Das Infanterie-Regiment „Herwarth von Bittenfeld“ (1. Westfälisches) Nr. 13 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee. Das Regiment wurde 1813 in Ostpreußen gebildet, dann 1817 in die Provinz Westfalen verlegt, die seit kurzem zu Preußen gehörte. Wichtigster Garnisonsort war Münster. Das Regiment nahm Zeit seines Bestehens an allen wesentlichen Kriegen Preußens und des Deutschen Reichs teil, u. a. an den Befreiungskriegen 1813–1815 und den drei Einigungskriegen 1864–1871. Als Namensgeber des Regiments wurde 1889 der preußische Generalfeldmarschall Eberhard Herwarth von Bittenfeld posthum geehrt. Nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg 1914–1918 wurde das Regiment aufgelöst.
Geschichte Formierung und Befreiungskriege (1813–1817) Im Herbst und Winter 1812 scheiterte Napoleons Russlandfeldzug, das französische Expeditions-Heer wurde vernichtend geschlagen. Am 30. Dezember 1812 trat auf Verantwortung des preußischen Generals Yorck der Waffenstillstand zwischen Preußen und Russland in Kraft. Praktisch verließen die preußischen Truppen damit das aufgezwungene Bündnis mit der französischen Armee und stellten sich auf die Seite der Alliierten im Kampf gegen Napoleon. Am 9. Februar 1813 wurde in Preußen die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, vorerst nur für die Zeit des Krieges. Am 17. März 1813 rief der preußische König das Volk zum Befreiungskampf auf („An Mein Volk“) und erklärte am selben Tag Frankreich den Krieg.
Im Zuge der Wiederaufbau der preußischen Armee wuchs die Stärke des Heeres von 42.000 Mann (Obergrenze gemäß dem Frieden von Tilsit, 1807) auf 300.000 Mann (1813). Am 1. Juli 1813 wurden gemäß A.K.O. in den nicht französisch besetzten östlichen Provinzen Preußens zwölf Reserve-Infanterie-Regimenter gebildet.Das preußische Heer der Befreiungskriege, Band 2 („Das preussische Heer im Jahre 1813“). Mittler-Verlag, Berlin 1914, S. 308f. und Anhang 25 (Kabinettsorder vom 1. Juli 1813). Jedes der zwölf Reserve-Infanterie-Regimenter wurde einem der bestehenden zwölf Linien-Infanterie-Regimenter zugeordnet, Regimentsnummer und Garnison waren jeweils identisch. Entsprechend wurde das spätere Infanterie-Regiment Nr. 13 zunächst als 1. Reserve-Infanterie-Regiment in Königsberg aufgestellt, und dem ebenfalls in Königsberg stationierten 1. Ostpreußischen Infanterie-Regiment zugeordnet. Die Aufstellung erfolgte aus dem I., II. und III. Ostpreußischen Reserve-Musketier-Bataillon sowie dem I. Litthauischen Reserve-Füsilier-Bataillon mit Standorten in Königsberg (II. und III. Bataillon sowie Füsiliers-Bataillon) und Graudenz (I. Bataillon). Normalerweise hatte ein Infanterie-Regiment nur zwei statt drei Musketier-Bataillone und ein Füsilier-Bataillon. Bei der Bildung der Reserve-Bataillone waren mehr Einheiten aufgestellt worden, als auf die Linien-Regimenter verteilt werden konnte. Daher erhielten einige der Reserve-Regimenter ein zusätzliches Bataillon.
Die Soldaten dieser vier Bataillone kamen entsprechend dem Aufstellungsort aus den preußischen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen sowie aus Litauen und waren überwiegend evangelischen Glaubens. Der Ausbildungsstand der Soldaten war uneinheitlich. Teils waren die Soldaten als Reservisten in ihrer aktiven Zeit gut ausgebildet, doch lag diese unterschiedlich lange zurück. Dazu kamen kurz ausgebildete Soldaten, die im Krümpersystem vier bis acht Wochen Ausbildung hinter sich hatten, und schließlich Rekruten ohne jegliche Ausbildung. Verstärkt wurden die Bataillone durch freiwillige Jäger, die eine Führungsreserve bildeten. Die Ausrüstung und Bewaffnung der Soldaten war uneinheitlich und teilweise in schlechtem Zustand: Das früher aufgestellte I. Bataillon hatte neue Uniformen aus englischer Produktion erhalten, aber die anderen drei Bataillone trugen abgelegte Uniformen ihres Stammregiments auf: blaue Röcke mit ziegelrotem Kragen und Aufschlägen, die Achselklappen waren weiß, Hosen und Mäntel grau. Die Hauptbewaffnung bestand aus französischen Musketen, die von der russischen Armee 1812 erbeutet worden waren.Mischke: Geschichte des Königlich Preussischen Dreizehnten Infanterie-Regiments, von 1813 bis 1838. Münster 1838, S. 12–13.
