Das Gymnasium Oberwil ist eine öffentliche Schule für die Sekundarstufe II in Oberwil im Kanton Basel-Landschaft (Schweiz), die von rund 1000 Lernenden besucht wird. Sie führt nach der obligatorischen Schulzeit in vier Jahren zur Maturität oder in drei Jahren zu einem Fachmittelschul-Abschluss (FMS) respektive in vier Jahren zur Fachmaturität (FM). Das eigene Leitbild dieser Bildungseinrichtung stellt den «Bildungsprozess des motivierten Individuums und die Lerngemeinschaft der Schule» ins Zentrum.gymoberwil.ch Das Gymnasium Oberwil hat von der Eidgenossenschaft die Zulassung einer «zweisprachigen Matur» erhalten.

Bildungsangebote Maturitätsabteilung An der Maturitätsabteilung werden alle im Kanton Basel-Landschaft geführten Schwerpunktfächer (ausser Russisch und Altgriechisch) angeboten, ebenso eine zweisprachige Matura auf Englisch; für Französisch und Spanisch gibt es eine spezielle Förderung durch Austauschsemester. Schwerpunktfächer am Gymnasium Oberwil sind Anwendungen der Mathematik/Physik (A), Biologie/Chemie (B), Italienisch (I), Latein (L), Musik (M), Spanisch (S), Wirtschaft und Recht (W) sowie Bildnerisches Gestalten (Z).

Nebst den üblichen an einem Gymnasium unterrichteten Fächer werden an der Maturitätsabteilung die folgenden Fächer obligatorisch unterrichtet: Politische Bildung, Ethik und Globalisierung.

Mehrsprachige Maturität Im Gymnasium Oberwil wird neben dem Maturitätsabschluss und Fachmaturitätsabschluss auch eine bilinguale Maturität in englischer Sprache angeboten. In der Regel findet der Immersionsunterricht in den Fächern Mathematik, Geschichte, Geographie und Biologie statt. Grundsätzlich ist die Wahl des Immersionsprogramms für alle Schwerpunktfächer möglich. Die fachlichen Inhalte und Anforderungen sind jedoch identisch mit dem regulären Unterricht. Bei der Anmeldung für das Gymnasium kann der Wunsch von bilingualem Unterricht angegeben werden. Zusätzlich wird im ersten Semester Unterstützung angeboten, welche den Einstieg in dieses Angebot erleichtert. Von der Schweizerischen Maturitätskommission (SMK)Maturitätskommission (SMK) hat das Gymnasium Oberwil eine eidgenössische Anerkennung erhalten und kann somit Lernenden mit bilingualem Abschluss ein spezielles Maturitätszeugnis mit dem Vermerk «zweisprachige Matur» ausstellen.

FMS (bis 2004: DMS, Diplommittelschule) Die Fachmittelschule ist eine drei Jahre dauernde Mittelschule. Sie bietet zwei in der ganzen Schweiz anerkannte Abschlüsse: den Fachmittelschulausweis und das Fachmaturitätszeugnis. Sie vermittelt eine breite Allgemeinbildung und bereitet Lernende auf Berufsausbildungen vor, die eine anspruchsvolle schulische Ausbildung voraussetzen. Es handelt sich dabei um Berufsausbildungen im erzieherischen, sozialen oder kulturellen Bereich, im Gesundheitswesen oder im Tourismus.

Besondere Unterrichtseinheiten der FMS bereiten direkt auf berufliche Anforderungen vor: Berufsorientierende Tage (1. Klasse) Berufspraktikum (1. Klasse, 3 Wochen) Selbstständige Arbeit (2. Klasse) Spezifisch ausgelegter Unterricht im gewählten Berufsfeld Pädagogik, Gesundheit/Naturwissenschaften, Soziale Arbeit, Gestaltung und Kunst und Musik (2. und 3. Klasse) Sprachzertifikate: DELF und Cambridge First

Geschichte Gründung Alle Gymnasien im Kanton Basel-Landschaft sind «Tochterschulen» des ersten Gymnasiums in Liestal, welches 1963 eröffnet wurde. Nur ein Jahr später wurde das Gymnasium Münchenstein eingeweiht. Aufgrund der Abwanderung vieler Familien aus Basel in die Agglomeration sowie einer wachsenden Zuwanderung reichten diese beiden Schulhäuser nicht aus, um alle Lernenden unterzubringen. Der Landrat entschied deshalb am 1. April 1971, dass 1972 die Gymnasien Oberwil und Muttenz gegründet werden sollten. Die Kurzfristigkeit des Entscheids der Gründung dieser Schulen führte dazu, dass die Oberwiler Gymnasiasten 1972 vorerst in einem Provisorium in Ettingen untergebracht werden mussten, da noch kein Schulhaus vorhanden war. Mit den Vorbereitungen für den Bau in Oberwil hatte das Hochbauamt bereits im Jahr 1968 begonnen.

