Niebel ist ein OrtsteilAuflistung als Ortsteil von Treuenbrietzen im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 5. Mai 2026 der Stadt Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.
Geographische Lage und Gliederung Niebel liegt nordöstlich des Stadtzentrums. Im Norden befinden sich der Ortsteil Buchholz der Stadt Beelitz sowie der Treuenbrietzener Ortsteil Lühsdorf. Es folgen im Uhrzeigersinn der Ortsteil Kemnitz der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, der Ortsteil Niebelhorst, Felgentreu (zu Nuthe-Urstromtal), Bardenitz, das Stadtzentrum sowie der Ortsteil Schlalach der Gemeinde Mühlenfließ. Nördlich ist ein Waldgebiet, die Ramboldtheide; südlich befindet sich das Naturschutzgebiet Zarth. Die Gemarkung erstreckt sich im Wesentlichen östlich der Bundesstraße 2, die am westlichen Rand in Nord-Süd-Richtung durch den Ort verläuft. Von ihr geht in östlicher Richtung die Niebler Dorfstraße ab, die – abgesehen von einem nördlich parallel verlaufenden Landweg – die einzige nennenswerte Verbindung zu den Nachbargemeinden im Osten darstellt. Im östlichen Teil durchquert die Nieplitz, ein linker Nebenfluss der Nuthe, das Gebiet.Niebel, Brandenburgviewer, abgerufen am 20. April 2026. Etwa 200 Meter nördlich des Ortes befand sich eine kleine Befestigungsanlage in Form einer Schanze, auf die archäologische Befunde hinwiesen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 297)
Geschichte und Etymologie Etymologie 1345 wurde das Dorf als villam Nywal erstmals erwähnt. Die Bezeichnung ist eine Namensübertragung von niederländischen Siedlern, höchstwahrscheinlich von Nieuwaal in der Provinz Gelderland. Die Namen bezeichnen „tief gelegene Orte“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 124, ISBN 3-937233-17-2.. Weitere Nennungen finden sich im Landbuch Karls IV. im Jahr 1375 als Nywal, Nyewal, Nyewalt sowie Niewoll im Jahr 1580 und Niebel im Jahr 1775.
Besitzgeschichte Vor 1375 stand Niebel unter der Herrschaft des Markgrafen beziehungsweise des Kurfürsten, dem das Obergericht und der Wagendienst zustanden. 1450 und 1540 wurde der Ort unter der Vogtei beziehungsweise dem Amt Trebbin genannt.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 298) Im Jahr 1576 kaufte der brandenburgische Jurist Johann von Köppen den „Bürgern Treuenbrietzens“Informationstafel: Niebel und Niebelhorst, aufgestellt südlich der Dorfkirche, März 2018. das Dorf ab, doch er gelangte bereits nach nur drei Jahren wieder in den Besitz der Stadt. Diese errichtete noch im gleichen Jahr das östlich gelegene Vorwerk Niebelhorst. Im Jahr 1587 verkaufte die Stadt erneut die Gemarkung, dieses Mal für 4800 Taler an den Ritter Eustachius von Erxleben. Der Verkauf erwies sich jedoch als problematisch, denn von Erxleben übte das Kirchenpatronat nicht in der vorgeschriebenen Weise aus. Er bestellte sowohl Pfarrer in die Gemeinde, die mit der Pfarrkirche in Treuenbrietzen nicht in Verbindung standen oder verweigerte den Geistlichen den vereinbarten Zehnt. Ebenso kam es zu Streitigkeiten um die vertraglich zugesicherte Nutzung der Wiesen und Wälder.Niebels Herren im Streit mit Brietzen, Artikel von Ernst-Peter Rabenhorst, veröffentlicht in der Pischon’s Chronik, Webseite des Heimatvereins Treuenbrietzen, abgerufen am 4. März 2018. Im Jahr 1658 gelangte das Dorf im Zuge eines Konkurses an die Witwe von Erxleben und deren Tochter, die mit einem Mitglied der Familie Thiele verheiratet war. 1681 wurde Niebel dem Amt Saarmund zugeordnet, bei dem es bis 1826 verblieb. Danach gehörte der Ort bis etwa 1872 zum Amt Potsdam.
