Lost ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die von den Überlebenden eines Passagierflugzeugabsturzes und dessen Folgen auf einer Insel im Pazifik handelt. Lost ist als Mystery-Serie mit einer durchgängigen Handlung konzipiert. Die Spannung wird durch immer neue Enthüllungen – und daraus resultierende veränderte Betrachtungsweisen der Serie und einzelner Szenen – erzeugt, wobei verschiedene Aspekte der Handlung nach und nach miteinander in Verbindung gebracht und verknüpft werden.

Zu den erhaltenen Auszeichnungen gehören ein Golden Globe sowie acht Emmys, einer davon als Beste Dramaserie im Jahr 2005. Die Serie startete am 22. September 2004 auf dem US-amerikanischen Network ABC. Die letzte Staffel endete in den USA am 23. Mai 2010. Die Serie wurde auch im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt.

Showrunner der Serie, und somit Hauptverantwortliche für den Handlungsverlauf, waren Damon Lindelof und Carlton Cuse. Produziert wurde Lost von den ABC Studios, J. J. Abrams’ Produktionsfirma Bad Robot Productions und Grass Skirt Productions.

Geschichte und Produktion mini|hochkant|J. J. Abrams, einer der Schöpfer von Lost

Entstehung Die Entwicklung der Serie begann im Januar 2004, als Lloyd Braun, damaliger Chef von ABC, bei Spelling Television ein Script basierend auf den Konzepten von Herr der Fliegen, Cast Away und der Reality-Show Survivor in Auftrag gab. Zunächst schrieb der Autor Jeffrey Lieber eine Pilotepisode mit dem Titel Nowhere. Braun war mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden und kontaktierte J. J. Abrams, der ein neues Drehbuch verfassen sollte. Dieser willigte unter der Bedingung ein, übernatürliche Elemente einbauen zu dürfen. Gemeinsam mit Damon Lindelof entwickelte Abrams den Serienstil und die Figuren sowie die Serien-Mythologie und die Plot points. Da Darstellerauswahl und Drehbuchentwicklung für den Pilotfilm aufgrund des engen Zeitplans parallel erfolgten, konnten einzelne Rollenkonzepte gezielt auf die jeweiligen Darsteller zugeschnitten werden. Der unveröffentlichte Original Cut des Pilotfilms unterscheidet sich in einigen Szenen vom Final Cut.

Die Dreharbeiten zum Pilotfilm fanden am Mokulēʻia-Strand auf Oʻahu, der drittgrößten Insel Hawaiis, statt. Der Pilotfilm war die bis dahin teuerste US-amerikanische Fernsehproduktion von ABC. Zwischen 10 und 14 Millionen US-Dollar kosteten die ersten beiden Episoden. Allein das Verfrachten der Trümmer der Lockheed L-1011 TriStar auf die Insel kostete über eine Million Dollar.Ryan, Tim, „New series gives Hawaii 3 TV shows in production“, Honolulu Star-Bulletin, 17. Mai 2004. Wegen dieser hohen Kosten entließ der ABC-Hauptaktionär Disney das für den Bereich Entertainment verantwortliche Vorstandsmitglied Lloyd Braun, der die Serie genehmigt hatte. Am 22. September 2004 wurde die erste Episode auf ABC ausgestrahlt und konnte eine Zuschauerzahl von 18,6 Mio. verbuchen.

Verlauf und Hintergründe mini|Blick über Oʻahu, den Drehort der Serie mini|Strand im Norden Oʻahus, an dem die Überlebenden in der Serie ihr Lager errichteten

Lost wurde im 35-mm-Filmformat mit Hilfe von Panavision-Kameras gedreht. Drehort war größtenteils Oʻahu. Nach dem Pilotfilm wechselte man vom Mokulē'ia-Strand an andere abgelegene Strände der North Shore. Die Höhlenszenen in der ersten Staffel wurden in einem isolierten Raum in einem alten Lagerhaus von Xerox gefilmt. Einige Innenszenen wurden zudem im Hawaii-Filmstudio abgedreht. Für Szenen, die sich nicht auf der Insel abspielten, wurden verschiedene Schauplätze in und um Honolulu genutzt., eine ausführliche Übersicht über die Drehorte aller bisherigen Staffeln. Zugriff am 24. März 2008.

Schon von Produktionsbeginn an wurde großer Wert auf die Geheimhaltung der Mysterien in der Serie gelegt. So waren lediglich Lindelof, Cuse und Abrams in das übergeordnete Storykonzept der Serie eingeweiht.Spiegel Online: „Wir schreiben ‚Lost‘ für unsere Mütter“ vom 29. November 2006, abgerufen am 12. Januar 2008

Am 21. September 2005 begann die Erstausstrahlung der zweiten Staffel. Zwischen Staffel 2 und 3 wurde dann das Alternate Reality Game The Lost Experience durchgeführt, bei dem sich Fans aktiv beteiligen konnten.

