mini|hochkant=1.70|Stolpersteine in Cluny

Die Liste der Stolpersteine in der Region Bourgogne-Franche-Comté enthält die Stolpersteine in der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers.

Deportationen in Frankreich Ab 1. Juni 1942 wurden Juden auch in Frankreich gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Von August 1941 bis August 1944 bestand das Sammellager Drancy auf der Île-de-France, nordöstlich von Paris gelegen. Neun von zehn Juden, die während des Holocaust aus Frankreich deportiert wurden, waren zumindest einige Tage in Drancy interniert. Mindestens 76.134 Menschen jüdischer Herkunft aus Frankreich wurden im Rahmen des Holocaust vom deutschen NS-Regime ermordet. 75.611 wurden in die Vernichtungslager im Osten deportiert, davon überlebten nur 2.577. Die anderen wurden bereits in Frankreich erschossen, erschlagen oder auf andere Art und Weise in den Internierungslagern ums Leben gebracht.Die Berechnungen beruhen auf Beate Klarsfeld, Serge Klarsfeld: Le Memorial de la deportation des juifs de France. Paris 1978, hier zit. nach Juliane Wetzel: Frankreich und Belgien, in Wolfgang Benz (Hg.): Dimension des Völkermords, Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, dtv München 1996, ISBN 3-423-04690-2, S. 127.

Projekt „Matricule 35494“ Das Lycée La Prat’s in der Gemeinde Cluny startete im Herbst 2015 ein Bildungsprojekt zur Zeitgeschichte mit dem Titel „Matricule 35494“.Matricule () 35494 war die Häftlingsnummer von Marie-Louise Zimberlin. Unter Anleitung mehrerer Lehrer arbeiteten 40 Schüler und Schülerinnen an den Themen Deportation, Holocaust und Résistance. Sie besuchten Gedenkstätten und Museen, wie das Centre d'histoire de la Résistance et de la Déportation in Lyon, das Mémorial de la Shoah in Paris, die Maison d'Izieu oder das Gefängnis Montluc. Sie trafen Zeitzeugen und Historiker, darunter den Résistance-Kämpfer und Historiker Jean Nallit (geb. 1923) sowie Beate und Serge Klarsfeld, recherchierten die Lebensgeschichten der Familie Oferman-Rotbart aus Cluny und führten Interviews mit Überlebenden. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Marie-Louise Zimberlin (geb. 1889)Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939–1945, hrsg. Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Metropol Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-936411-75-1, S. 694, einer Lehrerin am Lycée La Prat’s in Cluny und Widerstandskämpferin, die am 15. Februar 1944 während des Unterrichts verhaftet und dann in die Konzentrationslager Ravensbrück und Buchenwald deportiert wurde. Sie wurde kurz vor dem Untergang des NS-Regimes von einem der Weißen Busse des Folke Bernadotte in Sicherheit gebracht, verstarb jedoch am 13. April 1945 an den Folgen der KZ-Haft auf der Heimreise bereits auf französischem Boden in Annemasse.Heroines of the Resistance: ’’Marie-Louise „Zim“ Zimberlin (-1945)’’, abgerufen am 15. März 2018clunisois.fr: ’’Hommage à M-L Zimberlin’’, abgerufen am 16. März 2018

Die Ergebnisse des Projekts wurden ab 27. Februar 2016 im Rahmen einer Semaine de l’Histoire et de la Mémoire der Öffentlichkeit vorgestellt und auf der Website Matricule 35494 dokumentiert.La «Zim», Matricule 35494 « Mémoire et responsabilités » (Präsentation des Lycée La Prat und der Stadt Cluny, 2016, pdf), abgerufen am 14. Mai 2018 Zum Abschluss der Gedenkwoche verlegte Gunter Demnig am 6. März 2016 fünf Stolpersteine vor dem letzten gemeinsamen Wohnsitz der Familie Oferman-Rotbart.Cinq «Stolpersteine» à Cluny, Cluny TV, 20. März 2016

Verlegte Stolpersteine Audincourt In Audincourt wurden zwei Stolpersteine verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben HIER WOHNTEARMIN KAINGENANNT ARMANDGEBOREN 1890VERHAFTET 1943INTERNIERTBESANCON, DRANCYDEPORTIERTERMORDET 12.12.1943AUSCHWITZ6 avenue Briand Audincourt , genannt Armand (1890–1943) HIER WOHNTEETHEL KAINGENANNT ADELAIDEGEB. GOTTLIEB 1899VERHAFTET 1943INTERNIERTBESANCON, DRANCYDEPORTIERTERMORDET 12.12.1943AUSCHWITZ6 avenue Briand Audincourt , genannt ADELAIDE, geborene Gottlieb (1899–1943)

