mini|Wilhelm Mildenstein Ernst Wilhelm Louis Mildenstein (* 19. März 1870 in Burg auf Fehmarn; † 4. Oktober 1933 in Lübeck) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Hauptpastor der lübeckischen Lutherkirche.
Leben Herkunft Mildenstein entstammte einem Jahrhunderte alten Fehmaraner Bauerngeschlecht. Er war der jüngste Sohn Nicolaus Mildensteins (* 12. August 1823 in Burg; † 5. März 1900 ebenda) und dessen Ehefrau Anna Emerentia, geb. Mackerprang (* 8. Juni 1829 in Staberdorf; † 28. Februar 1916 in Lübeck). Sein Vater war Landmann, Kaufmann und Brennereibesitzer in Burg.
Margarethe, eine geborene Wisser und Witwe seines bereits 1894 in Burg verstorbenen Bruders, der Landmann und Ackerbürger gewesen war, zog danach als Privatière nach Lübeck. Seine verwitwete Mutter zog 1906 ebenfalls in die Hansestadt. Am 25. Februar 1919 wurde auch sie als außerordentliches Mitglied in die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit aufgenommen.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter. 61. Jahrgang, Nr. 9, Ausgabe vom 2. März 1919, S. 122. Eine solche Aufnahme stand bisher nur den Witwen von Mitgliedern zu. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise verließ Margarethe 1930 die Stadt und starb im gleichen Jahr in Burg.
Laufbahn Mildenstein besuchte zuerst das Katharineum zu Lübeck und dann das Detlevsengymnasium in Glückstadt. Nach bestandenem Abiturexamen genügte er seiner zweijährigen Militärdienstpflicht in der Infanterie der Preußischen Armee im Füsilier-Bataillon des Infanterie-Regiments „Herzog von Holstein“ (Holsteinisches) Nr. 85 in Kiel. Er studierte Evangelische Theologie an den Universitäten Kiel, Berlin, Tübingen und Göttingen. Während seines Studiums in Kiel wurde er 1892 Mitglied der Burschenschaft der Krusenrotter.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 329. Ostern 1898 bestand er das Theologische Amtsexamen in Kiel.
Nach einer kurzen Tätigkeit als Hauslehrer erwählte ihn die Gemeinde Blekendorf bei Lütjenburg zu ihrem Pastor. Viereinhalb Jahre später ernannte ihn die Gemeinde Sülfeld bei Oldesloe zu ihrem Ersten Geistlichen. Mit diesem Amt war die Ortsschulinspektion über die Dörfer Sülfeld, Seth, Oering, Nahe, Itzstedt und Tönningstedt mit 12 Lehrkräften verbunden. Später kam noch die Kreisschulinspektion eines Teiles des Kreises Segeberg hinzu.
8 ½ Jahre darauf wurde Mildenstein am 30. Juni 1912 zum dritten Geistlichen der Lübecker St.-Lorenz-Kirchengemeinde erwählt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter. 54. Jahrgang, Nr. 28, Ausgabe vom 7. Juni 1912, S. 418. Als diesem wurde ihm zunächst der neu gegründete dritte Seelsorgerbezirk der Gemeinde zugewiesen und die Aufgabe, sich dort eine eigene Gemeinde zu schaffen, übertragen. Neben der großen Kirchengemeinde von St. Lorenz war bereits 1896 die St.-Matthäi-Kirchengemeinde gebildet worden. Die Gottesdienste des Bezirks sollten in der seit 1950 geschlossenen Gaststätte Roter Löwe, Moislinger Allee 142, abgehalten werden. Am 8. Oktober 1912, Erntedankfest, wurde er in sein Amt an der St.-Lorenz-Kirche eingeführt.
mini|Neuer Gemeindesaal St. Lorenz Süd Am 22. April 1913 wurde auf Beschluss des Kirchenrats und der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lübeck dem Vorstand der St.-Lorenz-Kirchengemeinde die Ausschreibung eines Wettbewerbs zum Bau eines Gemeindesaales nebst Pastoratsgebäudes für den 3. Geistlichen der Kirche auf dem vom Staat überlassenen Grundstück Moislinger Allee 96 bewilligt. Das Preisgericht bestand aus Geheimen Baurat Horsfeldt (Berlin), dem Baudirektor Johannes Baltzer, Baurat Carl Mühlenpfordt, Philip Paulig (Vorsitzender des Gemeindevorstands) und Mildenstein. Es erwählte am 2. August 1913 den Entwurf der Firma Glogner & Vermehren. Kirchenrat und Synode beschlossen daraufhin am 30. Oktober 1913 und 22. Mai 1914 eine Gesamtsumme in Höhe von 50.000 Mark hierfür bereitzustellen.
