miniatur|rechts|300px|Lage des Südbahnhofs im Eisenbahnnetz von Wien mini|300px|An der Stelle des Aufnahmsgebäudes am Wiedner Gürtel errichtete die Erste Bank von 2012 bis 2016 eine neue Unternehmenszentrale Der Südbahnhof im 10. Bezirk von Wien, Favoriten, war bis 12. Dezember 2009Sperre des Südbahnhofes – Was ändert sich ab 13. Dezember 2009 (?) auf hauptbahnhof-wien.at der größte Bahnhof Österreichs, ehe Aufnahmsgebäude, Rangiergleise und der weitläufige Frachtenbahnhof im darauffolgenden Jahr abgerissen wurden. Auf dem Areal entstanden der erste Hauptbahnhof in der Geschichte der Stadt sowie zwei neue Stadtteile, die erst teilweise fertiggestellt sind. Als einziger Betriebsteil des Südbahnhofs blieb nur die unterirdische Haltestelle der S-Bahn erhalten. Seit 9. Dezember 2012 heißt diese nun Haltestelle Wien Quartier Belvedere.

Auf dem Areal befanden sich bis 1956 zwei Bahnhöfe: der 1841 eröffnete Gloggnitzer Bahnhof, der als „erster Südbahnhof“ bezeichnet wird, und der 1845 in dessen unmittelbarer Nachbarschaft eröffnete Raaber Bahnhof, Ausgangspunkt der Ostbahn. Diese später Wien Ostbahnhof genannte Anlage war wie der Südbahnhof ein Kopfbahnhof. 1957 verlor er sein separates Aufnahmsgebäude und wurde zum Südbahnhof (Ostseite). auf der Seite Sperre des Südbahnhofs der Stadt Wien (wien.gv.at)

Der neue Hauptbahnhof ersetzt im Vollbetrieb die beiden ehemaligen Kopfbahnhöfe vollständig. Am 8. Dezember 2012 wurde der Name Wien Südbahnhof im Bahnbetrieb zum letzten Mal verwendet. https://www.wien.gv.at/verkehr-stadtentwicklung

Verkehrsfunktionen Der Bahnhof bestand zuletzt aus dem eigentlichen Südbahnhof für die Züge der Südbahn (mit der berühmten Semmeringbahn), aus dem so genannten Südbahnhof (Ostseite) für die Züge der Ostbahn, der Haltestelle Südbahnhof, einer S-Bahn-Station in Tieflage (Wien Südbahnhof (S-Bahn)) und dem Frachtenbahnhof Südbahnhof, dessen Absiedlung schon lange vor 2009 begonnen hatte.

Der Bahnhof entstand durch die Vereinigung des ursprünglichen Südbahnhofs und des vormaligen Ostbahnhofs und war daher in zwei Teile gegliedert: Die Südseite für die Südbahn und die Ostseite für die Strecken nach Laa an der Thaya (nördliche Linie bzw. Laaer Ostbahn), nach Bratislava über Marchegg (östliche Linie bzw. Marchegger Ostbahn) und nach Budapest bzw. Bratislava über Bruck an der Leitha (Hauptstrecke). Seit 1945 (Stilllegung des Nordbahnhofs) fuhren auch die Fernzüge der Nordbahn in Richtung Brünn über Hohenau an der March von der Ostseite des Südbahnhofs ab.

Im Detail: Bis 12. Dezember 2009 begannen und endeten auf der Südbahnseite Fernverkehrszüge nach/von Villach und Graz bzw. Italien, Slowenien, Kroatien und Ungarn sowie Nahverkehrszüge nach/von dem südlichen Niederösterreich, dem Burgenland und Ungarn. Die Ostseite wurde bis 8. Dezember 2012 von Zügen aus Polen, Deutschland über Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Regionalzügen aus dem östlichen Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland angefahren (inkl. S7, S8, S60, S80). Im Tiefgeschoß hielten und halten die Regionalzüge nach Bernhardsthal, Břeclav, Laa an der Thaya, Retz, Znaim, Krems an der Donau, Wien Westbahnhof, Wiener Neustadt und Payerbach-Reichenau sowie die S-Bahn-Züge der Stammstrecke in Richtung Wien Floridsdorf bzw. Wien Meidling. Der Südbahnhof verfügte auch über eine FahrzeugverladestelleTerminalbeschreibung ÖBB Autoreisezug Autoverladestelle Wien Südbahnhof (PDF-Datei) für Autoreisezüge.

Anlagedetails Der Südbahnhof befand sich in geringer Entfernung südlich des Stadtzentrums von Wien, unweit des Belvederes, des Schweizergartens, des einstigen Museums des 20. Jahrhunderts und des Arsenals. Der Wiedner Gürtel begrenzte das Bahnhofsareal zum 4. Bezirk, die Gleise der Ostseite und die Arsenalstraße begrenzten das Bahnhofsareal zum 3. Bezirk, Gudrunstraße und Sonnwendgasse im 10. Bezirk begrenzten den großen Frachtenbahnhof mit Ladegleisen und Lagerhallen, in dem zahlreiche (Transport-)Unternehmen Betriebsstätten unterhielten.

