mini|hochkant|Martin Hagen im Plenarsaal des Bayerischen Landtags (2021) Martin Hagen (* 7. Juli 1981 in La Spezia, Italien) ist ein deutscher Politiker. Von 2018 bis 2023 war er Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag. Von 2021 bis 2025 war er Vorsitzender der FDP Bayern und von 2019 bis 2025 erstmals Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Seit 2026 ist er Generalsekretär seiner Partei.

Leben und beruflicher Werdegang Martin Hagen wurde als Sohn deutscher Eltern in Italien geboren und wuchs im Landkreis Rosenheim auf. Er machte am Gymnasium Bad Aibling Abitur, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Politikwissenschaft, Wirtschaftsgeschichte und Psychologie und erwarb den akademischen Grad des Magister Artium (M.A.). Danach war er in einer Berliner Unternehmensberatung tätig, als Pressesprecher der bayerischen FDP-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und als Hauptgeschäftsführer der bayerischen FDP. Im Jahr 2017 machte er sich als Strategie- und Kommunikationsberater selbständig.Martin Hagen Artikel auf politik-kommunikation.de. Abgerufen am 20. März 2018. Von April 2024 bis Juni 2026 war er Geschäftsführer der liberal-konservativen Denkfabrik Republik21.

Hagen ist Herausgeber des Buches Das neue Bayern – Warum unser Land ein Update braucht. Er war Mitglied im Kuratorium der Akademie für Politische Bildung und Botschafter der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Das Wirtschaftsmagazin Capital zeichnete ihn 2018, 2019 und 2020 dreimal in Folge mit dem Titel „Junge Elite – Top 40 unter 40“ aus.

Im Jahr 2020 wurde Hagen ein bösartiger Tumor entfernt. Er war einige Jahre zuvor schon einmal an Krebs erkrankt.

Hagen heiratete 2011 Anisha Hagen. 2025 trennte sich das Paar. Sie haben zwei Töchter (* 2015/16 und * 2017/18). Er lebt in Vaterstetten-Baldham.

Werdegang in der FDP Martin Hagen trat 1998 den Jungen Liberalen (JuLis) und 2000 der FDP bei. Von 2004 bis 2006 war er Landesvorsitzender der JuLis Bayern, von 2006 bis 2008 stellvertretender Bezirksvorsitzender der FDP Oberbayern.

2018 wurde Hagen von den bayerischen FDP-Mitgliedern in einer Urwahl zum FDP-Spitzenkandidaten für die anstehende Landtagswahl gewählt. Am 12. März 2018 setzte er sich in einer Stichwahl mit 58,7 Prozent gegen Albert Duin durch. Auch bei der Landtagswahl 2023 in Bayern sowie der Bundestagswahl 2025 war Hagen Spitzenkandidat der bayerischen FDP.

Von 2019 bis 2025 war Hagen Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Nach der Bundestagswahl 2021 war Hagen Teil der FDP-Delegation bei den Verhandlungen über eine Ampelkoalition im Bund.

Im November 2021 wurde Hagen mit 93,4 Prozent zum Landesvorsitzenden der FDP Bayern gewählt und zwei Jahre später in einer Kampfabstimmung gegen Albert Duin im Amt bestätigt. Gemeinsam mit Katja Hessel bildete er ab 2023 die erste Doppelspitze eines FDP-Landesverbandes. Beim Landesparteitag am 28. Juni 2025 kandidierte er nicht erneut für den Landesvorsitz.

Am 30. Mai 2026 wurde Hagen auf dem Bundesparteitag der FDP in Berlin zum Generalsekretär der Partei gewählt. Er erhielt von den Delegierten ohne Gegenkandidaten rund 58,8 Prozent der Stimmen. Er war zuvor vom neu gewählten Parteivorsitzenden Wolfgang Kubicki für dieses Amt vorgeschlagen worden.

Abgeordnetentätigkeit Martin Hagen war in der 18. Wahlperiode Mitglied des Bayerischen Landtags. Zur Landtagswahl 2018 trat er als Direktkandidat im Stimmkreis Rosenheim-Ost an und konnte die FDP als Spitzenkandidat zurück in den Landtag führen, wo er zum Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde. Er saß im Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration. Des Weiteren war Hagen Mitglied der Richter-Wahl-Kommission und der Datenschutzkommission.

Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 wurde Hagen in den Ebersberger Kreistag gewählt. Er gehörte dort der gemeinsamen Fraktion aus CSU und FDP an und vertrat sie im Ausschuss für Soziales, Familie, Bildung, Sport und Kultur. Ende des Jahres 2021 legte er sein Kreistagsmandat nieder. Im Juli 2022 rückte Hagen für Renate Will in den Gemeinderat von Vaterstetten nach. Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 wurde Hagen als Gemeinderatsmitglied wiedergewählt und zog erneut in den Kreistag ein. Er legte sein Mandat als Kreisrat wegen seiner Wahl zum Generalsekretär der Partei allerdings nieder.

Hagen war Mitglied der 17. Bundesversammlung.

Politische Positionen und Initiativen

Bildung Martin Hagen plädiert für ein freiheitlich organisiertes Schulsystem, bei dem Selbstständige Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft miteinander im Wettbewerb stehen. Der Staat würde in diesem System Standards definieren und über Bildungsgutscheine die Finanzierung der Schulen sicherstellen. Um die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft zu reduzieren, fordert Hagen unter anderem mehr Investitionen in frühkindliche Bildung, ein verpflichtendes Vorschuljahr und einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz.

