Die Seeschlacht an der Mündung des Nissan in das Kattegat bei Laholm vor der Küste von Halland (heute in Schweden) fand am 9. August 1062 zwischen der Flotte des Königs von Norwegen Harald Hardrade († 1066) und der Flotte des Königs von Dänemark Sven Estridsson († 1076) statt. Sie war eine Etappe in dem jahrelangen Ringen der beiden Könige um die Herrschaft über Dänemark, das auf der willkürlichen Auslegung von Erbansprüchen durch König Harald beruhte. In der Schlacht siegten überraschend die – zahlenmäßig weit unterlegenen – Norweger. Die Annahme Haralds, dass dabei König Sven gefallen und damit der Streit zu seinen Gunsten entschieden sei, erwies sich jedoch als Illusion, da König Sven überlebt hatte und heimlich vom wichtigsten Gefolgsmann Haralds, Jarl Hakon Ivarsson, gerettet worden war. Der Kampf um Dänemark ging daher bis 1064 weiter, wo sich die Könige schließlich einigten, auf gegenseitige Ansprüche zu verzichten und jeweils nur ihr eigenes Land zu regieren.
Quellen Ein Bericht über diese Schlacht findet sich einer Isländischen Saga, der Saga von König Harald Hardrade – einem Teil der Heimskringla,Hans-Jürgen Hube (Hrsg., Übersetzer und Kommentator), Snorri Sturluson: Heimskringla, Sagen der nordischen Könige. Matrix Verlag, 2006, ISBN 978-3-86539-084-4 (englisch) der um 1230 niedergeschriebenen Geschichte der norwegischen Könige des isländischen Staatsmannes, Historikers und Dichters Snorri Sturluson (* 1190, † 1241). Diese Darstellung ist nur bedingt als historische Quelle anzusehen, das sie auf mündlichen Überlieferungen beruht, die erst nahezu 200 Jahre später niedergeschrieben wurde. Als Quelle dienen vielfach überlieferte Gedichte von Skalden, die oft direkte Zeugen der Ereignisse waren, wobei Snorri Sturluson diese Gedichte mehrfach als Quelle zitiert und wohl auch als literarisches Mittel zur Erzeugung von Unmittelbarkeit und zur Dramatisierung der Erzählung einsetzt.
Die Feindschaft zwischen den Königen Harald und Sven und die folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen werden auch in der Geschichte des Erzbistums Hamburg des Adam von Bremen († 1081/85) erwähntAdam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. 2. Auflage. Drittes Buch. Übersetzt von J. C. M. Laurent. Dyk’sche Buchhandlung, Leipzig 1893, Kapitel 12 (Wikisource) in der jedoch die politische Situation und die Beziehung zwischen Harald und Sven anders – und ungenauer – als in der Saga von König Harald dargestellt wird, was verständlich ist, da das Erzbistum Hamburg weit von Norwegen entfernt ist und nur über mittelbare Informationen verfügte, während sich die Saga auf die direkte Überlieferung von Zeitzeugen stützen konnte.
Vorgeschichte mini|Treffen zwischen König Magnus I. und König Hardaknut, nach H. Egedius Die Wurzeln des Konfliktes gehen nach der Saga von König MagnusHeimskringla, Saga von König Magnus Kap. 6 auf eine Erbeinigung zurück, die um 1039 zwischen Hardeknut, König von Dänemark und König von England († 1042), und Magnus I. dem Guten, König von Norwegen († 1047), abgeschlossen worden war, wonach bei erbenlosem Ableben des Einen dem Anderen dessen Ländereien zufallen würden.Hans-Jürgen Hube, Snorri Surlusson: Heimskringla. Magnus der Gute, Kap. 6, S. 466 Zeitgenössische Quellen – etwa die Roskilde-Chronik – enthalten jedoch diesbezüglich keinen Hinweis.