Auf der Versammlung der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit am 9. Dezember 1913 wurde Mildenstein an Stelle des ausscheidenden Hauptpastors der St.-Lorenz-Gemeinde, Johannes Bernhard, zum Vorsteher der 3. Kleinkinder-Schule gewählt.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter. 55. Jahrgang, Nr. 50, Ausgabe vom 14. Dezember 1913, S. 814.
Kurz nach dem Ausbruch des Weltkrieges weihte der lübeckische Senior Johannes Becker am 18. Oktober 1914 den Gemeindesaal ein und übergab ihn somit seiner Nutzung zu regelmäßigen Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht und sonstigen Veranstaltungen. Der Platz vor dem Saal wurde erst 1935 mit der bereits 1914 ins Auge gefassten Kirche, die von derselben Firma entworfen werden sollte, bebaut.Einweihung des Gemeindesaals St. Lorenz Süd. In: Von Lübecks Türmen; 24. Jg., Nr. 41, Ausgabe vom 10. Oktober 1914, S. 327. Die Architekten, die an der Ausschreibung teilgenommen hatten, sollten mit ihren Plänen für den Gemeindesaal auch schon Pläne für die geplante Kirche einreichen. Der Krieg, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise behinderten deren Ausführung.
Zu jenem Zeitpunkt war die geplante Ablösung von der Muttergemeinde und die Verselbständigung des südlichen Teils mit dem Namen „Luthergemeinde“ in die Wege geleitet worden. Der erste Kindergottesdienst fand am 1. November statt, am 22. wurde der Kirchenvorstand mit Bernhard DrägerAm 16. Januar 1928 hielt Mildenstein in der Marienkirche den Trauergottesdienst für Bernhard Dräger ab (Drägerheft 394, S. 2).Heinrich Drägers Schwester Anna malte 1931 das 1981 als Geschenk Heinrich Drägers in die Sammlung des Museums Behnhaus gekommene Porträt Mildensteins. (Wulf Schadendorf (Red.): Anna Dräger-Mühlenpfordt - Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik 1908–1980. Museum für Kunst und Kulturgeschichte Lübeck, Städtisches Museum Braunschweig (Hrsg.), Lübeck, Braunschweig 1984, ISBN 3-9800517-5-7, S. 31 Nr. 2) (Drägerwerk) als Vorsitzenden gewählt und am 29. November 1914 war die Luthergemeinde offiziell gegründet. Das erste Gemeindeblatt erschien am 1. Januar 1915.
Als Christian Reuter, Direktor des Katharineums, zu Beginn des Sturmangriffs auf SoissonsHolger Ritter: Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr. 163; Leuchtfeuer Verlag, Hamburg 1926, S. 57–60, Band 184 des preuß. Anteils der Erinnerungsblätter. fiel, übernahm Mildenstein den Vorsitz in dem von Reuter am 13. Januar 1906 gegründeten und seitdem geleiteten Verein ehemaliger 85er für Lübeck und Umgegend.
Ebenfalls war Mildenstein Pastor des Lazaretts „Flora“Die Flora war ein Konzerthaus an der Ecke von der Linden und Nebenhofstraße und wurde beim Luftangriff 1942 zerstört. und der Ersatz-Kompanie „Moislinger Baum“, Vorsitzender der kirchlichen ArmenpflegeDa nach dem Krieg die Mittel zur Bekämpfung des Hungers in der Gemeinde nicht ausreichten, organisierte Mildenstein für sie Lebensmittelspenden aus Schweden und der Insel Fehmarn. seiner Gemeinde, Waisenrat des 13.000-Seelen-Bezirks 5, Vorsitzender der Säuglingskrippe „St. Lorenz Süd“, des Jugendvereins „Jung-Siegfried“, Vorstandsmitglied im Kinderhort und der Bibelgesellschaft, Mitarbeiter der Lazarettzeitschrift, Mitglied des Kirchentages sowie Gründer des Jugendskorps „St. Lorenz“.