Belfort In Belfort wurden zwei Stolpersteine verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben HIER WOHNTEJANINE BLUMGEBOREN 1927VERHAFTET 22.4.1944INTERNIERT RODEZ, DRANCYDEPORTIERT 1944AUSCHWITZ, BUCHENWALDBERGEN-BELSENBEFREITTHERESIENSTADT 13, faubourg de FranceBelfort (1927–2015)Collège BERTY ALBRECHT Sainte MAXIME: Janine Blum, déportée à Auschwitz Birkenau, abgerufen am 19. Mai 2025 HIER WOHNTEMADELEINE 'MADO'BLUMGEBOREN 1928VERHAFTET 22.4.1944INTERNIERT RODEZ, DRANCYDEPORTIERT 1944AUSCHWITZ, BUCHENWALDBERGEN-BELSENTOT 15.5.1945THERESIENSTADT 13, faubourg de FranceBelfort (1928–1945), genannt Mado

Chalon-sur-Saône In Chalon-sur-Saône wurde ein Stolperstein verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben HIER WOHNTEGEORGES BONJOURGEBOREN 1917VERHAFTET 13.1.1944INTERNIERT IN CHALON-SUR-SAONEROYALLIEUDEPORTIERT 1944MAUTHAUSEN, MELKEBENSEETODESMARSCHBEFREIT Rue DiderotChalon-sur-Saône (1917–2012)Le Journal de Saône et Loire: Rue Diderot, un pavé scellé pour se souvenir d’une victime du nazisme, abgerufen am 11. Juni 2023

Cluny In Cluny wurden bisher fünf Stolpersteine an einer Adresse verlegt. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEANNETTE OFERMANGEB. 1927VERSTECKTGERETTET 4 Rue Prud’honCluny , eigentlich Chana, wurde am 21. Februar 1927 in Puławy, Wojewodschaft Lublin, geboren. Ihre Eltern waren Jakob Oferman (geboren 1893, später Jacques genannt, siehe unten) und Glika Bajgelman, dessen erste Ehefrau. Annette hatte einen Bruder, Lejbus, später Léon genannt (geboren am 7. Februar 1922 in Puławy). Ihr Vater ging nach Paris. 1929 folgten Frau und Kinder. Als sich ihre Eltern trennten, blieb Annette bei ihrem Vater. Der Bruder hingegen blieb bei der Mutter. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ging sie mit ihrer Stiefmutter Fanny Rotbart (siehe unten) nach Septfonds, wo der Vater stationiert war. Im September 1940 kehrten die drei nach Paris zurück, doch die zunehmende Judenverfolgung durch die deutschen Besatzer machte das Leben zur Qual. Der Vater ging in die Freie Zone und wohnte dann in Cluny. Im Dezember 1941 wurde ihre Halbschwester Claudine Rotbart (siehe unten) geboren. Im Frühjahr 1942 konnten Annette, Fanny Rotbart und Claudine nach Cluny nachkommen. Dort lebte die Familie gemeinsam mit Joseph Rotbart, Fannys Bruder. Ab Oktober 1942 besuchte sie die Klosterschule von St Joseph des Récollets, wo die Schwestern wollten, dass sie konvertiere. Im Februar 1943 wurde Joseph Rotbart verhaftet, im Februar 1944 auch ihr Vater. Nach der Verhaftung von Fanny Rotbart kümmerte sich Annette Oferman um ihre Halbschwester und brachte sie in einer religiösen Einrichtung in Mâcon unter. Danach ging sie nach Paris. Im Frühjahr 1944 holte sie ihre Schwester und brachte sie im Château de Lamberval unter. Nach der Befreiung von Paris fand sie ihre Mutter Glika in Paris wieder. Diese hatte den Holocaust ebenfalls überlebt Bei den Befreiungsfeiern auf den Champs-Elysées traf sie Jean-Pierre Radiguet, einen Studenten aus Cluny, ihren späteren Ehemann.Louise Goujon: Portrait Annette Oferman, Projekt Matricule 35494, 21. Februar 2016, abgerufen am 7. Mai 2018 (mit einem Porträt)