Der Bau neuer Schulhäuser, wie zum Beispiel der Gymnasien Münchenstein und Liestal, stellte sich als kostspielig heraus, was bei der Bevölkerung heftige Kritik auslöste. Infolgedessen wollte man beim Bau des Gymnasiums Oberwil die Kosten niedriger halten und budgetierte deshalb nur 10 Mio. CHF (Münchenstein: 12 Mio. CHF, Liestal: 16 Mio. CHF). Durch die Einsparungen war man bei der Auswahl des Standortes für das Gymnasium Oberwil stark eingeschränkt. Die Bodenpreise in Oberwil variierten deutlich, und die grosse Fläche, die für das Gymnasium benötigt wurde, verlangte einen möglichst günstigen Boden. Die Wahl fiel schliesslich auf einen Standort bei der Ziegelei an der Grenze zu Allschwil. Da das Gelände auf einem Hügel lag und es noch keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gab, musste mit teilweise langen Schulwegen gerechnet werden. Deshalb berücksichtigte man bei der Planung von Beginn an auch einen Verpflegungsraum. So hatten Lernende, die über Mittag nicht nach Hause fahren konnten, die Möglichkeit, ihr Mittagessen vor Ort einzunehmen.

Der Unterricht des Gymnasiums Oberwil wurde während der Bauarbeiten für das neue Schulhaus im Ettinger Gemeindeschulhaus abgehalten. Aufgrund der engen Platzverhältnisse wurden drei Container auf den Pausenplatz des Schulhauses gestellt, in denen unterrichtet wurde. Die Lernenden wurden ermahnt, sich gut zu benehmen und Sorge zum Material zu tragen. Während des Aufenthaltes an der Ettinger Schule kam es dennoch zu Verschmutzung und «unsachgemässer Behandlung» des Schulhauses. Beispielsweise wurden die Fenster als Ein- und Ausgang in die Klassenzimmer benutzt, und es wurden von Zeit zu Zeit Schwamm- und Kreideschlachten veranstaltet. Man vermutete, der Grund für solche Vorfälle könnte die hohe Auslastung des kleinen Schulhauses sein, bedingt durch die temporär untergebrachten Lernenden. Das volle Schulhaus liess nicht viel Raum für andere Aktivitäten neben dem Lernen zu. Den Lernenden fehlten die Freizeitmöglichkeiten oder Beschäftigungen, die sie vom strengen Schulalltag ein wenig ablenkten und Abwechslung brachten. Sie konnten sich demzufolge nirgends austoben und mussten zusätzlich in heissen Zimmern lernen. Das Provisorium in Ettingen dauerte länger als die geplanten anderthalb Jahre. Der Bezug des Gymnasiums Oberwil sollte auf den September 1972 fallen, doch da die Schule noch nicht fertig gebaut war, wurde der Termin auf den April 1973 verschoben. Durch das Provisorium wurde ersichtlich, dass die Lernenden Raum für andere Aktivitäten haben sollten, was beim Bau des Gymnasiums Oberwil so gut wie möglich berücksichtigt wurde.

Wachstum und Wachstumskrisen Die Entwicklung der Schule wurde schon immer durch Schwankungen der Schülerzahl beeinflusst. Da der Besuch der Gymnasien nicht obligatorisch ist, schwankt die Lernenden-Anzahl jährlich stark. Eine grosse Schwankung kam 1973 zustande, als die Schule in Ettingen plötzlich 13 statt sieben Klassen unterbringen musste. Die Schule hatte weder genug Lehrpersonen noch genug Kapazität, um die plötzlich steigende Schülerzahl zu bewältigen.mini|Wachstumskurve der Lernenden (Gymnasium Oberwil)|450x450px1976 kam es zu einem unerwarteten Tiefpunkt. Nur wenige Progymnasiasten wählten das Gymnasium als weiteren Bildungsweg, wodurch der Typus C beinahe vollständig wegfiel.

