Die Sachsenerz Bergwerks AG war ein deutsches Bergbau-Unternehmen, das als Zusammenschluss mehrerer landeseigener Erzbergbaubetriebe in Sachsen entstand.
Gründung Am 21. Februar 1944 wies Friedrich Wernicke in einem Vortrag auf die unhaltbaren Zustände im sächsischen Erzbergbau hin und schlug die Fusion der sechs landeseigenen Bergbaubetriebe vor. Diese Bergbaugesellschaften leisteten sich sechs Vorstände und sechs Aufsichtsräte, die in keinem Verhältnis zur Größe der Unternehmen standen. Weiterhin könnten durch eine Fusion Gewinnsteuern eingespart werden, da einige Betriebe Erze im Prämienverfahren liefern und diese steuerlich nicht berücksichtigt wurden. Der höhere Gewinn kam dem Amt für Bodenforschung zugute, das vertraglich am Reingewinn der Betriebe beteiligt war. Einer der Hauptgründe für die Schaffung einer einheitlichen Gesellschaft war aber das Auftreten im europäischen Raum zur Vergrößerung und Sicherung einer eigenen Rohstoffbasis.
Diesem Fusionsvorschlag stimmte Martin Mutschmann, der Reichsstatthalter für Sachsen, zu.
In den Verschmelzungsverträgen wurden das Kapital der Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH und die Kuxe der beteiligten Bergwerks-Gewerkschaften in Aktien der Zwitterstocks AG überführt. Zu diesem Zweck war eine Kapitalerhöhung bei der Zwitterstocks AG um die eingebrachten 6.250.000 Reichsmark (RM) erforderlich.
Bergwerksgesellschaft eingebrachtes Kapital in RM Kuxe je Aktie zu 1000 RM Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH 2.790.000 Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau in Zinnwald 1.485.000 4,0405 Gewerkschaft Halsbrücker Bergbau in Halsbrücke 1.200.000 3,3334 Gewerkschaft Schneeberger Bergbau in Schneeberg 725.000 3,10346 Gewerkschaft Vereinigt Feld im Fastenberge in Johanngeorgenstadt 50.000 16,618 Zwitterstocks AG in Altenberg 1.500.00
Die vier Bergwerks-Gewerkschaften unterschrieben die Verschmelzungsverträge am 15. September 1944, die Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH am 22. September 1944. mini|Aktie über 100 RM der Zwitterstocks-AG vom April 1939 Die Zwitterstocks AG mit Sitz in Altenberg beantragte am 16. August die Satzungsänderung und Kapitalerhöhung bei Martin Mutschmann. Dieser genehmigte diesen Vorgang am 26. August 1944. In der Hauptversammlung der Zwitterstocks AG am 22. September 1944 wurde dem Beschluss zur Verschmelzung der sechs Betriebe sowie dem Beschluss zur Kapitalerhöhung zugestimmt. Die Gesellschaft wurde in Sachsenerz Bergwerks AG umbenannt und der Sitz von Altenberg nach Freiberg verlegt. Der Verschmelzungsvertrag trat rückwirkend zum 1. April 1944 in Kraft. Die Eintragung der neuen Gesellschaft in das Handelsregister unter der Nr. HRB 36 erfolgte am 28. November 1944.
Aufsichtsratsvorsitzender: Berghauptmann Friedrich Wernicke, Freiberg
Vorstand:
-Bergdirektor Hans Junker, Freiberg
-Bergdirektor Otto Eisentraut, Altenberg
kaufmännischer Direktor:
-E. Brockhaus, Freiberg
Prokura:
-E. Brockhaus, Freiberg
-Hüttendirektor Kurt Peukert, Freiberg
-Betriebsdirektor Alois Musil, Altenberg
-Direktor Josef Sacher, Altenberg
Aufsichtsrat
-Oberbergrat Werner Hentrich, Berlin
-Hüttendirektor Gerhard Bruns, Freital
-Oberbürgermeister Werner Hartenstein, Freiberg
-Oberregierungsrat Max Müller, Freiberg
-Walland, Freiberg
Das Gesamtunternehmen untergliederte sich wie folgt.
Betriebsdirektion Betrieb Freiberg Himmelfahrt Fundgrube Halsbrücke Ehrenfriedersdorf Ehrenfriedersdorf Zschorlau Breitenbrunn Tannenberg Altenberg Sadisdorf Zwitterstock Zinnwald Graupen Schwarzwasseraufbereitung Schneeberg Schneeberg Martin Römer Schönficht Frühbuß Johanngeorgenstadt Johanngeorgenstadt Antonsthal Neubulach Zinnhütte Freiberg
Bergdirektor Hans Junker unterstanden die Betriebsabteilungen Freiberg, Ehrenfriedersdorf, Neubulach und die Betreuung des Bergwerks am Schneeberg (Südtirol) sowie die Tiroler Erzbergbau GmbH. Bergdirektor Otto Eisentraut war für die Betriebsdirektionen Altenberg, Schneeberg und die Zinnhütte Freiberg zuständig. Zuständig war er auch für die Unternehmungen in Spanien, auf dem Balkan und in Norwegen. Neben Hans Junker als Stellvertreter war er Gewerkschaftsdirektor der Gewerkschaft Sudetenerz mit Sitz in Abertham.