Als König Hardeknut starb, konnte König Magnus jedoch nur das Königreich Dänemark übernehmen, nicht aber England, das an Eduard den Bekenner fiel. König Magnus I. regierte in der Folge über Norwegen und Dänemark, sah sich jedoch in Dänemark mit den Ansprüchen von Sven Estridsson konfrontiert, der Erbansprüche erhob. Dies, da er durch seine Mutter Estrid Svendsdatter – eine Schwester von Knut dem Großen, König des aus Dänemark, Norwegen und England bestehenden Nordseereiches († 1035) – ein Cousin von König Hardeknut war.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band II, Tafel 97 Darüber hinaus war bereits sein Vater Jarl Ulf Thorgilsson († ermordet 1026) für Knut den Großen 1024 Jarl und Regent von Schweden sowie Ziehvater von Hardaknut. König Magnus I. machte Sven 1042 zum Jarl und Regenten von Dänemark, vertrieb ihn aber 1046 aus Dänemark, nachdem dieser sich den Titel König von Dänemark angemaßt hatte.Magnus Magnusson, Hermann Pálsson: King Harald‘s Saga. Penguin Classics, reprint, Penguin Books, Harmondsworth Middlesex UK 1971, Kap. 18, Anmerkung 1
mini|Harald Hardrada, Darstellung auf einem Fenster in der Kathedrale von Kirkwall (Orkney) Im selben Jahr 1046 kam ein weiterer Prätendent ins Spiel, da Harald III., genannt „Hardrade“, nach jahrelanger Abwesenheit im Dienst der Kaiser des Byzantinischen Reiches als Kommandant der Warägergarde nach Norwegen zurückkehrte. Er war ein Onkel von König Magnus und mit diesem über seine Mutter Asta Gudbrandsdotter verwandt, die in ihrer ersten Ehe König Olav II. Haraldsson, genannt „der Heilige“, – den Vater von Magnus I. – und in zweiter Ehe Harald III. Sigurdsson, genannt „Hardrade“, gebar.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Neue Folge, Band II, Tafel 108 König Magnus arrangierte sich mit seinem Onkel, indem er ihn gegen Überlassung der Hälfte des erbeuteten Goldschatzes zum Mitkönig ernannte und ihm das halbe Königreich Norwegen überließ. Als König Magnus am 25. Oktober 1047 starb, folgte Harald auf ihn als alleiniger König von Norwegen.
Zum Problem wurde die Nachfolge in Dänemark, denn König Magnus I. hatte ihm testamentarisch nur Norwegen, nicht aber Dänemark hinterlassen, das er Sven Estridsson übertrug, der als König von Dänemark nachfolgte.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band II, Tafel 98 König Harald setzte sich darüber hinweg, da er sich als Universalerbe von König Magnus ansah, und beanspruchte daher auch die Nachfolge im Königreich Dänemark. Verstärkt wurde er in dieser Absicht wohl durch eine persönliche Feindschaft gegen Sven Estridsson. Diese ging auf die Zeit seiner Rückkehr aus Konstantinopel über Russland nach Schweden im Jahr 1046 zurück, wo er sich gegen seinen Neffen König Magnus I. mit dem dort im Exil befindlichen Sven Estridsson verbündet hatte, um Magnus Dänemark zu entreißen.Saga von König Harald, Kap. 20 Später kam es jedoch zwischen ihnen zum Streit und sogar zu einem Mordanschlag Svens gegen Harald,Saga von König Harald, Kap. 22 was diesen veranlasste, sich mit seinem Neffen König Magnus auszusöhnen.
Bereits unmittelbar nach dem Tod von König Magnus wollte Harald im Herbst 1047 in Dänemark einmarschieren, wurde jedoch von wichtigen mit König Magnus befreundeten Magnaten eingebremst, die darauf bestanden, dass zuerst der tote König ein würdiges Begräbnis erhalten müsse.Saga von König Harald, Kap. 29 In der Folge kam es zu mehrfachen gegenseitigen Überfällen und Scharmützeln zwischen norwegischen und dänischen Streifscharen, worauf der dänische König Harald Hardrade dazu aufforderte, die Frage der Herrschaft über Dänemark im folgenden Sommer durch eine Schlacht an der Grenze der beiden Länder – bei der Mündung des Göta-Flusses – zu entscheiden.
