mini|Eaton Hall von Osten mit Kapelle (August 2002) Eaton Hall ist ein Landhaus etwa 1,6 km südlich des Dorfes Eccleston in der englischen Grafschaft Cheshire. Es ist das Landhaus des Duke of Westminster und ist von formellen Gärten, Parks, Bauernland und lichten Wäldern umgeben. Das Anwesen bedeckt eine Fläche von etwa 4400 Hektar.

Geschichte Das erste größere Haus an dieser Stelle wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es durch ein sehr viel größeres Haus nach den Plänen des Architekten Willam Porden ersetzt. Dieses wiederum wurde später durch ein noch größeres Haus mit Nebengebäuden und Kapelle nach den Plänen von Alfred Waterhouse ersetzt. Die Bauarbeiten dazu begannen 1870 und wurden nach 12 Jahren abgeschlossen. Um 1960 war das Mauerwerk des Hauses in so schlechtem Zustand, dass es – wie viele andere Häuser in dieser Zeit – abgerissen wurde. Lediglich die Kapelle und viele der Nebengebäude sind bis heute erhalten geblieben. Es wurde ein neues Haus gebaut, aber sein Stil wurde als nicht zur umgebenden Landschaft passend empfunden, sodass es Ende der 1980er-Jahre umgestaltet wurde und jetzt das Erscheinungsbild eines französischen Schlosses hat.

Das Haus war seit dem 17. Jahrhundert von formellen Gärten umgeben, deren Anlage über die Jahrhunderte zeitgenössischen Ideen und Moden angepasst wurde, ebenso wie die umgebenden Parks. Auf dem Anwesen stehen viele verschiedene Gebäude, einige dekorativ, andere zur Verwaltung des Anwesens; viele davon gelten als historische Bauwerke. Haus und Anwesen sind normalerweise nicht öffentlich zugänglich, aber die Gärten können an drei Tagen im Jahr besichtigt werden, um Geld für gute Zwecke zu sammeln, und einige der Gebäude auf dem Anwesen können für gemeinnützige Veranstaltungen gemietet werden.

Landhäuser mini|Das Bild zeigt das Landhaus von Samwell von 1708. Das frühere Haus kann man in der rechten unteren Ecke sehen. mini|Eingangsfassade des Landhauses von Samwell Eaton Hall war seit dem 15. Jahrhundert das Landhaus der Familie Grosvenor. Es gibt Beweise für ein zweistöckiges Haus auf dem Anwesen in einer Karte des Grundstückes aus dem 17. Jahrhundert und einer Gravierung aus dem 18. Jahrhundert. Ein Bericht aus dem Jahre 1798 zeigt, dass dieses Gebäude immer noch stand.

Landhaus von Samwell Das erste größere Haus dort wurde für Sir Thomas Grosvenor, 3. Baronet, errichtet. Er erbte das Anwesen im Alter von 19 Jahren von seinem Großvater, Sir Richard Grosvenor, 2. Baronet, der 1664 starb. Der neue Besitzer beauftragte den Architekten William Samwell mit dem Entwurf des Hauses. Die Bauarbeiten begannen 1675; die meisten Bausteine stammten von der Ruine des Holt Castle in Nordwales. 1683 waren die Baukosten bereits auf über £ 1000 (heute etwa entsprechend £ 540.000) gestiegen. Eine zeitgenössische Gravierung zeigt ein großes Haus mit quadratischem Grundriss, drei Stockwerken und Dachgauben. Die Eingangsfassade hatte neun Joche und einen Portikus. Die Gravierung zeigt auch das frühere Haus mit Graben südlich des neuen Hauses.