Der Haupteingang öffnete sich von Norden vom Wiedner Gürtel mit den Haltestellen der Straßenbahnlinien O und 18 zur Bahnhofshalle. Ein Ausgang führte von den Bahnsteigen unter Vermeidung der Halle ostwärts zur Endstation der Straßenbahnlinie D, den Autobuslinien 13A und 69A, zu einem Taxistandplatz und einem Pkw-Parkplatz. Der Hallenein- und -ausgang westseitig führte zu einem weiteren Taxistandplatz, einem später mit einer Hochgarage überbauten Pkw-Parkplatz und zum Bahnhofspostamt 1103 Wien. Etwas weiter westwärts befanden sich die Einfahrt zum Postzentrum Wien und der Autobusbahnhof Südtiroler Platz.

In der Bahnhofshalle gab es vergleichsweise wenige Flächen für den Kleinhandel (Buchhandlung, Fast-Food-Restaurant, Reisebüro und dergleichen), deshalb wurden in späteren Jahren zusätzlich kleine Verkaufsstände und Containerbuden in die Halle gestellt.

An der westlichen Längsseite der Halle waren die Kassen. Von dort führte der Weg des Reisenden ursprünglich über eine Stiege mit RolltreppeBei Einbau am 12. Juni 1956 war diese Rolltreppe mit 16,5 Metern die längste Österreichs. – Siehe: auf die im ersten Stock liegende Abfahrtsebene der Ostbahn (mit dem Eingang zum Bahnhofsrestaurant), von dort rechtwinkelig nach rechts über eine weitere Stiege mit Rolltreppe auf die im zweiten Stock liegende Abfahrtsebene der Südbahn. Eine Zwischenhalle (Stehbuffets, Café, Zeitungsgeschäft) durchquerend gelangte man auf die mit einfachen Stahlträgerdächern überspannten Kopfbahnsteige der Südbahn (neun Gleise). Die ursprünglich schmalen Rolltreppen wurden Ende der 1970er Jahre durch breitere ersetzt.

Ein weiterer Weg zur Südbahn führte vom östlichen Seiteneingang an der Arsenalstraße über eine steile Stiege (Seitenabzweigung links zur Ostbahn) auf einen brückenartigen Übergang, von dem man die ganze Kassenhalle überblicken konnte und der direkt in die Zwischenhalle vor den Südbahnbahnsteigen mündete.

Im Jahr 1986 war man bestrebt, die Distanzen in diesem „Bahnhof der langen Wege“ bequemer zu machen, und baute eine Fahrsteiganlage ein. Zwei Fahrsteige führten zu einer vor dem erwähnten Übergang in die Halle gesetzten Verteilerebene, zwei weitere Fahrsteige wurden quer über die Halle zu einem nachträglich eingefügten Mauerdurchbruch gespannt, der Zugang zur erwähnten Zwischenhalle bot. Am westlichen Ende der Bahnsteige der Südbahn wurde ein zusätzlicher Ausgang (Unterführung und Stiegen, keine Kassen, nur Fahrscheinautomaten) zum Busbahnhof Südtiroler Platz geschaffen, von wo nach etwa hundert Meter Fußweg die U-Bahn-Station Südtiroler Platz zu erreichen war. Am Wiedner Gürtel, etwa dort, wo früher die Seitenfassade des ersten Südbahnhofs stand, ließ der dortige Verwaltungs- und Sozialtrakt noch den alten Grundriss erkennen.

Für die Schnellbahn wurde ab 1956 eine neue unterirdische Bahntrasse durch den Schweizergarten, dann den Wiedner Gürtel entlang, bis zum Südtiroler Platz gebaut. Südwestlich dieses Platzes mündet der „Schnellbahntunnel“ neben dem stillgelegten Steudeltunnel in die seit zirka 1870 befahrene Trasse. Die Schnellbahnhaltestelle Südbahnhof wurde gemeinsam mit der Stammstrecke der S-Bahn Wien (Floridsdorf–Wien Meidling) am 17. Jänner 1962 eröffnet. Sie liegt unter der Südseite der Kreuzung Gürtel / Arsenalstraße bzw. unter der Parkanlage des Schweizergartens. Die bis 12. Dezember 2009 benützten Aufgänge (Stiegen und Rolltreppe) verliefen schräg beziehungsweise gewunden, da sie zu einer neben der Schnellbahntrasse liegenden unterirdischen Halle (zu Beginn waren hier auch Kassen untergebracht) führten. Von dieser wiederum führten Stiegen und Rolltreppen in die große Kassenhalle des Südbahnhofs und zur Ecke Gürtel / Arsenalstraße.