Alle vier Bataillone des Regiments kämpften im Befreiungskrieg 1813–1815 gegen die Armeen Napoleons. Das spätere I. Bataillon des 13. Infanterie-Regiments nahm ab Ende März 1813 an der Einschließung von Stettin teil. Das Belagerungskorps unter Führung von Tauentzien bestand aus 13 Reserve-Bataillonen, welche Linien-Truppen ablösten.Georg Gaebel: Die Belagerung von Stettin im Jahre 1813. Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1913, S. 15–16. (Digitalisat) Das spätere II., III. und IV. Bataillon des 13. Infanterie-Regiments nahmen am 4. Juni 1813 am Gefecht bei Luckau teil, wo sie im III. Korps unter Führung von Bülow standen. Am 30. Juli 1813 wurde das I. Bataillon mit den drei anderen Bataillonen in Ziesar zusammengeführt, und zum 1. Reserve-Regiment vereinigt.
Das Regiment wurde fortan in der Division Hirschfeld im IV. Armee-Korps geschlossen eingesetzt und nahm an einer Reihe von Gefechten und Belagerungen teil: Gefecht bei Königsborn (21. August 1813), Schlacht bei Hagelberg (27. August 1813), Belagerung von Wittenberg, Belagerung von Torgau (18. Oktober bis 26. Dezember 1813) und Belagerung der Festung Magdeburg im Frühjahr 1814. Bei der Schlacht bei Großbeeren und der Schlacht bei Dennewitz stand das Regiment in Reserve, wurde aber nicht eingesetzt. Nach der Abdankung Napoleons wurde am 30. Mai 1814 der Pariser Frieden geschlossen. Das Regiment rückte in Mainz ein, am 25. April 1815 wurde das IV. Bataillon aufgelöst, das bisherige III. Bataillon wurde zum Füsilier-Bataillon. Als Napoleon aus seiner Verbannung zurückgekehrt war und während der Herrschaft der Hundert Tage im Begriff war, wieder in das europäische Geschehen einzugreifen, kam auch das Regiment erneut zum Einsatz: Ab dem 7. Juli 1815 nahm es an der Belagerung von Landau mit I., Füsilier-Bataillon und Jägern teil, das II. Bataillon blieb in Mainz zurück. Insgesamt erlitten die vier Bataillone des Regiments in den Jahren 1813 bis 1815 Verluste von 72 Toten und 423 Verwundeten.Mischke: Geschichte des Königlich Preussischen Dreizehnten Infanterie-Regiments, von 1813 bis 1838. Münster 1838, S. 55.Karl von Blume: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches ) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Mittler und Sohn, Berlin 1910. (Auszug der Verlustliste 1813/15)
Mit A.K.O. vom 25. März 1815 wurde das 1. Reserve-Infanterie-Regiment in 13. Infanterie-Regiment umbenannt und war damit ein Linien-Regiment. Ebenso verfuhr man dem 2. bis 12. Reserve-Infanterie-Regiment, der Nummernversatz ist einheitlich 12: Das 2. Reserve-Infanterie-Regiment wurde also zum 14., das 3. zum 15. Infanterie-Regiment und so weiter bis zum 12. Reserve-Infanterie-Regiment, das zum 24. Infanterie-Regiment wurde. Das Regiment kehrte im Februar 1816 nach einem zweimonatigen Marsch über Eisenach, Halle/S., Wittenberg, Landsberg a.d.W., Graudenz in die Königsberger Garnison zurück. Das II. Bataillon kam vorerst in Rastenburg und Rößel unter, stieß aber im Juli 1816 zum Stab, dem I. und Füsilier-Bataillon hinzu, die sich bereits in Königsberg befanden.Wilhelm von Blume: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Mittler und Sohn, Berlin 1910, S. 59.
Verlegung nach Westfalen, Märzrevolution und Umformierung (1817–1860) 1817 wurde das Regiment in die neue preußische Provinz Westfalen verlegt, die in Folge des Wiener Kongresses 1815 zu Preußen gekommen war. Regimentsstab und I. Bataillon wurden in Münster einquartiert, die beiden übrigen Bataillone in Soest und Wesel.
Anfangs gab es in der neuen, katholisch geprägten Garnison Misstrauen und Abneigung gegenüber dem preußischen Militär, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das.200 Jahre Infanterie-Regiment Nr. 13, Ausstellung im Stadtmuseum Münster (2013) Dazu trug auch die Einziehung von westfälischen, meist katholischen Wehrpflichtigen bei.