Frühgeschichte bis 15. Jahrhundert Über die Frühgeschichte des Ortes ist bislang nicht viel überliefert. Bei Ausgrabungen wurden Spuren slawischer Siedlungstätigkeit nachgewiesen. 1345 wurde Niebel als Dorf (villa) erwähnt und befand sich zu dieser Zeit im Pfandbesitz der Familie von Lindow. 1375 wurden zwölf Hufen gezählt, von denen der Lehnschulze drei Hufen besaß; außerdem bestanden fünf Kossätenstellen. 1450 wurden erneut zwölf Hufen nachgewiesen. 1472 wurde ein Gericht in Niebel genannt. 1481 lagen zwei Kossätenstellen wüst.
16. Jahrhundert Im Jahr 1541 gab es im Dorf keine Kirche. Das Dorf entrichtete dem Pfarrer zu Treuenbrietzen jährlich eine Abgabe von zehn Scheffeln Roggen aus zehn Hufen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 299) Im Jahr 1576 befand sich Niebel als kleines Dorf mitsamt Wiesen und vier zusätzlich zugekauften Bauerhufen im Besitz der Familie Köppen. Ausgenommen von diesem Besitz blieben die Burggüter, die Köppen zuvor von den Bürgern zu Treuenbrietzen erworben hatte. Die Kirche entstand im Jahr 1578.
17. Jahrhundert 1608 bestand in Niebel ein Rittersitz der Familie von Erxleben. 1624 wurden zehn Hufner, 2 ½ Kossätenstellen, ein Hirte, zwei Paar Hausleute sowie ein Hirtenknecht gezählt. Der Ort verfügte über insgesamt zwölf Hufen; ein Hof mit drei Hufen gab diese freiwillig ab, wie von Johann Köppen veranlasst. 1652 bestanden in Niebel ein Hufner und zwei Kossätenstellen; die Einwohnerzahl betrug zu dieser Zeit drei Personen. In den Jahren 1682 und 1683 wurden neun Mittelhufen verzeichnet, von denen eine Hufe wüst lag und zur adeligen Kollekte gerechnet wurde, ferner bestanden vier Kossätenhöfe, von denen zwei wüst waren.
18. Jahrhundert Im Jahr 1745 bestanden in Niebel neun Bauernstellen sowie vier Kossätenstellen; zudem bestanden ein Vorwerk und eine Windmühle. Im Jahr 1757 wurden neun Bauern gezählt, darunter der Schulze, die sämtlich Einhufner waren, außerdem drei Kossäten mit jeweils einer halben Hufe, ein Halbkossät, vier Büdner sowie drei Paar Hausleute. Das Amtsvorwerk umfasste 283 Morgen und 148 Quadratruten, davon 201 Morgen und 44 Quadratruten Ackerland mit Erträgen von zwei Wispeln und 16 Scheffeln Winter- und Sommerroggen, anderthalb Wispeln großer und kleiner Gerste sowie zehn Scheffeln Hafer zur Aussaat, ferner 78 Morgen und 139 Quadratruten Wiesenwuchs sowie drei Morgen und 145 Quadratruten Gartenland. Der Viehbestand setzte sich aus 26 Kühen, 13 Stück Güstvieh sowie 600 Schafen zusammen; außerdem bestanden Schweine- und Federviehzucht. Im Jahr 1763 wurden vier Neu- oder Kolonistenbauern auf einem eingegangenen Gut angesetzt. 1772 bestanden in Niebel zwölf Bauernstellen, 16 Kossätenstellen sowie eine Müllerstelle.