Geschichte 1841–2015 1841/1845: Gloggnitzer Bahnhof → siehe: Wien Gloggnitzer Bahnhofminiatur|hochkant=1.8|Ansicht der Wien-Gloggnitzer Bahnhöfe

Die ersten Bahnhöfe auf diesem Areal waren der Gloggnitzer Bahnhof (Ausgangspunkt der Südbahn, auch 1. Südbahnhof genannt, eröffnet 1841) und der Raaber Bahnhof (Ausgangspunkt der Ostbahn, eröffnet 1845), die unter Matthias Schönerer in klassizistischem Stil erbaut wurden und symmetrisch angeordnet waren. Dabei nutzten beide Bahnhöfe die sie miteinander verbindenden Depots, Remisen und Werkstätten.

Nach der Übernahme durch die Südbahn-Gesellschaft bürgerte sich der Name Südbahnhof ein.

1874: 2. Südbahnhof

mini|Originalplan des Querschnittes des Bahnhofes mini|Bahnhofshalle um 1870 mini|Wiener Südbahnhof, ca. 1875 mini|Kassenhalle des Südbahnhofes, 1900 mini|Abfahrt des Wien-Nizza-Cannes-Express vom Südbahnhof (1928)

In der Hochkonjunktur der Gründerzeit (1859–1873) beschloss die Südbahn, anstelle des Gloggnitzer Bahnhofs einen neuen, größeren und vor allem repräsentativeren Kopfbahnhof, den „Süd-Bahnhof“, zu schaffen. Die Planung wurde dem Chefarchitekten der Südbahn, dem Württemberger Wilhelm von Flattich, übertragen. 1874 war der Bau vollendet, nicht rechtzeitig zur Weltausstellung 1873 in Wien.

Das neue Gebäude wurde mit Seitentrakten rund dreimal so breit wie das alte, die Halle erreichte nun eine Spannweite von 35,7 m, die zweitgrößte in Wien, was für fünf, später sechs Gleise mit relativ schmalen Seiten- und Zungenbahnsteigen ausreichte. Vor dem Hallenportal lag später südseitig noch ein kurzes siebentes Gleis für Nahverkehrszüge (eigentlich lagen dort vier Gleise, nur eines hatte aber ein eigenes Ausfahrsignal und scheint regelmäßig von Zügen benutzt worden zu sein). Die Kürze der Bahnsteiggleise muss sich in späteren Jahren deutlich nachteilig bemerkbar gemacht haben. Das Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance ausgeführt und war im Vergleich zum Nordbahnhof weniger verspielt und auf klarere Linien ausgerichtet.

Der zweite Südbahnhof war insgesamt, was technische Funktionalität und architektonische Gestaltung betrifft, eines der wertvollsten Stücke österreichischer Eisenbahnarchitektur der Gründerzeit. Man betrat ihn wie den alten Gloggnitzer Bahnhof vom Vorplatz („Ghega-Platz“), der sich an Stelle der Kassenhalle des dritten Südbahnhofs befand. An eine fünf großzügige Fensterachsen breite Kassenhalle, die durch Oberlichte im Dach Licht erhielt, schloss eine prunkvolle Stiege an, die sich auf halber Höhe teilte. Über sie gelangte man in die Bahnsteighalle und zu zahlreichen Nebenräumen (z. B. Restaurant südseitig, Hofwarteräume nordseitig).

Da die Züge der Südbahn bis 2012 links fuhren, demnach vorzugsweise am nördlichen Seitenbahnsteig ankamen, führte von diesem eine weitere Stiege an die Seitenfront, wo zwischen zwei dreiachsigen Seitenpavillons ein Glasdach den Gehsteig überspannte und bequeme Gelegenheit bot, in wartende Fiaker und Einspänner umzusteigen. Diese Pavillons waren von steinernen Markuslöwen gekrönt, von denen zwei (einer in Laxenburg, einer in der Kassenhalle des Hauptbahnhofs) erhalten geblieben sind. An der Seitenfront befanden sich später auch die Haltestellen der Straßenbahn; eine Umkehrschleife lag im Bereich des heutigen Busbahnhofs Südtiroler Platz, die Gegenschleife umrundete den Ghegaplatz. Dort endete auch die zwischen 1925 und 1945 existierende kombinierte Straßen- und Stadtbahnlinie 18G, die eine Direktverbindung zum Bahnhof Heiligenstadt bot. An der Hinterseite von Südbahnhof und Ostbahnhof befanden sich, diagonal zwischen beiden gebaut, an der noch nach 1970 auf dem Stadtplan aufscheinenden Südostbahnstraße diverse Nebengebäude, zuletzt ein Post- und ein Zollamt.