In den darauffolgenden zehn Jahren stieg die Schülerzahl jährlich. Der nicht vorhergesehene Schülerboom war neben der anziehenden Konjunktur und dem vermehrten Zustrom zum Progymnasium zu einem Teil auf die Einführung des Typus D zurückzuführen. Aufgrund des neuen Schwerpunktfachs kamen vermehrt Lernende aus dem hinteren Birseck ans Gymnasium in Oberwil. Dieser Anstieg stellte einige Probleme für die Schule dar: Notmassnahmen wie das Unterrichten in der Aula und in der Mediathek wurden zur Behebung des Raumproblems ergriffen, und der Bücherbestand musste jahrelang in einem Container untergebracht werden. Des Weiteren musste das Gymnasium aufgrund von Platzmangel für den Frühling 1981 sechs Schulzimmer im Schulhaus Burggarten in Bottmingen mieten, was wiederum den Platz von Gruppenräumen der Primar- und Realschulen einschränkte.

Ab 1986 zeichnete sich ein Schülerrückgang ab. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass Familien aufgrund von mangelndem Wohnangebot im Leimental ihren Wohnsitz ins Oberbaselbiet verlegten. Dennoch betrug die Übertrittsquote der Progymnasiasten 95 %, weshalb die Schülerzahlen in diesem Abschlusszweig auf einem hohen Niveau blieben.

Ab 1992 verschärften sich die Raumprobleme an der Schule wegen der neuen Schulreformen, die einen Unterricht in Kursen statt Klassen forderten.

Erweiterung des Angebots mini|400x400px|Eine überspitzte Karikatur von einem Schulpsychologen von 1972, welche die Lernenden der jeweiligen Typen darstellen soll. Das Gymnasium Oberwil startete 1972 mit einer bescheidenen Schülerzahl in den Maturitäts-Typen B, C und E. Der Typus B legte den Schwerpunkt auf Latein, der Typus C auf Mathematik und der Typus E auf Wirtschaft. 1975 gab es die ersten vollen Klassen des kantonalen Typus M, mit Musik und Zeichnen als Schwerpunkten, und der DMS (Diplommittelschule). Der Typus M wurde eingeführt, um den Mangel an Primarlehrpersonen zu beheben. Der Typus M wurde von allen Universitäten anerkannt, nicht aber von den Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Und auch zum von der Eidgenossenschaft geregelten Medizinstudium galt er nicht als Zulassung, weil der Typus M nicht der Maturitätsanerkennungsverordnung entsprach. Trotzdem entsprachen die Maturitätsprüfungen im Typus M denjenigen des Typus B, jedoch ohne Latein. Es gab viele Lernende, welche interessiert waren am Lehrerseminar und deshalb den Typus M wählten. Dieser erwies sich aber für viele als zu anspruchsvoll. Deshalb wurde an der Schule die DMS (Diplommittelschule) gegründet, die wesentlich fachspezifischer ist und auf weniger komplexe Themen eingeht. In Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Muttenz wurde 1978 der neusprachliche Typus D mit Schwerpunkt Italienisch (und wie die Typen C, E und M ohne Latein) hinzugefügt. Auch wenn an den Universitäten für ein Sprachstudium das kleine Latinum vorausgesetzt wurde, war der Typus D von grosser Beliebtheit an der Schule und führte zu einem Zuwachs der Schülerzahl. Alle Typen wurden 1981 offiziell von den Universitäten anerkannt.

Im Winter 1976/77 wurde das Unterrichtsangebot durch eine Kurswoche erweitert, welche den regulären Schulalltag aufbrach. Erstmals wurden die Lernenden nach ihren persönlichen Interessen bezüglich möglicher Kursthemen befragt. Diese Umfrage bildete eine Grundlage an möglichen Kursthemen, über welche die Schüler dann nochmals befragt wurden, was schliesslich zu einem definitiven Kursangebot führte. «Das Sozialverhalten von Affen im Zoo» und «Analyse von TV-Krimis» sind nur zwei Beispiele aus dem reichhaltigen Kursangebot. So konnte die Schülerschaft ihren Stundenplan während einer Woche weitestgehend selbst gestalten. Mit diesem System war die Kursauswahl von Jahr zu Jahr, je nach den Fähigkeiten der Lehrpersonen und dem Interesse der Lernenden, unterschiedlich.