19. Jahrhundert 1801 bestand Niebel aus 13 Ganzbauern, drei Ganzkossäten, einem Halbkossäten, vier Büdnern und drei Einliegern. Zudem gab es eine Windmühle sowie einen Krug. Der Waldbestand umfasste 900 Morgen. Das Vorwerk war seit etwa 1763 abgebaut. Es wurden neun Bauerhufen und fünf Lehenhufen gezählt; insgesamt bestanden 32 Feuerstellen. Im Jahr 1837 wurde Niebel als Dorf bezeichnet; es bestanden 26 Wohnhäuser. 1858 war Niebel ein Dorf mit einer Abbaustelle, dem Chausseehaus. Es bestanden vier öffentliche Gebäude, 39 Wohngebäude sowie 121 Wirtschaftsgebäude. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich durch Kriege und Brände die Siedlungsform und aus der ursprünglichen Wallanlage wurde mit der Zeit ein Rundangerdorf. 1860 kam es erneut zu einem Großbrand, bei dem zahlreiche Höfe zerstört wurden. Nach dieser Katastrophe bauten die Einwohner den Ort als Straßendorf neu auf. 1895 rissen sie die baufällig gewordene Fachwerkkirche ab und errichteten 1896 im neogotischen Stil die Dorfkirche Niebel. 1925 gab es Überlegungen, Niebel und Niebelhorst nach Buchholz einzupfarren. Dies wurde nach Protesten der Kirchengemeinden jedoch nicht weiter verfolgt.Treuenbrietzen vor 85 Jahren, Artikel von Ernst-Peter Rabenhorst, veröffentlicht im II. Teil der Chronik der Stadt Treuenbrietzen, Webseite des Heimatvereins Treuenbrietzen, abgerufen am 4. März 2018.
20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1900 standen in Niebel 49 Häuser. 1931 gab es 47 Wohnhäuser mit insgesamt 55 Haushaltungen. 1939 wurden 15 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe von 20 bis 100 Hektar, 13 Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, 13 Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie vier Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar verzeichnet. Mit Wirkung zum 29. November 1929 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr.Ortsverein Niebel, Webseite der Freiwilligen Feuerwehr Treuenbrietzen, abgerufen am 4. März 2018. Sie errichteten 1936 ein Feuerwehrhaus östlich der Kirche.
1946 wurden im Zuge der Bodenreform insgesamt 20 Hektar enteignet, darunter 11,75 Hektar Ackerland, 7,75 Hektar Wiesen sowie 0,5 Hektar Wald. 1954 bestand in Niebel eine LPG vom Typ III, die 1955 15 Mitglieder und 133 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste. 1960 bestand eine LPG Typ III mit 56 Mitgliedern und 380 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Zudem wurde in diesem Zeitraum die LPG Typ I Niebelhorst angeschlossen. Daneben bestand eine LPG Typ I mit 50 Mitgliedern und 280 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, die 1969 ebenfalls an die LPG Typ III angeschlossen wurde. 1973 bestand in Niebel eine LPG.
2002 wurde der Ort nach Treuenbrietzen eingemeindet. 2012 errichtete die Freiwillige Feuerwehr auf ihrem Feuerwehrhaus eine Nisthilfe für Weißstörche.
Sehenswürdigkeiten Dorfkirche Niebel: Der Sakralbau aus dem Jahr 1896 wurde aus rötlichen Mauerstein errichtet. In seinem Innern steht unter anderem ein Schnitzaltar aus der Zeit um 1478/1480. Landschaftsschutzgebiet Nuthetal-Beelitzer Sander FFH-Gebiet Obere Nieplitz mehrere Eichenalleen, eine Binnendüne sowie Streuobstwiesen im Norden der Gemarkung
Wirtschaft, Bildung und Kultur, Infrastruktur Wirtschaft Im Ort existieren mehrere landwirtschaftliche Betriebe, darunter ein Gartenbaubetrieb. Im Sekundärsektor sind mehrere Handwerksbetriebe wie ein Trockenbauer, ein Malerbetrieb, ein Metallbauer, ein Unternehmen zur Dachbegrünung sowie eine Autoscheune aktiv. Ein Steuerberater bietet seine Dienstleistungen an. Im Ort existiert eine Tierarztpraxis.
Bildung und Kultur Das kulturelle Leben spielt sich rund um das Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz ab. Es wird durch einen Bolzplatz ergänzt, der sich östlich der Siedlung befindet. Ein Wanderweg führt von Norden kommend über die Binnendüne an der Kirche vorbei nach Niebelhorst. Der Verein Prima Klima – Klimaschutz durch Landschaftsschutz setzt sich beim Bau von Windkraftanlagen dafür ein, „Naturschutzbelange zu beachten und weniger Eignungsflächen auszuweisen“Thomas Wachs: Hunderte Einwände abgewogen. In: Märkische Allgemeine, 16. April 2013, abgerufen am 4. März 2018..
Sage vom Lindwurm auf dem Lindberg