mini|Eine Canon de 75 mm modèle 1897 mit dem Munitionswagen. Französische Artilleristen und schottische Offiziere während der Schlacht bei Armentières am 21. Oktober 1914. mini|Die Feldartillerie war nicht in der Lage, die rückwärtigen Stellungen zu bekämpfen. Die Franzosen legten sich daher moderne schwere Geschütze zu. Bei Kriegsende verfügten sie über 1500 bis 2000 Geschütze vom Modell Canon de 155 C modèle 1917 S, hier am 3. September 1918 im Einsatz bei Champien. mini|Eine französische 24-cm-Kanone G modèle 1876, montiert auf einer Mittelpivotlafette im Jahre 1915 auf der Halbinsel Gallipoli. Vier dieser Kanonen waren während der Schlacht von Gallipoli eingesetzt, um das asiatische Ufer zu beschießen. Sie wurden im Januar 1916 unbrauchbar gemacht und aufgegeben. Sie befinden sich heute noch in desolatem Zustand in ihren ehemaligen Stellungen auf Kap Helles. Die französische Artillerie im Ersten Weltkrieg spielte während dieses Konflikts eine tragende Rolle im französischen Heer. Wenn sie auch zu Beginn hauptsächlich mit leichtem Geschützmaterial zur Unterstützung der Infanterie ausgestattet war, so zwangen die Erstarrung der Front und der Übergang in den Stellungskrieg diese Waffengattung zu einer Wandlung und zur Übernahme einer führenden Rolle.
Stärke und Feuerkraft der Geschütze nahmen beträchtlich zu, das Kaliber der Kanonen wurde immer größer, während sich die Doktrin der Aufgabe den neuen Bedingungen des Kampfes anpasste: es ging jetzt auch um massive Vorbereitungen über mehrere Tage, permanentes Störfeuer, Sperrfeuer, Feuerzusammenfassung usw.
Es wurde daher die Entwicklung Hochleistungsartillerie notwendig, aber auch von Grabenartillerie, Flugabwehrartillerie, chemischer Artillerie, Spezialartillerie zum Einbau in Tanks, Panzerabwehrartillerie und zuletzt motorgetriebenen Selbstfahrlafetten.
Die französische Artillerie feuerte während des Krieges ungefähr dreihundert Millionen Granaten ab. Eine solche Entwicklung hatte einen beträchtlichen industriellen Aufwand erfordert.
Situation bei Kriegsbeginn Zu Beginn des Krieges galt die Artillerie als Hilfstruppe der Infanterie und unterstützte sie durch ihr Feuer. Die Infanterie galt als die „Königin des Schlachtfeldes“, außer im Falle einer Belagerung einer Festung. Die Bewaffnung, die Organisation und die Doktrin des Einsatzes der französischen Artillerie waren durch diese Prinzipien bestimmt, sie war daher im Wesentlichen nur eine leichte und bewegliche Artillerie. Trotz dieser Quasi-Unterordnung unter die Infanterie verfügte die Artillerie über hohes Ansehen. Sie war, zusammen mit den Pionieren, die Waffe mit den höchsten Ausbildungsansprüchen. 1913 konnten 70 % der Offiziere ein Diplom der École polytechnique vorweisen, dazu kam gegebenenfalls eine Spezialisierung auf der “École d’application de l’artillerie et du génie” in Fontainebleau.Marie-Christine Thooris, Claudine Billoux: École polytechnique – une grande école dans la Grande Guerre. Palaiseau, École polytechnique, 2004.
Die Uniform war traditionell dunkelblau mit scharlachroten Streifen an der langen Hose und der Reithose für die berittenen Artilleristen. Die Ausrüstung unterschied sich leicht zwischen den Mannschaften der Fußartillerie und der berittenen Artillerie. Erstere lehnte sich mehr an die Infanterie, letztere mehr an die Kavallerie an. Als Kopfbedeckung wurde generell ein Képi getragen. Lediglich die 11. und 12. Batterie des 13. RAC (Régiment d’artillerie de campagne – 13. Feldartillerieregiment) sowie das 25. und 32. RAC trugen zu Versuchszwecken einen Helm à la Bourguignotte modèle 1901, der aber im Oktober 1914 wieder verschwand.
Die persönliche Bewaffnung bestand für die Offiziere, Unteroffiziere und berittenen Mannschaften aus einem Säbel „Modèle 1822/1899“ und einem Revolver modèle 1892 8 mm. Alle anderen führten das Mousqueton d’artillerie modèle 1892 Berthier mit dem Säbelbajonett.
Geschützmaterial Die Geschütze wurden nach Kaliber in Klassen eingeteilt. Dabei wurde die Feldartillerie in Millimetern und die Küstenartillerie in Zentimetern gemessen.
Die Mortiers () waren Stücke mit einem sehr kurzen Rohr, die in einem hohen Winkel mit einer sehr niedrigen Mündungsgeschwindigkeit schossen. Sie wurden durch die Haubitzen abgelöst. Dazu kamen die Langrohrgeschütze (canons longs) mit hoher Mündungsgeschwindigkeit und großer Reichweite.