Die Entwicklung 1944/1945 Die weitere Entwicklung war durch den Kriegsverlauf geprägt. Bis April 1945 war man krampfhaft bemüht, neben den schon in Betrieb befindlichen und fördernden Anlagen weitere in der Aufschließung oder Aufwältigung befindliche Anlagen in Förderung zu bringen. Obwohl das erforderliche Geld keine Rolle spielte, wurde es immer schwieriger, Material und Arbeitskräfte bereitzustellen. In Förderung standen im November 1944 Halsbrücke (Blei, Zink), Ehrenfriedersdorf (Zinn), Tannenberg (Zinn), Sadisdorf (Zinn, Wolfram), Altenberg (Zinn), Zinnwald-Militärschacht (Zinn, Wolfram), Frühbuß (Zinn), Zschorlau (Wolfram), Breitenbrunn (Eisenerz, Flussspat), Johanngeorgenstadt (Wismut) und Schneeberg (Kobalt, Wismut). In der Himmelfahrtfundgrube in Freiberg war die Aufwältigung und Untersuchung bei Kriegsende noch nicht abgeschlossen.
Betrieb Graupen (Zinn, Molybdän) ()In der Betriebsabteilung Graupen wurden drei Lagerstättenteile untersucht. Im Revier Preiselberg wurde ein Stolln zur Untersuchung der hier anstehenden Greisengänge aufgefahren. Im Revier Steinknochen wurde der Alte Martinstolln aufgewältigt und eine Untersuchung der hier anstehenden Zinnerzgänge begonnen. Eine Förderung wurde nicht aufgenommen und die Arbeiten 1944 eingestellt. Im Revier Knödelstock wurde die hier anstehende Molybdänvererzung untersucht und ab 1943 abgebaut. Die Fördermenge betrug 1944 im Durchschnitt 210 t Erz im Monat.
Betrieb Schönficht (Wismut, Uran) ()In einem Bericht vom 13. Juni 1944 wurde ein Betriebsplan für Schönficht vorgestellt. Die Dauer der Auffahrungsarbeiten wurde auf zwei Jahre veranschlagt, die Kosten auf 600.000 RM veranschlagt. Aus einem Bericht vom 8. Dezember 1944 geht hervor, das der Pfarrer-Pössel-Stolln aufgewältigt wurde und die Teufe des neuen Schachts bei 5 Metern stand.
Betrieb Neubulach (Wismut, Kupfer) ()Zur Aufarbeitung der Halden des Altbergbaus sollte eine Aufbereitungsanlage erbaut werden. Die Kosten sollten durch einen Kredit der Sächsischen Staatsbank in Höhe von 1,5 Millionen RM gedeckt werden. Das Produktionsziel lag bei 20 t Wismut im Jahr. Die Aufbereitungsanlage war zum Kriegsende betriebsbereit.
Betrieb Martin Römer (Wolfram) ()Ein Wolframerzgang mit einem Inhalt von 10 t Wolframit wurde untersucht und die Arbeiten im April 1945 eingestellt. Die Kosten betrugen 200.000 RM.
Segen Gottes Antonsthal (Wismut) ()Nach einer Anfrage zur Aufnahme des Wismutbergbaus im Segen Gottes Stolln in Antonsthal wurde im Winter 1944/1945 mit dem Abteufen eines Schachts begonnen, die Arbeiten wurden zum Kriegsende eingestellt.
Rothenberg Erla (Roteisenstein) ()Am 31. Januar 1945 wurde die Sachsenerz AG beauftragt, die Möglichkeit der Förderung von Roteisenstein zu prüfen. In einem Antwortschreiben vom 1. März 1945 wird die Möglichkeit der Förderung in dem seit 1870 stillgelegten Revier bestätigt. Zu weiteren Arbeiten kam es nicht.
Johanngeorgenstadt-Breitenbach (Wismut) ()Die Gewerkschaft Schneeberger Bergbau trat im März 1943 in Verhandlungen zum Kauf der Grubenfelder in Breitenbach ein. Ein am 17. November ausgefertigter Kaufvertrag trat nicht in Kraft, da bis zum 31. März 1945 ein am 9. September 1857 eingetragenes Grundpfandrecht nicht geklärt werden konnte.
Betrieb Zinnwald-Kohlhau (Aufbereitung) ()Zur Aufbereitung der Erze wurde ab November 1944 unter Tage mit dem Bau einer grenzüberschreitenden Aufbereitungsanlage begonnen. Der Investitionsaufwand betrug 6,5 Millionen RM. Als Tagesdurchsatz waren 250 t Erz vorgesehen. Die Arbeiten wurden zum Kriegsende eingestellt.
