Der Meisendickkopf (Falcunculus frontatus) ist eine Singvogelart, die in Australien endemisch ist. Er wird in eine eigene, monogenerische Familie Falcunculidae gestellt.

Merkmale Der Meisendickkopf erreicht eine Körperlänge von 15 bis 19 Zentimeter. Er hat ein grünlichgelbes Gefieder. Der Bauch ist gelb. Der dicke Kopf ist schwarz mit mehreren großen weißen Flecken um den Bereich der Augen versehen. Der kräftige, hakenförmige Schnabel ohne Borsten ist schwarz und die Beine sind grau. Der Rücken ist grün und die Flügel und der Schwanz sind schwarz. Der Unterschied zwischen Männchen und Weibchen ist die Färbung der Kehle, die beim Männchen olivgrün und beim Weibchen schwarz ist. Sie sehen der europäischen Kohlmeise sehr ähnlich. Es werden mehrere Unterarten unterschieden, die sich nur ein wenig in der Färbung des Gefieders voneinander unterscheiden.

Lebensraum Der Meisendickkopf kommt in Regenwäldern, offenen Waldgebieten, Grasland mit Eukalyptushainen vor. Auch in den Gärten menschlicher Siedlungen ist er anzutreffen.

Lebensweise Der Meisendickkopf hackt mit seinem Hakenschnabel die Rinde von Bäumen auf, um an darunterliegende Insekten und deren Larven zu kommen. Der melodische Gesang enthält pfeifenartige oder glockenartige Töne.

Fortpflanzung In der Fortpflanzungszeit kommen diese Vögel in kleinen Gruppen zusammen. Das Nest, welches in Kronen höherer Bäume angelegt wird, besteht aus kleineren Rindenstücken, die mit Hilfe von Spinnenseide zusammengehalten werden. Das Weibchen legt 2 oder 3 Eier. Nach 20 Tagen schlüpfen die Jungen. Nicht brütende Artgenossen helfen bei der Aufzucht der Jungen mit. Nach ca. 2 Wochen verlassen die Jungen das Nest.

Systematik Die Art wurde traditionell einer weitgefassten Familie Pachycephalidae zugeschlagen. Aufgrund der Morphologie und Lebensweise wurde oft eine engere Verwandtschaft mit dem auf Neuguinea endemischen Lappenpflugschnabel (Eulacestoma nigropectus) vermutet, mit der er, etwa von Ernst Mayr, in einer Unterfamilie vereinigt wurde (nachdem er in der Encyclopédie d'histoire naturelle im 19. Jahrhundert schon einmal in eine eigene Familie gestellt worden war). Phylogenomische Untersuchungen, bei denen die Verwandtschaft anhand des Vergleichs homologer DNA-Sequenzen ermittelt wird, haben aber ergeben, dass eine so abgegrenzte Familie Pachycephalidae keine monophyletische Einheit ist und daher aufgegeben werden muss. Spätere Untersuchungen erwiesen dann, dass auch eine nähere Verwandtschaft zu Eulacestoma nicht besteht.Richard Schodde & Les Christidis (2014): Relicts from Tertiary Australasia: undescribed families and subfamilies of songbirds (Passeriformes) and their zoogeographic signal. Zootaxa 3786 (5): 501–522. doi:10.11646/zootaxa.3786.5.1 Seit etwa 2003 hat es sich daher eingebürgert, den Meisendickkopf in eine monotypische Familie Falcunculidae zu stellen. Das Schwestergruppen-Verhältnis ist dabei noch ungeklärt und zwischen verschiedenen Analysen nicht stabil.Janette A. Norman, Per G.P. Ericson, Knud A. Jønsson, Jon Fjeldså, Les Christidis (2009): A multi-gene phylogeny reveals novel relationships for aberrant genera of Australo-Papuan core Corvoidea and polyphyly of the Pachycephalidae and Psophodidae (Aves: Passeriformes). Molecular Phylogenetics and Evolution 52: 488–497. doi:10.1016/j.ympev.2009.03.019Knud Andreas Jønsson, Pierre-Henri Fabre, Jonathan D. Kennedy, Ben G. Holt, Michael K. Borregaard, Carsten Rahbek, Jon Fjeldså (2016): A supermatrix phylogeny of corvoid passerine birds (Aves: Corvides). Molecular Phylogenetics and Evolution 94: 87–94. doi:10.1016/j.ympev.2015.08.020

Unterarten Es sind drei Unterarten bekannt:World Bird List Whiteheads, sittellas, Ploughbill, Australo-Papuan bellbirds, whistlers, die von anderen Autoren auch als eigenständige Arten angesehen werdenLes Christidis, Walter Boles: Systematics and Taxonomy of Australian Birds. Csiro Publishing, 2008, ISBN 978-0-643-06511-6, S. 193–194., dieser Auffassung wird bei HBW alive gefolgt.

Falcunculus frontatus frontatus (, 1801)John Latham, S. XVIII. kommt im Südosten Australiens vor. Sie gilt als ungefährdet. Falcunculus frontatus whitei , 1910Archibald James Campbell, S. 167. kommt im nordwestlichen und nördlichen Australien vor. Sie wird von der IUCN als Art anerkannt und gilt als ungefährdet., wird aber vom australischen Umweltministerium als „gefährdet“Falcunculus frontatus whitei. SPRAT Species Profile and Threats Database und im Action Plan for Australian Birds 2000 sogar als gefährdet (Endangered)Crested Shrike-tit (northern), Crested Shrike-tit (western), Recovery Outline. in Stephen T. Garnett 6 Gabriel M. Crowley: The Action Plan for Australian Birds 2000. Environment Australia, 2000, ISBN 0-642-54683-5. download eingeschätzt. Falcunculus frontatus leucogaster , 1838John Gould, Appendix S. 2. ist im Südwesten Australiens verbreitet. Die IUCN listet dieses Taxon als Art in der Kategorie „nicht gefährdet“. Im Action Plan for Australian Birds 2000 gilt sie als „near threatened“.

Literatur Philip Whitfield: Das große Weltreich der Tiere. Planet Media AG, Zug 1992, ISBN 3-8247-8614-1, S. 228, 229. Ursula Kopp: Neues großes Tierlexikon in Farbe. Compact Verlag München, 2000, ISBN 3-8174-5080-X, S. 251 (Sonderausgabe). Christopher M. Perrins: Die große Enzyklopädie der Vögel. Orbis Verlag, 1996, ISBN 3-572-00810-7, S. 298, 300 (deut. Übersetzung aus dem Englischen) David Burnie (Hrsg.), Mariele Radmacher-Martens: Tiere: Die große Bild-Enzyklopädie mit über 2.000 Arten. Aus dem Englischen von Gabriele Lehari. Dorling Kindersley, München 2012, ISBN 978-3-8310-2232-8, S. 351. Christopher M. Perrins (Hrsg.): Die BLV-Enzyklopädie Vögel der Welt. Aus dem Englischen von Einhard Bezzel. BLV, München/Wien/Zürich 2004, ISBN 978-3-405-16682-3, S. 477 (Titel der englischen Originalausgabe: The New Encyclopedia Of Birds. Oxford University Press, Oxford 2003).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Sperlingsvögel Kategorie:Endemisches Tier Australiens