Modelle der Grundausstattung mini|Vorführung der neuen französischen Canon de 75 mm modèle 1897 vor Zar Nikolaus II. anlässlich der großen Manöver im Osten des Jahres 1901 Die Ausstattung der französischen Feldartillerie im Jahre 1914 bestand nahezu ausschließlich aus der Canon de 75 mm modèle 1897, von denen bei Kriegsbeginn 4986 Stück zur Verfügung standen – 3680 bei den Feldartillerieregimentern, 364 in den Forts und Festen Plätzen und der Rest in der Ausbildung und in der Reserve. Dies brachte in der Logistik große Vorteile.
Dazu kamen noch 128 Gebirgsgeschütze Canon de 65 mm de montagne modèle 1906 und eine nicht bekannte Anzahl an Canons de 75 mm modèle 1912 Schneider für die berittene Artillerie.
Die schwere Artillerie war 1914 nur schwach vorhanden, das betraf im Besonderen das Verhältnis zur schweren Artillerie der Deutschen. Es standen nur 84 Haubitzen Obusier de 120 mm C modèle 1890 (C für „court“), 126 weitere in der Reserve und 104 Obusiers de 155 mm CTR modèle 1904 (CTR für „court à tir rapide“ – kurz, Schnellfeuer), genannt „155 mm Rimailho“, zur Verfügung.
mini|Der Prototyp der ersten französischen Flugabwehrkanone 75 mm De Dion-Bouton modèle 1913 Die Belagerungsartillerie war dem Feldheer zugeteilt und verfügte über aktuelle Geschütze genauso wie über veraltete vom „Système de Bange“ auf Lafette SP („de siège et de place“): 60 Canons de 120 mm L modèle 1878 (L für „long“) und 24 Mortiers de 220 mm modèle 1880.
Die Festungsartillerie dieser Zeit wurde „artillerie de place“ genannt und stellte das Geschützmaterial für die Forts und Batterien des Système Séré de Rivières – speziell für den Festen Platz Verdun, den Festen Platz Toul, den Festen Platz Épinal und den Festen Platz Belfort. In den Festen Plätzen fanden sich allerdings auch moderne Geschütze wie 73 Geschütz-Doppeltürme Tourelle de 75 mm R modèle 1905 (R für „raccourci“ – gekürzt), von denen 67 Türme installiert und die restlichen noch eingelagert waren.La tourelle de 75 R 05. In: Fortiff’Séré. Dazu kamen 44 Zwischenraumstreichen Casemate de Bourges, jede mit zwei Kanonen 75 mm modèle 1897, auf Festungslafette bestückt.Les casemates dites de Bourges pour pièces de 95 et de 75. In: Fortiff’Séré. Weiterhin waren 700 Stück veraltete 80-mm-Feld-, -Festungs/Belagerungs- und -Gebirgsgeschütze der Modelle Canon de 80 modèle 1877 und Canon de 80 de montagne mle 1877 vorhanden.
Die meisten der Festungsgeschütze bestanden jedoch aus alten Stücken des „Systems de Bange“ – davon 3994 Canons de 90 mm modèle 1877, 1524 Canons Lahitolle de 95 mm, 2296 Canons de 120 mm L modèle 1878, 1392 Canons de 155 mm L modèle 1877, 331 Mortiers de 220 mm modèle 1880 und 32 Mortiers de 270 modèle 1885 bzw. Mortiers de 270 modèle 1889. Fünf Casemates de Bourges waren jede mit einer „Canon Lahitolle de 95 mm modèle 1888“ auf Küstenlafette armiert.
Dazu kam noch die Küstenartillerie zum Schutz der Marinehäfen im Mutterland und in den Kolonien. Das hier eingesetzte Kaliber lag zwischen 37 mm und 37 cm. Auch waren ein Dutzend der Kanonen vom Kaliber 75 mm eingesetzt. Die Flugabwehr bestand zunächst nur aus einem Geschütz als Prototyp auf einem Lastkraftwagen und acht weiteren, die im Jahre 1914 in der Fertigung waren. Für eine solche Verwendung wurden auch noch einige alte Kanonen der Typen „Canon Lahitolle de 95 mm modèle 1875“, „Canon de Bange de 90 modèle 1877“ und „Canon de Bange de 80 modèle 1877“ vorgehalten.