Landhaus von Porden mini|links|Landhaus nach Entwürfen von William Porden Als Robert Grosvenor, damals 2. Earl Grosvenor und später 1. Marquess of Westminster, das Anwesen 1802 erbte, war das Landhaus von Samwell unmodern und renovierungsbedürftig geworden. Grosvenor beauftragte den Architekten William Porden mit der Planung der Umbauten. Die Bauarbeiten begannen 1803 und Porden (später unterstützt durch seinen Schwiegersohn Joseph Kay) schätzte die Bauzeit auf 3 Jahre und die Baukosten auf £ 10.000 (heute etwa entsprechend £ 740.000). Tatsächlich nahmen die Arbeiten etwas weniger als 10 Jahre in Anspruch und kosteten über £ 100.000 (heute etwa entsprechend £ 5,99 Mio.). Das vorhergehende Haus wurde umbaut und von „jeder möglichen Spielart von neugotischen Stilelementen“ umgeben, wie z. B. Tourellen, Fialen, Bogenfenster, achteckigen Türmen, Strebewerken und Strebebögen. Im ersten Bauabschnitt wurden zwei neue Flügel hinzugefügt und in den 1820er-Jahren weitere Flügel, dann unter der Leitung von Benjamin Gummow. Das Innere des Hauses war so verschwenderisch gehalten wie das Äußere; es enthielt weitere neugotische Details. Die Behänge der Prunkbetten bestanden aus 89 lfdm. Damast und 94 lfdm. Sarsenet (feiner Seide), gefasst mit goldenen Schnüren. Als die spätere Königin Victoria das Haus 1832 im Alter von 13 Jahren besuchte, schrieb sie in ihr Tagebuch: „Das Haus ist großartig“. Andere Autoren beschrieben das Landhaus als „so extravagant und opulent, wie es die jüngsten Polsterer und Dekorateure nur machen konnten.“ Ein Kritiker beschrieb es als „das protzigste Gebäude, das ich je gesehen habe“ und „ein wüster Haufen einer Mischung gotischer Elemente, die (...) ist ein Monument von Reichtum, Ignoranz und schlechtem Geschmack.“ Richard Grosvenor, 2. Marquess of Westminster, folgte seinem Vater 1845 nach und beauftragte den schottischen Architekten William Burn mit Veränderungen am Haus. Burn ließ die Mitte der Südfassade so aufstocken, dass sie wie ein Turm aussah, und ließ auch einige äußere, neugotische Details abwandeln. Der Architekturhistoriker Nikolaus Pevsner beschrieb dieses Haus als ein „spektakuläres, neugotisches Landhaus“.

Landhaus von Waterhouse mini|Die Gartenfassade des Landhauses von Waterhouse um 1880: Der Hauptblock liegt links, der Flügel für die Familie rechts und der Uhrenturm für die Kapelle zwischen beiden. mini|Eingangsfassade des Landhauses von Waterhouse um 1907 mit dem Hauptblock zur Rechten und der Kapelle zur Linken (Foto von John Steggall) Der 2. Marquess starb 1869 und sein Sohn, Hugh Lupus Grosvenor, anfangs 3. Marquess und ab 1874 1. Duke of Westminster, folgte ihm nach. Er beauftragte Alfred Waterhouse mit dem Entwurf eines neuen Landhauses. Erneut behielt man den Kern des alten Landhauses, aber Teile erhielten neue Fassaden und wurden umgestaltet, andere Teile vollkommen neu gebaut. Ein Privatflügel für die Familie wurde errichtet und mit dem Hauptteil des Landhauses durch einen Korridor verbunden. Waterhouse entwarf auch die Kapelle und das Uhrenhaus sowie die meisten Stallungen. Die Arbeiten begannen 1870, dauerten 12 Jahre und kosteten £ 803.000 (heute etwa entsprechend £ 74,22 Mio.). Die Bibliothek war 27 Meter lang, das Speisezimmer mit Vorzimmer 32 Meter und der achteckige Rittersaal war mit einer Orgel ausgestattet. Im Inneren malte Henry Stacy Marks ein Fries der Pilger von Canterbury für das Morgenzimmer, Gertrude Jekyll bemalte die Täfelung für den Salon und in weiteren Räumen hingen Gemälde von Thomas Gainsborough, George Stubbs und Joshua Reynolds. Pevsner schrieb, dass „es sich um einen außergewöhnlichen Ausdruck viktorianischer Originalität“ handelte, und fügte hinzu, dass „dieser wagnerianische Palast der ambitionierteste Ausdruck neugotischer Wohnarchitektur im ganzen Land“ sei. The Daily Telegraph beschrieb Eaton Hall als „eines der prinzlichsten und schönsten Landhäuser, die diese Inseln enthalten“.

In beiden Weltkriegen dienten Teile des Landhauses als Krankenhaus. 1943 zog das Britannia Royal Naval College von Dartmouth in das Landhaus, als das dortige College ausgebombt wurde. 1946 zog es nach Dartmouth zurück; danach diente das Landhaus bis zum Ende des ‚National Service‘ 1958 als Trainingszentrum für Offizierskadetten.