Während der Revolution von 1848/1849 waren kleinere Teile des Regiments – Züge, Kompanien – an verschiedenen Orten in der Region daran beteiligt, Unruhen zu bekämpfen oder durch Präsenz den Ausbruch zu verhindern. Insbesondere war das Regiment 1849 an der Niederschlagung der Revolte in Iserlohn beteiligt.
1859 gab das Regiment Mannschaften und Offiziere an das 5. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 53 ab, das offiziell im Mai 1860 aufgestellt wurde.
Deutsch-Dänischer Krieg (1864) Am Krieg gegen Dänemark von 1864 nahm das Regiment im Bestand der 13. Infanterie-Division im I. kombinierten preußischen Armee-Korps teil und war an folgenden Kampfhandlungen beteiligt:
1. Februar – Deckung der Artillerie, die in Sandkrug und am Mövenberg in Stellung gegangen war, um die dänische Korvette Thor und den gepanzerten Schoner Esbern Snare zu beschießen 2. Februar – Gefecht von Missunde, Teilnahme mit dem Füsilier-Bataillon Gefecht beim Rackebüller Holz Gefecht vor Düppel Einschließung der Düppeler Schanzen, Erstürmung am 18. April 1864 29. Juni 1864 – Übergang nach Alsen
Das Regiment hatte im Krieg gegen Dänemark Verluste von 15 Gefallenen oder an Verwundungen Gestorbenen zu verzeichnen, darunter ein Offizier. Dazu kamen 32 an Krankheiten verstorbene Soldaten, die zumeist Fieber oder Typhus erlagen.Wilhelm von Blume: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches ) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Mittler und Sohn, Berlin 1910, Anhang IV, S. 20–21. (Siehe auch Auszug der Verlustliste 1864)
Krieg gegen Österreich (1866) 1866 nahm das Regiment am Deutschen Krieg gegen den Deutschen Bund unter Führung Österreichs teil. Es gehörte dabei zur Division Göben in der Main-Armee und nahm an folgenden Gefechten teil:
Nacht vom 2. auf 3. Juli – Vorpostengefecht bei Immelborn 4. Juli – Gefecht bei Dermbach Scharmützel bei Waldfenster 10. Juli – Schlacht bei Kissingen 13. Juli – Gefecht bei Frohnhofen / Gefecht bei Waldaschaff 14. Juli – Gefecht bei Aschaffenburg 24. Juli – Gefecht bei Tauberbischofsheim 25. Juli – Gefecht bei Gerchsheim 27. Juli – Beschießung von Würzburg
Das Regiment hatte während des Krieges von 1866 Verluste von 56 Kriegstoten zu verzeichnen, darunter sieben Offiziere. Fast alle dieser Verluste erlitt das Regiment an nur zwei Tagen: am 4. Juli 1866 fielen 25 Regimentsangehörige bei Dermbach, Wiesenthal und Zelle und am 14. Juli fielen 26 Regimentsangehörige bei Aschaffenburg, beziehungsweise erhielten dort Verwundungen, die später zum Tod führten. Dazu kamen 21 Tote durch Krankheiten, meist Typhus oder Cholera.Karl von Blume: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Mittler und Sohn, Berlin 1910. (Auszug der Verlustliste 1866)
Im September 1866 gab das Regiment die 13., 14., und 15. Kompanie an das neuformierte Infanterie-Regiment Nr. 85 ab, das im zu Preußen hinzugewonnenen Holstein stand.
Deutsch-Französischer Krieg (1870/71) mini|13er Denkmal bei Colombey Das Regiment nahm am Krieg gegen Frankreich im Bestand der 13. Infanterie-Division im VII. Armee-Korps teil und war an folgenden Gefechten beteiligt: 14. August – Schlacht bei Colombey 18. August – Schlacht bei Gravelotte Ausfallgefechte bei Villers l’Orme, Peltre und Mercy-le-Haut Gefecht bei Auxerre und St. Bris Gefecht bei Precy und Vorges 1870 – Belagerung von Metz
Das Regiment hatte während des Krieges Verluste von 107 Kriegstoten zu verzeichnen, darunter sieben gefallene Offiziere. Mehr als zwei Drittel dieser Verluste erlitt das Regiment am 14. August bei Colombey. Dazu kamen 123 an Krankheiten – meist Ruhr oder Typhus – verstorbene Regimentsangehörige sowie zwei Vermisste. Insgesamt starben also 232 Mann, verwundet waren einige Hundert.Wilhelm von Blume: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Mittler und Sohn, Berlin 1910, Anhang IV, S. 23ff.