Beschreibung Die Canon de 75 mm modèle 1897 wurde 1897 eingeführt und war das modernste Geschütz seiner Zeit. Wie die anderen Geschütze seiner Generation bestand sein Rohr aus Stahl mit Zügen und Feldern. Es wurde einteilige Patronenmunition verwendet: Die Granate war wie bei einer Gewehrpatrone fest mit der Kartuschenhülse aus Messing verbunden; somit konnten beide zusammen in den Lauf geschoben werden, was die Feuerrate erhöhte: Verbesserung des Verschlusses: Im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Verschlüssen des Systems de Bange konnte der Verschluss mit einem Handgriff geöffnet und wieder geschlossen werden. Verwendung eines Wiederspannabzuges, der in der Ruhelage entspannt war und erst beim Abziehen automatisch gespannt wurde (verhinderte ein unbeabsichtigtes Abfeuern) Eine Lafette mit einem Erdsporn, der den Rücklauf des Geschützes aufhielt. Beim ersten Schuss grub sich dieser in den Boden ein und stabilisierte das Geschütz bei allen weiteren Schüssen zusätzlich. Der Sporn konnte noch zusätzlich eingegraben werden, um die Rohrerhöhung und damit die Reichweite des Geschützes zu vergrößern. Verwendung einer hydraulischen Rücklaufbremse Ursprünglich noch für den Pferdezug konzipiert, wurden für eine Feldartillerie-Batterie 168 Pferde benötigt, davon 36 Reitpferde und 132 Zugpferde. Eine Batterie berittener Artillerie benötigte 215 Pferde, davon 82 Reitpferde und 133 Zugpferde. Jede Batterie führte 22 Fahrzeuge, jede Kanone wurde von sechs Pferden gezogen.
Die Flugbahn der 75-mm-Kanone war sehr flach, wodurch es zum Ricochettieren und hinter einer Deckung zur Wirkung kommen konnte.Beim Schießen in einem sehr kleinen Winkel (weniger als 15°) detonierte die 24/31-Granate vom Typ 1899–1908, die bei den 75-mm-Geschossen verwendet wurde, mit einer Verzögerung von 0,05 Sekunden, was dem Projektil erlaubte, vom Boden abzuprallen und gleich darauf in sehr geringer Höhe zu detonieren.Règlement provisoire de manœuvre de l’artillerie de campagne. Hrsg.: Ministère de la Guerre. 1910 (aktualisiert am 1. Oktober 1913), Mark Imhaus & René Chapelot, Paris 1913, Art. 192, S. 88 (). Die Munitionsausstattung sah daher die Verwendung einer reduzierten Pulverladung vor, die eine viel stärker gekrümmte Schussbahn und dadurch kürzere Schussweite erlaubte (die durchschnittliche Kampfdistanz betrug 2500 m).Règlement provisoire de manœuvre de l’artillerie de campagne. Hrsg.: Ministère de la Guerre. 1910 (aktualisiert am 1. Oktober 1913), Mark Imhaus & René Chapelot, Paris 1913, Art. 191, S. 87 (). Die Kanoniere hatten mehrere Geschosse zur Auswahl: ein Schrapnell, eine Sprenggranate, eine Rauchgranate, eine Flugabwehrgranate mit Verzögerungszünder, eine Brandgranate, eine Leuchtgranate und eine Tränengasgranate.
+ Im August 1914 zugeteilte FeldgeschützeChalléat, 1935, Band 2, S. 17, 285, 532.Touzin/Vauvillier, 2009, S. 10, 13, 16–17, 19. Geschütz Gewicht in Feuerstellung Feuerrate Reichweite Geschossgewicht Canon de 65 mm de montagne (Gebirgsgeschütz) 400 kg 10 bis 15 Schuss/min 5,5 km Schrapnell: 4,4 kg, Sprenggranate: 3,8 kg Canon de 75 mm modèle 1897 1140 kg 12 bis 18 Schuss/min 6 bis 10 km Schrapnell modèle 1897: 7,2 kg Sprenggranate modèle 1900: 5,5 kg Canon de 75 mm modèle 1912 Schneider 960 kg 12 bis 18 Schuss/min 7,5 km Schrapnell: 7,2 kg, Sprenggranate: 5,5 kg Obusier de 120 mm C modèle 1890 1475 kg 2 Schuss/min 5,7 km Schrapnell: 19,2 kg, Sprenggranate: 18,7 kg Obusier de 155 mm CTR modèle 1904 3200 kg 5 bis 6 Schuss/min 6,3 km Schrapnell: 40,8 kg, Sprenggranate: 41,3 kg + Festungs- und BelagerungsgeschützeTouzin/Vauvillier, 2009, S. 26–27, 31, 33, 38–41. Geschütze Gewicht in Feuerstellung Feuerrate Schussentfernung Geschossgewicht Canon de 90 mm modèle 1877 1210 kg 1 bis 2 Schuss/min 6,8 km Schrapnell: 8,6 kg, Sprenggranate: 8 bis 8,4 kg Canon Lahitolle de 95 mm 1450 kg (C-Feldlafette) oder 1850 kg (SP-Festungslafette) 1 Schuss/min 6,4 km Schrapnell: 12,3 kg, Sprenggranate: 11 kg Canon de 120 mm L modèle 1878 2750 kg 1 Schuss/min 8,9 km Sprenggranate: 18,7 kg, Schrapnell: 19,2 kg Canon de 155 mm L modèle 1877 5800 kg 1 Schuss/min 9,6 km Schrapnell: 40,8 kg, Sprenggranate: 41 kg