Sudetenerz Gesellschaft Hengstererben (Zinn) ()In einem Bericht der Grube Mauritius vom 2. Juni 1944 geht man davon aus, dass nach den umfangreichen Aufwältigungsarbeiten und Neuauffahrungen die Auffindung ausreichender Erzmittel wahrscheinlich geworden ist. Aufgrund von Arbeitskräftemangel wurden die Arbeiten im Oktober 1944 eingestellt.
Tiroler Erzbergbaugesellschaft mbH (Molybdän) ()Am 18. August 1943 übernahm die Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH 10 Prozent der Anteile an der Gesellschaft. Am 8. Januar 1944 übernahm die Sachsenerz AG weitere 40 Prozent der Tiroler Bergwerksgesellschaft. Zu einem Erzabbau im Bergwerk an der Alpeiner Scharte kam es nicht.
Azienda Minerali Metallici Italiana (AMMI) Schneeberg Südtirol (Blei, Zink) ()Am 29. Juni 1944 wurde die Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH mit der kommissarischen Leitung der Zink-Bleierzgrube in Schneeberg-Sterzing betraut. Die kommissarische Leitung umfasst alle Rechte und Pflichten. Geliefert wurden bis Kriegsende im Durchschnitt 235 t Blei und 1.000 t Zink im Monat.
Kalesberg Trient (Blei) ()In einem Schreiben vom 4. Juli 1944 wurde festgestellt, dass trotz mehrfachen Antrags bisher keine Schurfgenehmigung erfolgte, da entweder die Schreiben verloren gingen oder noch nicht bearbeitet waren.
Trotz intensivster Bemühungen und immenser Investitionen konnte keine kontinuierliche Betriebsrentabilität erreicht werden. Lediglich der Bedarf der Kriegswirtschaft an Stahlveredlern und kriegsnotwendigen Metallen wie Blei, Zinn, Zink, Wismut, Kobalt, Wolfram, Molybdän u. a. konnte zu einem Teil durch die Arbeit der Sachsenerz Bergwerks AG abgedeckt werden.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Die Situation in den Betriebsabteilungen unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 war sehr unterschiedlich. In der Tabelle sind der Betriebszustand und die Besitzverhältnisse zwischen Mai 1945 und Mai 1946 aufgeführt. Betrieb Zustand Besitz Himmelfahrt Fundgrube Freiberg demontiert Sachsenerz AG Grube Beihilfe Halsbrücke demontiert Sachsenerz AG Zwitterstock Altenberg demontiert Sachsenerz AG Kupfergrube Sadisdorf Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG Vereinigt Feld Fundgrube Ehrenfriedersdorf demontiert Sachsenerz AG Zschorlauer Bergsegen Zschorlau Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG Zinngrube Tannenbergsthal Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG St. Christoph Fundgrube Breitenbrunn Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG Vereinigt Feld im Fastenberg Johanngeorgenstadt Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG Schneeberger Bergbau Schneeberg Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten Sachsenerz AG Zinnwald Betrieb Militärschacht Betrieb eingestellt ČSR Zinnwald Betrieb Kohlhau Betrieb eingestellt ČSR Zinnwald Betrieb Graupen Betrieb eingestellt ČSR Schneeberg Betrieb Schönficht Betrieb eingestellt ČSR Schneeberg Betrieb Frühbuß Betrieb eingestellt Unterhaltungsarbeiten ČSR Betrieb Neubulach aufgelöst französische Besatzungszone Schwarzwasseraufbereitung Altenberg demontiert Sachsenerz AG Zinnhütte Freiberg demontiert Sachsenerz AG
Nach dem Ende des Krieges war die Verbindung zwischen der Betriebsleitung in Freiberg und den Betrieben im unbesetzten Gebiet (Freie Republik Schwarzenberg) und der Tschechoslowakei abgerissen. Man bemühte sich um Informationen über den Zustand der Betriebe. So wurde am 25. Mai 1945 der Angestellte Franz Mende nach Frühbuß geschickt. In Kadaň (Kaaden) wurde er am 30. Mai trotz gültiger Papiere verhaftet und erst am 23. Juni entlassen und nach Deutschland zurückgeschickt.
Am 20. Juni wurde der Angestellte Martin Saby zu den im Westerzgebirge liegenden Betrieben geschickt. Die in der sowjetischen Besatzungszone befindlichen Betriebe Schneeberg, Zschorlau, Breitenbrunn und Johanngeorgenstadt konnte er problemlos erreichen, ganz im Gegensatz dazu der Betrieb Tannenbergsthal. Dieser lag im US-amerikanisch besetzten Gebiet und das Betreten des Gebietes war illegal. Er fand alle Betriebe unzerstört und betriebsbereit vor, wie er es in seinem Abschlussbericht vom 29. Juni darlegte. Später wurde Saby verhaftet und starb am 18. März 1947 im Speziallager Nr. 1 Mühlberg.