Am 4. Oktober 2006 begann die Erstausstrahlung der dritten Staffel. In dieser Staffel änderte man das Ausstrahlungsschema – die Staffel wurde nun in zwei Blöcken ausgestrahlt. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Zeitspanne zwischen den einzelnen Episoden zu groß ist (mehr als eine Woche). Dieser Umstand in Staffel 2 wurde mehrmals von Seiten der Fans kritisiert. Die ersten sechs Episoden wurden nun am Stück ausgestrahlt, bevor man in die Winterpause ging. Die restlichen Episoden folgten dann im Frühjahr 2007, ohne größere Unterbrechungen zwischendurch. Im Lauf der dritten Staffel kam auch der große Einfluss der Fans auf Inhalte der Serie zum Vorschein. So wurden zwei der in dieser Staffel eingeführten Nebenfiguren, Nikki und Paulo, wegen Antipathien seitens der Fans aus der Serie gestrichen, bzw. sie mussten in der Serie sterben.– "Lost": Finally, some answers as the producers come clean, 13. April 2007, abgerufen am 16. März 2022, abgerufen am 12. Januar 2008.

Im Juni 2007 verkündeten die Verantwortlichen, dass drei weitere Staffeln von Lost geplant seien. Sie würden jedoch nur noch 16 Episoden beinhalten und jeweils Anfang des Jahres ohne größere Unterbrechungen ausgestrahlt werden. Damit kam ABC dem Wunsch der Produzenten nach, ein festes Ende der Serie zu beschließen, womit man die verbleibenden Handlungsstränge besser planen könne. 2010 sollte die Serie demnach enden. Das Ende sollte dabei die logische Konsequenz aus allen Staffeln sein.

Im August 2007 begann die Produktion der vierten Staffel. Durch den Autorenstreik der Writers Guild of America wurde sie im November 2007 unterbrochen. Bis dahin konnten 8 der geplanten 16 Episoden abgedreht werden. Trotzdem begann die Ausstrahlung der Staffel am 31. Januar 2008. Am 12. Februar 2008 ging der Streik offiziell zu Ende und die Produktion der restlichen Episoden konnte weitergehen. Wegen des Zeitmangels wurden jedoch nicht mehr alle ursprünglich geplanten Episoden gedreht. Statt der geplanten 16 musste die Staffel auf 13 Episoden reduziert werden, wobei die letzte Episode wieder die doppelte Länge einer regulären Episode aufwies.fictionBOX: „‚LOST‘: Zusätzliche Folge für Staffel 4 bestellt!“ Im Januar 2008 wurde zudem – nach The Lost Experience – ein weiteres Alternate Reality Game namens Find815, offizielle Promo-Webseite zum Start der vierten Staffel. Zugriff am 1. Januar 2008. durchgeführt, um die Zeit bis zum Start der vierten Staffel am 31. Januar zu überbrücken.

Die fünfte Staffel startete am 21. Januar 2009 auf ABC und umfasste 17 Episoden. Ab dem 2. Februar 2010 lief die finale, sechste Staffel auf ABC, welche am 23. Mai 2010 nach 18 Episoden endete.

Darsteller und Rollen Zu Beginn zählte der Hauptcast von Lost 14 Darsteller, womit er zu dieser Zeit zu den größten Casts im US-amerikanischen Prime-Time-Fernsehen zählte.

Die vermeintliche Hauptfigur Jack sollte ursprünglich von Michael Keaton gespielt werden und in der Pilotepisode sterben, woraufhin Kate die Rolle der Anführerin der Überlebenden übernommen hätte. Auf diese Weise wollten die Produzenten dem Zuschauer den Eindruck vermitteln, dass keine der Hauptfiguren sicher sei. Der Sender ABC beharrte jedoch darauf, die Zuschauer würden sich „betrogen“ fühlen, wenn die vermeintliche Hauptfigur mitten in der Geschichte ums Leben kommt. Aus diesem Grund wurde die Figur des Piloten erschaffen, der von Jack, Kate und Charlie im Cockpit gefunden und kurz darauf anstelle von Jack vom Monster der Insel getötet wird. Keaton lehnte daraufhin die Rolle des Jack ab – er wollte sich nicht auf Dauer für eine Serienrolle verpflichten. Schließlich bekam Matthew Fox die Rolle.