Landhaus von Dennys und heutiges Landhaus 1960 waren Reparatur- und Verschönerungsarbeiten an dem Landhaus notwendig und Braunfäule fand sich im Dachstuhl. 1969 beschloss Robert Grosvenor, 5. Duke of Westminster, den Hauptteil des von Waterhouse gestalteten Gebäudes und den Privatflügel abreißen zu lassen und den Uhrenturm, die Kapelle und die Stallungen zu erhalten. Der Duke beauftragte John Dennys, den Schwager seiner Gattin und Architekten, mit dem Bau eines neuen Gebäudes. Dennys hatte schon früher an Saighton Grange auf dem Anwesen von Eaton Hall gearbeitet. Die Absicht war, ein modernes, gut zu handhabendes Haus zu errichten. Das Resultat war ein rechteckiges Haus mit Flachdach, das mit weißem Travertin verkleidet war, wobei seine „weiße Farbe ein harter Kontrast zur Weichheit der Landschaft von Cheshire“ war. Der Bau des neuen Hauses begann 1971, dauerte weniger als 2½ Jahre und kostete £ 459.000 (heute etwa entsprechend £ 5,49 Mio.). Das Haus besaß an der Eingangsfront in der Mitte eine Vorfahrt. Das Haus war asymmetrisch gestaltet, hatte zwei Vollgeschosse und ein Kellergeschoss mit Swimmingpool. Über eine zweigeschossige Eingangshalle in der Mitte des Hauses waren die wichtigsten Räume erreichbar. Die Paraderäume lagen im 1. Obergeschoss. Ausgestaltet war das Haus mit Wandverkleidungen aus Seide und Fußböden aus Holzblocks.

Später war man dann der Meinung, dass das neue Landhaus nicht in seine Umgebung passte, und so entschloss man sich, sein Äußeres zu verändern. Damit wurde die Percy Thomas Partnership beauftragt. Die Neugestaltungsarbeiten begannen 1989, wurden 1991 beendet und sorgten dafür, dass das Landhaus von Dennys nun eher wie ein französisches Schloss aussieht. Das Ergebnis gefiel allerdings auch nicht besonders; 2011 wurde es im Pevsner Architectural Guides, Kapitel Cheshire, als „Château-Stil, (Waterhouse)-Eaton-Stil, aber auch Tesco-Stil“ beschrieben.

Nebengebäude mini|links|Kapelle von Eaton Hall von Süden Anschließend an das heutige Landhaus befinden sich die verbleibenden Gebäude, die von Waterhouse entworfen wurden. Nördlich davon liegt die Kapelle von Eaton Hall; sie ist zusammen mit ihrem Uhrenturm als historisches Bauwerke I. Grades gelistet. Die innere Ausgestaltung der Kapelle basiert auf dem Te Deum; sie besteht aus Buntglasfenstern und Steinmosaik und wurde von Frederic Shields entworfen. Unmittelbar nördlich der Kapelle liegen die Stallungen. Sie sind historische Gebäude II*. Grades. Die Stallungen sind aus Ziegeln, roten Steinen und Holz gebaut und die Dächer sind mit roten Ziegeln eingedeckt. Der Westflügel hat ein 1. Obergeschoss aus Holz und zwei Giebel sowie ein Torhaus mit Tourellen in der Mitte. Die Tourellen sind unten vieleckig, oben rund und haben konische Dächer. Auf beiden Seiten des Torhauses befinden sich zweistöckige Arkaden mit Giebeln darüber. Im Hof steht eine Statue eines Pferdes von Joseph Boehm, die als historisches Bauwerk II. Grades gilt. An der Südostecke der Stallungen liegt ein Postillionshaus aus dem Jahre 1873, das als historisches Gebäude II*. Grades gelistet ist. In einem Vorraum zwischen den Stallungen und der Kapelle befindet sich eine künstliche Grotte, die als historisches Bauwerk II. Grades gelistet ist. Um die Stallungen gibt es weitere Bauwerke, die als historische Bauwerke II. Grades gelistet sind. Nördlich davon liegt der Coachhouse Court, der aus einer Remise, einem überdachten Hof und einer Reitschule besteht. Diese Anlage wurde in den 1870er-Jahren für den 1. Duke entworfen. Weiter nördlich befinden sich die Bauernhäuser von Eaton Hall, vier aneinander gebaute Bauernhäuser, die etwa zur selben Zeit entstanden sind. Im Vorhof zwischen dem Coachhouse Court und den Bauernhäusern liegt eine Lodge mit Toren, Torsäulen und Schirmen. Nahe den Bauernhäusern befindet sich der ehemalige Lokschuppen der Eaton Hall Railway. Östlich der Stallungen ist ein kapellenartiges Jagdstreckenlagerhaus, auch aus den 1870er-Jahren.

Von 1896 bis 1947 wurde das Anwesen von der Eaton Hall Railway mit 381 mm Spurweite angefahren. Die Schmalspurlinie verlief vom Landhaus bis zum Depot in Balderton an der Eisenbahnlinie Chester-Wrexham. Ein Abzweig führte zum Cuckoo's Nest, wo eine Werkstatt war. Ein Teil der alten Eisenbahnstrecke wurde 1996 wieder eröffnet.

Anwesen mini|links|Eingangs-Lodge der Eaton Hall in Cheshire von William Henry Fox Talbot um 1845