Migration Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels brauche Bayern klare und zeitgemäße Regeln für Einwanderung und ein weltoffenes gesellschaftliches Klima, sagt Hagen. Für Geflüchtete fordert Hagen den Abbau rechtlicher Hürden in den Arbeitsmarkt, eine bessere Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen sowie die Möglichkeit eines „Spurwechsels“: Wer in Deutschland einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz gefunden habe, solle hier bleiben dürfen.

Wirtschaft Hagen ist ein dezidierter Befürworter des Freihandels und der Globalisierung.

Familie Im Oktober 2019 startete Hagen eine Initiative zur Unterstützung ungewollt kinderloser Paare durch einen staatlichen Zuschuss zu den Kosten von Kinderwunschbehandlungen. Dabei machte Hagen nicht nur eine frühere Krebserkrankung öffentlich, sondern offenbarte auch, dass seine beiden Kinder durch künstliche Befruchtung auf die Welt kamen. Hagens Anliegen schlossen sich die regierenden Fraktionen von CSU und Freien Wählern an, ein entsprechender Antrag wurde im Dezember 2019 einstimmig vom Bayerischen Landtag beschlossen.

COVID-19-Pandemie In der Corona-Krise kritisierte Hagen die aus seiner Sicht übertriebenen Freiheitseinschränkungen und warnte vor den Kollateralschäden einer Lockdown-Politik. Die Coronapolitik von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete er als „autoritär“.

Volksbegehren zur Verkleinerung des Bayerischen Landtags Im Juni 2022 kündigten Hagen und die FDP Bayern ein Volksbegehren zur Verkleinerung des Bayerischen Landtags an. Mehr Abgeordnete machten den politischen Betrieb nicht besser, sondern nur teurer, so Hagen. Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Landtag bei der Wahl 2023 verfolgte die Partei das Volksbegehren nicht weiter.Nach FDP-Aus ist auch Volksbegehren XXL-Landtag vom Tisch, zeit.de vom 17. November 2023, abgerufen am 2. Juni 2026

Umgang mit der AfD Das Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz zur Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch hält Hagen für nicht überzeugend, auch wenn diese Einstufung nicht zwingend falsch sei. Generell kritisiert er die Ausweitung der Extremismusdefinition des Verfassungsschutzes, unter anderem die neue Kategorie der „Delegitimierung des Staates“.

Im Mai 2026 bezeichnete Hagen die Brandmauer zur Alternative für Deutschland als „Popanz“ und „gescheitert“. Er forderte eine „harte inhaltliche Auseinandersetzung“ mit der Partei und schloss gemeinsame Koalitionen oder die Zustimmung zu AfD-Anträgen grundsätzlich aus, nicht aber die Einreichung von Anträgen, die nur mit Zustimmung der AfD eine Mehrheit erhielten.

Als Generalsekretär der FDP ist es Hagens Ziel, nicht nur Wählerstimmen von der CDU, sondern auch von der AfD zurückzugewinnen; jedoch primär solche, die von der CDU und FDP in früheren Regierungen enttäuscht worden wären, und nicht jene, denen die „braune Soße“ gefalle. Im Streitgespräch mit Florian Schroeder warf dieser ihm vor, sich rhetorisch der AfD anzunähern und mit einer Positionierung der FDP als „eher rechtsliberale Partei“ den Liberalismus zu ruinieren.

Nachdem Hagen der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit ein Interview gab, kritisierte ihn dafür die ehemalige FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger deutlich und äußerte ihre Befürchtung, dass „die Gefahr der Normalisierung der AfD steigt“. Außerdem sagte die Philosophin Sabine Döring eine geplante Podiumsdiskussion mit Hagen deswegen ab. Innerhalb der FDP sorgte das Interview für geteilte Meinungen.

Meinungsfreiheit Hagen fordert die Abschaffung des § 188 StGB, der eine gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung unter Strafe stellt. Für Politiker reichten die bestehenden Gesetzesnormen zu Beleidigung und Verleumdung aus. Die Strafbewehrung sein ein Einschüchterungsversuch und bewirke die Zurückhaltung von legitimer Machtkritik in einer liberalen Demokratie.

Literatur Martin Hagen (Hrsg.): Das neue Bayern – Warum unser Land ein Update braucht. Brehm Verlag, Feldafing 2017, ISBN 978-3-937165-11-0.

Weblinks

Website von Martin Hagen

Gerhard Fischer: „Ich weiß, was im Leben wichtig ist und was nicht“, Porträt über Martin Hagen, in: Süddeutsche Zeitung, 14. November 2021. Waltraud Taschner: Der Schlagfertige, Porträt über Martin Hagen, in: Bayerische Staatszeitung, 18. September 2020. Johann Osel: Martin Hagen ist der Bayern-Lindner, Porträt über Martin Hagen, in: Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2018. Uli Bachmeier: Martin Hagen: Mit ihm will die FDP punkten, Porträt über Martin Hagen, in: Augsburger Allgemeine, 13. September 2018. Christine Schröpf: Die Liberalen-Hoffnung 2018, Porträt über Martin Hagen, in: Mittelbayerische Zeitung, 16. Juli 2018. Michael Böhm: Liberaler Löwe, Porträt über Martin Hagen, in: Augsburger Allgemeine, 20. April 2018.

Einzelnachweise

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