mini|Ansprache Pastor Mildensteins zur Fahnenweihe mini|Vereinsfront Sämtliche Vereine des Landeskriegerverbandes folgten am Nachmittag des 17. Januar 1915 vom Markt aus der Schutzmannkapelle auf den Hof der Alten Kaserne zur Fahnenweihe der Jungwehr. Unter Führung des Polizeimajors Moritz Grünweller hatten dort links und rechts eines Rednerpultes die Jugendkompanien Aufstellung genommen. Die Jugendwehr, die sich in Lübeck wie im ganzen deutschen Reich gleich nach Ausbruch des Krieges bildete, diente als eine freiwillige Organisation unter der Führung alter Militärs und tatkräftiger Männer der militärischen Vorbildung der Jugend. Hinter der Rednerkanzel sammelten sich die Landeskriegervereine mit ihren Fahnen, der Ehrenvorsitzende des Verbandes Heinrich Kühne, der Vorsitzende Druckereibesitzer und Verleger des Lübecker Verbandes Julius Heise, der stellvertretende Oberst v. Kuenheim, Bürgermeister Johann Hermann Eschenburg, Senats- und Bürgerschaftsmitglieder, andere Ehrengäste und eine große Menschenmenge. Die feierliche Übergabe der vom Landeskriegerverband gestifteten Fahne begann mit dem Niederländischen Dankgebet, bevor Wilhelm Mildenstein das Pult bestieg und eine von den Befreiungskriegen von 1813 über den Deutsch-Französischen Krieg in den derzeitigen Krieg reichende Rede hielt. Nach einem Choral überbrachte Julius Heise die Grüße des Landeskriegerverbandes, hieß die Mitglieder der Jugendwehr als jüngste Kameraden und brachte ein begeistert aufgenommenes „Hoch“ auf den Kaiser aus. Die Kaiserhymne wurde gesungen. Der stellvertretende Oberst übergab hierauf den zu Fahnenträgern erkorenen Vorgetretenen die in lübschen Farben gehaltene einen Adler tragende Fahne. Diese dankten mit dem Gelöbnis, dass sie allen Mitgliedern ein Ansporn zu treuester Pflichterfüllung werden solle. Nachdem der Landeskriegerverband in Person des Schriftführers, Malermeister Wilhelm Siems, und das dem Pfadfinderbund angegliedertem Pfadfinderkorps in Person des Hauptfeldmeisters, Lehrer Wilhelm Groth, mit je einem Fahnennagel die Fahne schmückten, endete die Zeremonie mit dem Absingen des Deutschlandliedes. Nach dem Abschreiten der Front der Vereine durch den Bürgermeister, Oberst sowie Polizeimajor zogen unter den Klängen der Schutzmannschaftskapelle der Landeskriegerverband sowie sämtliche Kompanien der Jugendwehr zum Markt. Dort konzertierte die Kapelle während für die Kriegsgefangenen Lübecker gesammelt wurde.Fahnenweihe der Jugendwehr, Jahrgang 1914/15, Nr. 17, Ausgabe vom 24. Januar 1915, S. 71.
Auf dem Herrenabend am 15. Juni 1915 hielt Mildenstein einen Vortrag über seine Fahrt nach Flandern. Zusammen dem Professor Hugo Gilbert und dem Drucker Max Schmidt hatte er dem dort in der 46. Reserve-Division kämpfenden Lübecker KinderregimentDer Schriftsteller Werner Beumelburg sollte später den Begriff der Kinderregimenter prägen. In seinen Büchern bezeichnete er die aus unerfahrenen Kriegsfreiwilligen bestehenden in Flandern eingesetzten neuen Regimenter, zu deren Mannschaften er seinerzeit auch gehört hatte, aufgrund des Alters ihrer Soldaten als Kinderregimenter.Siehe in diesem Zusammenhang auch den Gedenkstein des Kriegsfreiwilligen „Paul Burmeister“. Liebesgaben überbracht. Das Regiment war während des Krieges als zweites Lübecker Regiment, es bestand zu über 75 % aus Kriegsfreiwilligen und Reservisten und trug die Nr. 215, formiert worden. Neben dem Besuch handelte der Vortrag von der Abfahrt in Hamburg, den Aufenthalten in Düsseldorf und Bonn, sowie den Besuchen von Brüssel und Oostende.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter. 57. Jahrgang, Nr. 25, Ausgabe vom 22. Juni 1915, S. 365.