Die Rolle des Hurley wurde extra für Jorge Garcia erschaffen. Garcia war auch der erste Darsteller, der für die Serie verpflichtet wurde.Information von der DVD zur ersten Staffel von LOST. Ebenso wurde die Figur Sun speziell für Yoon-Jin Kim erschaffen. Ursprünglich sprach sie für die Rolle der Kate vor, doch die Produzenten fanden, dass sie nicht zu der Rolle passe, wollten sie aber unbedingt in der Serie haben. Daraufhin wurde die Figur Jin, gespielt von Daniel Dae Kim, als Suns Ehemann kreiert.

mini|links|hochkant|Evangeline Lilly spielt Kate Austen

Die Figur des Charlie war ursprünglich älter angelegt. So sollte er eigentlich ein abgehalfterter Rockstar mit einer längeren Karriere im Hintergrund sein. Den Produzenten gefiel jedoch die Leistung Dominic Monaghans so gut, dass sie die Rolle auf ihn zuschnitten. Kate, gespielt von Evangeline Lilly, sollte in der ursprünglichen Fassung ebenfalls deutlich älter sein. Auch war ihr Hintergrund ursprünglich ein anderer: So sollte sie eigentlich keine flüchtige Kriminelle sein, sondern eine frisch verheiratete Frau, die sich jedoch unsicher war, ob ihre Entscheidung für die Ehe die richtige gewesen war. Ihr Mann hätte sich im Heck des Flugzeugs befunden und wäre verschollen gewesen, weshalb die Suche nach ihm ein Teil von Kates Motivation ausgemacht hätte, während sie zugleich mit Jack oder Sawyer eine Beziehung begonnen hätte. Ein Teil dieser ursprünglichen Charakterisierung wurde in der fertigen Fassung stattdessen für die Nebenfigur Rose verwendet, wobei diese ihren Mann Bernard aufrichtig liebte.

Ian Somerhalder schied bereits während der ersten Staffel wieder aus, kehrte nach dem Tod seiner Rolle – Boone Carlyle – dennoch während der beiden folgenden Staffeln mehrfach für Gastauftritte (in Rückblenden bzw. Visionen) zurück. Malcolm David Kelley (Walt Lloyd) wiederum beschränkte sich zwischen der zweiten und vierten Staffel auf Gastauftritte.

mini|Adewale Akinnuoye-Agbaje spielt Mr. Eko

Zur zweiten Staffel im Jahr 2005 stießen Michelle Rodríguez, Cynthia Watros und Adewale Akinnuoye-Agbaje zum Hauptcast hinzu. Während der Dreharbeiten kam Michelle Rodríguez wegen Verkehrsdelikten mehrere Male mit dem Gesetz auf Hawaii in Konflikt. Im Dezember desselben Jahres wurde sie zusammen mit Cynthia Watros wegen Drogenmissbrauch am Steuer festgenommen. 2006 wurden die Rollen beider Schauspielerinnen aus der Serie gestrichen. Offiziell hatten die Probleme mit dem Gesetz nichts mit dem Rauswurf zu tun; es wird jedoch von einigen Seiten behauptet, das sei der Grund für die Kündigung gewesen, da ABCs Mutterkonzern Disney großen Wert auf ein sauberes Image lege. Während der Dreharbeiten zur dritten Staffel im Jahr 2007 kam auch Adewale Akinnuoye-Agbaje mit dem Gesetz in Konflikt, als er beim Autofahren ohne Führerschein erwischt wurde. Dafür musste er eine Nacht ins Gefängnis, bevor er gegen eine Kaution von 500 US-Dollar entlassen wurde., abgerufen am 12. Januar 2008 Wie schon ein Jahr zuvor bei Michelle Rodríguez und Cynthia Watros wurde einige Zeit später die von Akinnuoye-Agbaje verkörperte Rolle aus der Serie gestrichen, wobei dies laut Aussage aller Beteiligten von Anfang an so geplant gewesen sei.

In der Mitte der zweiten Staffel wurde zudem die ursprünglich nur für wenige Episoden konzipierte Figur Benjamin Linus, gespielt von Michael Emerson, eingeführt. Da die Produzenten von Emersons Darstellung so beeindruckt waren, bauten sie seine Rolle aus, so dass er von der dritten Staffel ab zu den Hauptdarstellern gehörte. Ebenfalls ab der dritten Staffel gehörten Henry Ian Cusick, der bereits in Staffel 2 eine Nebenrolle hatte, und Elizabeth Mitchell zu den Hauptdarstellern. Am Ende der dritten Staffel verließ Dominic Monaghan die Serie, absolvierte danach aber noch Gastauftritte.

In der vierten Staffel kamen drei neue Hauptdarsteller hinzu: Jeremy Davies, Ken Leung und Rebecca Mader. Zudem kehrte Harold Perrineau Jr., der am Ende von Staffel 2 die Serie verließ, für eine Staffel zurück. Hinzu kam außerdem noch Kevin Durand, welcher den Söldner Keamy verkörperte.