Als König Harald mit seiner Flotte und Ulf am vereinbarten Treffpunkt ankam, erfuhr er, dass Sven im Süden von Dänemark, bei Seeland, geblieben war. Da somit eine Entscheidungsschlacht nicht zu erwarten war, sandte Harald das Aufgebot der Bauern zurück und behielt nur die 150 Schiffe seiner Lehensleute bei sich und unternahm mit diesen Überfälle in Dänemark, wobei er unter anderem 1050 die berühmte Handelsstadt Haithabu niederbrennen ließ.Saga von König Harald, Kap. 34 mini|Lage der Insel Laeso im Kattegat Harald segelte darauf nach Skagen, zur Nordspitze Dänemarks, wurde aber dort von widrigen Winden aufgehalten und gezwungen, bei der Insel Laeso im nördlichen Kattegat Schutz zu suchen. Als sich am Morgen der Nebel hob, sahen die Norweger, dass sich eine große dänische Flotte näherte. Harald befahl den Aufbruch, worauf eine Wettfahrt zwischen den Flotten begann, bei der die Dänen zunehmend näher kamen, da die norwegischen Schiffe mit Beute schwer beladen waren. Harald befahl daher Ballast, dann Beutestücke und zuletzt dänische Gefangene ins Meer zu werfen, um die Boote zu erleichtern und um die Verfolger abzulenken, wodurch ihm die Flucht gelang.Saga von König Harald, Kap. 35
In der Folge gab es weitere gegenseitige Militärexpeditionen, wobei Harald die Gelegenheit benützte, um sich an Kalf Arnasson, dem Bruder seines Schwiegervaters Thorberg Arnasson, zu rächen, da dieser im Ruf stand, in der Schlacht von Stiklestad dem Halbbruder Haralds, König Olav II. dem Heiligen, den Todesstoß versetzt zu haben. Harald tat dies, indem er Kalf Arnasson ein Vorauskommando übertrug aber mit der Hauptmacht so lange zuwartete, bis diese Truppe geschlagen und Kalf Arnasson getötet war.Saga von König Harald, Kap. 52
Die Folge war, dass dessen Bruder, Finn Arnasson, ein einflussreicher Magnat und Gefolgsmann Haralds, dessen Dienst verließ und zu dessen Feind, König Sven Estridsson, überging, der ihn zum Jarl von Halland machte und mit der Abwehr norwegischer Angriffe betraute.Saga von König Harald, Kap. 53 mini|Limfjord in Dänemark Bei einer anderen Expedition nach Dänemark plünderte Harald mit einer kleinen Flotte erst in Jütland und dann im Limfjord, wurde dort jedoch von König Sven Estridsson mit einer großen Flotte überrascht, die den Ausgang des Fjords blockierte. Der Kampf war aussichtslos, der Fluchtweg blockiert, trotzdem fand Harald Hardrade einen Ausweg. Er fuhr mit seinen Schiffen zu der Stelle des Fjords, wo dieser nur durch eine schmale Landbrücke von der Nordsee getrennt ist. In der Nacht ließ er die Boote von den Besatzungen über die Landenge ziehen und entkam so seinen Verfolgern über das Meer.Saga von König Harald, Kap. 58
Vorbereitung der Schlacht Da sich eine entscheidende Konfrontation abzeichnete, gründete König Harald die Stadt Oslo als Stützpunkt für seine Aktionen gegen Dänemark, denn die Lage war günstig, um Überfälle auf dänisches Gebiet zu unternehmen, und es war einfach, die Truppen aus dem umgebenden Land mit Nachschub zu versorgen. Harald ließ sich darüber hinaus in Eyrar ein gewaltiges Langschiff bauen, wie das berühmte Schlachtschiff von König Olav I. Tryggvason († 1000), genannt die „Lange Schlange“, das als das größte und teuerste Schiff gegolten hatte, das je in Norwegen gebaut wurde.Magnus Magnusson, Hermann Pálsson: King Harald‘s Saga. Penguin Classics, reprint, Penguin Books, Harmondsworth Middlesex UK 1971, Anm. 1 zu Kap. 59 Haralds Drachenschiff hatte einen Drachenkopf am Bug und einen Drachenschwanz am Ende und übertraf die 34 Ruderbänke der „Langen Schlange“, indem er auf jeder Seite sogar 35 Ruderbänke einbauen ließ, das Schiff mit größter Sorgfalt einrichten und mit Gold verzieren ließ.
König Harald forderte daraufhin König Sven mit einer Botschaft heraus, sich im nächsten Frühjahr mit seiner Flotte an die Grenze der beiden Länder, zur Mündung des Gota-Flusses, zu begeben, um dort in einer Entscheidungsschlacht zu klären, wer in Norwegen und in Dänemark herrschen sollte.Saga Kap. 59 Zugleich erließ Harald im ganzen Land ein Aufgebot, um alle verfügbaren Truppen zu versammeln und ließ unter großer Anteilnahme der Bevölkerung sein neues Drachenschiff im Fluss Nidelva ins Wasser. Dieses Ereignis war so bedeutend, dass der zeitgenössische isländische Skalde und norwegische Hofdichter Thjodolf Arnarsson († 1066 in der Schlacht bei Stamford Bridge) dies in einem Gedicht festhielt, das Eingang in die Saga von König Harald fand:Saga von König Harald, Kap. 60Übersetzung nach Hans-Jürgen Hube (Hrsg., Übersetzer und Kommentator), Snorri Sturluson: Heimskringla, Sagen der nordischen Könige. Matrix Verlag, 2006, ISBN 978-3-86539-084-4, S. 534
Das lange Schiffszelt schaffte Harald nunmehr fort. Und aufs hohe Bord schauten Am Sonnabend die Stadtfrauen
Ein neues Schiff steuerte den Nid Entlang dem Meer zu. Darauf ein junger König. Und Die Ruder peitschten die Fluten … Viel Leid gibt’s ehe die Mannen Dem Land wieder zurudern