Die drei Männer der Familie, Jacques und Léon Oferman sowie Joseph Rotbart, wurden alle in Konzentrationslager deportiert und vom NS-Regime ermordet. Fanny Rotbart konnte Auschwitz und Bergen-Belsen überleben. Annette Oferman wurde Kürschnerin, heiratete 1947 und lebte fortan in Paris. Im April 1980 übermittelte sie die Meldungen über die Ermordung von Vater und Bruder an Yad Vashem. In den frühen 2000er Jahren erkrankte sie und starb.120px HIER WOHNTEJACQUES OFERMANGEB. 1896VERHAFTET 27.2.1944DEPORTIERT 1944AUSCHWITZERMORDET 21.4.1945BERGEN-BELSEN 4 Rue Prud’honCluny wurde am 21. Juli 1896 als Jakob Oferman in Warschau geboren. Er hatte zehn Geschwister und wuchs in einer traditionellen jüdischen Familie auf. Er verließ die Schule früh und absolvierte dann eine Schneiderlehre. Am 3. Februar 1919 heiratete er Glika Bajgelman. Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter: Lejbus (geboren am 14. Februar 1922) und Chana (geboren am 21. Februar 1927), siehe oben als Annette. Beide Kinder wurden in Puławy in der Wojewodschaft Lublin geboren. Im Mai 1928 beschloss Jakob Oferman, nach Frankreich zu emigrieren, hauptsächlich wegen des antisemitischen Klimas in seinem Heimatland. Im März 1929 holte er seine Familie nach und sie bezogen eine Wohnung in Vincennes. Die Familie bemühte sich um volle Integration, auf Grund dessen wurde aus Jakob Jacques, aus Lejbus Léon und die Tochter nannte sich Annette.Jasmine Denogent: Portrait Jakob (Jacques) Oferman: Varsovie, Paris, Cluny, Auschwitz, Projekt Matricule 35494, 18. Februar 2016, abgerufen am 9. Mai 2018 (mit einem Porträt des Ermordeten) Jacques Oferman war an Literatur und Kunst interessiert, ging ins Theater und in die Oper. 1938 trennte sich das Ehepaar auf Grund der Untreue von Jacques. Die Tochter blieb beim Vater, der Sohn bei der Mutter. Ein Angestellter von Jacques Oferman brachte seine Tochter, Fanny Rotbart (siehe unten), bei ihm unter, beide wurden ein Paar. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trat er der Fremdenlegion bei und wurde in einer Kaserne im Tarn-et-Garonne stationiert. Fanny und seine Tochter Annette mieteten sich in der Nähe ein und er bekam regelmäßig Ausgang, um sie zu besuchen. Nach seiner Demobilisierung im September 1940 kehrte die Familie nach Paris zurück. Im Dezember 1941 wurde seine Tochter Claudine Rotbart (siehe unten) geboren. Jaques Oferman ging in die sogenannte Freie Zone, wurde verhaftet, durfte sich jedoch dann in Cluny niederlassen. Im Frühjahr 1942 konnten Annette, Fanny Rotbart und das Baby nach Cluny nachkommen. Dort lebte die Familie gemeinsam mit Joseph Rotbart, Fannys Bruder. Am 9. November 1942 wurde sein Sohn Léon in Paris verhaftet. Da er kommunistische Flugblätter bei sich hatte, wurde er zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Noch vor Ablauf der Strafe, am 2. September 1943, wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die Briefe von Jacques an seinen Sohn weisen auf bescheidene Lebensverhältnisse der Ofermans in Cluny hin. Im November 1942, nach der Invasion der Deutschen in der sogenannten Freien Zone, verschlechterten sich die Lebensbedingungen für Juden. Im Februar 1943 wurde Joseph Rotbart verhaftet, im Februar 1944 auch Jacques Oferman, vermutlich auf Grund einer Denunziation einer früheren Geliebten. Er wurde im Gefängnis Montluc in Lyon festgesetzt, wo er von den Schergen von Klaus Barbie verhört wurde. Am 21. März 1944 wurde er in das Sammellager Drancy überstellt. Dort traf er auf seine Lebensgefährtin und Freunde. Gemeinsam wurden sie am 27. März 1944 mit demselben Zug nach Auschwitz deportiert. Fanny Rotbart und Jaques Oferman sahen sich hier das letzte Mal. Nach der Ankunft wurden sie verschiedenen Arbeitskommandos zugewiesen, Jacques Oferman in das KZ-Außenlager Golleschau, wo er in einer Zementfabrik arbeiten musste. Er muss zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Konzentrationslager Bergen-Belsen überstellt worden sein. Am 15. April 1945 wurde er nach der Befreiung durch britischen Truppen von dort entlassen. Seine Rückkehr wurde in einer Zeitung angekündigt, doch Jaques Oferman starb wahrscheinlich geschwächt durch Typhus und die Haftbedingungen am 21. April in Bergen-Belsen. Es ist unbekannt, wo er begraben wurde.