitzeroda, Abteroda, Gasteroda), das Amt Frauensee, die östlichen Teile der Vogtei Kreuzberg (Oberzella, Badelachen), das Amt Vacha, das Gericht Völkershausen, die Herrschaft Lengsfeld sowie die Ämter Geisa und Fischberg/Dermbach zugeschlagen. Diese Gebiete wurden später zusammen mit den Ämtern Tiefenort und Kaltennordheim als Eisenacher Oberland bezeichnet.
1918 wurde aus dem Großherzogtum ein Freistaat, der am 1. Mai 1920 im Land Thüringen aufgingGemeinschaftsvertrag über den Zusammenschluß der thüringischen Einzelstaaten. (beschlossen am 11. Dezember 1919). 1922 fand eine umfassende Kreisreform statt: der Landkreis Eisenach bekam vom gothaischen Landratsamt Waltershausen dessen Anteil an der Stadt Ruhla sowie die Gemeinden Deubach, Ebenshausen, Ettenhausen an der Nesse, Frankenroda, Hallungen, Hastrungsfeld, Kahlenberg, Kälberfeld, Lauterbach, Nazza, Neukirchen, Sättelstädt, Schönau an der Hörsel, Sondra und Thal sowie vom Landkreis Meiningen die Gemeinden Bernshausen, Dietlas, Kaltenlengsfeld und Oberellen der Landkreis Meiningen bekam vom Landkreis Eisenach die Stadt Ostheim vor der Rhön sowie die Gemeinden Birx, Frankenheim/Rhön, Helmershausen, Melpers, Sondheim vor der Rhön, Stetten, Urspringen, Wohlmuthausen und Zillbach Eisenach wurde kreisfreie Stadt und Sitz des Landkreises.
1945 wurden dem Land Thüringen die Gebiete des früheren preußischen Regierungsbezirkes Erfurt mitsamt dem Landkreis Herrschaft Schmalkalden angegliedert; letzter war erst am 1. Juli 1944 aus der preußischen Provinz Hessen-Nassau aus- und in den Regierungsbezirk Erfurt eingegliedert worden.Landkreis Herrschaft Schmalkalden, Kurzdarstellung der Geschichte des Landkreises 1867–1945, territorial.de 1950 wurde aus Teilen des Eisenacher Oberlandes sowie des Landkreises Meiningen (ehemals Herzogtum Sachsen-Meiningen) der Landkreis Bad Salzungen gebildet und die Stadt Treffurt, die Orte Falken, Großburschla und Kleintöpfer wechselten vom Landkreis Mühlhausen zum Landkreis Eisenach. Durch die Kreisreform in der DDR 1952 entstanden dann die neuen Kreise Bad Salzungen und Eisenach. Das Gebiet um Behringen kam zum Kreis Langensalza.